eBay plus E-Books: Premium-Kunden profitieren von Tolino Select-Option

tolino-select-ebay-plusKundenbindung, das heißt heutzutage meist: Service- & Content-Bündel schnüren für Premium-Programme. So macht es Amazon mit dem Prime Programm, so macht es jetzt auch eBay mit dem „Plus“-Programm. Der Online-Marktplatz bietet „kostenlosen Premiumversand, kostenlosen Rückversand und exklusive Angebote“. Zu letzteren gehört ab jetzt die Option, ein halbes Jahr lang Tolino Select zu nutzen, das kuratierte E-Book-Abo der Tolino Allianz, bei dem man jeden Monat aus einer Palette von vierzig Titeln vier E-Books ausleihen kann.

Thalia als strategischer Partner

Buchhandels-Partner bei dieser „strategischen Allianz“ ist Thalia, und damit der deutsche Marktführer im Sortimentsbuchhandel. Weitere Schritte sind nicht ausgeschlossen: man wolle zukünftig „für bestehende und neue Kundengruppen innovative Produkte und Services“ entwickeln, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung zur neuen „Retail-Content-Partnerschaft“. Kurz zuvor war bereits eine Vertriebskooperation zwischen Books on Demand (BoD) und eBay in Sachen Print-Buch bekanntgeworden.

Tolino Select-Option gilt zunächst 6 Monate

Nun gibt es also auch E-Books via eBay. Ab dem 13. Oktober 2017 können sich in einem ersten Schritt der neuen Partnerschaft alle eBay Plus-Mitglieder für eine sechsmonatige Nutzung des neuen eBook-Abonnements tolino select von Thalia im eBay Plus-Programm registrieren. Das bedeutet, dass sie im Rahmen der eBay Plus-Mitgliedschaft aus einem monatlich wechselnden Angebot von 40 attraktiven Buchtiteln vier Titel pro Monat ausleihen können.

Auch Rabattgutschein für Tolino-Reader

Nach Ablauf der sechs Monate sollen eBay Plus-Mitglieder die Möglichkeit bekommen, „auf kontinuierlicher Basis Zugang zu eBooks über Thalia zu erhalten“. Details dazu werden in den kommenden Monaten noch bekanntgegeben. Im Rahmen der Initiative haben die eBay Plus-Mitglieder zudem die Möglichkeit, einen Rabatt-Gutschein zu nutzen, um den eReader tolino shine 2 HD für 89 Euro statt 119 Euro zu erwerben.

Prime Now ab Mai in Berlin: Kindle, Windel & Taschenbuch in 120 Minuten

amazon-prime-now-in-berlinMit dem „Same Day Service“ fing es an, nun will Amazon auch in Deutschland noch kürzere innerstädtische Lieferzeiten für besonders beliebte Produkte bieten. Darunter etwa Kindle-Reader oder Fire-Tablets, Top-Seller des täglichen Bedarfs, und nicht zuletzt wohl Print-Buch-Bestseller. Ab Mai startet die hiesige Version der Blitzlieferung für Premiumkunden, genannt „Prime Now“, zunächst in Berlin. Genutzt wird Prime Now über eine gleichnamige App. Die neue Dienstleistung soll Montags bis Samstags angeboten werden, anfangs mit zehn Fahrern im Zwei-Schichten-System, berichtet die Tageszeitung „WELT“. Auch in München sei ein ähnliches Angebot geplant.

Am Ku-Damm ist das Hauptquartier

Kristallisationspunkt sowohl der aktuellen Netz-Gerüchte wie auch der leibhaftigen Erscheinung bleibt momentan aber das verwaiste Berliner Ku’Damm-Karree: laut Berichten von Tagesspiegel, Welt & Co. wird Amazons urbanes Auslieferungslager in die Räume der ehemaligen Elektronik-Kette Pro-Markt einziehen. Mehr als 10.000 unterschiedliche Artikel sollen dort dann auf zwei Etagen „chaotisch“ gestapelt werden, für die Auffindbarkeit sorgen Barcode-Scanner und Bestands-Software, die Lieferung über die letzten (Kilo-)Meter in Richtung Haus- bzw. Bürotür übernehmen kleine und mittelständische Kurierdienste aus der Hauptstadt.

Prime Now verzichtet auf DHL

„Der Online-Händler baut sich Stück für Stück eine eigene Zustellung auf, ohne dafür eine neue Firma gründen oder viel Geld in Infrastruktur und Mitarbeiter investieren zu müssen“, interpretiert die WELT die neuen Aktivitäten des Online-Händlers. Die meisten Paket-Sendungen übernimmt bisher die Posttochter DHL, sie dürfte nun Aufträge verlieren — und genau darum geht es Amazon natürlich auch: denn das Prime-Programm ist zwar für die Kundenbindung extrem wichtig, kostet aber weltweit auch Milliarden. Das nächste große Logistikzentrum im Raum Berlin etwa befindet sich in Brieselang, mehr als 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die wohnortnahe Lieferung vom Kudamm aus spart also nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld.

