Oasis, Epos, Saga & Co.: E-Reading-Roundup zur Frankfurter Buchmesse

buchmesse-ereading-roundupPünktlich zur Buchmesse erscheinen nicht nur Bücher, sondern auch neue E-Reader & E-Book-Abos. In diesem Oktober legen die großen Anbieter sich mächtig ins Zeug: Amazon Deutschland bringt mit der zweiten Generation des Kindle Oasis eine überarbeitete Version des High-End-Lesegerätes an den Start, wasserdicht, mit hochauflösenden 7-Zoll-Display (300ppi) und Audio-Features (Bluetooth-Schnittstelle für Kopfhörer/Boxen, Audible-Anbindung). Das nur 194 Gramm leichte Gerät hat eine Rückseite aus Aluminium und kann dank Schnelllade-Funktion in zwei Stunden aufgeladen werden. Sofern E-Book- und Hörbuchversion eines Titels bereitstehen, kann man nahtlos von der Lektüre zur Audioversion wechseln. Das neue Gerät wird in zwei Versionen angeboten: mit 8 GB Speicher kostet es 230 Euro, mit 32 GB Speicher zahlt man 260 Euro bzw. 320 Euro (WLAN/3G).

Tolino Epos trifft Tolino Select

Die Tolino-Allianz schafft ebenfalls mehr Platz auf dem Display: mit dem Tolino Epos dürfen die deutschen Buchhändler nun mit einen fast acht Zoll (7,8 Zoll) großen E-Reader auftrumpfen, die Auflösung beträgt 1872×1404 Pixel (entspricht 300ppi). Das 260 Gramm leichte Gerät hat 6 GB Speicher und kommt mit SmartLight-Feature, d.h. die „Farbtemperatur“ wird dank warmweißen und kaltweißen LEDs automatisch je nach Tages- oder Nachtzeit angepasst. Wie zuvor der Tolino Vision 4 HD ist auch das neueste Modell der Tolino-Allianz dank Nanoversiegelung wasserdicht. Für nie versiegenden Lesestoff sorgt nicht nur die Möglichkeit, via Onleihe ausgeliehene E-Books auf dem Epos zu lesen — zeitgleich zur Reader-Premiere ist auch das neue E-Book-Abo „Tolino Select“ gestartet. Monat für Monat stellen die Tolino-Kuratoren vierzig Titel zur Auswahl, von denen man bis zu vier ausleihen kann.

Legimi bringt E-Book-Abo auf Pocketbook Lux

Ein Reader-Angebot komplett mit E-Book-Abo (bzw. umgekehrt) macht derzeit Pocketbook in Kooperation mit dem polnischen Unternehmen Legimi: wer für monatlich 17,99 Euro ein Zwei-Jahres-Abo für die E-Book- & Hörbuch-Flatrate abschließt, erhält den PocketBook Touch Lux 3 mit vorinstallierter Legimi-App „kostenlos“ dazu. Sind Titel sowohl als E-Book wie als Hörbuch verfügbar, kann man nahtlos hin- und herwechseln. Auch nicht schlecht: Für einen Euro mehr, also 18,99 Euro pro Monat erhält man statt Touch Lux 3 den „offenen“ Android-Reader InkBook Prime.

Bookchoice lindert die Qual der Wahl

Unlimitierter Zugang zu Millionen Büchern (im Fall von Legimi: zehntausenden) wollen E-Book-Abos in der Regel bieten, überfordern damit viele Leser, Stichwort: Paradox of Choice. Nicht nur die Tolino Allianz setzt deswegen auf Limitierung und Kuratierung. Die niederländische Plattform Bookchoice stellt ihren Kunden monatlich werden den Kunden acht ausgewählte E-Books und Hörbücher zur Auswahl. Seit Oktober ist Bookchoice nun auch für deutsche Leser nutzbar.

Aus Nolim wird Saga: Lesen wie in Frankreich

Last not least: Nur sechs Zoll, dafür aber ausgefeiltes Design mit integriertem Cover bietet der neue Bookeen Saga, die Deutschland-Version des in Frankreich populären „Nolim“-Readers. Technisch mag der 6-Zoller nichts neues bieten, dafür soll ihn die äußere Form „buchähnlicher“ machen und durch die neue Haptik & Optik neue Leser für das E-Reading begeistern.

