Mentale Bezahlschranke: Deutsche Tablet-Nutzer sind Paid-Content-Muffel

Tablets gelten der Paid-Content-Fraktion als die heilige Kuh unter allen digitalen Cash-Cows – ihre Touch-Screens sind schön groß und bunt, eignen sich also für attraktive Inhalte aller Art, vom E-Book über Games bis zum gestreamten Blockbuster. Zugleich sind viele Nutzer bereits über Handys & Smartphones auf kostenpflichtige Angebote konditioniert worden. Für amerikanische Konsumenten stimmt das wohl auch. Die Marktforscher von Nielsen haben mehrheitlich bereits die elektronische Geldbörse gezückt, um Content auf den Flachrechner zu bringen.

Dem aktuellen „US Digital Consumer Report“ für das vierte Quartal 2011 zufolge haben 62 Prozent bereits für Musik-Downloads bezahlt, 58 Prozent für E-Books, und knapp die Hälfte auch für Filme. Bei den Deutschen dagegen sieht es völlig anders aus: Tablet-Nutzer zwischen Kap Arkona und Berchtesgaden haben bisher zu 9 Prozent für Musik-Downloads den Bezahlknopf gedrückt, bei E-Books waren es sogar nur 7 Prozent, und für Filme 6 Prozent. Doch für Bezahlschranken-Befürworter wie Springer & Co. hat Nielsen zumindest auch etwas Nervenbalsam parat – denn ausgerechnet bei Nachrichten liegen die Deutschen mit den US-Amerikanern fast gleich auf. Während hierzulande 15 Prozent der Tablet-Nutzer bereits für News gezahlt haben – Spitzenwert unter allen abgefragten Medienkategorien – sind es auf der anderen Seite des Atlantiks 19 Prozent.

Die Deutschen dürfen also als Paid-Content-Muffel gelten. Die Europäer insgesamt aber keineswegs – vor allem die Italiener haben auf dem Touch-Screen die Spendierhosen an. Musik, Bücher oder Filme werden südlich der Alpen im Vergleich zu Deutschland doppelt und dreifach so häufig kostenpflichtig heruntergeladen. Die Briten halten ähnlich wie die Deutschen die Hand auf dem Portemonnaie. Zu den Motiven für die Abneigung gegen Paid-Content dürfte vor allem die Tatsache zählen, dass viele Inhalte via Webbrowser auch frei zugänglich sind. Auch wenn der Zugang nicht immer ganz so komfortabel ist, senkt sich bei Otto Normalsurfer hier offenbar eine mentale Bezahlschranke. Der App-Nation USA wiederum scheint etwas mehr Bequemlichkeit einiges Wert zu sein. Gerade im Bereich von Kinofilmen und TV-Shows wird Paid-Content dem Konsumenten dort aber auch verstärkt durch Flatrate-Tarife schmackhaft gemacht, während entsprechende Angebote in Deutschland noch Mangelware sind.

Abb.: Nielsen (Artikel) sowie flickr/zizzybaloobah (Startseite)

Nielsen-Studie zum „vernetzten Konsumenten“: Ein Bericht zur Lage der Kindle-& iPad-Nation

nielsen-studie-e-reader-tablet-vernetzter-konsumentDer Medienkonsum wird immer mobiler. An die Stelle von PC, Buch oder Spielekonsole sind drahtlos vernetzte Gadgets getreteten – neben Smartphones, Netbooks und Tablets gehören dazu natürlich auch WiFi-fähige E-Reader wie Amazons Kindle. Doch wie werden diese Geräte im Alltag tatsächlich genutzt? Das US-Beratungsunternehmen Nielsen hat online 5000 Besitzer von Mobilgeräten aller Art befragt – und die Ergebnisse im aktuellen „State of the Media“-Factsheet zusammengefasst.

„Early Adopters“ nutzen Tablets & E-Reader

„State of the Media“, das klingt ein bisschen wie der Bericht zur Lage der Nation. Ist es auch, doch die Nation, um die es hier geht, ist die der Kindles und iPads. Im August 2010 fragte das US-Beratungsunternehmen Nielsen 5000 amerikanische Konsumenten, welche mobilen Geräte sie besitzen und vor allem, wie der Gadget-Fuhrpark im Alltag genutzt wird. Wichtigste Erkenntnis: Otto Normalverbraucher wird zunehmend zu Otto Mobilsurfer – das „State of the Media“-Factsheet spricht vom „increasingly connected Consumer“. Basis für diesen Trend sind Smartphones – ein Viertel der Befragten gab an, ein solches Gerät zu besitzen. Netbooks (8 Prozent), E-Reader (6 Prozent) und Tablet-PCs (4 Prozent) gehören dagegen auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch eher zu den exotischeren Gadgets. Die Nutzer von iPad, Kindle & Co. sind sich ihrer Vorreiterrolle offenbar auch sehr bewusst – 38% der E-Reader-Besitzer und sogar 48 % der Tablet-Besitzer würden sich selbst als „Early Adopters“ bezeichnen.

Männer lieben das iPad, Frauen eher den Kindle-Reader

Zum Profil des Medien-Pioniers gehört offenbar auch die Bereitschaft, mit einer zunehmenden Zahl von Geräten, Akkus und Ladekabeln zurechtzukommen. Denn Tablet- und E-Reader-Nutzer besitzen im Schnitt 5-6 vernetzte Geräte, u.a. Mobiltelefone, tragbare Computer, Media-Player oder Spielekonsolen. Ob Kindle oder iPad macht hier zugleich den feinen Unterschied aus – 65 Prozent der iPad-Nutzer sind Männer, bei Amazons E-Reader ist das Geschlechterverhältnis dagegen fast ausgeglichen. Wer auf dem E-Ink-Display liest, ist im Durchschnitt zudem etwas gebildeter und etwas wohlhabender. Auch in anderer Hinsicht scheinen Tablets und dedizierte Lesegeräte unterschiedlichen Kulturen anzugehören – so würden die meisten der Befragten zwar ihr Tablet mit Freunden oder Familie teilen, beim E-Reader sieht das aber ganz anders aus: diese Geräte werden ähnlich wie Mobiltelefone überwiegend nur von einer Person genutzt. Gelesen wird freilich auf dem iPad genauso wie auf dem Kindle – das größere Display führt sogar dazu, dass im Vergleich zum iPhone die Lesedauer zunimmt. Nur mit TV- und Videoanwendungen wird auf dem iPad noch mehr Zeit verbracht.