„Das Amazon ihrer Zeit“: Wie Paperbacks den US-Buchmarkt eroberten – 70 Jahre vor Kindle E-Books & Co.

pocketbooks-amazon-der-dreissiger-jahreKaum jemand kennt heutzutage noch Robert de Graff – nicht mal in den USA. Dabei war der Unternehmer dort quasi der Jeff Bezos der 1930er und 1940er Jahre. Ähnlich wie später der Amazon-Gründer löste de Graff mit seinem Unternehmen Pocket Books eine Revolution in der Buchbranche aus. Und auch in diesem Fall fand die Revolution jenseits klassischer Buchhandlungen statt: de Graff brachte nämlich Taschenbücher zum Kampfpreis von nur 25 Cent auf den Markt, die landesweit überall dort erhältlich waren, wo man auch Zeitungen und Zeitschriften kaufen konnte.

Hohe Auflagen, niedrige Preise

Gegenfinanziert wurde das ambitionierte Business-Modell zunächst schlicht durch risikolose Reprints von populären Klassikern und aktuellen Bestsellern in hoher Auflage – die zehn Start-Titel von Shakespeare und Emily Brontë bis Thornton Wilder und Agatha Christie verkauften sich in der ersten Woche 100.000 mal, nach einem Jahr hatte Pocket Books bereits 6 Millionen Exemplare abgesetzt.

Ähnlich wie ihr direktes Vorbild, die britischen Penguin Books (und wiederum deren deutsches Vorbild Albatross), besaßen auch die Pocket Books made in USA ein wiedererkennbares Logo – in diesem Fall ein lesendes Känguru namens Gertrude. Im Unterschied zu Penguin waren die Cover aber sehr bunt und bebildert, um das US-Publikum besser anzusprechen.

Hardcover seit 1960 abgehängt

Zum Start der ersten Pocket Book-Serie im Juni 1939 ließ de Graff in einer großen Anzeige via New York Times verlauten: „The New Pocket Books that may revolutionize New York’s reading habits“ – das sollte sich dann tatsächlich bewahrheiten, nicht nur in New York. Taschenbuchlesende Menschen gehörten bald zum ganz normalen urbanen Straßenbild, ähnlich wie 70 Jahre später die Leser mit Kindle-Reader.

Seit den 1950er Jahren erschienen in den USA dann auch erstmals Neuerscheinungen sofort als günstiges Taschenbuch, was sich aufgrund hoher Auflagen für die Autoren durchaus lohnte (eine Erfahrung, die Self-Publisher und manche Indie-Verlage bei E-Books heutzutage ebenfalls machen…). Im Jahr 1960 überholten die Umsätze mit Paperbacks die Umsätze mit Hardcover – und Pocket Books ging als erster US-Verlag an die Börse.

(via Teleread & Mental Floss)

Abb.: Wikipedia

Booktube: Penguin spendiert Londoner U-Bahn-Passagieren drahtlose Gratis-Lektüre

Summer of PenguinZum achtzigsten Verlagsjubiläum bringt Penguin unterirdische elektronische Texte in Umlauf. Wobei „unterirdisch“ sich hier natürlich nicht auf die Qualität beziehen soll: im Zusammenarbeit mit dem Tube-Betreiber Transport for London und Virgin Media startete gestern nämlich eine mobile Website namens „Summer of Penguin“, deren Inhalt sich speziell an die Fahrgäste der Londoner Tube richtet.

Die grafisch aufwändig gestaltete Landing-Page ähnelt selbst einem U-Bahnfahrplan: per Fingertipp können Passagiere sich auf ihrem Smartphone von Station zu Station bewegen. Die Auswahl wird täglich mit neuen literarischen Haltepunkten ergänzt.

Penguin-Digital-Managerin Hannah Telfer zufolge sind darunter zum Beispiel Ausschnitte aus Werken von Harper Lee, John Cleese und Terry Pratchett, die man auf diese Weise neuen Leserschichten näher bringen möchte.

„Diese Kooperation bringt das geschriebene Wort jenseits der Buchseiten in Kontakt mit Reisenden im Londoner Underground, und feiert die Stories und Ideen die Penguin in den letzten 80 Jahren geformt haben, genauso natürlich die tollen Talente die wir als Teil von Penguin Random House heutzutage veröffentlichen“, so Telfer.

