Alexa, hörst du mich? Amazons Lauschangriff auf Premium-Kunden

alexa-hoerst-du-michPersönliche digitale Assistenten sind im Trend: Apple hat Siri, Microsoft hat Cortana, Amazon hat Alexa. Auf dieses „Aufwachwort“ hört nämlich jener dienstbare Geist, der in einem sehr unauffällig daherkommenden Gerät namens „Echo“ haust. Echo ist eine Art smarter Lautsprechersäule, die auch „Ohren“ hat und via WLAN direkt mit Amazons Servern verbunden ist. Nach einer ersten Testphase können Amazons Premiumkunden in den USA dieses „Voice Command Device“ jetzt ganz regulär bestellen.

„Closest thing we’ll have to a Star Trek computer at home“
Ähnlich wie die neuen Dashbuttons erfüllt Alexa letztlich vor allem einen Zweck: das Kaufen und Konsumieren von Amazon-Produkten möglichst einfach zu machen, in diesem Fall per Sprachsteuerung bzw. Spracherkennung. Die Entwicklung von Echo hat um 2010 zeitgleich mit den Kindle Fire Tablets & Fire Smartphones begonnen, der bisher erfolgreichsten Shopping-Plattform des Online-Händlers (auf dem Kindle Fire ist Alexa als App auch präsent).

„Connected to the cloud so it’s always getting smarter“
Und tatsächlich denkt Echo ja das Kundenfreundlichkeits- und Einfachkeits-Prinzip von Amazon konsequent weiter: von allen Geräten aus dem Kindle-& Co-Fuhrpark ist es am unauffälligsten, und kann zugleich noch einen ganzen Schritt weiter in die Privatsphäre eindringen, oder neutraler formuliert: Amazon kann via Echo den Kunden in allen seinen alltäglichen Facetten noch genauer kennenlernen. Viele mögen das offenbar: die Produktseite auf Amazon.com enthält mehr als 20.000 zumeist begeisterte Reviews.

„It’s hands-free and always on“
Der vom Premium-Kunden auch noch bezahlte Lauschangriff hat aber andererseits auch einen besonders hohen „Creepiness“-Faktor – denn um seinen Zweck zu erfüllen, muss uns Alexa immer zuhören (ähnlich wie Siri). Und so stellen sich dann doch einige Fragen. Stellvertretend für viele Autoren hat sie jetzt David Golumbia auf Jacobinmag.com aufgelistet (siehe den Artikel „The Amazonisation of Everything“):

„Alexa, turn off the lights“

  • Analysiert Echo die Häufigkeit, mit der die Personen im jeweiligen Haushalt die Namen von Büchern, Filmen oder Videospielen nennen, oder andere Markeennamen oder Produktkategorien?
  • Hat diese Analyse etwas mit Amazons Plan zu tun, mit der Lieferung von Produkten bereits zu beginnen, bevor wir sie bestellt haben?
  • Verfolgt Echo auch mit, wenn wir von unseren Nachbarn Produkte ausgehändigt bekommen?
  • Wird Echo mit Hilfe der aufgenommenen Audiodaten auch festellen können, wie lange die Personen im Haushalt schlafen, wie oft sie Sex haben, wie oft Gäste ins Haus kommen?

„More coming soon“
Für ein Unternehmen, dass zum weltgrößten „Everything-Store“ werden möchte, wären viele dieser Daten sicherlich extrem wertvoll. Manches würde wohl auch Dritte (inklusive die staatliche Exekutive) interessieren. Ähnlich wie Apple, Google oder Microsoft beteuert Amazon selbstverständlich: nur die Audiosequenzen in Folge des jeweiligen Wakeup-Words werden an entfernte Server übertragen und dort analysiert. Doch spätestens, wenn Echo in Deutschland lieferbar ist, darf man sich wohl auch hierzulande auf spannende Datenschutz-Debatten freuen…

„Bezoston Post“ als exklusive App für das Kindle Fire – neue Chance für alte Zeitung?

