Konkurrenz für Tolino Select: Mit WeBook startet Weltbild ein eigenes kuratiertes E-Lese-Abo

webook-abo-weltbildLange nichts mehr gehört von Weltbild? Jetzt gibt’s mal wieder Neuigkeiten — mit dem „WeBook-Abo“ startet die Buchhandelskette ihr eigenes E-Book-Abo. Eine „Flatrate“ bietet das Programm mit Romanen aus den Genres Romance, Krimi und Unterhaltungsliteratur aber nicht, sondern — ähnlich wie „Tolino Select“, das auch via Weltbild beworben wird — eine handverlesene Auswahlliste von zehn Titeln pro Monat, aus denen der Subskribent zwei E-Books auwählen darf. Kostenpunkt: 6,90 ab dem zweiten Monat.

„Schnell und unkompliziert das Richtige finden“

Zum Vergleich: Tolino Select bietet monatlich vier E-Books aus einer Liste von 40 Titeln für 9,90 Euro. Das begrenztere, aber auch günstigere WeBook-Abo richtet sich laut Weltbild-Chef Christian Sailer an „alle, die schnell und unkompliziert das Richtige finden möchen“. Denn man wisse, was die eigenen Kunden lieben, und habe auf dieser Basis „Vorschlagslisten für ihre Bedürfnisse“ zusammengestellt. Das neue Abo sei auch als Instrument für die Kundenbindung zu verstehen.

Lektüre via Tolino-Reader oder Smartphone-App

Für den August hat das Weltbild-Team Lesestoff ausgewählt, der von den Weltbild Kunden besonders geschätzt wird, etwa „Clarissa – Im Herzen der Wildnis“ von Christopher Ross oder „Tödliche Puzzles“ von Graeme Hague. Lesen kann man die E-Books nicht nur via (Tolino-)Reader, sondern auch auf Smartphone oder Tablet via Tolino-App. Auf die ausgewählten Bücher kann man während der gesamten Abolaufzeit zugreifen, sie werden in der Reader- bzw. App-Bibliothek gesammelt. Nach zehn Monaten hat man also 20 Titel aus dem Programm in der Sammlung.

Kündigt man das WeBook-Abo — was binnen Monatsfrist möglich ist — geht der Zugang dann allerdings verloren. Abgerechnet wird nach Kalendermonaten, egal wann man einsteigt beginnt also die zahlungspflichtige Periode mit dem ersten Tag des folgenden Monats.

WeBookAbo Titelliste im August

Graeme Hague, Tödliches Puzzle
Anne McCullagh Rennie, Weites Land der Träume –
Christopher Ross , Clarissa – Im Herzen der Wildnis-
Jack du Brul, Brennende Wellen-
Sina Beerwald, Hypnose-
Maaja Pauska, Die schlafende Königin-
Evelyn Rheingold, Der Leitwolf-
Lynn Kurland, Mein zauberhafter Ritter-
Vera V., Colours of Sex – Entfesselt-
Jurenka Jurk, Verliebt bis in die Haarspitzen

Bücher.de vom eigenen Erfolg überrascht: Umsatz stabil bei 56 Mio. Euro

buecher-de-vom-erfolg-ueberraschtUnd dann war da noch: Bücher.de. Richtig, die gibt’s ja auch noch (nicht zu verwechseln mit buch.de, siehe unten). Als nach der Weltbild-Pleite das große Aufräumen in der Branche begonnen hatte, landete das Portal zu 100 Prozent bei Weltbild. Durch die Trennung von Hugendubel, das online nun neben dem eigenen Portal auf ebook.de setzt, war für 2016 eigentlich ein Rückgang um zehn Prozent erwartet worden, nun bescherte der allgemeine Online-Boom aber auch Bücher.de ein ganz leichtes Umsatz-Plus von 0,2 Prozent.

Bessere Usability und Präsenz bei ebay & Co.

