Walmart eBooks by Rakuten Kobo — die Anti-Amazon-Allianz im US-Einzelhandel wird konkret

walmart-goes-kobo„Walmart eBooks by Rakuten Kobo“: Anfang des Jahres angekündigt, wird die Kooperation des US-Einzelhandelsriesen mit Kobo in dieser Woche konkret — auf Walmart.com kann man nun auch E-Books und Hörbücher shoppen, zugleich startet die co-gebrandete Walmart-Kobo-App für Smartphone, PC und Kobo-Reader. Auch eine Audiobook-Flatrate für 10 Dollar pro Monat ist angekündigt. Zugleich zeigt Kobo Präsenz in den Filialen selbst — dort wird man die Kobo-Reader kaufen können.

Buchhandels-Inseln im Supermarkt

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass Walmart in seinen Filalien im großem Stil gedruckte Bücher anbietet, jetzt gibt es also ein Vollangebot: „Walmart eBooks will complement our vast physical book assortment and offer customers a comprehensive digital book solution, introducing an entirely new category that hasn’t been previously available at Walmart“ schreibt Mario Pacini, General manager of entertainment auf dem Walmart-Blog.

Kooperation über Ländergrenzen

Nach dem fast alle großen und auch viele kleinen Buchhandelsketten in den USA gegenüber Amazon das Handtuch geworfen haben, bleibt Print und Digital im stationären Einzelhandel ein wichtiges Refugium erhalten. Interessant ist die Kooperation zwischen Kobo und Walmart natürlich auch deshalb, weil Kobo inzwischen zum japanischen Einzelhandelsriesen Rakuten gehört. Im Angesicht der massiven Online-Konkurrenz werden also neue Allianzen in der Branche befördert, die über Ländergrenzen reichen.

Krümel vom Tisch des Herrn…

Ob der Marktanteil von Kobo durch diese Maßnahme in den USA signifikant steigt, ist allerdings fraglich — derzeit liegt er dort dem Author Earnings-Report zufolge bei deutlich unter einem Prozent, während Amazon bereits satte 83 Prozent des Marktvolumens eingeheimst hat. Ein paar Krümel vom Tisch des Herrn freilich könnten ja abfallen — und auch die grundsätzliche Sogwirkung Online-Marktriesen auf Walmart-Stammkunden kann so vielleicht etwas ausgebremst werden.

(via Businessinsider)

Bibliotheks-Downloads als Blind Spot: Ist Rakuten OverDrive die mächtigste Nummer Zwei auf dem E-Book-Markt?

rakuten-overdrive-amazon-dicht-auf-den-fersenDie Nummer eins der E-Book-Branche, das ist Amazon, klar. Aber wer ist eigentlich Nummer zwei? Apple? Barnes & Noble? Nein, weit gefehlt, meint Adam Rowe auf Forbes.com, wahrscheinlich Rakuten, und zwar mit deutlichem Abstand vor allen anderen. Denn zu Rakuten gehört nicht nur Kobo, sondern auch der Bibliotheksdienstleister OverDrive. Und der habe alleine für das Jahr 2017 eine Zahl von 155 Millionen E-Book- und 68 Millionen Audiobooks durch Bibliotheksnutzer gemeldet.

Downloads via KU zählen, Overdrive-Checkouts nicht!?

In den Branchenstatistiken von Nielsen wie auch Bookstat (früher: Author Earnings Report) würden die Download-Zahlen solcher Contentlieferanten für Bibliotheken allerdings nicht mitgerechnet, im Rahmen von Flatrate-Abos heruntergeladene E-Books — insbesondere via Kindle Unlimited — aber schon. Das sorge für eine verzerrte Sicht auf den Markt: denn rechne man die Bibliotheks-Downloads mit ein, sei Rakuten dem Branchenprimus Amazon weitaus dichter auf den Fersen als andere Konkurrenten.

