Zeitungen darben, Facebook boomt: Werbe-Dollars wandern von Print in Richtung Mobile

mit paywall auf dem weg zur leserfinanzierten zeitungZwei Headlines, eher zufällig vom selben Tag, aber durchaus nicht ohne Zusammenhang: „Print Newspapers are dying faster than you think“ ,titelt heute Vox. Der Guardian wiederum schlagzeilt: „Facebook’s profits soar as it continues to swallow online advertising market“. Alte Regeln scheinen im Anzeigengeschäft längst nicht mehr zu gelten — das früher mal gewohnte Auf- und Ab entlang der Konjunkturzyklen hat sich seit den Nuller Jahren für viele Print-Blätter in ein ständiges Abwärts entwickelt. Trotz konjunktureller Erholung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise: „Instead, over the past six years, the opposite has happended: Newspaper advertising revenues have continued to deteriorate even as the economy booms.“

Vox verweist auf eine interessante Statistik in Sachen Aufmerksamkeits-Ökonomie: nur noch vier Prozent der dem Medienkonsum gewidmeten Zeit verbringen die US-Amerikaner mit einer gedruckten Tageszeitung, 22 Prozent ihrer Zeit dagegen vor den mobilen Screens von Smartphone und Tablet. Allerdings hat Print immer noch einen Anteil von 16 Prozent an den Werbeausgaben, das mobile Internet dagegen nur 12 Prozent. Fazit: „This situation can’t last.“

Ein guter Indikator für die Umschichtung der Werbeetats ist Facebook: es strömt spürbar mehr Geld in Richtung Mobiles Web, und der Social Media Gigant sichert sich selbst einen immer größeren Anteil am Online-Werbekuchen. Besonderer Umsatztreiber war zuletzt der US-Wahlkampf: Alleine im dritten Quartal 2016 haben sich laut Guardian Facebooks Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, von zuvor 896 Millionen Dollar auf 2,38 Milliarden Dollar. 84 Prozent der Anzeigen wurden via Smartphone ausgeliefert, gegenüber 78 Prozent im Vorjahr.

Die darbenden Print-Blätter reagieren auf diese Entwicklung wie schon bisher: mit Sparrunden und Einschnitten beim Personal. In den letzten Wochen, so der Guardian, hätten die Verlagsgruppen von Daily Mail, NYT und WSJ weitere Entlassungen angekündigt — und der Guardian selbst auch.

Abb.: NS Newsflash/Flickr (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".