Das Unternehmen selbst führt den Erfolg auf diverse Faktoren zurück, darunter verbesserte Usability der Shop-Plattform insbesondere für mobile Endgeräte, die Integration in reicheweitenstarke Marktplätze von ebay über rakuten bis zu Amazon (!), effizientere Arbeit im Affiliate-, SEO- und Social Media-Bereich, aber auch den Sortimentsausbau im Buch- („Modernes Antiquariat“) wie Non-Book-Bereich („Games“, „Elektronik“, „Deko&Wohnen“). Schön für die Konzernmutter Weltbild — denn geht es Bücher.de gut, kann die Webpräsenz zur Querfinanzierung via Darlehen genutzt werden.

Und was macht eigentlich Buch.de?

Ach ja, und was mach der Namensvetter Buch.de? Die inzwischen vollständig zu Thalia gehörende Plattform weist seit 2013 keine eigenen Umsätze mehr aus, zuletzt befanden sich die Einnahmen stark im Sinkflug, möglicherweise bewegen sie sich mittlerweile auf dem Niveau von Bücher.de. Aber bemerkenswerterweise existieren beide Plattformen auch weiterhin — die Geschichte von buch.de reicht sogar zurück bis 1998, die von Bücher.de bis 1999. Beides sozusagen lebende Fossilien der frühen Online-Phase des deutschen Buchhandels.

(via excitingcommerce.de)

Weltbild auf Konsolidierungskurs – dank E-Books, Mobile Commerce (und nicht zuletzt Non-Books)

weltbild-auf-konsolidierungskursDer Riese wankt, aber er fällt nicht: Weltbild ist auf Konsolidierungs-Kurs — und verzeichnet im Geschäftsjahr 2016/2017 (endete am 30. Juni) ein „deutliches Umsatzwachstum weit über dem Branchendurchschnitt“. Wie früher bei Thalia (dort jetzt ja „Omnichannel“) heißt das Erfolgsrezept: Multi-Channel. Zu den Umsatztreibern gehörte zuletzt auch der Tolino-Reader, der Absatz stieg zwischen April und Juni nochmal um rund 30 Prozent, meldet das Unternehmen in seiner Bilanz-Pressemitteilung. Einen wichtigen Beitrag bei Print leisteten zudem die exklusiven Weltbild-Buchausgaben. Das Bild komplettieren neben erfolgreichem Musik & DVD-Verkauf allerdings vermehrt auch Non-Books — speziell aus der „Home&Living“-Sparte.

Neue Kooperationen, Mobile Commerce

Wie umtriebig das seit Mitte 2017 komplett zur Droege Group gehörende Unternehmen beim Ausbau der eigenen Plattform ist, zeigen Kooperationen mit Partnern wie dem Ravensburger Spieleverlag, dem Portal Schlager.de wie auch dem Pflanzen-Versandhändler Dominik. Immer wichtiger im Digital-Geschäft wird für Weltbild dabei das Shopping via Smartphone und Tablet: mit Mobile Commerce werden mittlerweile mehr als 50 Prozent der Online-Umsätze erzielt, zum Beispiel mit E-Books und digitalen Audiobooks.

Offline-Offensive mit Pop-up-Stores

Offline betreibt Weltbild noch knapp 150 Filialen, und testet vorsichtig neue Standorte: in Augsburg, Göttingen und Plauen gingen temporäre Pop-Up-Stores an den Start, weitere sollen folgen. Der frühere Branchen-Primus bezeichnet sich heute etwas bescheidener als „einer der größten Multikanal-Buchhändler und bekannteste Buchhandelsmarke Deutschlands“.

Abb.: (c) Weltbild

Self-Publishing via Tolino Media: langer Marsch in die Top 100

tolino-media-erste-bilanzVor knapp acht Wochen ging Tolinos Antwort auf Amazons Klassiker KDP an den Start – inzwischen konnte man dem Kindle-Store-Herausforderer zufolge bereits mehr 400 Autoren für die neue Self-Publishing-Plattform gewinnen, insgesamt wurden mehr als 1.000 Titel hochgeladen. Die Rückmeldungen der Indie-Autoren sei sehr gut, auch wirtschaftlich falle das Zwischenfazit positiv aus, die Umsatzerwartungen seien übertroffen worden.