Verzerrter Blick auf Markt & Nutzerverhalten

Zum Vergleich verweist Rowe auf Zahlen des Author Earning Reports aus 2016 — dort sei Amazon mit 440 Millionen verkauften E-Books an Platz eins, gefolgt von iBooks mit 44 Millionen und B&N mit 19,4 Millionen. Das Problem mit den ignorierten Zahlen der Bibliotheksdienstleister sei letztlich sogar ein doppeltes, betont Rowe mit Verweis auf Branchenbeobachter Mark Williams: „we are given not only a distorted picture of the units and value of the digital market, but more importantly a very distorted view of the wider level of engagement with digital books.“

Kobo-Reader im Supermarktregal: Rakuten/Kobo paktiert mit US-Einzelhandelskonzern Walmart

walmart-goes-koboWas sich bei der französischen Supermarktkette CarreFour gerade anzudeuten scheint, beim britischen Konzern WHSmith bereits gängige Praxis ist, bestimmt nun auch bei Walmart den Kurs: die Kooperation mit Rakuten/Kobo in Sachen E-Reading. Wie jetzt angekündigt wurde, wird die US-Kette in Nordamerika exklusiv Kobo-Reader in ihre Regale aufnehmen, E-Book-Gutscheine verkaufen und zudem einen eigenen E-Book-Store sowie eine „co-gebrandete“ Walmart-Kobo-App anbieten.

Strategie: Gemeinsam gegen Amazon

Die Zielrichtung auch dieses Deals ist natürlich klar: die großen Einzelhandels-Konzerne — zu denen ja auch Kobos neuer Besitzer Rakuten gehört — wappnen sich mit solchen Kooperationen gegen die wachsende Konkurrenz durch Amazon. Strategischer Vorteil für die Retailer ist immer noch die Präsenz in der Fläche, Kindle Reader werden noch nicht flächendeckend im Handel vor Ort angeboten.

Walmart & Rakuten auch in Japan aktiv

Auch auf einem anderen Gebiet will Rakuten zusammen mit Walmart dem nicht-mehr-nur Online-Riesen aus Seattle Paroli bieten — mit einem gemeinsam angeschobenen Gemüse-Lieferservice in Japan wird eine aktuelle Geschäftsstrategie von Amazon auf’s Korn genommen, mit Express-Services in urbanen Zentren neue Kunden an sich zu binden.

(via The Verge & ebook-fieber.de)

Shelfie mit Kobo: Rakuten-Tochter setzt auf Print plus E-Book-Bundling

kobo-kauft-ebook-bundling-app-shelfiePrint & E-Books bündeln, das klingt gut. Das Startup Shelfie (anfangs: BitLit) hatte sich seit 2013 genau auf dieses Gebiet spezialisiert, und half experimentierfreudigen Buchhändlern & Verlagen dabei, ihre Printverkäufe kräftig anzukurbeln. Der Shelfie-Sticker auf dem Cover signalisierte dem Kunden: die elektronische Version dieses Titels gibt’s via Shelfie-App kostenlos bzw. stark rabattiert obendrauf. Lektüre mit Mehrwert – das kam gut an.

Kobo übernahm bereits die Shelfie-Nutzer

Aber nicht gut genug. Anfang 2017 ging dem Startup endgültig die Puste aus. Am Totenbett stand Kobo – und bot den verwaisten Nutzern der Shelfie-App virtuellen Regalplatz in der eigenen E-Book-Cloud. Doch das war offenbar nur der erste Schritt: wie jetzt bekannt wurde, hat Kobo kurzerhand Shelfie aufgekauft und sich die gesamte Konkursmasse einverleibt. Auf shelfie.com heißt es dazu: „The deal includes technology assets, IP, and the infrastructure on which the ecosystem runs; it also includes hiring Shelfie’s skilled team, which specializes in the application of big data and machine learning for book discovery“.

Bundling macht Kobo für Buchhandel interessant

Das wiederum passt gut zur Strategie der Kobo-Mutter Rakuten: der japanische Konzern pumpt nicht nur Geld in die Internationalisierung des E-Book-Geschäftes – siehe den jüngsten Einstieg bei Tolino – sondern möchte auch neue Geschäftsfelder rund um den Markenkern erschließen. Die Shelfie-Idee macht Kobo nun erst recht als Kooperationspartner für Buchhändler und Verlage interessant.