“Wir werden erfinderisch sein müssen und experimentieren“, verkündete Jeff Bezos im August 2013 den Beschäftigten der Washington Post. Das war kurz nachdem der Multimilliardär aus dem „anderen Washington“ (=Seattle) das traditionsreiche Blatt mit 250 Millionen Dollar aus der Privatschatulle mal eben so gekauft hatte. Schon damals schien klar: die „WaPo“ würde eines Tages im Kindle-Universum auftauchen – und nun ist es tatsächlich so weit. Ein drahtloses Update bringt die WaPo-App in diesen Tagen auf Millionen Kindle Fire-Tablets zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste, zu den bei Amazon üblichen großzügigen Eröffnungs-Konditionen. Ein halbes Jahr lang können die Fire-Nutzer alle Inhalte der App kostenlos nutzen, danach wird sie für ein weiteres halbes Jahr zum Preis von einem Dollar pro Monat zu haben sein. Für den Rest der Android-Welt und die Apple-Fraktion wird es die „WaPo“-App erst 2015 geben. Die grafisch aufwändig gestaltete App wird zweimal pro Tag komplett aktualisiert, jeweils um fünf Uhr morgens und fünf Uhr nachmittags Washingtoner Zeit.

Bezos als „aktivster Beta-Tester“

Entwickelt wurde die App in enger Kooperation mit Bezos selbst: „Wir waren ununterbrochen im Gespräch“, berichtete Shailesh Prakash, Technologie-Chef der WaPo, gegenüber The Drum, und bezeichnete Bezos als „unseren aktivsten Beta-Tester“. Ähnlich euphorisch äußerten sich in der NYT auch andere Mitglieder des Managements und betonten, die App sei sichtbares Zeichen dafür, dass hier zwei Firmenkulturen miteinander verschmelzen würden. Zwei Firmenkulturen, die wohl kaum unterschiedlicher sein können – denn bisher war die WaPo mit einem stark lokalen Fokus und ansonsten eher planlos in das Internetzeitalter geschlittert. Die Mutation zur Bezoston Post birgt nun eine Menge neuer Möglichkeiten, u.a. vor allem die, auf nationaler und internationaler Ebene durch die relaunchte digitale Ausgabe wieder stärker wahrgenommen zu werden.

Nützlicher Synergieeffekt oder „Zwangsbeglückung“?

Die veränderte Einstellungspolitik zugunsten nationaler Berichterstattung scheint ebenfalls in diese Richtung zu weisen. Zudem sind 16 Redakteure ausschließlich damit beschäftigt, die journalistischen Inhalte speziell für die App aufzubereiten, also Texte und Überschriften knackiger für die breite Masse der Online-Leser zu machen. Angesichts der großen Reichweite des Kindle-Universums dürfte die App auf jeden Fall eine einmalige Chance darstellen, in kurzer Zeit hunderttausende neue Leser zu gewinnen – selbst wenn es sich bei diesen Synergieeffekten am Ende um eine Form der Zwangsbeglückung handelt. Um diesen Eindruck zumindest aus Kundensicht zu vermeiden, beeilte sich Amazon mitzuteilen, das automatische App-Update könne man auch ganz einfach wieder löschen.

(via The Drum & The Next Web)

Abb.: Screenshot Amazon.com

Virtuelle Währungsreform: Amazon Coins für deutsches Kindle Fire gültig

Alle reden von BitCoins, doch viel schneller könnte jetzt eine andere Alternativwährung in Deutschland Fuß fassen – die „Amazon Coins“. Kindle Fire-Besitzer können ab sofort bei Amazon.de mit dem Amazonen-Taler bezahlen, wenn sie Apps oder Spiele shoppen. Für Amazon-Kunden aus den USA hieß es alternativ zu „In God We Trust“ schon seit Mai 2013 auch „In Jeff Bezos We Trust“. Als Startkapital erhalten Käufer der Amazon-Tablets 500 Coins gratis – was umgerechnet 5 Euro entspricht. Beim Erwerb weiterer Coins lockt das Unternehmen mit einer Rabattstaffelung: 500 Coins kosten 4,80 Euro, 2.500 Coins kosten 23 Euro, 10.000 Coins gibt’s für 90 Euro.

Während die Kunden beim App-Download wie auch beim In-App-Shopping also bis zu 10 Prozent sparen können, erhalten die App-Entwickler auch weiterhin die volle Tantieme von 70 Prozent. Für E-Books gelten die Coins nicht, und dabei dürfte es auch bleiben, alles andere wäre aufgrund der Rabattierung nicht mit der deutschen Buchpreisbindung vereinbar. Die reguläre erworbenen Coins sind unbegrenzt gültig, das Begrüßungsgeld für Fire-Käufer verfällt nach einem Jahr.

In der Gaming-Community sind virtuelle Währungen längst gang und gäbe – innerhalb von Online-Rollenspielen wie World of Warcraft werden weltweit bereits Milliardenwerte bewegt. Nicht zufällig hat Amazon.com die Coins auch explizit für konvertierbar in Richtung “Spielgeld” erklärt: “Customers will be able to purchase in-game currencies with Amazon Coins”, heißt es in den FAQs zur neuen Währung. In den deutschen FAQs ist dagegen etwas allgemeiner von „von ausgwählten Produkten im Amazon App-Shop“ die Rede, die sich „im Laufe der Zeit ändern“ können.