Elke Becker exklusiv bei Tolino

Fünf Autorinnen und Autoren haben es laut Tolino Media bereits geschafft, gute Platzierungen in den Top 100 der Partner-Shops zu erreichen: BC Schiller, Sarah Mundt, Dania Dicken, Petra Röder und Elke Becker. Letztere Autorin habe sich nun sogar entschlossen, ihren aktuellen Titel „Wenn Amor nicht zuhört“ exklusiv via Tolino zu veröffentlichen.

Fast keine Indies in den Top 20

Um das neue Angebot zu bewerben, haben die Tolino-Partner die Self-Publishing-Titel auf ihren Webseiten als eigene Rubriken aufgeführt und auch Bannerwerbung und Newsletter-Kampagnen eingesetzt. Schaut man in die besonders verkaufstarken Top 20 von Thalia, Weltbild oder ebook.de, entdeckt man aber bis auf B.C. Schiller (Thalia, ebook.de) und Sarah Mundt (ebook.de) keine weiteren Tolino-Autoren, allerdings vereinzelt via BookRix veröffentlichte Indies.

Tolino will auch stationäre Reichweite bieten

Bisher scheinen also die mehr als 10 Millionen Leser der Tolino-Welt offenbar noch die zumeist deutlich teureren Autoren der traditionellen Verlage zu bevorzugen. Für manche Indies dürfte sich die Teilnahme an Tolinos Self-Publishing-Programm mittelfristig aber sogar doppelt lohnen: ab Herbst, so Tolino Media, wolle man „ausgewählte Titel als Print-Ausgaben in das stationäre Sortiment der tolino-Partner bringen“.

Valentins-Aktion: Tolino Shine im Doppelpack – für 75 Euro pro Gerät

tolino-shine-valentinstag„Zweisam ist besser als einsam“ – das gilt auch in punkto E-Reading. Bei Weltbild gibt’s deswegen den Tolino Shine für kurze Zeit im günstigen Valentinstag-Doppelpack,und zwar für 149 Euro (statt regulär 178 Euro, was 30 Prozent Rabatt entspricht). Die Aktion ist allerdings begrenzt auf den Februar 2015 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Den passenden Lesestoff zum Preis von 2,99 Euro pro E-Book liefert Weltbild gleich mit – passend zum Thema Valentinstag hat das Buchhandels-Portal eine Landing-Page mit zehn romantischen Schmökern zum Sonderpreis erstellt.Mit dabei z.B. Titel wie Hanna Moldens „Amelie und die Liebe unterm Regenschirm“, Dagmar Seiferts „Lavendelfrau“ oder „Die Tränen des Meeres“ von Brigitta D’Orazio (siehe unten).

Tolino-Nutzer wollen flexibel sein

„Mit unserem Valentinstagsangebot bieten wir noch mehr Neugierigen einen günstigen Einstieg in die neue Welt des Lesens“, so Weltbild-Geschäftsführer Sikko Böhm. Der tolino shine sei seit der Einführung im März 2013 ein Bestseller bei Weltbild: „tolino-Kunden bleiben gerne flexibel und schätzen das offene System mit der Möglichkeit, eBooks zu kaufen, wo sie wollen und digitale Bücher per ‚Onleihe‘ aus der örtlichen Bibliothek auszuleihen“.

Akku hält bis zu sieben Wochen durch

Der tolino shine – Vorgänger des aktuellen Tolino Vision – wird via Touchscreen bedient und bietet sieben verschiedene Schriftgrößen. Der Akku des E-Ink-Readers mit Glowlight-Funktion hält bis zu sieben Wochen. Das 183 Gramm leichte Lesegerät ist intern mit 2 Gigabyte nutzbarem Speicher ausgestattet, was für bis zu 2000 elektronische Bücher reicht. Über einen MicroSD-Kartenslot lassen sich bis zu 32 Gigabyte externer Speicher hinzufügen. Unterstützt werden die E-Book-Formate epub und PDF, sowohl ohne wie auch mit Adobe-DRM.