Buchmarketing für Generation Smartphone

Das Shelfie-Konzept ist perfekt auf die Generation Smartphone abgestimmt: um das kostenlose bzw. rabattierte E-Book in der App lesen zu können, müssen die Buchkäufer via Smartphone-Kamera ein Foto vom Buchcover-Barcode sowie Impressum machen und hochladen. Dann kann die elektronische Lektüre gleich losgehen. Auf shelfie.com heißt es dazu: „Over the coming months, Kobo will work to integrate the Shelfie platform into its Android and iOS apps, enabling readers to add their print libraries to their reading history to generate ever more tailored eBook recommendations, as well as the option to get digital versions of print titles they already own“.

(via Buchreport & Publishing Perspectives)

Kartellamt: Amazon ist „Marktführer bei E-Books“ – Rakuten/Kobo darf Tolino schlucken

tolino-schwimmt-sich-freiDarf der japanische Konzern Rakuten bzw. dessen Tochter Kobo die Tolino-Plattform schlucken? Das Bundekartellamt hatte einen Monat Zeit, diese für den deutschen E-Buchhandel nicht unwichtige Übernahme zu prüfen — und gab nun offiziell grünes Licht. Die geplante Fusion war erst zum Jahresende 2016 publik geworden, und steht im Zusammenhang mit dem Ausstieg des bisherigen Technik-Partners Telekom aus der Tolino-Allianz.

„Keine wettbewerblichen Probleme“

Die erwartbare Begründung der deutschen Kartellwächter: eine marktbeherrschende Stellung erreicht Kobo/Tolino auf diese Weise nicht. In den Worten von Kartellamt-Präsident Andreas Mundt klingt das so: „Die Plattform tolino hat im E-Book Markt in Deutschland neben dem Marktführer Amazon eine wichtige Marktposition. Der Erwerb durch Rakuten bringt aber keine wettbewerblichen Probleme mit sich.“

Der global agierende Online-Händler aus Japan sei zwar international gesehen ein wichtiger Player, Rakuten/Kobo dürfe hierzulande aber als ein „eher kleiner Wettbewerber“ gelten. Außerdem gehe es ja bei der Übernahme vor allem um die technische Ebene und den Vertrieb von Lesegeräten, weniger um den elektronischen Buchhandel selbst, der via Tolino-Plattform in Verantwortung der einzelnen Tolino-Partner passiert.

„Marktanteil von Tolino nur bei 30 – 40 Prozent“

Soweit, so unspektakulär. Interessant ist dann aber doch die Details der Marktanalyse, mit der die Entscheidung begründet wird – dort wird nämlich Amazon als uangefochtener Marktführer bezeichnet. „Für den Vertrieb von E-Books ist Amazon mit dem Kindle-Shop Marktführer und verkauft nahezu die Hälfte aller E-Books in Deutschland“, stellt das Kartellamt fest. Der Marktanteil der über Tolino abgewickelten Käufe liege dagegen bei ca. 30 bis 40 Prozent.

Mit anderen Worten: Selbst wenn aus Tolino jetzt Kobotolino wird, findet kein Kopf-an-Kopf-Rennen statt, sondern höchstens eine leicht verschärfte Aufholjagd zwischen Nummer Eins und Nummer Zwei auf dem deutschen Markt.

(via Buchreport)

Einfacher einkaufen: Kobo startet Reader-Direktverkauf in Deutschland

kobo-reader-store-deutschlandKobo darf schon seit langem als die interessanteste E-Reading-Alternative zum Kindle-Universum gelten: das ursprünglich in Kanada gestartete Unternehmen punktet mit elegantem Design der Lesegeräte, und zeigte auch in Deutschland sowohl mit eigenem E-Book-Store wie auch mit komfortabler Self-Publishing-Plattform („Writing Life“) Präsenz. Eins gab’s jedoch bisher in Deutschland nicht: E-Reader von Kobo im Direktverkauf.

