Schneller shoppen, schöner lesen: Kobo eReader Touch Edition im Test


Touch-Screen plus WiFi wird zum neuen Standard für E-Reader. Kobos kompaktes neues 6-Zoll-Gerät bringt aber noch eine Reihe weiterer Features mit: neben der Syncing-Fähigkeit zwischen Kobo-App und Kobo-Reader gehört dazu die „Reading Life“-App, mit der sich die persönliche Leseleitung visuell auswerten lässt. Optisch kommt der Kobo Touch wie ein Tablet daher – bis auf den Home-Button sind alle Bedienelemente auf das Display gewandert. Wie bei Kobo üblich ist nicht nur das Gehäuse sorgfältig designt, sondern auch die grafische Menüführung wirklich was für’s Auge. Für 129 Euro ist Kobos neues Lesegerät seit Mitte November in Deutschland lieferbar -- zur Zeit ausschließlich über den Elektronik-Discounter Redcoon. [Update: Seit Mai 2012 wird der Kobo Touch für 99 Euro angeboten]

Viel Lese-Komfort, aber keine Audio-Funktionen

Kobo-Store und Kobo-App sind bereits in Deutschland angekommen, demnächst folgt mit dem Kobo Touch auch der passende E-Reader dazu. Höchste Zeit also, sich das Gerät mal näher anzusehen. E-Book-News hat die englischsprachige Version des neuen Lesegerätes made in Kanada getestet -- eine „lokalisierte“ Firmware gibt’s nämlich offiziell noch nicht. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat Kobo den Reader deutlich verschlankt – von den Maßen her ähnelt der neue Kobo Touch der Reader Touch Edition von Sony, ist mit nur 185 Gramm Gewicht aber deutlich leichter. Auf mediale Extras wie das Abspielen von MP3s muss man allerdings verzichten, der neue Kobo Touch ist ein reines Lesegerät. Erster Eindruck: Die Kombination von kontraststarkem Pearl-E-Ink, Infrarot-Touch-Technologie und schnellem Prozessor macht die Lektüre besonders komfortabel. Das Display reagiert angenehm schnell, per Fingerwisch oder Fingertipp gelingen rasante Seitenwechsel. Und Shoppen im integrierten E-Store macht via Touch-Screen wirklich mal Spaß.

Am Desktop-Manager kommt niemand vorbei

Lieferbar ist der Kobo Touch in den Gehäusefarben weiß und schwarz, beim gemusterten Griffprofil auf der Rückseite hat man jeweils die Wahl zwischen lila, blau, silber und schwarz. Neben dem Home-Button und Einschaltknopf hat das Gerät einen Einschub für SD-Karten sowie einen Mikro-USB-Port. Zum Lieferumfang gehört neben dem Reader selbst ein Schnellstart-Guide sowie ein USB-Ladekabel. Ganz so schnell geht der Start allerding nicht vonstatten: Um den Kobo Touch normal nutzen zu können, muss man zunächst den Kobo-Desktop-Manager auf PC oder Mac installieren, den Reader via USB verbinden und online registrieren. Wer noch kein Kobo-Account hat, kann sich während dieser Prozedur mit Namen und E-Mail-Adresse neu anmelden. Wurde zuvor bereits die Kobo-App auf iPhone oder iPad installiert, synchronisiert der Desktop-Manager automatisch die E-Bibliothek und überträgt bereits gekaufte E-Books auf den Reader. Außerdem wird die neueste Firmware (Version 1.9.9) aufgespielt, die u.a. erweiterte Menüfunktionen für die Leseansicht und zusätzliche Fonts bereitstellt.

Zu Gast auf dem Home-Screen

Ausgangspunkt für alle Streifzüge durch das Kobo Touch-Menü ist der Home Screen. Im Zentrum blickt man auf ein Cover-Mosaik der gerade gelesenen E-Books. Mit „Library“, „Store“ und „Reading Life“ hat man per Fingertipp direkten Zugang zur E-Bibliothek, zum E-Store sowie zu den Reading-Life-Funktionen. Drei kleine Symbole führten zu den Geräte-Einstellungen (etwa: W-LAN-Konfiguration), der Bedienungsanleitung sowie zur drahtlosen Synchronisierung zwischen Reader & Kobo-Account. Die E-Bibliothek bietet nicht nur verschiedene Ansichten von der Liste bis zum einzelnen Cover-Bild, sondern auch die Sortierung nach Autor, Titel oder letztem Lesedatum. Die Lieblings-Titel kann man zudem einer separaten „Shortlist“ zuordnen. In einer Extra-Liste sind die Leseproben versammelt. Ein paar Dutzend befinden sich bereits im Lieferzustand auf dem Reader, weitere kann man sich im E-Store kostenlos herunterladen.

