Neues von niiu – die personalisierte Tageszeitung im Praxis-Test

niiu-personalisierte-tageszeitung-berlin-test-e-newspaperNiiu ist da – die ersten Ausgaben der personalisierten Tageszeitung wurden jetzt in Berlin ausgeliefert. Das von zwei Studenten gegründete Startup kombiniert auf neue Weise Print und Online: gedruckt werden nur Inhalte, die von den Abonnenten gewünscht sind. Zur Wahl stehen Rubriken verschiedener nationaler und internationaler Tageszeitungen, aber auch Content aus der Blogosphere. E-Book-News hat die neue niiu getestet.

Leicht, mittel oder schwer? Sudokus mit selbst gewähltem Schwierigkeitsgrad


Warum sollte man in Zeiten von Google News überhaupt noch Zeitungen lesen? Im Internet filtert man sich schließlich genau die Informationen heraus, die man haben möchte. Andererseits ist eine Zeitung aus Papier natürlich bequemer am Frühstückstisch zu lesen. Auf das erste flexible E-Paper im Großformat müssen wir wohl noch etwas warten. In der Zwischenzeit verspricht das Berliner Startup Niiu nun, das beste aus beiden Welten zu liefern – die dank Internet und Digitaldruck personalisierte Tageszeitung. Damit sollen auch potentielle Leser aus der Twitter-Generation motiviert werden, wieder ein Print-Produkt in die Hand zu nehmen. Niiu setzt auf Personalisierung, genauso aber auf Lokalisierung. Das sieht man bereits auf der Titelseite (siehe auch unser Youtube-Video). Neben dem Wetterbericht für Berlin findet man dort ein Sudoku mit selbst gewähltem Schwierigkeitsgrad. Sichtbar wird aber auch ein ganz besonderer Clou: aktuelle Inhalte aus der Blogosphere landen auf dem gedruckten Papier – in unserer Testausgabe die neuesten Postings von E-Book-News. Allerdings läuft die Umsetzung nicht ganz sauber – einige Spalten sind mit Steuerzeichen-Müll aus dem RSS-Feed gefüllt. Hier ist wohl noch einiges Feintuning nötig.

Nicht jedes Zeitungsformat eignet sich für die niiu – die New York Times ist nur mit der Lupe zu entziffern

zeitungsformate-niiu-e-newspaper-personalisierte-tageszeitung-bild_wikipediaBeim Durchblättern der bunten Mischung unterschiedlichster redaktioneller Inhalte zeigen sich weitere Schwachstellen des Projekts. Niiu erscheint im sogenannten Berliner Format, d.h. jede Seite ist etwa so groß wie zwei DinA4-Blätter. Viele Zeitungen wie etwa FAZ, Süddeutsche oder die Berliner Morgenpost werden jedoch im größeren „nordischen Format“ gedruckt. Das Layout wird dann heruntergezoomt, um noch in den Satzspiegel der niiu zu passen. Die Schrift wird dadurch deutlich kleiner. Bei Boulevardzeitungen macht das nicht viel aus, doch bei der New York Times etwa brauchte man fast schon fast eine Lupe zum Lesen. Doch anders geht es wohl zur Zeit nicht – die deutschen Zeitungen sind noch nicht darauf eingestellt, ihren Content auch in einem anderen Layout zu liefern, ob für den E-Reader oder Projekte wie niiu. In Frankreich und den Niederlanden ist das schon anders – hier haben manche Blätter sogar Redakteure und Layouter, die nur für den Content-Export zuständig sind. Dem niiu-Abonnenten bleibt so wohl nichts anderes übrig, als auf Zeitungen im richtigen Format zuzugreifen – zum Beispiel die Frankfurter Rundschau oder die taz.

Logistik-Probleme: Bis jetzt liegt die niiu nicht im Briefkasten, sondern draußen vor der Tür

Der Vergleich zwischen niiu-Version und „echter“ taz zeigt übrigens ein weiteres Problem: die Farben kommen beim Digitaldruck nicht so kräftig heraus wie beim Original. Insgesamt bleibt das Urteil so ausgeglichen: Die Idee einer personalisierten Tageszeitung ist toll – sie bietet auch eine gute Lösung für die aktuelle Paid Content-Debatte. Wenn man das richtige Angebot hat, einen Zusatznutzen bieten kann, werden sich auch für eine Print-Zeitung genügend LeserInnen finden lassen. Eins dürfte jedoch auch klar sein – die Qualität muss stimmen. Warum sollte man sonst 1,80 Euro (Studenten 1,20 Euro) pro Ausgabe in ein solches Produkt investieren? Damit die Rechnung aufgeht, müssen die Macher der niiu noch kräftig nacharbeiten. Nicht nur, was Layout und Technik betrifft. Auch die Logistik hinkt noch. Im Briefkasten findet man die Zeitung nämlich bisher nicht, sondern draußen vor der Tür. Immerhin: Auf ihrem Blog haben die niiu-Gründer Wanja S. Oberhof und Hendrik Tiedemann gleich am ersten Tag Besserung gelobt. Und zeigten sich spendabel: als kleine Gegenleistung wurde die Laufzeit des kostenlosen Test-Abos verlängert…