Kobo Aura, Kobo Glo, Kobo Aura H2O

Das hat sich nun endlich geändert: um die aktuellen Modelle Kobo Glo, Kobo Aura sowie Kobo Aura H20 zu shoppen, kann man nun ganz einfach de.kobobooks.com ansteuern. Wer einen 6-Zoller mit Glowlight sucht, wird mit den Modellen Kobo Aura (99 Euro) sowie Kobo Glo HD (129 Euro) gut bedient, letzterer Reader bietet sogar 300 ppi Auflösung. Der Kobo Auro H20 (179 Euro) bietet nicht nur ein 7 Zoll HD-Display mit 265 ppi Auflösung, sondern ist auch einigermaßen wasserdicht.

Vorsicht: Versandgebühren!

Kleiner Haken: bei Kobo muss man für den Direkt-Shopping-Service 9 Euro Versandgebühren zahlen. Da lohnt es sich dann doch immer noch, die Reader wie bisher online versandkostenfrei bei einem der Vertriebspartner wie Redcoon zu bestellen, oder direkt vor Ort im Elektronikfachhandel (z.B. Mediamarkt) vorbeizuschauen. Über diesen Weg wird Kobo wohl auch bis auf weiteres die größte Reichweite haben, anders als die Tolinos oder Pocketbooks gibt’s Kobo-Reader im Buchhandel ja leider nicht.

(via allesebook.de)

Sony kapituliert: Deutscher Reader Store schliesst, Kobo übernimmt

Spät gestartet, früh gescheitert: Nach nicht einmal zwei Jahren schließt Sonys deutscher Reader-Store die Pforten – und setzt die Leser mitsamt ihren Büchern vor die Tür. Ähnlich wie beim jähen Ende des Telekom-Stores „PagePlace“ (nach nur 12 Monaten) bietet man den Kunden aber auch in diesem Fall ein komfortables Exil an: ab Mitte Juni werden die Kundenaccounts inklusive der in der Cloud gespeicherten E-Books nämlich an Sonys Kooperationspartner Kobo übertragen. Man kann zwar auch widersprechen, dann jedoch sind die WiFi-Reader PRS-T1 bis PRS-T3 ab Juni nur noch reine Offline-Geräte. Denn via automatischem Update erhalten wechselwillige Kunden im Sommer eine neue Firmware aufgespielt – inklusive Kobo-Store. Grundsätzlich empfiehlt Sony aber allen Nutzern, ihre E-Books bis zum Stichtag 16. Juni erstmal alle E-Books auf den Reader bzw. Desktop (Reader-App für PC/MAC) zu übertragen (siehe auch die offiziellen „Reader Store schliesst – FAQ“).

Reader Store in USA schon seit März dicht

Völlig überraschend kommt das Aus für den Reader Store nicht – denn die nordamerikanische Filiale hatte bereits im Februar das Handtuch geworfen, seit März sind die dortigen Sony-Kunden dort bereits zu Kobo-Kunden mutiert. In Deutschland dürfte Sonys Rückzug aber deutlich mehr Fragen aufwerfen als in den USA und Kanada, denn hierzulande kooperiert Sony über den Barsortimenter Libri mit zahlreichen Buchhändlern. Bisher bietet die Benutzeroberfläche der dort verkauften Lesegeräte gleichzeitig den Zugang zum Reader Store und zu den E-Stores lokaler Händler (ebook.de & Partnershops). Wie die Buchhändler reagieren werden, wenn nach dem Firmware-Update im Juni nun auf dem Homescreen der Kobo-Store erscheint, ist noch unklar.

E-Reader-Business auch vor dem Aus?

Viele dürften zukünftig auf unabhängige Drittanbieter wie Pocketbook setzen, die Buchhändlern eine exklusive E-Store-Integration ermöglichen. Welche Ziele Sony überhaupt im E-Reading-Geschäft verfolgt, weiß ohnehin niemand so genau. Auch bei den Readern fährt das Unternehmen ja einen sehr eigenwilligen Kurs und setzt vor allem auf gute Verarbeitung und edles Design, weniger auf aktuelle Features. So hat es einige Zeit gedauert, bis Sony WLAN-fähige Reader anbot, auf den Einstieg in die Glimmerlicht-Liga hat man bisher komplett verzichtet und bietet stattdessen als Workaround eine ins Reader-Cover integrierte externe Leselampe an. Ob es überhaupt noch ein Nachfolgegerät des PRS-T3 geben wird? Gut möglich, dass zehn Jahre nach dem weltweit ersten E-Ink-Reader made by Sony für das Unternehmen nun das E-Reading-Zeitalter insgesamt zu Ende geht.