Shoppen und lesen

Via W-Lan-Verbindung gelangt man direkt in den deutschen Kobo-Store, der bereits mit mehr als 80.000 Titeln gefüllt ist. Neben kommerziellen E-Books (Fiction/Non-Fiction) gibt es auch eine Rubrik mit kostenloser Lektüre. Standard-Format im Kobo-Store ist epub mit Adobe DRM, diese Dateien werden in der E-Bibliothek dann auch entsprechend angezeigt („Kobo epub“). Nur bei solchen Titeln lassen sich -- abgesehen vom Wörterbuch -- erweiterte Textfunktionen nutzen, also das Markieren von Passagen oder das Teilen von Zitaten via Facebook. Die Leseansicht kann bei allen epub-Titeln komfortabel angepasst werden – von der Auswahl verschiedener Schrifttypen über Fontgröße, Zeilenabstand, Seitenrand bis hin zum Block- oder Flattersatz. PDF-Dokumente können in mehreren Stufen gezoomt werden, mit dem Finger auf dem Display scrollt man dann auf der jeweiligen Seite hin- und her. Wer sich genauer über die eigene Leseleistung informieren will, kann dazu die Reading-Life-App nutzen. Unter „Reading Stats“ wird etwa angezeigt, wieviele Stunden man bereits im aktuellen E-Book gelesen hat, und wieviele E-Books insgesamt schon konsumiert worden sind. Als besonderes Incentive gibt’s bei bestimmten Leistungen spezielle „Awards“, etwa, wenn man besonders oft das Wörterbuch benutzt („Word up!-Award“), Textpassagen via Facebook teilt („Facebook-Award“) oder zur Geisterstunde liest („Witching Hour-Award“).

Versteckte Extras

Einige zusätzliche Funktionen des neuen Kobo-Touch sind leider etwas versteckt: so etwa der integrierte Web-Browser. Man aktiviert ihn über Settings/Wireless Connection. Wie alle E-Ink-Surfumgebungen ist auch diese nur bedingt zu gebrauchen. Doch es gibt weitere „Nice to have“-Elemente: Unter Settings/Extras verbirgt sich ein kleines Zeichenprogramm, mit dem sich Ad-Hoc-Fingerskizzen auf dem Touch-Screen erstellen lassen. Gut zu wissen ist außerdem, dass man in der Leseansicht unter „Advanced Settings“ auch die Page-Refresh-Rate verändern kann. Voreingestellt ist ein kompletter Page-Refresh bei jedem sechsten Umblättern, um den Seitenwechsel zu beschleunigen. Wird die Seite jedoch nicht jedesmal komplett gelöscht, bleiben ein paar Spuren erhalten, es stellt sich ein störender „Ghosting-Effekt“ ein. Stellt man einen niedrigeren Wert ein, bessert sich das. Insgesamt liefert Kobo mit der kompakten Touch-Version ein ebenso solide wie liebevoll designtes Lesegerät, das durch seinen Komfort gerade Viellesern entgegenkommen dürfte. Die Gretchenfrage im E-Ink-Bereich dürfte ab jetzt lauten: Kindle oder Kobo?

Kobo Reader Touch Edition


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen,
600x800 Pixel (16 Graustufen)

Masse & Gewicht

114mm X 165mmx10mm; 200 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Prozessor

Freescale 508 Processor

Interner Speicher

1 GB, erweiterbar durch Mikro-SD-Karte (max. 32 GB)

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF

Zus. Features

Reading-Life-App, E-Store

Preis

99 Euro (Redcoon)

Kobo kommt nach Deutschland: neue Apps, neuer Store, Touch Reader

Erst kommen Apps und E-Books, dann der Reader: kobobooks.de geht heute online. Mit mehr als 80.000 deutschsprachigen Titeln ist der Store des gleichnamigen kanadischen Anbieters gut gefüllt. Im App Store wartet zudem die deutsche Version der Kobo-App, inklusive Social-Reading-Funktionen („Reading Life“). In Kürze soll auch eine sprachlich angepasste Version des neuen Kobo-Readers erhältlich sein. Technisch ist Kobos aktuelles Lesegerät sogar dem Kindle überlegen, denn es kombiniert kontraststarkes Pearl-E-Ink mit Infrarot-Touch-Technologie.

E-Book-Markt neu buchstabiert

Klingt japanisch, kommt aber aus Kanada: Kobo ist ein Anagramm für „Book“. Und hat ab jetzt auch etwas mit dem deutschen E-Book-Markt zu tun. Knapp zwei Monate nach dem Start des Kindle-Stores auf Amazon.de betritt damit nun auch die Nummer drei im amerikanischen E-Book-Business die Arena. Fehlt eigentlich nur noch Barnes&Noble. In den USA wird Kobos hochwertige Reader Touch Edition für 130 Dollar verkauft, liegt also gleichauf mit Amazons Kindle. Analog zu dieser Strategie wäre in Deutschland ein Preis von 139 Euro zu erwarten. Es dürfte also spannend werden auf dem deutschen E-Book-Markt – vor allem, weil Kobo nicht allein einen technischen Trumpf in der Hand hält.