„Thin Helvetica Syndrome“: Kindle-User kritisieren blasse Fonts nach Firmware-Update

kindle-thin-helvetica-syndromeAmazons automatisches „OTA-(=“Over the Air“-)Update“ für die aktuellen Kindle-Reader (ab Paperwhite 2013) spendiert viele neue Features und vor allem ein gründlich überarbeitetes Home-Screen. Besonders nützlich im Firmware-Paket Version 5.7.2: der schnelle Zugriff auf Einstellungen wie Flug-Modus und Synchronisierung sowie eine „Leseliste“ mit Wunschbüchern und zuletzt heruntergeladenen Leseproben. Besonders auffällig aber auch: die Standard-Schrift des User Interfaces wurde spürbar verschlankt. Das wiederum hat offenbar vielen Nutzern nicht gefallen — denn die schmaler geschnittenen Helvetica-Buchstaben wirken auf dem E-Ink-Screen blasser als zuvor, die Kontrastwirkung ist schlechter. Auch die Darstellung der Schriftart „Helvetica“ in E-Books ist betroffen – dort gibt’s aber natürlich Alternativen wie etwa „Bookerly“.

„Font-Anorexie“ durch geringe Strichstärke

Schnell war in Foren & Blogs vom „Thin Helvetica Syndrome“ oder der „Font Anorexia“ die Reade. Kein Wunder — denn ein Zurück (also „Downgrade“ in Richtung Firmware 5.6.x) nach dem automatischen Update gibt es nicht. Und anders als etwa beim Kobo-Reader kann man die typografisch „Strichstärke“ genannte Eigenschaft der Fonts (engl. Font-Weight) auf dem Kindle leider nicht selbst verändern. Doch Amazon scheint das Problem bereits erkannt zu haben, und hat Besserung gelobt. “The difference you noticed with the weight of the Helvetica font is an issue that we are aware of”, so Unternehmenssprecherin Stephany Rochon gegenüber Teleread. „We are correcting it before the update is rolled out broadly to customers.“

Amazon verspricht Abhilfe „over the Air“

Mit anderen Worten: wer bereits das erste Update aktiv via manuellem Download von der Amazon-Website auf den Reader gebracht bzw. passiv via automatischem OTA-Update erhalten hat, muss nun erst mal abwarten, bis Amazon eine überarbeitete Update-Version 5.7.3 zur Verfügung stellt. Glaubt man der Amazon-Sprecherin, hatte die große Mehrheit der Nutzer ohnehin noch kein „over the air“-Update erhalten, betroffen waren wohl vor allem die aktiven Early Adopter. Auch bei Amazon.de ist auf der betreffenden Info-Seite nur sehr allgemen von einem automatischen Update „im Februar 2016“ die Rede.

(via allesebook & Teleread)


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Kindle-à-Gogo: Amazon eröffnet Pop-Up-Kioske in Pariser Shopping Malls

kindle-pop-up-store-in-parisWenn man schon keine Herrenboutique mit dem Papst in Wuppertal eröffnet, wie wäre es dann mal mit einem Kindle-Kiosk mit Jeff Bezos in Paris? Genau das gibt’s am Rand der französischen Hauptstadt jetzt tatsächlich (nur ohne Jeff Bezos in personam), denn mitten in zwei populären Shopping Malls hat das US-Unternehmen in diesen Tagen Pop-Up-Kioske eröffnet.

Der Zweck des spontanen Budenzaubers ist klar: An den edel holzvertäfelten Comptoires in La Défense und Le Chesnay soll während der verkaufsstarken Weihnachtsaison die Kindle-Modellreihe vom Basis-Reader bis zu Kindle Voyage und Kindle Fire Tablet promotet werden, und zwar sieben Tage die Woche. Die Ausführung des Mini-Projektes hat die italienische Agentur Target zusammen mit dem Pariser Start-Up Coephe Retailbox übernommen, das sich auf den „commerce ephemère“ in Einkaufszentren spezialisiert hat.

Wenn auch keine Eintagsfliegen, so bedeuten die beiden Kioske also definitiv nicht der Einstieg ins stationäre Geschäft, wie Amazon ihn gerade in Seattle testet: Ende Januar werden die französischen Pop-Up-Kioske wieder demontiert – sie sind also eher Teil der Amazonschen Experimentierfreude, die uns u.a. auch schon Kindle-Automaten an Flughäfen beschert hat.

