Rubikon ist überschritten: Springer bilanziert Print-to-Online-Strategie

Vor kurzem fürchteten Zeitungsverlage noch den großen Zapfenstreich – sinkende Auflagenzahlen und schwindende Anzeigenerlöse sorgten für düstere Prognosen. Bild, BamS & Co. beweisen aber, dass eine energische Print-to-Online-Strategie den Abwärtstrend mehr als kompensieren kann. Axel Cäsar Springers Erben haben den digitalen Rubikon überschritten – die Gewinne steigen wieder, der Konzernumsatz toppte 2011 erstmals die 3 Milliarden-Euro-Grenze. Der Umsatzanteil von Apps, E-Papers und Onlineangeboten liegt bereits bei über 30 Prozent. „Die konsequente Digitalisierung unseres Geschäftes im In- und Ausland bleibt der Schlüssel zum langfristigen Erfolg des Unternehmens“, so Springer-Chef Döpfner auf der Bilanzpressekonferenz. „Wenn wir uns mit den börsennotierten europäischen Online-Unternehmen vergleichen, sind wir mit unseren Erlösen aus dem digitalen Geschäft mittlerweile auf den zweiten Platz vorgerückt, in der Kategorie der Medienunternehmen liegen wir bereits auf dem ersten Platz“.

Interessanterweise verzeichnete Springer im Unterschied zu anderen Verlagen auch bei den Werbeerlösen ein Plus von 16 Prozent, im Sektor Digitale Medien wuchs der Umsatz mit Reklame sogar um 40 Prozent. Erstmals waren die digitalen Werbeerlöse international dabei größer als die Werbeerlöse mit Print-Zeitungen und -Zeitschriften in Deutschland. Als echte Cashcow erwies sich offenbar auch der Übergang zu Paid Content bei Welt- oder Bild-App wie auch Online-Angeboten, etwa der Berliner Morgenpost. Ganz so weit wie manche US-Zeitungen ist man freilich noch nicht – die Financial Times beispielsweise verkauft dort bereits mehr Online- als Print-Abos. Gleichwohl bleibt man auch im Jahr 100 nach Axel Cäsars Springers Geburt dem Credo des Gründers verpflichtet. Der formulierte nämlich schon 1978: „Ich werde nicht aufhören, den Anspruch der Verleger auf Teilhabe an den bisherigen elektronischen Medien und noch mehr an allen neuen, auf uns zukommenden Informationssystemen zu vertreten.“

Abb.: Flickr/ЯAFIK ♋ BERLIN