Self-Publishing mit XXX-Faktor: hilft Zensur gegen das literarische Darknet?

Ob Männer (und Frauen) immer nur an das eine denken, ist eine beliebte Forschungsfrage. Versteht man das Internet als eine Art World Brain, scheint die Antwort ziemlich klar: immerhin wird aktuellen Studien zufolge in den USA mindestens 8 Prozent des Web-Traffics durch XXX-Inhalte erzeugt, in Deutschland sogar 12 Prozent. Das Unterbewusstsein kommt also auf seine Kosten, die adulte Unterhaltungsindustrie ebenfalls. Allerdings sorgt das Über-Ich in Form von Apple, Amazon, Google & Co. dafür, dass entsprechende Angebote in den Site-Rankings und Bestseller-Listen nicht zum „Vorschwein“ kommen, wie wir Freudianer gerne sagen – innerhalb der „Filter-Bubble“ bleibt alles „familienfreundlich“.

„The end of self-publishing“?

Was natürlich nicht heißt, das pornografische Inhalte nicht vorhanden sind – ihre „Discoverability“ wird lediglich künstlich eingeschränkt. Wer genau hinsieht, wie etwa das britische Online-Magazin The Kernel, entdeckt auch zahlreiche Hardcore-Inhalte (in den Worten von The Kernel: eine „Schmuddel-Epidemie“), zum Beispiel auf den Self-Publishing-Plattformen von Amazon oder Kobo, was im Vereinigten Königreich zu einem medialen Aufschrei und z.T. drastischen Folgen geführt hat. Kobo zog dort vorläufig alle Self-Publishing-Titel aus dem Verkehr, die auf der Insel führende Buchhandelskette WH Smith, die mit Kobo kooperiert, beendete den E-Book-Verkauf sogar komplett – vorerst gibt’s auf der Website nur noch gedrucktes. Die Tageszeitung „Telegraph“ titelte bereits: „The end of self-publishing?“

Ein Drittel aller Indie-Titel mit XXX-Inhalten?

Tatsächlich scheinen Verlage auch im Bereich Pornografie bisher eine Art Filterfunktion wahrgenommen zu haben – wie Aaron Stanton in einem Beitrag für Digital Bookworld schreibt, sind etwa ein Drittel aller Indie-Titel inhaltlich dem Bereich „Erotica“ zuzurechnen, bei klasssischen Verlagstiteln liegt dieser Anteil dagegen lediglich bei 1 Prozent. Und Stenton muss es wissen, ist er doch Gründer des „Book Genome Project“, das sich der „objektiven, computer-basierten Analyse des geschriebenen Wortes“ verschrieben hat. Zu den praktischen Anwendungen gehört die Möglichkeit, auf statistischer Grundlage Genre-Zuordnungen treffen zu können, aber auch einzelne Titel sehr detailliert miteinander zu vergleichen – was etwa zu ebenso passgenauen wie automatisierten Lektüre-Empfehlungen führen kann. (Ausprobieren kann man das auf booklamp.org)

DNA-Test für Bücher sorgt für Genre-Zuordnung

Genauso gut eignet sich der DNA-Test für Bücher jedoch dafür, den Kampf gegen das „literary darknet“ aufzunehmen – denn Stanton zufolge kann die Analyse-Methode unter den erotischen Inhalten die besonders problematischen herausfiltern. Titel aus den in der öffentlichen Debatte besonders diskutierten Bereichen „Bestiality“ und „Incest“ sollen ungefähr 10 Prozent des gesamten selbst verlegten Erotica-Sektors ausmachen. Wie sich die Buch-DNA innerhalb eines Genres vergleichen lässt, hat Stanton bereits vor einiger Zeit durch die Gegenüberstellung von E.L. James „50 Shades of Grey“ (veröffentlicht beim Random-House-Imprint Vintage) mit einem Hardcore-Titel („Letters to Penthouse XXVIII“, veröffentlicht – ähem – bei einer Hachette-Tochter) gezeigt: während bei E.L. James die expliziten Szenen isolierte Blöcke innerhalb der grün oder gelb markierten Handlung darstellen, ist bei den Penthouse-Briefen alles rot.