Tipp: Romantischer Lesestoff auf Weltbild.de (2,99 Euro/Titel):

Gran Tolino-Allianz zieht Jahres-Bilanz: 35 Prozent Marktanteil, neuer Reader in Sicht

Am 1. März 2013 startete eine ungewöhnliche Allianz: Telekom, Thalia, Weltbild und Co verkündeten, mit dem Tolino-Reader und einer eigenen Cloud-Lösung gemeinsam gegen Amazon anzurennen. Das scheint im Ansatz tatsächlich gelungen zu sein: „Wir haben unsere Ziele erreicht und einen äußerst erfolgreichen Start hingelegt“, bilanziert Thalia-Geschäftsführer Michael Busch das erste Tolino-Jahr. „Während etwa in den USA und Großbritannien der Marktführer Anteile von 80 bis 90 Prozent auf sich vereint, konnten wir diesem Trend im deutschsprachigen Raum etwas entgegensetzen“. Inzwischen beträgt der Marktanteil der Tolino-Allianz laut GfK 35 Prozent, seit dem Launch wurden 15 Millionen E-Book-Downloads verzeichnet.

Tolino Vision als neuer Kindle-Killer

Wieviele Tolinos inzwischen verkauft wurden, verrät die Pressemitteilung zum Tolino-Jubiläum nicht. Bekannt sind aber zwei Dinge: bis Ende letzten Jahres wurde mehr als eine halbe Million der Glimmerlicht-Reader verkauft. Außerdem beginnt das zweite Tolino-Jahr technisch mit einer neuen Reader-Generation: der Tolino-Shine wird abgelöst vom Tolino Vision, einem optisch verschlankten und hardwäremäßig verbesserten Gerät, das ab 5. April in den Handel gelangen soll. Beim E-Ink-Display vollzieht die Tolino-Allianz den Sprung von „Pearl“ zu „Carta“, was für verbesserten Kontrast sorgt, das Touchscreen wird von Infrarot auf kapazitiv umgestellt – das wiederum macht den Bildschirm reaktionsfreudiger.

Kerngeschäft der Tolino-Partner im Sinkflug

Solchermaßen technisch aufgerüstet sehen sich die Gran Tolino-Partner für die kommenden Tage gewappnet: „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen angemessenen Marktanteil für Tolino auch langfristig durchsetzen“, so etwa Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der bis vor kurzem noch mit Weltbild verbandelten Buchhandlung Hugendubel. Inzwischen steht Weltbild jedoch kurz vor der Pleite, der Insolvenzverwalter sucht nach dem rettenden Engel – denn im Kerngeschäft der meisten Tolino-Koalitionäre, also dem Offline-Handel mit gedruckten Büchern, geht es immer noch steil bergab. Hauptkonkurrent Amazon muss eben kein Filialnetz subventionieren. Wie toll der Name Tolino in einem Jahr noch klingt, bleibt somit weiter ungewiß. Ein Standbein ist schon weggebrochen – die Telekom hat gerade ihren E-Store „PagePlace“ abgeschaltet , die Nutzer mussten mitsamt E-Books kurzfristig zu anderen Tolino-Partnern umziehen.

Nolino statt Tolino: Indies gehen eigene Wege

Grandios gescheitert ist auch die strategisch wichtige Ausweiterung der Tolino-Allianz auf den unabhängigen Buchhandel – im Umfeld der letzten Frankfurter Buchmesse wurde das endgültige Aus der monatelangen Verhandlungen bekanntgegeben. Am Ende warfen die Indies einigermaßen genervt das Handtuch, denn trotz vergleichweise hoher Beteiligungskosten wurden ihnen im Gegenzug kaum Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt. Große unabhängige Buchhändler wie die Mayersche oder Osiander setzen nun lieber auf gebrandete Glowlight-Reader wie den Pocketbook Lux, inklusive Cloud-Lösung übrigens. Vielleicht ist das ja für den Buchhandel sogar der beste Grund, um optimistisch in die Zukunft zu schauen: Es geht zur Not auch sehr gut ohne Tolino.

