Das Taxameter tickt: New York Times setzt (erneut) auf Bezahlschranke

new-york-times-paywallArthur Ochs Sulzberger Jr., Herausgeber der The New York Times, kündigt in einem “Brief an unsere Leser” an, dass die Times von heute an wieder hinter einer Bezahlschranke verschwinden wird. Zuerst in Kanada, damit die Times “das Kundenerlebnis feiner abstimmen kann” (”will enable us to fine-tune the customer experience” – auch die NYT ist sich leider längst nicht mehr für dieses Brechreiz hervorrufende PR-Gefasel zu schade), bevor dann am 28. März alle Leser weltweit zur Kasse gebeten bzw. ausgesperrt werden, sobald sie mehr als eine bestimmte Anzahl Artikel gelesen haben.

Das bedeutet:

* Auf der Website NYTimes.com kann man pro Monat 20 Artikel kostenlos lesen (das beinhaltet Slideshows, Videos und andere Inhalte). Danach muss man “digitaler Abonnent” werden und zahlen.
* Auf den Smartphone- und Tablet-Apps wird die “Top News”-Rubrik kostenfrei bleiben. Für alle anderen Inhalte muss man “digitaler Abonnent” werden.
* Alle, die ein Printabo der NYT oder der International Herald Tribune haben, lesen weiter das komplette Angebot kostenfrei.
* Leser, die durch Links bei Suchmaschinen, Blogs und Social Media wie Facebook und Twitter zu einem Artikel kommen, können ihn weiterhin lesen, auch wenn sie bereits ihr Kontingent ausgeschöpft haben. Bei einigen Suchmaschinen wird es ein tägliches Kontingent an Artikeln geben, auf die man über die Suchmaschine zugreifen kann.
* Die Startseite und alle Ressortseiten werden kostenfrei lesbar bleiben.

Drei Gedanken dazu:

1. Es wird spannend sein zu sehen, ob ein Angebot, das auch im Web wirklich einflussreich und gut gemacht ist, seine Leser davon überzeugen kann, für Inhalte zu bezahlen. Der letzte Versuch, Leser davon zu überzeugen, war 2007 gründlich gescheitert. Seitdem ist eine Menge geschehen, aber die Diskussion darüber, ob die Nutzer bereit sind, für Inhalte zu zahlen, ist genauso wenig ausgemacht wie damals.

2. Die Differenziertheit, mit der die NYT Inhalte anbietet (z.B. für Nutzer von Social Networks die Artikel weiter lesbar zu halten), zeugt einerseits davon, wie gut die Times die Dynamiken des Webs verstanden hat. Auf der anderen Seite beruht das Modell dadurch auf einer Art Soli-Prinzip, denn viele Leser werden die Artikel, die sie wirklich dringend lesen wollen, weiter lesen können – z.B. indem sie den Umweg über eine Suchmaschine oder Twitter gehen. Sulzberger schreibt denn auch in seiner Begründung:

Das ist ein wichtiger Schritt, von dem ich hoffe, dass die Leser ihn als eine Investition in die Times sehen – ein Schritt, der unsere Möglichkeiten stärken wird, allen Lesern weltweit auf allen Plattformen hochqualitativen Journalismus anzubieten.

Aber getroffen werden natürlich genau die Stammleser:

Der Umbau wir in erster Linie diejenigen betreffen, die die Inhalte der Times sehr stark nutzen.

Ob gerade diese Stammleser das gut finden und sich so solidarisch zeigen, wie Sulzberger sich das wünscht, ist der spannende, aber auch heikle Kern des Experiments.

3. Wie ausgefeilt ist die Technik? Wenn allein über IP-Adresse und/oder Cookies bestimmt wird, wie viele Artikel bereits gelesen wurden, ist die Kontingentierung leicht zu umgehen. Ich wüsste im Moment nicht, wie es anders funktionieren sollte. Das ist zwar dennoch nervig und aufwändig, aber wann werden die ersten Tools erhältlich sein, die einen die NYT vollständig kostenlos lesen lassen, ohne sich um den Krams selbst kümmern zu müssen? Am 28. März?