Doch auch die ephemere Paris-Präsenz für das Kindle kann wohl nicht schaden, denn auf dem Publikumsmarkt haben E-Books jenseits des Rheins erst einen mageren Umsatzanteil von 3 Prozent ergattert. Was nicht heißen soll, dass sich das Pop-Up-Konzept nicht auch in Deutschland lohnen würde… vielleicht in Sichtweite einer Thalia- oder Hugendubel-Filiale? Das Medienecho wäre sicher schon mal garantiert.

(via The Digital Reader/defense-92.fr/sitesdesmarques)

Abb.: defense-92.fr

Amazons neue Fire-Phalanx: von 6 Zoll bis 10 Zoll, von 60 Euro bis 200 Euro

kindle-fire-neue-modelleGroße Rochade in Amazons Fire-Modellreihe:zukünftig gibt es vier Modelle mit 6, 7, 8 und 10 Zoll – so richtig neu ist aber keins davon. Das „alte“ Fire HD 7 wird (leider) nicht mehr angeboten, statt dessen gibt es jetzt als Einstiegsmodell einen 7-Zoller, der einfach nur „Kindle Fire“ heißt, und mit abgespeckten Komponenten bereits ab einem Kampfpreis von 60 Euro („mit Spezialangeboten“, also werbefinanziert) verkauft wird. Das bisherige Einsteigermodell Kindle Fire HD 6 wird dagegen hardwaremäßig unverändert auch weiterhin ab 99 Euro angeboten.

Hardware des Kindle HD 7 wurde recyclet

„Neu“ sind dagegen das Kindle Fire HD 8 und Kindle Fire HD 10 zum Preis ab 160 bzw. 200 Euro – zumindest, was die Screen-Größe betrifft, im Inneren werkelt derselbe Prozessor wie zuvor beim HD 7. Keins der Tablets hat eine größere Auflösung als 1280×800 Pixel, beim neuen 7-Zoller sind es nur 1024 x 600 Pixel. Das könnte die Kaufentscheidung für viele potentielle Kunden schwierig machen – denn gerade zwischen 7 und 10 Zoll lohnt es sich dann doch eher, etwa ein iPad Mini oder klassisches 9-Zoll-iPad anzuschaffen.

Fire OS & Content überzeugen

Bei der Software und dem Content kann Amazon dagegen wohl einigermaßen punkten: alle neuen Modelle kommen mit Fire OS 5 „Bellini“, also Amazons firmeneigenem Android-Flavor, unbegrenztem Cloud-Speicherplatz und Zugang zu Amazons App Store („Amazon Underground“), nicht zu vergessen so nette Features wie Advanced Streaming Prediction bei Videos, X-Ray oder Firefly-Schnellinfos. Wer neurologische Experimente liebt: Auch die neue Schnell-Lese-App „Word Runner“ ist mit an Bord.

Zielgruppe: Prime-Kunden

So richtig lohnen dürften sich die „neuen“ Tablets letztlich wohl nur für Bestandskunden, die auch bereits eine Premium-Mitgliedschaft („Amazon Prime“) abgeschlossen haben, und über die Geräte vor allem Filme und TV-Serien streamen möchten und/oder E-Books mit Kindle Unlimited lesen. Auch als Zweitbildschirm in Verbindung mit Amazon TV (mit dem Flachbild-Fernseher als First Screen) macht der Einsatz sicherlich Sinn.

Paradox of Choice

PS: Beim Blick auf die gesamte Palette kam mir zwangsläufig der Begriff „Paradox of Choice“ in den Sinn: Zusammen mit den E-Ink-Readern von einfachen Kindle bis zum Kindle Voyage bietet Amazon jetzt neun verschiedene Touch-Screen-Geräte an, bzw. zehn inklusive Fire Kids Edition. Die Tolino-Konkurrenz dagegen nur drei, zwei Reader und ein Tablet. Da fällt die Entscheidung deutlich leichter. Immerhin: Ausprobieren kann man alle Kindle Reader bzw. Fire-Tablets dank einer 30tägigen Geld-zurück-Garantie ohne Risiko.

Kindle wird bücherlicher: neue Bookerly-Fonts jetzt für alle aktuellen Reader von Amazon

amazons-neues-kindle-paperwhite-mit-doppelter-aufloesungTschüss Caecilia, hallo Bookerly: Amazons neue Schrifttype Bookerly kommt inklusive Silbentrennung kommt nach den Kindle-Apps für iOS und Android jetzt auf alle aktuellen Kindle-Reader, also auch jenseits des neuen Kindle Voyage. Wie allesebook.de berichtet, wird das Software-Update ebenfalls auf’s Kindle Paperwhite 2 und 3 sowie das derzeitige Basis-Kindle eingespielt – und zwar automatisch via Over-The-Air (OTA), sobald die Geräte via WLAN online gehen.