Für die Kunden soll der Vorteil der Amazon-Coins vor allem darin bestehen, Geld noch leichter auszugeben – schließlich sinkt die Hemmschwelle, wenn man per One-Click-Einkauf nicht Euros, sondern “Amazon Coins” ausgibt. Durch den Umrechnungswert könnte zudem auch der rein numerische Überlick verloren gehen, fast so wie beim Urlaub in Fremdwährungsländern – wenn 10 Euro zu 1.000 Amazon Coins werden, setzt der Lire-Effekt ein. Noch virtueller könnte es werden, wenn sich eines Tages auch die Krypto-Währung BitCoin direkt in Amazon Coins konvertieren lässt.

Amazon testet satellitengestütztes High-Speed-WLAN für Kindle-Nutzer

Amazon möchte der Kindle-Gemeinde in Zukunft offenbar mehr bieten als nur Whispernet: Bloomberg zufolge testet das Unternehmen in Cupertino/Kalifornien gerade ein neues High-Speed-WLAN, mit dem Kunden in Großstädten versorgt werden könnten. Der aktuelle Test soll im direkten Umfeld des legendären Lab126 stattinden, also Amazons geheimem Kindle-Entwicklungslabor. Das drahtlose Netz kommt bei diesem Experiment offenbar aus dem All – denn der Online-Händler arbeitet Bloomberg zufolge mit dem Satellitennetzwerk von Globalstar zusammen, einem Konsortium verschiedener Telekommunikations-Anbieter.

Deren Sendespektrum soll gegenüber konventionellen WLAN-Hotspots einige Vorteile bieten – darunter größere Geschwindigkeit und mehr Bandbreite, wodurch mehr Kunden gleichzeitig im Netz unterwegs sein könnten als bisher. Amazon selbst und Globalstar haben die Berichte zwar noch nicht bestätigt, doch die Sache klingt durchaus plausibel. Denn gerade Amazons Fire-Tablets saugen immer mehr Daten aus dem Netz, vor allem, weil die Nutzerbasis der Streaming-Angebote im Videobereich stark wächst. Für Premium-Kunden (Amazon Prime) werden solche Angebote in den USA umsonst zur Verfügung gestellt. Was natürlich voraussetzt, dass die Daten auch zum Nutzer gelangen können. Schaut man sich die „Ausleuchtzonen“ der Globalstar-Satelliten an (siehe Abb.), fällt sofort auf: Kalifornien, aber auch die Ostküste wird besonders gut abgedeckt – das WLAN aus dem All steht dort also in besonderer Qualität zur Verfügung.

Außerdem darf man natürlich nicht vergessen: schon die Erfolgsgeschichte des Kindle-Readers hat von Anfang an mit drahtlosem (Mobilfunk)-Netzzugang zu tun. Die erste Kindle-Generation galt als ein absolutes Novum, stellte sie doch eine Art hybride Mischung zwischen Mobiltelefon ohne Telefoniermöglichkeit und elektronischem Lesegerät dar. Amazons „Whispernet“ sorgt bei den 3G-Modellen bis heute in Kooperation mit Telekommunikations-Anbietern für den direkten Draht zum Kindle-Store. Die aktuell getestete WiFi-Variante scheint denselben Weg zu gehen: Statt für Milliarden Dollar eigene WLAN-Stationen in Großstädten aufzustellen, nutzt man lieber bereits bestehende Netzwerke.

Abb.: Ausleuchtzonen der Globalstar-Satelliten (Wikimedia Commons/Public Domain)

ADW-Launcher: Original Android-Homescreen für das Kindle Fire – ganz ohne Jailbreak

Unter der Haube ist Amazons Fire-Tablet ein waschechtes Android-Tablet. Doch die Oberfläche wurde stark überarbeitet – statt normalem Homescreen wird dem Nutzer das berüchtigte „App-Karrussell“ aufgedrängt. Begrenzt sind in dieser Umgebung auch die Möglichkeiten zur Personalisierung. Mit einem einfachen Trick kommt jedoch auch auf dem Kindle Fire echtes Android-Feeling auf – man muss lediglich den ADW-Launcher installieren. Die kostenlose App gehört zu den sogenannten „alternativen Homescreen-Startern“, und macht genau das, was ihr Name verspricht: per Fingertipp erhält man ein frei konfigurierbares Original-Android-Homescreen. Persönliche Hintergrund-Bilder oder App-Icons nach Wahl sind kein Problem mehr, ebenso clevere Widgets. Natürlich lassen sich auch die Apps auf dem Homescreen frei verschieben oder in selbst erstellten Ordnern sammeln.