Nur staatliche Zensur ist verboten…

Wer also mehr Zensur im Leseland möchte – bitteschön, die technischen Instrumente sind vorhanden, man muss sie nur anwenden. Die Ausgangslage ist sogar recht günstig, denn die großen Self-Publishing-Plattformen behalten sich ohnehin vor, Inhalte auch ganz ohne Begründung abzulehnen, und machen von dieser Möglichkeit auch immer wieder Gebrauch, nicht nur bei Erotica. Juristisch ist das Nicht- wie auch De-Publizieren bestimmter Inhalte ebenfalls kein Problem – so schützt etwa das „First Amendment“ der US-Verfassung nur vor staatlicher Zensur, nicht vor den Eingriffen von Unternehmen, die als Gatekeeper auftreten. Das kann auch B2B-Beziehungen mit Zahlungsdienstleistern betreffen: PayPal etwa zwang vor einiger Zeit die führende US-Self-Publishing-Plattform Smashwords, den E-Book-Katalog von bestimmten Hardcore-Inhalten zu säubern.

Doppelmoral als Lösung?

Die große Frage ist nur: wollen wir im Internet wirklich noch mehr Zensur und Kontrolle, als es ohnehin schon gibt? Vielleicht reicht ja auch eine gesunde Doppelmoral aus, wie sie die Buchhandelskette Weltbild praktiziert, bekanntlich im Besitz der katholischen Kirche. Der Bestseller „Shades of Grey“ (ursprünglich ein Self-Publishing-Titel) sorgt seit Jahr und Tag für satte Gewinne in den konzerneigenen Buchhandlungen wie auch für Gewissensbisse beim klerikalen Eigentümer, der aber zugleich ein Interesse am wirtschaftlichen Wohlergehen des Unternehmens hat. E.L. James‘ softpornöse Trilogie aus dem Programm zu nehmen, kam insofern dann doch nicht in Frage – stattdessen fügte man der Produktbeschreibung eine Distanzierung hinzu: Das Buch widerspreche dem „Welt- und Menschenbild“, von dem man sich „als Buchhändler leiten lasse“. Letztlich für alle Beteiligten die beste Lösung…

Abb.: Booklamp.org

Besser spät als nie: Kobo verkauft jetzt auch Kobo Reader

Kobo kommt von „Book“, nur anders buchstabiert. Doch auch das Marketing des Amazon-Konkurrenten aus Kanada machte bisher den Eindruck eines Anagramms, denn irgendwie stimmte die Reihenfolge nicht: im Online-Store wurden bisher nur E-Books verkauft, die Lesegeräte gab’s lediglich über Drittanbieter. Das machte vielleicht noch Sinn, solange Kobo mit Borders kooperierte, doch die zweitgrößte US-Buchhandelskette ging 2011 pleite. Kobo dagegen wurde 2012 von Rakuten aufgekauft, einem der größten Online-Retailer weltweit, Firmensitz: Tokio. Das half Kobo zwar beim Launch in Japan, doch das eigentlich Problem blieb weiter ungelöst.

Kobobooks.de verweist weiter auf „Bezugsquellen“

Erst jetzt, im Jahr 2013, kommt es zur Kurswende: ab sofort werden die Kobo-Modelle vom Kobo Arc-Tablet über den Kobo Glo bis zum Kobo Mini auch direkt bei kobo.com verkauft. Zumindest in den USA und Kanada – deutsche Kunden erhalten bei kobobooks.de auch weiterhin nur Produktinformationen. Möchte man einen Reader kaufen, wird man über einen Extra-Link zu einer Auflistung von „Bezugsquellen“ weitergeleitet. Immerhin: Neben dem Online-Anbieter Redcoon gibt’s die Kobo-Modelle auch vor Ort in zahlreichen Elektronikfachmärkten, von Mediamarkt und Saturn bis Electronic Partner. Brancheninsider vermuten, dass hinter Kobos vorsichtiger Expansion-Strategie im Hardware-Bereich auch die Angst vor Lieferengpässen steckt. Bei der Ausdehnung der E-Book-Stores etwa in Richtung Europa war das Unternehmen deutlich tatkräftiger.