Autor & cc-Lizenz: Matthias Spielkamp

Der Originalartikel erschien am 17.3.2011 auf immateriblog.de

Abb.: flickr/Dom Dada

Endlich etabliert: New York Times veröffentlicht ab 2011 E-Book-Bestsellerlisten

new-york-times-bestseller-e-books Ab Januar 2011 fügt die New York Times ihren Bestseller-Listen zwei weitere hinzu – die bestverkauften E-Book-Titel aus den Bereichen Fiction sowie Non-Fiction, also Belletristik und Sachbuch. Zu diesem Zweck wird die Rubrik „Sunday Book Review“ erweitert, die dann insgesamt 16 Bestseller-Listen für Hardcover-Ausgaben und Paperbacks und elektronische Versionen umfasst. Von den Verkaufszahlen her haben E-Books in den USA sich fest etabliert – in diesem Jahr betrug ihr Anteil an den Buchverkäufen insgesamt bereits 9 Prozent.

“Wir hatten ein Auge auf E-Books, seitdem es sie gibt“

Für elektronische Bücher in den USA ist das so etwas wie der Adelsschlag – nach Paperbacks, Bilderbüchern oder Business-Ratgebern werden nun auch die medial eher flüchtigen E-Books in der altehrwürdigen „Sunday Book Review“ gelistet. Das Internet ist allerdings hier auch schon schneller als das raschelnde Zeitungspapier – denn online man kann die Zahlen bereits eine Woche früher lesen. Ab Januar 2011 nun also inklusive E-Books. Zwei Jahre lang hat die NYT nach eigenen Angaben an einem Tracking-System gearbeitet, mit dem sich E-Book-Verkäufe in ähnlicher Form messen lassen wie im Print-Bereich. „Wir hatten ein Auge auf E-Books, seit dem sie auf dem Markt sind“, zitiert die NYT Janet Elder, Redakteurin im Bereich News Survey. „Es war klar das E-Books einen immer größeren Anteil an den gesamten Verkaufszahlen haben würden, deshalb wollten wir unseren Lesern sagen können, welche Titel sich besonders gut verkaufen und wie das Verhältnis zu den Printverkäufen aussieht.“ Aktuellen Zahlen der Association of American Publishers zufolge ist der Zeitpunkt gut gewählt: denn im Vergleich zum letzten Jahr hat sich von Januar bis August 2010 der Anteil von E-Book-Verkäufen am gesamten Buchmarkt von drei auf neun Prozent nahezu verdreifacht. In Deutschland sind die Zahlen zur Zeit dagegen offenbar noch unter der Nachweisgrenze – eine von MediaControl für diesen Herbst versprochene monatliche E-Bestseller-Liste blieb nämlich bisher aus.

Für Amazon waren die NYT-Bestseller schon immer ein Verkaufsargument

Allerdings ist es auch nicht ganz einfach, an die richtigen Zahlen zu kommen. Im Printbereich sammelt die New York Times etwa Stichproben aus einzelnen Buchhandlungen wie auch Buchhandelsketten – so dass die Bestseller-Listen vor allem etwas über Bücher aussagen, die sich im Einzelhandel als verkaufsstark erwiesen haben. E-Book-Verkaufsszahlen dürften sich dagegen wohl eher an wenigen großen Playern wie Amazon oder Barnes&Noble orientieren – denn die verkaufen schließlich einen Großteil des elektronischen Lesestoffs. Die genaue Technik zur Ermittlung der Zahlen wird aber wohl auch in diesem Bereich ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis der NYT bleiben. Klar ist dagegen die Wirkung der Bestseller-Listen: denn wie Umfragen ergeben haben, interpretiert sie tatsächlich die Mehrheit der Buchkäufer in den USA als eine Art Kauf-Empfehlung. Dabei profitieren vor allem weniger bekannte Autoren, die durch das Auftauchen in der Sunday Book Review plötzlich ein ganz besonderes Qualitätssiegel erhalten. Kein Wunder, dass Anbieter wie Amazon oder Barnes&Noble sich schon seit den Neunziger Jahren besonders gerne bei den NYT-Bestsellern gegenseitig unterbieten. Auch bei E-Books wurde von Anfang an Wert gelegt auf möglichst viele und preisgünstige Titel von der NYT-Bestseller-Liste. Denn gerade mit diesem Argument wollte man potentielle E-Reader-Kunden überzeugen, auf elektronische Tinte umzusteigen. Natürlich gibt es mittlerweile ein weiteres Argument – in den Kaufempfehlungen der Unternehmen tauchen Kindle wie auch Nook selbst als Bestseller auf.