Abb.: tolino.de

Gran Tolino Koalition: Telekom, Thalia, Weltbild & Co. verkünden E-Book-Deal

Bühne frei für Gran Tolino: Die Deutsche Telekom, Thalia, Weltbild/Hugendubel und der Bertelsmann-Buchclub machen in Zukunft gemeinsame Sache. Unter dem Label „Tolino“ vermarktet die ungewöhnliche Allianz einen neuen E-Reader („Tolino Shine“), aber auch eine Cloud-Bibliothek. Das wurde heute auf einer Pressekonferenz in der “Hauptstadtrepräsentanz” der Deutschen Telekom bekanntgegeben -- die selbst für den Betrieb der bibliophilen Rechnerwolke verantwortlich zeichnet. „Eine solche Kooperation aus führenden Buchhändlern eines Sprachraums mit einem Technologieunternehmen gab es noch nie“, so Thalia-Chef Michael Busch. „In der gemeinsamen Entwicklung tragfähiger nationaler Lösungen sehe ich riesen Chancen für uns“.

Tolino Shine plus TelekomCloud

Der ab 7. März erhältliche Tolino Shine ist schon optisch eine Kampfansage an Amazon: der schlanke Touch-Screen-Reader mit Glowlight-Funktion und XGA-Auflösung bringt alle wichtigen Features des Kindle Paperwhite mit. Und noch ein paar mehr: etwa einen SD-Kartenslot. Mit einem Preis von 99 Euro wird der Tolino Shine zudem deutlich günstiger angeboten als die gesamte Glimmerlicht-Konkurrenz von Kindle bis Kobo. Gerade bei E-Readern und Tablets hatten Thalia & Co. bisher Probleme – mangels eigener Mittel konnte man Kindle-Reader und Fire-Tablet nichts gleichwertiges entgegensetzen. Thalias Eigenentwicklung Oyo etwa wurde schon nach zwei Jahren wieder eingestellt. Weltbild dagegen setzte bei E-Ink lieber gleich auf Low-Cost-Geräte von Trekstor. Mit dem Tolino Shine hofft man sich nun technisch eher auf Augenhöhe mit der Konkurrenz zu bewegen. Trotzdem stichelte in der Fragerunde am Ende der Pressekonferenz Sascha Lobo wohl zu recht: „Meinen Sie nicht, Amazon kann das besser?“ Die Buchhändler waren sich jedoch einig: im stationären Handel muss man dem Kunden auch etwas in die Hand geben können.

Mit dabei: 11.000 W-LAN HotSpots der Telekom

Besonderer Clou der neuen E-Reading-Allianz ist allerdings die im Hintergrund werkelnde Telekom-Cloud: „Gemeinsam schaffen wir hier ein flächendeckendes und offenes Ökosystem für digitale Bücher“, so Thomas Kiessling, Innovationschef der Telekom. Gekaufte Inhalte werden in der Cloud kostenlos und dauerhaft gespeichert -- somit ist der Zugriff auf beliebigen Endgeräten möglich, bei DRM-geschützten Titeln bleibt die Zahl der nutzbaren Geräte freilich begrenzt. Den direkten Draht in die Rechnerwolke vermitteln neben 11.000 kostenfrei nutzbaren Hotspots der Telekom auch die WLAN-Netze in den 1.500 Fachgeschäften der Gran Tolino-Koalition.
Auch beim Verkauf der Reader setzt man auf die Verankerung vor Ort: „Schon bisher wurden die meisten Lesegeräte in unseren Filialen verkauft“, stellte Thalia-Chef Michael Busch fest.

Internationale Vertriebspartner gesucht

Bisher sind mit Thalia, Weltbild, Hugendubel und dem Bertelsmann Buchclub vier klassische Buchhandels-Konzerne mit im Boot -- doch die Gran Tolino-Koalition ist offen für neue Mitglieder, nicht nur national: „Wir sind auf der Suche nach internationalen Vertriebspartnern, um es auch auf dieser Ebene mit der Konkurrenz aufzunehmen“, so Telekom-Innovationschef Thomas Kiessling. Ein neues iTunes wolle man aber nicht sein, so Busch und Kiessling auf Nachfrage -- zumindest vorerst möchte man sich auf die Kernkompetenzen besinnen, und das sind eben E-Books. Ob das wirklich ausreicht? Neben Apple bietet schließlich auch Amazon bereits eine Cloud-Lösung an, die vor allem auf Musik, Video und Bilder ausgerichtet ist.