„Näher am traditionellen Drucktext“

Amazon zufolge bewegt sich das Design der neuen Schriftart “viel näher an traditionellen Drucktexten als andere digitale Schriftarten” und sorgt deswegen “für verbesserte Lesbarkeit, insbesondere bei längerem Lesen”. Auch das Layout von Kindle-E-Books insgesamt soll buchähnlicher werden – neben der optimierten Silbentrennung helfen dabei besser formatierte Absätze und angepasste Zeichen- und Wortabstände.

Jetzt mit KFX (Kentucky Fried Xtra?)

Damit E-Books tatsächlich in der neuen Schrift dargestellt werden, muss man sie auf frisch upgedateten Geräten allerdings erneut herunterladen – denn Bookerly funktioniert nur zusammen mit einem neuen E-Book-Format namens KFX (=„Kindle Format 10“), dass bisherige Kindle-Formate wie mobi/azw bzw. KF8 ablöst. Laut Amazon wurden bereits hunderttausende Titel zusätzlich in das KFX-Format umgewandelt, erkennbar am Hinweis: „Erweiterte Schriftfunktion: Aktiviert“.

Calibre & Co. können’s noch nicht lesen

Weitere Details zum neuen E-Book-Standard sind noch nicht bekannt, ähnlich wie beim KF8-Format wird es wohl erst mal eine Weile dauern, bis Amazon der Allgemeinheit mehr Informationen zur Verfügung stellt und auch Apps wie Kindle-Previewer und KindleGen aktualisiert. Auch populäre Verwaltungs-Apps wie Calibre können bisher mit KFX nichts anfangen. Auf den Amazon-Servern werden zukünftig jeweils mobi/azw, KF8 und KFX-Versionen eines E-Books bereitgehalten, beim Kauf/Download erhalten nur aktuellen Kindle-Modelle eine Datei im KFX-Format.

(via The Digital Reader & allesebook.de)

Von Kindle zu Tolino: Hauptkonkurrent von Amazon.de punktet im Kampf um die Köpfe

Birgit-Hagmann-Tolino-Media

Pressemitteilungen vom Stil „Manager X wechselt von Firma Y zu Firma Z“ sind zwar häufig, haben aber meist nur geringen Nachrichtenwert. Beim Wechsel von Birgit Hagmann von Amazon zu Tolino Media ist das aber etwas anderes. Denn die neue Geschäftsleiterin des zentralen Content-Partners für die Tolino-Allianz war zuvor „Senior Vendor Manager Kindle“ beim deutschen Ableger des Online-Händlers, also zuständig für Einkauf, Lieferanten-Beziehungen und Vermarktung.

„Dynamik im Medienmarkt aktiv gestalten“

„Die Dynamik im digitalen Medienmarkt nicht nur mitmachen, sondern aktiv gestalten“, genau das sei die Stärke der neuen Geschäftsleiterin, und das könne nun auch Tolino voranbringen, verkündete anlässlich dieses gelungen Coups Maximilian Hugendubel im Namen der Tolino-Gesellschafter Thalia, Hugendubel, Weltbild und Bertelsmann.

Nach dem Launch von Kindle-ähnlichen Readern, Tablets und zuletzt auch noch einer KDP-ähnlichen Self-Publishing-Plattform geht die Tolino-Allianz damit einen weiteren Schritt in die derzeit wohl einzig mögliche Richtung: um mit Amazon zu konkurrieren, muss man Amazons Erfolgsstrategien kopieren – am besten geht das natürlich mit direktem Know How.

Strategie der Klon-Krieger

Dass so etwas gut funktioniert, zeigt etwa der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi, wegen gewisser Design-Ähnlichkeiten nicht ganz zu unrecht auch als „chinesisches Apple“ bekannt. Mit einer gezielten Imitationsstrategie gelang in nur fünf Jahren sogar der Aufstieg zum weltweit wichtigsten Smartphone-Hersteller nach Apple und Samsung. Der bisher größte Coup gelang aber wohl schon Ende 2013: man warb den Vizepräsidenten von Googles Android-Sparte ab – betrieben werden die iPhone-Klone ohnehin mit dem mobilen Betriebssystem des Suchmaschinen-Riesen.