New York als großes Vorbild

In New York funktioniert das schon seit Ende 2014: vom Warenlager in Manhattan aus werden lokale Premium-Kunden innerhalb von ein oder zwei Stunden aus einem Angebot von 25.000 verschiedenen Artikeln bedient (dort sogar inklusive Lebensmittel…), von 6 Uhr morgens bis Mitternacht, sieben Tage die Woche. Wer wirklich nur 60 Minuten warten möchte, muss in Manhattan wie auch anderen Großstäden von Chicago bis San Antonio allerdings acht Dollar Aufschlag zahlen, 120 Minuten-Lieferungen sind in der Prime-Mitgliedsgebühr enthalten.

Bücher in den USA Teil des Angebots

Genutzt wird Amazon Prime Now mit der Prime Now-App (siehe z.B. die Beschreibung in Apples App-Store) — zu den besonderen Features gehört nicht nur die Möglichkeit der Lieferzeit-Festlegung im Tagesverlauf, sondern auch die Echtzeit-Verfolgung der Kurierfahrt in einer Kartenansicht. Zu den via App bestellbaren Produkten gehören in den USA auch gedruckte Bücher – so berichtete kürzlich etwa Teleread, dass in der Region Indianapolis zwischen Windeln, Flachbildfernsehern und Stapelchips auch etwa 500 Bestseller-Titel im Katalog auftauchen. Das seien schon 10 Prozent des Angebots in Amazons erster physischer Buchhandlung in Seattle – „and nothing stops them from adding more“.

„Handelsspanne: dünn bis nicht-existent“: Blick hinter die Kulissen von Amazon Prime

amazon-prime-dayNicht nur Amazon.com selbst feiert einen runden Geburtstag: auch Amazon Prime nullt – das Premium-Programm gibt’s nämlich auch schon seit 2005, also seit zehn Jahren. Forbes hat das zum Anlass genommen, am heutigen „Amazon Prime Day“ mal ein wenig hinter die Kulissen der anfangs oft belächelten Kundenbindungs-Strategie zu schauen, für die sich Amazon kräftig in Unkosten stürzt.

Jeder dritte Online-Käufer in den USA bei Prime

Amazon Prime soll das Unternehmen dem erklärten Ziel näherbringen, die Nummer eins im globalen E-Commerce zu werden. Auf dem Weg zum „world’s biggest everything store“ist eine treu ergebene Kundschaft unverzichtbar: „Amazon weiß, dass Premium-Kunden loyaler sind, mehr Geld auf der Plattform ausgeben und auch eine größere Bandbreite von Produkten kaufen“ , zitiert Forbes den Analysten Mark Mahaney.

Wie erfolgreich Amazon Prime bisher war, verrät das Unternehmen allerdings nicht so genau. „Tens of Millions“ betrage die Mitgliederzahl, behauptet Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos. Forbes gegenüber schätzt Mahaney, dass weltweit 50 bis 70 Millionen Prime-Kunden existieren, die kostenlosen Probe-Mitgliedschaften mit eingerechnet. Bei Forrester Research glaubt man dagegen: mehr als 25 Millionen Prime-Kunden konnte Amazon bisher nicht gewinnen. Etwa 30 Prozent der Online-Käufer in den USA seien bei Prime angemeldet (manche Konsumenten sind übrigens auch aus Überzeugung gerade NICHT dabei…).

Wer hat auf Dauer den längsten Atem?

Die Handelsspanne, so Forbes, sei „dünn bis nicht existierend“. Alleine der kostenlose Express-Versand an US-Kundenadressen koste Amazon ein bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr extra, von den Kosten für das Gratis-Videostreaming und ähnlichen Bonus-Leistungen mal ganz abgesehen. Allerdings habe Prime die Konsum-Kultur in den USA ingesamt verändert. Einer Schätzung von ComScore zufolge würden mittlerweile zwei Drittel aller Online-Einkäufe in den USA versandkostenfrei geliefert: um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Konkurrenten also auch Geld aus dem Fenster werfen.

Manche von ihnen wie Walmart oder Target haben auf den Prime-Day zudem mit ganz ähnlichen Parallelaktionen geantwortet. Genau wie Amazon werden sie bei dieser Rabattschlacht am Ende kräftig draufzahlen – doch darum geht es natürlich nicht. Denn beim großen Spiel, das hier gespielt wird, geht es darum, wer auf Dauer den längeren Atem hat. Und alle scheinen schon jetzt zu ahnen: Es kann nur einen geben…