Tolino Shine Specs


Display

6 Zoll Touch-Screen E-Ink Display,
1024x758 Pixel (16 Graustufen)

Gewicht

183 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, SD-Slot, WLAN

Speicher

4 GB intern (2 GB verfügbar)

E-Book-Formate

epub, PDF, etc.

Zus. Features

Glowlight-Funktion, Cloud-Up/Download

Betriebssystem

Android

Preis

99 Euro (z.B. via Thalia)

Abb.: tolino.de (c)

E-Reading-Event am 1. März: Schaffen Telekom, Thalia, Weltbild & Co. das deutsche iTunes?

Soviel Gemeinsamkeit gab’s selten in der E-Book-Branche: die Deutsche Telekom, Thalia, Weltbild und der Bertelsmann-Buchclub laden zu einem E-Reading-Event ein – Schauplatz ist die „Hauptstadtrepräsentanz“ der Deutschen Telekom in der Französischen Straße, mitten im Berliner Zentrum. Worum es genau geht, bleibt bisher jedoch im dunkeln – angekündigt wurde lediglich „ein Gespräch mit hochkarätigen Entscheidern von Buchandels- und Technikseite“, bei dem „aktuelle Neuigkeiten“ präsentiert werden sollen. Die extravagante Kulisse im ehemaligen kaiserlichen Haupttelegrafenamt spricht jedoch gegen solch ein sprachliches Understatement – in das multimedial bespielbare Atrium passen locker 750 Gäste.

Wichtiges Detail: Amazon oder Kobo sind nicht eingeladen

Das lässt viel Raum für Spekulationen. Vielsagend ist schon mal, wer alles nicht eingeladen wurde: Google, Kobo und Amazon müssen leider draußen bleiben. Schließlich hatten Branchenbeobachter schon seit einiger Zeit prophezeit, schwächelnde deutschen Buchhändler wie Thalia könnten sich – ähnlich wie Waterstones in Großbritannien – in eine Kooperation mit den Global Playern retten. Diese Option dürfte nun wohl vom Tisch sein, zugunsten einer engeren Zusammenarbeit der größten nationalen Plattformen. Dass die Telekom als Gastgeber auftritt, gibt einen weiteren Hinweis, wohin die Reise gehen könnte: schließlich betreibt sie unter dem Label „PagePlace“ nicht nur eine Content-Plattform für E-Books und E-Magazine, sondern hat auch kräftig in ein entsprechendes App-Universum für Browser und Mobilgeräte investiert. Außerdem stellt der magentafarbige Kommunikationsriese als Service-Provider den direkten Draht ins Web für Smartphones und Tablets zur Verfügung, die in bundesweit knapp 750 Telekom-Shops angeboten werden.

Für einen „Kindle-Killer“ ist es zu spät

Gerade bei E-Readern und Tablets hatten Thalia & Co. bisher Probleme – mangels eigener Mittel konnte man Kindle-Reader und Fire-Tablet nichts gleichwertiges entgegensetzen, schon gar nicht zu subventionierten Kampfreisen. Mit der Telekom als Partner könnte das natürlich anders aussehen: Europas größtes Telekommunikationsunternehmen macht deutlich mehr Umsatz als Amazon, hat also ganz andere Möglichkeiten als die deutschen Buchhändler. Doch eigentlich ist es für den „Kindle-Killer“ schon zu spät. Zudem wird die Content-Distribution immer wichtiger als die Geräte selbst: die Kooperation zwischen Thalia, Weltbild & Co. mit der Telekom dürfte also wohl eher eine rein virtuelle werden. Schon vor zwei, drei Jahren wurde lauthals ein „deutsches iTunes“ gefordert. Was (nicht nur) der Buchbranche schließlich fehlt, ist eine unabhängige Plattform, die den direkten Zugang zum Kunden (und den Kundendaten) ermöglicht.