Schlagschatten der Vergangenheit – Lena Sander, Memory Effekt [Leseprobe]

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Aus der langjährigen Ehehölle entkommt die psychisch labile Mia Kronen in die Ruhe eines Sanatoriums. Doch als sie in der Zeitung ihre eigene Todesanzeige entdeckt, gerät ihr Leben erneut aus den Fugen. Verbirgt sich dahinter eine weitere Intrige ihres ebenso genialen wie brutalen Ehemannes, oder steckt etwas anderes dahinter? Je näher sie der Wahrheit kommt, desto grausamer wird sie von der Vergangenheit eingeholt. Ganz ähnlich geht es Psychologin Dr. Linda Schwarz – nach einem Unfall ist ihr Ehemann ins Koma gefallen, und hat in seinen traumlosen Schlaf ein schreckliches Geheimnis mitgenommen. Im Sanatorium treffen beide Frauen aufeinander, und müssen erfahren: ihre Schicksale sind eng miteinander verknüpft. Doch was ist es, das beide Frauen gemeinsam haben? Auch in ihrem neuesten Psycho-Thriller „Memory Effekt“ schont Bestseller-Autorin Lena Sander unsere Nerven nicht. Unter anderem Namen hat die Freiburgerin schon mehrere humorvolle Bücher veröffentlicht, seit ihrem Debüt „Zersetzt“ erweist sie sich auch als Meisterin der Spannung, die unter die Haut geht. Unsere Leseprobe führt direkt ins zweite Kapitel, in dem Mia Kronen die eigene Todesanzeige entdeckt. Was davor (und danach) geschieht, verrät die Blick ins Buch-Option im Kindle Store.

Lena Sander, Memory Effekt

2. Kapitel
Februar 2015 – Das Sanatorium

Die Erinnerungen verfolgten sie und wollten sich auch nicht abschütteln lassen. Was sagte die Therapeutin? Es braucht Zeit, viel Zeit …
Sie öffnete den Mund, in dem sich noch der letzte Bissen ihres Frühstücksbrötchens befand, um ihrer Tischnachbarin die Antwort auf deren Frage: »Und warum sind Sie hier, im Sanatorium?« zu geben. Dazu kam sie nicht mehr. Der Bissen blieb ihr im Hals stecken. Auch die nächste Frage: »Ist Ihnen nicht gut?«, konnte sie nicht einmal mit einer Geste beantworten. Sie hustete und rang nach Luft. Mit zittriger Hand versuchte sie, ihre Kaffeetasse zurück auf den Unterteller zu stellen. Die Tasse entglitt und zersprang auf dem Boden in unzählige Scherben.
»Kein Problem«, sagte James, ein Mitarbeiter des Sanatoriums, beruhigend. »Ich hole etwas zum Aufwischen.« Er, der gute Geist des Hauses, James, wie er sich selbst zu nennen pflegte. Keiner kannte seinen richtigen Namen. Wenn er danach gefragt wurde, winkte er ab, zwinkerte und sagte: »Der beste Butler heißt immer James.« Der groß gewachsene, schlaksige Kerl kümmerte sich um viele Belange der Kurgäste. Tatsächlich wie ein guter Butler, der wusste, was seine Gäste gerade benötigten. Sie hatte sich schon oft gefragt, ob James kein Zuhause hatte. Sie hatte den Eindruck, dass er immer gerade dann anzutreffen war, wenn man ihn brauchte, nicht nur in dem barocken Speisesaal, dessen Spiegelwände jedem vorgaukelten, dass der Raum um ein Vielfaches größer sei.
»Haben Sie sich verbrüht, gnäʼ Frau, kann ich Ihnen behilflich sein?« Sie fuhr auf ihrem Stuhl herum. James schüttelte eine gefaltete Serviette auf und legte sie ihr auf die durchnässte Hose.
»Danke.« Aus dieser Nähe waren seine tiefen Pockennarben gut erkennbar und die frische Schnittwunde, die er sich bei seiner morgendlichen Nassrasur zugezogen haben musste.
»Benötigen Sie die noch?«, war die nächste Frage von James. Er zeigte auf die Tageszeitung ihres Tischnachbarn, die mit Kaffee befleckt war. Ein Schwall seines Rasierwassers zog in ihre Nase – Tabac. Sie hustete erneut, konnte nicht antworten und klatschte ihre Hand mitten auf das nasse Papier.