Friendly Takeover bei der New York Times: Kachingle sammelt Spenden, um Paywall zu verhindern – ohne zu fragen

kachinglex-new-york-times-crowdfunding-pluginKann Kachingle die Paywall der New York Times stoppen? Zumindest für die beim Publikum beliebten NYT-Blogs von David Pogue oder Paul Krugman gibt es jetzt eine Alternative. Mit einem Browser-Plugin namens KachingleX sammelt das Crowdfunding-Netzwerk unter den regelmäßigen Lesern Spenden, die an die Blogger weitergeleitet werden. Die Aktion ist eine Art „freundliche Übernahme“ – denn die NYT wurde nicht gefragt. Wer mitmachen will, braucht Firefox oder Chrome als Browser.

KachingleX zeigt der NYT, dass Crowdfunding funktioniert

Bei der New York Times tickt die Uhr – ab 2011 will das finanziell klamme Blatt eine Paywall errichten. Eine bestimmte Anzahl an Artikeln wird man zwar auch im nächsten Jahr noch umsonst lesen können, doch wer mehr will, wird zur Kasse gebeten. Vorbild beim sogenannten „metered access“ ist die in London erscheinende Financial Times – dort können Leser maximal zehn Online-Artikel jeden Monat unentgeltlich konsumieren. Auch die beliebten Blogs der New York Times sollen hinter dieser abgestuften Bezahlschranke verschwinden. Die neuesten Postings von Star-Kolumnist Paul Krugman, David Pogues legendäre Technologie-Kritiken oder den Freakonomics-Blog von Levitt & Dubner gäbe es dann nur noch gegen Cash. Das Team um Kachingle-Gründerin Cyntha Typaldos will sich damit aber nicht abfinden – schließlich gibt es mit ihrem Crowdfunding-Netzwerk eine bereits funktionierende Alternative zu Paid Content. Das wollen sie mit Hilfe der Kachingle-Community nun der New York Times beweisen, und zwar ganz ungefragt: „A strong set of supporters like you will show the NYTimes executives that readers who appreciate these bloggers will voluntarily pay to support their effort, without having to put them behind a paywall and removing them from the social web“, heißt es in einem online verbreiteten Aufruf.

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Das eingesammelte Geld geht via PayPal an die Blogger

Mittel zum Zweck ist KachingleX, ein spezielles Browser-Plugin, das man auf der Kachingle-Website herunterladen kann. Völlig unabhängig vom Webserver der New York Times registriert KachingleX, ob man Kachingle-Mitglied ist und zu den Unterstützern des jeweiligen NYT-Blogs gehört. Wie beim Crowdfunding-Netzwerk üblich, wird dann jeder Besuch gezählt, um am Ende des Monats bei der Ausschüttung berücksichtigt zu werden (Der monatliche Kachingle-Beitrag beträgt zur Zeit 5 Dollar). Auf einer extra eingerichteten Kampagnenseite kann man das bisherige Ergebnis bewundern: Paul Krugmans Blog hat aus dem Stand heraus bereits 20 Kachingler als Unterstützer gewonnen, danach folgen der BitsBlog sowie Freakonomics mit 16 bzw. 10 Kachinglern. Gefragt wurden die Blogger übrigens vor dem Start der Aktion genauso wenig wie die NYT-Redaktion, eine E-Mail-Benachrichtigung gab es aber nach Angaben von Kachingle schon. Die eingesammelten Gelder sollen über PayPal weitergereicht werden – dabei wird offenbar die offizielle NYT-Mail-Adresse der Blogger genutzt. Für Kachingle selbst dürfte sich das Friendly Takeover der New York Times-Blogs auf jeden Fall lohnen. Die Aktion bringt nicht nur das Anliegen der Crowdfunding-Bewegung in die Medien, sondern könnte auch viele Online-Lesern der NYT zum kachingeln ermuntern.

New York Times nur noch als E-Paper & gegen Cash?

new-york-times-nur-noch-als-e-paper-und-gegen-cash-150x150Weniger Anzeigenerlöse, weniger Abonennten, kaum noch Kredit: Die macht sogar in Deutschland mal wieder Schlagzeilen, denn sie gerät finanziell immer stärker in Schlagseite. Möglich erscheint jetzt sogar das Ende der Print-Ausgabe, also die Beschränkung auf eine kostenpflichtige Online-Version und eine -Edition für den .
Schon seit dem Herbst 2008 machen auch andere Lösungsvorschläge für die NYT die Runde, (mehr …)