Globale Expansion: Kunden in 190 Ländern

Trotz aller Einschränkungen sieht sich Kobo selbst als eines der weltweit führenden E-Reading-Unternehmen, mit Kunden in 190 Ländern und insgesamt 13 Millionen registrierten Lesern, die via App, Kobo-Tablet oder -Reader Zugang zu mehr als 3 Millionen Titeln im Kobo-Store haben. Mit der neuen, „innovativen“ Strategie hofft man nun, den Umsatz auf mehr als 1 Milliarde Dollar hochzutreiben. Zum Vergleich: Amazon machte 2012 knapp 60 Milliarden Dollar Umsatz, davon stammen etwa zehn Prozent aus dem E-Reader- und E-Book-Bereich. Das Geheimnis des Erfolgs ist simpel: Amazon verkauft den Kindle-Reader seit 2007 vor allem über den eigenen Online-Store, erst seit kurzem setzt der Onlinehändler auch auf lokale Kooperation mit dem Einzelhandel.

Abb.: Screenshot

Kobo auf Amazons Spuren – schon Nummer 2 im globalen E-Reader-Markt

Kobo setzt auf Expansion – das kanadische Unternehmen brachte den Kobo-Store wie auch die Kobo-Reader im vergangenen Jahr in zahlreiche neue Länder, darunter Brasilien, Portugal, Spanien, Italien und Japan. Die Zahl der registrierten Kunden liegt inzwischen bei mehr als 12 Millionen, alleine 2012 kamen 4 Millionen dazu, besonders viele davon in der Weihnachtssaison. Das macht sich auch im E-Reader-Geschäft bemerkbar: DigiTimes zufolge erreichte Kobo weltweit einen Marktanteil von 20 Prozent. Barnes&Noble dagegen zahlt für die zögerliche Internationalisierungs-Politik einen hohen Preis – die Nook-Reader haben gerade mal zehn Prozent Marktanteil. Nummer eins bleibt allerdings Amazon mit 55 Prozent, jedes zweite Lesegerät war 2012 ein Kindle Reader.

Technisch kann Kobo dem Marktführer problemlos Paroli bieten, schließlich kamen im vergangenen Jahr gleich drei neue Geräte auf dem Markt, die viele Tester überzeugten: neben dem Arc-Tablet auch der Glimmerlicht-Reader Kobo Glo sowie der besonders preisgünstige 5-Zoller Kobo Mini. Mit an Bord ist nicht nur die Kobo-typische, grafisch besonders ansprechend gestaltete Benutzeroberfläche, sondern auch das Social-Reading-Feature „Reading Life“. Abgerundet wird Kobos Ökosystem durch die Kobo-App – sie bringt die Lektüre auch auf Smartphones und Tablets, egal ob mit iOS oder Android betrieben. Zusammen beflügeln Kobos Gadgets und Apps offenbar den Lesehunger: Der Durchschnittskunde kaufte 2012 fast 20 Prozent mehr E-Books als im Jahr zuvor.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistete wohl auch das Selfpublishing-Programm „Kobo Writing Life“ – seit dem Start im Sommer 2012 publizierten dort 10.000 Autoren mehr als 60.000 Indie-Titel, die preislich oft deutlich niedriger angesetzt sind als klassische Verlagspublikationen. Das größte E-Book-Angebot im Kobo-Store mit mehr als 3,2 Millionen Titeln machen trotz einer Vielfalt von insgesamt 68 Sprachen immer noch die englischsprachigen Bücher aus, allerdings gibt’s mittlerweile auch mehr als 100.000 deutsche Titel. Zu den Bestsellern im deutschen Kobo-Store gehörten 2012 unter anderem E.L. James „Shades of Grey“, Matthias Mattings „inoffizielles“ Kobo Touch-Handbuch sowie Charlotte Links Thriller „Die Täuschung“.

Abb.: (c) Kobo