Es gab viele Gründe, warum sie sich in diesem Sanatorium befand. Hier, in diesem alten Haus, dessen Innenarchitekt ein Verwandter König Ludwigs des Sechzehnten gewesen sein musste. War sie doch heute Morgen von ihrem Tischnachbarn, Herrn Silberkron, der sie gerade schockiert ansah, auf Mitte dreißig geschätzt worden. So rechtfertigte anscheinend allein schon ihr Aussehen diese Kur.
»Ich hätte Ihnen die Zeitung auch so gegeben, junge Frau. Die ist eh schon einige Tage alt. Sie hätten sie nicht extra mit Kaffee tränken müssen.« Herr Silberkron lächelte, schüttelte die letzten Tropfen ab und reichte ihr das nasse Papier.

Ein Trugbild. Das, was sie zuvor nur aus dem Augenwinkel hatte erkennen können, war bestimmt eine Täuschung – ganz sicher. Sie nahm die Zeitung in die Hand, schlug sie auf und starrte wie paralysiert auf die Anzeige:

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Plötzlich wurde die Welt um sie herum aus den Angeln gehoben. Es fühlte sich an, als stünde sie auf einer Hängebrücke. Den tiefen Abgrund vor Augen, dünne Seile, die kaum einen Halt boten, und morsche Holzplanken, die beim nächsten Schritt nachgeben und ihr den Weg in die Tiefe eröffnen würden. Die Kaffeeflecken flossen vor ihren Augen ineinander und bildeten abstruse Formen. Der ausgestreckte Zeigefinger, den sie jetzt sah, deutete auf ein Wort. Dieses eine Wort sprang aus der Zeitung direkt auf ihre Stirn, fraß sich durch die Haut, suchte sich den Weg über ihre Gehirnwindungen und brannte sich tief in ihr Gedächtnis.
»Verstorben.« Wie auf einer großen Leuchtreklametafel blinkten die Buchstaben. Sie, Mia Kronen, sie, die gerade mit achtundzwanzig Jahren einen Kuraufenthalt angetreten hatte, war tot.

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Copyright Cover & Leseprobe: Lena Sander
Veröffentlichung mit frdl. Genehmigung der Autorin.

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Lena Sander, Memory Effekt – Psychothriller
E-Book (Kindle) 0,99 Euro

Retour zum Kerngeschäft? Waterstones verkauft mehr Print, weniger Kindles

Wird Brick & Mortar wieder schick, während E-Lektüre langsam aus der Mode kommt? Großbritanniens führende Buchhandelskette Waterstones meldet zwei interessante Trends: im Weihnachtsgeschäft legten physische Buchverkäufe um 5 Prozent zu, obwohl kein Mega-Bestseller so richtig aus der Masse herausstach. Dafür gab’s aber offenbar einen neuen Worst-Seller im E-Reading-Bereich: der Verkauf von Kindle-Geräten durch Waterstones ist nämlich fast zum Erliegen gekommen. „We did not sell many Kindles all this year (=2014) in comparison to last year“, so Geschäftsführer James Daunt gegenüber The Bookseller.

Schon seit 2012 kooperiert Waterstones bekanntlich mit Amazon, was damals noch für großes Aufsehen sorgte, und kundenseitig für so manche Beschwerde (u.a. über Waterstones-Screensaver). Anfangs hat sich die Zusammenarbeit mit dem Branchenteufel für die Buchhandelskette aber durchaus gelohnt: Noch im Weihnachtsgeschäft 2013 seien Amazons Lesegeräte ein echter Kassenschlager gewesen, so Daunt. Nun mache sich aber offenbar eine Marktsättigung bemerkbar: „I think everyone who wants a Kindle now has one“.

Diese Rechnung geht aber wohl nur für Waterstones bibliophile Kundschaft auf – denn Amazon.com hat wohl auch in der Weihnachtssaison neue Verkaufsrekorde erzielt. Zumindest, wenn man die bereits veröffentlichten Ergebnisse vom Black Friday (d.h. der Freitag nach Thanksgiving, also: 28. November 2014) in Betracht zieht: am verkaufsstärksten Tag des vergangenen Jahres wurden laut Amazon-Pressemitteilung „dreimal soviele Kindle Fires und vier mal so viele Kindle Reader wie im Vorjahr“ abgesetzt. Branchenexperten schätzen, dass 2014 erstmals mehr als 20 Millionen Kindles über den Ladentisch gingen.