Die Gratis-Aktion im Untergrund läuft vom 3. bis zum 28. August, der „Summer of Penguin“ setzt damit fort, was Anfang des Jahres mit den gedruckten „Little Black Classics“ begann: seit damals wurden 80 klassische Penguin-Books mit jeweils 80 Seiten zum Preis von 80 pence in Umlauf gebracht.

(via The Drum & Penguin)

Verlagsgruppe Pearson: Umsätze mit digitalen Medien werden Print 2012 überholen

Nicht nur in den USA wird die Gutenberg-Galaxis von der elektronischen Konkurrenz abgehängt: die Londoner Verlagsgruppe Pearson – zu der neben Penguin auch die Financial Times gehört — konnte 2011 dank Apps, E-Books und Online-Angeboten ein Umsatzwachstum von 18 Prozent verzeichnen. In diesem Jahr könnte sogar ein historischer Wendepunkt erreicht werden: „Umsätze mit digitalen Gütern und Dienstleistungen werden wahrscheinlich die Umsätze im Printbereich überholen“, prognostizierte das Unternehmen bei der Vorstellung der Vorjahresergebnisse.

Maßgeblich beitragen werden dazu auch elektronische Schulbücher und Lernsoftware – denn Pearson ist mit einem Gesamtumsaz von mehr als 6 Milliarden Euro nicht nur der weltgrößte Publikumsverlag, sondern auch der größte Anbieter von Bildungsmedien. Doch die Ergebnisse der Pearson-Tochter Penguin können sich ebenfalls sehen lassen. Seit 2008 hat der mit seinen Taschenbuch-Klassikern berühmt gewordene Verlag bereits mehr als 50 Millionen Apps und E-Books verkauft. E-Books machen nun 12 Prozent der globalen Umsätze aus, in den USA sogar bereits 20 Prozent. Für 2012 wird ein weiteres kräftiges Wachstum erwartet. Wie bei anderen Verlagen – z.B. Simon&Schuster – stagnierte jedoch der Gesamtumsatz, da im Printbereich etwa durch die Pleite der zweitgrößten Buchhandelskette Borders bedeutende Verkaufsflächen wegfielen. Geringere Vertriebskosten im E-Book-Bereich sorgten interessanterweise zugleich für steigenden Gewinn.

Große Erfolge bei der Print-to-Online-Strategie vermeldet zudem die Financial Times. Ähnlich wie die New York Times setzt das Blatt auf eine Paywall nach dem „metered access“-Modell. Und das mit Erfolg: Die Zahl der digitalen Abos stieg im Jahr 2011 um 29 Prozent auf 267.000, in den USA ist die Zahl der digitalen Abonnenten mittlerweile größer als die der Print-Bezieher. Eine besondere Rolle bei dieser Entwicklung hat offenbar die Einführung des iPads gespielt – seit Mitte 2010 hat sich die Zahl der elektronischen Subskribenten fast verdoppelt. Die Bedeutung von Anzeigenerlösen ist dabei immer weiter zurückgegangen, die Financial Times erzielt fast zwei Drittel ihrer Umsätze mit dem Verkauf von Content, wobei Print und Digital hier schon fast gleichauf liegen.

Abb.: flickr/twobobswerver

Tim O’Reilly: „Ohne epub-Format ist Amazons Kindle in drei Jahren weg vom Fenster“

Wer auf offene E-Book-Formate setzt, wird am Markt Erfolg haben. Wer die Nutzung elektronischer Bücher rigide beschränkt, wird dagegen scheitern. Diese Überzeugung vertritt der bekannte amerikanische Verleger Tim O’Reilly in einem Artikel für Forbes.com. Amazons Lesegerät Kindle prophezeit der vor allem mit Anwenderbüchern im Computer- und Websektor erfolgreiche O’Reilly deswegen ein schnelles Ende: (mehr …)

Gutenberg 2.0: Buchhandel startet E-Book-Business auf Libreka.de

E-Books verkaufen sich immer besser. In vielen englischsprachigen Ländern werden zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Nicht nur Anbieter wie Amazon legen zu, auch viele Verlage wie etwa Random House machen ihre Umsätze zunehmend mit elektronischer Lektüre. Jetzt hat auch der deutsche Buchhandel die Zeichen der Zeit erkannt: schon im März könnte der Buchhandel zum E-Book-Handel werden, besser gesagt: zur Download-Plattform. Auf dem Portal Libreka.de will man nämlich pünktlich zur Leipziger Buchmesse die schon länger geplante E-Commerce-Funktion freischalten. (mehr …)