Kobo kommt nach Deutschland: neue Apps, neuer Store, Touch Reader

Erst kommen Apps und E-Books, dann der Reader: kobobooks.de geht heute online. Mit mehr als 80.000 deutschsprachigen Titeln ist der Store des gleichnamigen kanadischen Anbieters gut gefüllt. Im App Store wartet zudem die deutsche Version der Kobo-App, inklusive Social-Reading-Funktionen („Reading Life“). In Kürze soll auch eine sprachlich angepasste Version des neuen Kobo-Readers erhältlich sein. Technisch ist Kobos aktuelles Lesegerät sogar dem Kindle überlegen, denn es kombiniert kontraststarkes Pearl-E-Ink mit Infrarot-Touch-Technologie.

E-Book-Markt neu buchstabiert

Klingt japanisch, kommt aber aus Kanada: Kobo ist ein Anagramm für „Book“. Und hat ab jetzt auch etwas mit dem deutschen E-Book-Markt zu tun. Knapp zwei Monate nach dem Start des Kindle-Stores auf Amazon.de betritt damit nun auch die Nummer drei im amerikanischen E-Book-Business die Arena. Fehlt eigentlich nur noch Barnes&Noble. In den USA wird Kobos hochwertige Reader Touch Edition für 130 Dollar verkauft, liegt also gleichauf mit Amazons Kindle. Analog zu dieser Strategie wäre in Deutschland ein Preis von 139 Euro zu erwarten. Es dürfte also spannend werden auf dem deutschen E-Book-Markt – vor allem, weil Kobo nicht allein einen technischen Trumpf in der Hand hält.

Schöne E-Reader & soziales Lesen

Schon von Anfang an setzten die Kanadier nämlich auf besonders ansprechendes Gerätedesign und ausgesprochen schön gestaltete grafische Benutzeroberflächen. Dazu kam dann 2010 mit „Reading Life“ ein cleveres Konzept zum Sozialen Lesen, das bereits auf der individuellen Nutzer-Ebene ansetzt. Das persönliche Leseverhalten wird aufwändig visualisiert, als Incentives werden für verschiedene Leseleistungen „Awards“ verliehen. Über die sozialen Netzwerke kann man die eigenen Leserfahrungen dann aber auch mit der Community teilen. Gerade im Leseland Deutschland, das via Buchpreisbindung den Wettbewerb stark einschränkt, besitzen solche Alleinstellungsmerkmale besondere Bedeutung.

Erst Deutschland, dann der Rest

Nicht vergessen darf man natürlich auch, dass Kobo den Branchenstandard epub unterstützt. Wer auf den Kobo-Reader umsteigt, hat also keine Format-Probleme. Neben aktuellen E-Book-Titeln findet man im Kobo-Store ähnlich wie bei Amazon eine ganze Menge kostenloser Klassiker. Wie beim Kindle umfasst das „Ökosystem“ des kanadischen Anbieters via Apps zudem bereits zahlreiche mobile Geräte von iPad & iPhone über die Android-Welt bis zum PlayBook von BlackBerry (für letzteres ist die deutsche App zumindest angekündigt). Für Kobo ist der Deutschland-Start nur der Auftakt für den Aufbau einer breiten europäischen Präsenz: lokalisierte Angebote von E-Stores, Apps und Readern sind auch in Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden geplant.

Nach Kindle und Nook kommt Kobo: E-Reader aus Kanada jetzt auch als WiFi-Version

kobo-reader-wifiMit der WiFi-Version des Kobo-Readers avanciert Indigo Books & Music zur Nummer Drei im amerikanischen E-Book-Business. Ähnlich wie US-Konkurrenz von Amazon und Barnes & Noble kann die kanadische Buchhandelskette nun ihren Content drahtlos auf dem eigenen Lesegerät anbieten. Mit 139 Dollar ist der Kobo-Reader zudem auch preislich neben Nook und Kindle voll konkurrenzfähig. Die Kobo-App für iPhone, iPad und Android-Smartphones macht das literarische Ökosystem komplett.

Kobo spendiert ein besseres E-Ink-Display

Gerade noch rechtzeitig zum nahenden Weihnachtsgeschäft ist der US-Markt um einen drahtlosen E-Reader reicher: ab sofort kann dort die WLAN-fähige Version des robusten Kobo-Readers vorbestellt werden. Mit sehr viel Bling-Bling kann der kanadische Cousin von Kindle und Nook nicht glänzen – dafür aber mit praktisch-schlichtem Gerätedesign und einer liebevoll gestalteten Benutzeroberfläche (siehe unseren Testbericht zur ersten Version des Kobo-Readers). Immerhin spendiert Kobo ein verbessertes E-Ink-Display – jetzt mit 16 Graustufen und verbessertem Kontrast. Ein schnellerer Prozessor sorgt für flinken Seitenwechsel, verbesserte Software für längere Akkulaufzeit. Bis zu 10.000 Seitenwechsel bzw. 2 Wochen Betriebsdauer sollen möglich sein – wenn die WLAN-Karte aus bleibt. Lieferbar sind zwei Farbvarianten: „Onyx“ (mehr oder weniger dunkel) und „Porcelain“ (mehr oder weniger hell).

WiFi-Version des Kobo-Readers als Kindle-Alternative?

Strategisch vorbereitet wurde die neue Offensive durch den Start der Kobo-Apps für iphone-OS, Android und BlackBerry – die individuelle E-Book-Bibliothek der Kobo-Kunden ist damit ohnehin in die Rechnerwolke gewandert. Wer sich selbst ein Bild machen will: auch deutsche Kunden können die Kobo-App im App-Store herunterladen. Rein zahlenmäßig kann sich Indigo Books&Music übrigens durchaus mit Amazon& Co. durchaus messen. Im Kobo-Store stehen mittlerweile mehr als 2,2 Millionen elektronische Bücher zum Download bereit, darunter mehr als 1,8 Millionen Public Domain-Titel. Wie gewohnt kommt natürlich auch die drahtlos funkende Kobo-Variante mit 100 vorinstallierten Klassikern daher. Dazu gibt‘s nun aber noch zwei aktuelle E-Books als Give Away: nämlich den Roman „When my world was very small“ von Ruth Rakoff sowie Linwood Barclays Thriller „Fear the Worst“. Vom Kobo-Reader selbst ist wohl eher Gutes zu erwarten – auch für deutsche Leser. Denn durch die Unterstützung des epub-Standards könnte sich das Gerät als eine echte Alternative zum Kindle erweisen. Markt-Start für Kanada und die USA ist im Oktober – wann der Kobo-Reader offiziell in Europa lieferbar ist, bleibt abzuwarten.