Real scheint dagegen aber die Trendwende im stationären Geschäft zu sein – was im Fall von Waterstones auch mit einem harten Sanierungskurs zusammenhängt: mehr als ein Dutzend Filialen wurden geschlossen, eine Handvoll wiederum neu eröffnet. Kapital ist ja vorhanden, Waterstones gehört mittlerweile dem russischen Mulitmilliardär Alexander Gamut. Mit den Moskauer Devisen wurden bestehende Filialen kräftig aufgemöbelt, und erhielten neben einer gebrandeten Café-Zone („Café W“) auch einen Kindle-Shop-in-Shop. Zumindest der Mut zur Eigenröstung scheint sich gelohnt zu haben…

(via The Bookseller)

Abb.: Pedro Figueiredo/Flickr (cc-by-2.0)

„Bibliotheken sind ein wichtiger Ort, um Bücher & Autoren zu entdecken“: OverDrive-CEO Steve Potash im Interview

Ob Video- und Audio-Streaming, E-Book-Lektüre im Browser und via Kindle-Reader oder direkte Kauf-Option („Buy it now“): in vielen Punkten machen Bibliotheken in den USA und anderen englischsprachigen Ländern ihren Lesern deutlich mehr digitale Angebote als bei uns, wovon auch die Verlage profitieren. Dahinter steckt vor allem ein Unternehmen mit Hauptquartier in Cleveland/Ohio: OverDrive. Dass die Ausleihzahlen bei E-Books überm großen Teich mittlerweile erstaunlich hoch sind, liegt dabei auch am vielfältigen Angebot. Mehr als 2 Mio. elektronische Titel hat der Bibliotheksdienstleister im Programm, darunter auch solche von großen Publishern wie Penguin Random House oder Harper Collins. Anlässlich der kommenden Frankfurter Buchmesse – auf der das Unternehmen präsent sein wird – sprach E-Book-News mit CEO Steve Potash über die europäischen Perspektiven von OverDrive.

E-Book-News: E-Books sind in Bibliotheken auch in Deutschland längst alltäglich, die „Onleihe“ ist Stadtgespräch. Was „Overdrive“ ist, werden hierzulande aber wohl die wenigsten wissen. Was ist Ihre Perspektive auf dem (kontinentalen) europäischen Markt – wie wichtig ist Europa zur Zeit, wie wichtig wird es in der Zukunft sein?

Steve Potash: Lifestyle und Leser-Präferenzen ändern sich in der digitalen Ära, und wie überall sonst in der Welt erwarten die Leser in Europa von ihren Bibliotheken vermehrt elektronische Angebote, vor allem eine breitere Auswahl an Titeln. OverDrive hat seit mehr als zehn Jahren Erfahrung als Dienstleister für Bibliotheken, und stellt eine enorme Menge an Titeln in englischer Sprache zur Verfügung, darüber hinaus auch in 50 anderen Sprachen. Außerdem bietet OverDrive europäischen Verlagen verschiedene Lizensierungs-Optionen, um ihre Inhalte den Nutzern zugänglich zu machen. Europa ist für uns sehr wichtig, denn es ist ein Ort für Bücher, es gibt eine hohe Zahl von Lesern, eine große Zahl an Neuerscheinungen, und eine Lesekultur, in der Literatur hoch geschätzt wird.

Viele Verlage waren bisher sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, ihre Inhalte für die Nutzung in öffentlichen Bibliotheken zu lizensieren. Das scheint sich nun rapide zu ändern. Da fragt man sich natürlich: warum? Wo liegen die Vorteile, die sie vorher offenbar übersehen hatten?

Es gab eine Fucht vor E-Book-Piraterie und vor negativen Auswirkungen auf die Buchverkäufe, doch inzwischen haben die Verlage gemerkt, dass es für Piraterie keine Belege gibt, und der Einfluss auf den Umsatz sogar sehr positiv ist. Bibliotheken sind für die Leser eben ein wichtiger Ort, um Bücher und Autoren zu entdecken! Unternehmen wie OverDrive haben passende Wege zur Belieferung und Konzepte für die Lizensierung entwickelt, sie bieten flexible Modelle an, mit denen sich auch konservative Verleger gewinnen lassen. Das ist gar nicht so plötzlich passiert, sondern das Ergebnis vieler Jahre, es mussten Beziehungen geknüpft und Techniken entwickelt werden, es fanden Weiterbildungen statt, Metadaten mussten aufbereitet werden. So etwas funktioniert nicht über Nacht, das war ein langer Prozess.
 