Schluss mit Zensur & Wegezoll

Kann die Telekom so etwas im Konzert mit den Buchhändlern bieten, käme das einer Zeitenwende gleich: Schluss mit den Gatekeeper-Allüren, schluss mit Zensur, schluss mit Pricing-Vorschriften, schluss mit dem „Wegezoll“, sprich: unverschämt hohen Provisionen. Schluss natürlich auch mit der Fragmentierung der Inhalte, der Aufspaltung in viele einzelne E-Stores mit unterschiedlichen AGBs und unterschiedlichen Nutzer-Accounts. Da die Telekom mit Mozilla kooperiert, um ein Open-Source-Betriebssystem (Firefox OS) für Mobilgeräte zu entwickeln, zeichnet sich mittelfristig sogar eine „doppelte Null-Lösung“ ab: freies Betriebssystem plus freier E-Store statt Android plus Google Play bzw. iOS plus iTunes.

Content-Plattform toppt Leistungsschutzrecht?

Noch ein spannender Punkt: Eine gemeinsame Alternative von Telekommunikations-Dienstleister plus Content-Industrie zu „Closed Shop“-Modellen à la Google Play, Kindle Store oder iBooks würde das Leistungsschutzrecht schon vor der Einführung komplett unnötig machen: „Ein solches Gesetz wird überhaupt nicht gebraucht, da der Markt die Dinge sehr wohl zugunsten der Verlage würde richten können“, schrieb Matthias Schwenk auf Carta.info schon 2010. Das Wesentliche, was dazu fehle, sei eben ein deutsches iTunes. Fehlt es vielleicht demnächst nicht mehr? Kommt zumindest ein deutsches iBooks? Am 1. März wissen wir hoffentlich mehr…

Abb.: Deutsche Telekom (c)

12 Mio. Downloads: E-Book-Boom rettet Buchmarkt vor Minus

Man könnte es den Hobbit-Effekt nennen: Die aktuellen Marktkennzahlen von Mediacontrol beweisen nämlich, dass auch kleine Buchmarkt-Segemente viel bewirken können. E-Books mögen zwar in Deutschland im Jahr 2012 erst einen Marktanteil von 2 Prozent erkämpft haben (gegenüber 1 Prozent im Jahr zuvor) – doch die starken Zuwächse reichten aus, eine leicht negative Bilanz im Print-Bereich auszugleichen. Mit 12,3 Millionen bezahlten E-Book-Downloads hatte sich der Lesehunger mehr als verdoppelt, so dass auf dem Gesamtmarkt ein Plus von 0,3 Prozent erreicht werden konnte, berichtet Mediacontrol. Grundlage der Auswertung sind keine tatsächlichen Verkaufszahlen, sondern regelmäßige, repräsentative Konsumentenbefragungen.

Weihnachtssaison als Umsatztreiber

Wie schon im Jahr zuvor trug die Weihnachtssaison besonders stark zum Endergebnis bei – mit 5,8 Millionen Käufen kam fast die Hälfte des Jahresabsatzes im vierten Quartal 2012 zustande. Daran hatte nicht nur die inzwischen im Millionenbereich liegende Gerätebasis von Kindle- bis Kobo-Reader ihren Anteil, sondern auch weiter sinkende Durschnittspreise für den Lesestoff: Legten Kunden 2011 noch 9,56 Euro für ein digitales Buch hin, so zahlten sie zwischen Januar und Dezember 2012 nur noch moderate 8,61 Euro. Neben lästigem Kopierschutz gelten überhöhte E-Book-Preise als wichtigste Wachstumsbremse auf dem deutschen Buchmarkt.

E-Book-Preise deutlich gesunken

Einen besonderen Beitrag zu sinkenden Preisen dürfte Amazons Self-Publishing-Plattform geleistet haben – denn während viele Verlagsausgaben immer noch deutlich überteuert sind, können Independent-Autoren bei KDP mit niedrigeren Schwellenpreisen experimentieren. Anders als im Gesamtmarkt haben E-Books zudem für große Plattformen wie Amazon oder Weltbild eine weitaus größere Bedeutung. Bei Weltbild stieg der E-Book-Anteil im Jahr 2012 auf 20 Prozent, bei Amazon dürfte er inzwischen ebenfalls zwischen zehn und zwanzig Prozent liegen, möglicherweise sogar höher. Dann wären die aktuellen Mediacontrol-Zahlen allerdings mit Vorsicht zu genießen: Denn Amazons Anteil gesamten deutschen Buchmarkt liegt mittlerweile schon bei geschätzten 20 Prozent.