Schöne E-Reader & soziales Lesen

Schon von Anfang an setzten die Kanadier nämlich auf besonders ansprechendes Gerätedesign und ausgesprochen schön gestaltete grafische Benutzeroberflächen. Dazu kam dann 2010 mit „Reading Life“ ein cleveres Konzept zum Sozialen Lesen, das bereits auf der individuellen Nutzer-Ebene ansetzt. Das persönliche Leseverhalten wird aufwändig visualisiert, als Incentives werden für verschiedene Leseleistungen „Awards“ verliehen. Über die sozialen Netzwerke kann man die eigenen Leserfahrungen dann aber auch mit der Community teilen. Gerade im Leseland Deutschland, das via Buchpreisbindung den Wettbewerb stark einschränkt, besitzen solche Alleinstellungsmerkmale besondere Bedeutung.

Erst Deutschland, dann der Rest

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass Kobo den Branchenstandard epub unterstützt. Wer auf den Kobo-Reader umsteigt, hat also keine Format-Probleme. Neben aktuellen E-Book-Titeln findet man im Kobo-Store ähnlich wie bei Amazon eine ganze Menge kostenloser Klassiker. Wie beim Kindle umfasst das „Ökosystem“ des kanadischen Anbieters via Apps zudem bereits zahlreiche mobile Geräte von iPad & iPhone über die Android-Welt bis zum PlayBook von BlackBerry (für letzteres ist die deutsche App zumindest angekündigt). Für Kobo ist der Deutschland-Start nur der Auftakt für den Aufbau einer breiten europäischen Präsenz: lokalisierte Angebote von E-Stores, Apps und Readern sind auch in Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden geplant.

Sternchen für Vielleser: Kobo-App „Reading Life“ macht E-Book-Lektüre zum sozialen Event

kobo-app-ipad-ereading-life Auf der Suche nach dem „Unique Selling Point“ hat Kobo das soziale Lesen entdeckt: die „Reading Life“-Funktion der neuen Kobo-App für das iPad hilft E-Book Freunden, via Facebook an ihrer Web-Persönlichkeit zu basteln, getreu dem Motto: du bist, was du liest. Neben literarischen Status-Updates macht die neue Kobo-App aber dank grafischer Auswertungen auch dem Leser selbst stärker bewusst, was und wie er liest. Belohnungen gibt’s obendrein – für verschiedenste Leseleistungen werden automatische „Awards“ verliehen.

Kobo folgt dem Trend des „Social Readings“

Wer E-Books liest, ist nicht mehr allein. Erst recht nicht, wenn die Lektüre auf dem iPad stattfindet. Denn immer mehr Apps machen Lesen zum sozialen Prozess. Zu den über Social Media-Kanäle verbreiteten Informationen gehört mittlerweile auch, was man liest, wann man liest, und natürlich auch wieviel man liest. Zu den Bestsellern haben sich die am meisten unterstrichenen Passagen gesellt, und ob die E-Books dem Leser gefallen, verraten Daumensymbole oder Emoticons. Diesem Trend folgt nun auch der kanadische Anbieter Kobo: „eReading is going social, local and real-time“ – lauten kurz zusammengefasst die wichtigsten Neuerungen der Kobo-App für das iPad. Mit einer geballten Ladung an neuen Funktionen versucht sich Kobo solchermaßen, von Konkurrenten wie Amazon oder Barnes&Noble abzuheben.


Spätleser dürfen mit dem „Witching Hour“-Award rechnen

Während Status-Updates à la „Ich lese gerade Alice im Wunderland“ ja nichts umwerfend Neues sein dürften, sind die „Awards“ doch etwas ungewöhnlich. Wer beispielsweise viele Informationen mitteilt, bekommt den „Papillion“ verliehen, wer regelmäßig liest (d.h. täglich), darf sich mit dem „Twain“ schmücken. Neigt man zum Schmökern zu später Stunde, heimst man bald den „Witching Hour“-Award ein. Auch diese Ehrentitel werden natürlich im Facebook-Feed den „Freunden“ mitgeteilt. Ohne Facebook läuft allerdings in Sachen Social Reading gar nichts – eine Twitter-Integration etwa fehlt bisher. Auf dem Kobo-Reader selbst sind die Funktionen ebenfalls nicht verfügbar, „Reading Life“ gibt zur Zeit nur für die Kobo-App auf dem iPad. Wer die Kobo-App schon installiert hat, muss sie lediglich updaten.

Die Kobo-App kennt ihre Nutzer ganz genau

Kobos neue App-Erweiterung macht den Leseprozess aber auch für den Leser selbst transparenter: eine spezielle Übersicht bietet eine grafische Auswertung der Lektüre: etwa, wieviel Zeit man auf Bereiche wie E-Mags, Zeitungen und E-Books verwendet, zu welchen Tageszeiten man liest, oder wieviel Prozent der gesamten Bibliothek schon verschlungen wurde. Außerdem gibt es eine Collage zu sehen, die aus den Covern sämtlicher gelesener Bücher zusammengestellt wird – bei entsprechender Lesewut sollte das Bild entfernt dem Koffer eines Globetrotters ähneln. Kobo zufolge sollen diese Formen der Visualisierung des Lesens motivierend wirken. Zugleich macht die Übersicht auch deutlich, wieviele Daten im Zeitalter des vernetzten Lesens ganz automatisch erhoben und analyisert werden können.