Tablets und Smartphones sind mittlerweile offenbar zur wichtigsten Leseplattform avanciert, auch bei der Lektüre von ausgeliehenen E-Books. Was wird denn nun aus dem klassischen E-Reader, der ja beim OverDrive-Konzept eine wichtige Rolle spielt?
 

E-Reader werden derzeit durch Smartphones und Tablets ersetzt, aber rund um die Welt nutzen unsere Leser auch immer noch eine Menge E-Reader, etwa Geräte von Nook, Kobo und Kindle (letztere nur in den USA). Und bei aller Beliebtheit von Multifunktionsgeräten wie Smartphones oder Tablets: wir beobachten, dass viele Nutzer auch auf Laptops oder Chromebooks lesen.

Abb.: Raymond Bryson/Flickr (cc-by-2.0)

Auf der Suche nach dem verlorenen Plot Point: Beeinträchtigt Kindle-Lektüre das Zeitgefühl?

Verschlechtert E-Book-Lektüre das Text-Verständnis – verglichen mit dem Lesen traditioneller Bücher aus Papier? Die Antwort der Forschung schien bisher zu lauten: im Prinzip nein. So stellte eine großangelegte Lese-Studie der Uni Mainz vor einiger Zeit fest: ein „Clash der Lesekulturen“ findet nicht statt, in manchen Situationen fördert die E-Lektüre auf dem Tablet-PC sogar die kognitive Verarbeitung von Informationen. Auch eine aktuelle Studie norwegischer und französischer Forscher weist in diese Richtung – mit einer signifikanten Ausnahme: die zeitliche Zuordnung von Ereignissen scheint durch die Lektüre auf dem Display eines E-Readers erschwert zu werden.

A la recherche du temps perdu

In dem unlängst auf einer internationalen Tagung in Turin vorgestellten Experiment wurde 50 Probanden eine 28 Seiten lange Kriminalgeschichte von Elizabeth George vorgelegt, der einen Hälfte als Taschenbuch, der anderen Hälfte als E-Book auf einem Kindle DX. Fragen in punkto Setting, Charaktere oder Plot konnten hinterher beide Gruppen zufriedenstellend beantworten, die Kindle-Leser hatten jedoch offenbar Probleme, den Zeitpunkt bestimmter Erzähl-Ereignisse anzugeben sowie vorgegebene Plot-Points in die korrekte Reihenfolge zu bringen.

„It’s interesting to us that the differences were both related to time and temporality — why is that?“, so Studienleiterin Anne Mangen (Universität Stavanger) gegenüber der New York Times. Einen möglichen Grund verriet Mangen dem britischen Guardian: „When you read on paper you can sense with your fingers a pile of pages on the left growing, and shrinking on the right. You have the tactile sense of progress, in addition to the visual.“

Raum und Zeit im Kombi-Pack

Die multimodale Wahrnehmung scheint also das Zeitgefühl zu verbessern – was auch den grundsätzlichen Erkenntnissen der Neurowissenschaften entspricht: räumliche und zeitliche Orientierung sind miteinander eng verknüpft. Da zudem die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne durch die Nutzung digitaler Medien deutlich gesunken ist, könnte das dafür sprechen, E-Books verstärkt für kürzere Textformate zu verwenden, die zudem die Orientierung innerhalb der Story erleichtern.

Allerdings hat die skandinavisch-französische Studie auch ihre Tücken – denn nur zwei der Kindle-Leser hatten überhaupt schon mal ein solches Gerät in der Hand gehabt, die große Mehrheit der Teilnehmer zeigte eine grundsätzliche Präferenz für die Lektüre auf Papier. Ohnehin waren die Studienteilnehmer Franzosen (die Story erhielten sie deswegen auch als Übersetzung), stammten also in punkto elektronisches Lesen aus einem sehr rückständigen Land.

Aber unterschätzen darf man die „haptische“ Dimension der Lektüre sicherlich auch nicht. Prinzipiell wissen wir ja spätestens seit Proust: je mehr Sinne bei der Wahrnehmung im Spiel sind, desto besser…

(via The Guardian & The New York Times)

Abb.: Mike Licht/Flickr (cc-by-2.0)
„Mrs. Duffee Seated on a Striped Sofa, Reading Her Kindle, After Mary Cassatt“