Abb.: flickr/VFS Digital Design (cc)

Geteilte Weihnachts-Bilanz: Weltbild & Amazon feiern Rekorde, die Branche stagniert

Fast wirkt es so, als hätte die Weihnachtssaison 2012 auf zwei verschiedenen Planeten stattgefunden: Der stationäre Buchhandel verzeichnete insgesamt nur ein schwaches Plus von 1,3 Prozent, der E-Reader-Absatz stagniert. Ganz anders bei den großen Playern Amazon und Weltbild. Wie gewohnt konnten die Presseabteilungen Rekordmeldungen in Umlauf bringen – für Weltbild hat es sich besonders gelohnt, sowohl in der Fläche wie auch online gut aufgestellt zu sein: alleine das Low-Cost-Lesegerät eBookReader 4 verkaufte sich zum Fest mehr als hunderttausend mal. Gegen das von Trekstor produzierte Gerät läuft jedoch eine Patentklage, die weitere Höhenflüge im Jahr 2013 ausbremsen könnte. Nicht ganz reibungslos lief der Absatz des völlig legalen Weltbild-Tablets PC4 – zeitweise kam es nämlich zu Lieferengpässen. Insgesamt konnte der E-Book-Anteil bei Weltbild, Hugendubel & Co. im vergangenen Jahr auf satte 20 Prozent gesteigert werden. Weltbild-Chef Carel Halff prognostiziert nun bereits: „Bis 2015  werden 15 bis 25 Prozent aller Bücher in Deutschland als digitale Ausgaben verkauft“.

Bei dieser Entwicklung wird natürlich auch Amazon eine Rolle spielen – nicht umsonst belegten Kindle-Reader und Kindle-Tablets in dieser Weihnachtssaison bei Amazon.de führende Plätze der Bestsellerliste im Elektronik-Bereich. Besonders beliebt im E-Ink-Bereich war neben dem neuen Kindle Paperwhite auch das Basisgerät Kindle 4, mittlerweile zum Preis von 79 Euro erhältlich (zum Vergleich: der Weltbild-Reader kostet 59 Euro). Im Tablet-Bereich war dagegen das Kindle Fire HD erste Wahl, in Amazons weltweiter Bestseller-Liste stand das neue Tablet im Ranking aller Produkte auf Platz 1. Nicht nur der Hunger nach Lesefutter wurde dadurch noch einmal kräftig eingeheizt: am 25. Dezember durfte Amazon.com den bisher erfolgreichsten Herunterlade-Tag aller Zeiten feiern. Während im US-Kindle-Store am häufigsten John Grishams Thriller „The Racketeer“ geshoppt wurde, bevorzugten deutsche Amazon-Kunden (laut Amazon-PM vom 18. Dezember) in der Weihnachtssaison die E-Book-Version von Camilla Läckbergs Krimi „Schneesturm und Mandelduft“, dicht gefolgt von Nika Lubitschs Thriller „Der 7. Tag“.

Besonders stark globalisiert haben sich dagegen bereits die Bestseller-Listen im Print-Bereich, zumindest bei Amazon. Sowohl bei Amazon.com wie auch bei Amazon.de stand im Dezember die „Fifty Shades“-Trilogie auf den ersten drei Plätzen. Im deutschen Buchhandel insgesamt lag dem Börsenverein zufolge dagegen Jonas Jonassons Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ vorn, gefolgt von Jeff Kinneys „Dumm gelaufen“ (7. Band der Reihe „Gregs Tagebuch“) sowie Nele Neuhaus’ neuen Krimi „Böser Wolf“.

Abb.: fugatebetai_shyashin/Flickr