Das beste an der ADW-Launcher-App ist natürlich: man muss das Kindle Fire nicht rooten bzw. „jailbreaken“. Starten lässt sich der alternative Homescreen ganz einfach über das App-Karrusell. Mit einem Fingertipp auf den Homebutton am unteren Display-Rand gelangt man vom ADW-Screen wieder in das Original-Fire-Homescreen zurück. Für die Nutzung der E-Book-Bibliothek ist das auch nötig, die funktioniert nämlich via ADW-Launcher nicht. Wer den Original-Android-Flavor vermisst hat, den wird das aber nicht weiter stören. Damit die Installation der ADW-Launcher-App auf Amazons Lese-Tablet klappt, muss man sich im Web die aktuelle .apk-Datei besorgen (1.3.3.8) und direkt auf das Kindle Fire laden. Auch muss die Option „Installation von Anwendungen unbekannter Herkunft zulassen“ aktiviert sein. Den Google Play Store kann man ja leider auf einem Kindle Fire im Originalzustand nicht nutzen.

(via the ebook-reader.com)

Die “Amazon Coins” kommen – im Mai startet virtuelle Währung für Kindle Fire-Apps

amazon-coins-virtuelle-waehrung-fuer-kindle-fire-appsStatt „In God We Trust“ heißt es für die US-Kunden von Amazon bald: „In Jeff Bezos We Trust“. Denn ab Mai wird eine neue virtuelle Währung eingeführt – mit den „Amazon Coins“ kann man in Zukunft Apps & Games im firmeneigenen App-Store einkaufen. Auch für das In-App-Shopping wird man mit dem Bezos-Taler blechen können. Ein „Zwangsumtausch“ wird jedoch nicht stattfinden, parallel bleibt auch das Bezahlen mit der Kreditkarte möglich. Um den Amazon-Kunden den Umstieg auf die neue Währung schmackhaft zu machen, zieht Jeff Bezos die Spendierhosen an – zum Start werden Amazon Coins im Wert von dutzenden Millionen Dollar verschenkt. Für den Kauf von E-Books oder E-Mags gelten die Coins jedoch vorerst nicht – gerade bei Roman-Serien würden sie natürlich ebenfalls Sinn machen.

In der Gaming-Community sind virtuelle Währungen längst gang und gäbe – innerhalb von Online-Rollenspielen wie World of Warcraft werden weltweit bereits Milliardenwerte bewegt. Nicht zufällig hat Amazon seine Coins auch gleich schon mal für konvertierbar in Richtung „Spielgeld“ erklärt: „Customers will be able to purchase in-game currencies with Amazon Coins“, heißt es in den FAQs zur neuen Währung. Für die Kunden soll der Vorteil der Amazon-Coins vor allem darin bestehen, Geld noch leichter auszugeben – schließlich sinkt die Hemmschwelle, wenn man per Fingertipp nicht Dollars, sondern „Amazon Coins“ ausgibt. Je nach dem Umrechnungswert könnte zudem auch der rein numerische Überlick verloren gehen, fast so wie beim Urlaub in Fremdwährungsländern. Das beste Beispiel bietet Microsofts XBox Live Marketplace: der aktuelle Umtauschkurs zwischen der virtuellen Währung „XPoints“ und dem US-Dollar beträgt 80 Points für einen Dollar.

Den App-Anbietern verspricht Amazon im gleichen Atemzug eine zusätzliche Chance, den Traffic, die Zahl der Downloads und im Endeffekt die Monetarisierung ihrer Produkte zu verbessern. Auch Amazon selbst hat natürlich ein vitales Interesse an mehr App-Umsatz: das Kindle Fire ist eine Shopping-Plattform, die hart am Herstellungspreis verkauft wird, um eine möglichst große Reichweite zu schaffen. Damit sich das Projekt am Ende wirklich rentiert, müssen also mit dem Android-Tablet möglichst viele digitale Güter geshoppt werden. Die „Währungsreform“ auf dem Kindle Fire könnte dazu beitragen…

Abb.: Amazon

Kindle-Fire-Effekt: Zwei Drittel aller Android-Tablets werden in USA betrieben

Der Siegeszug von Android ist durch und durch global: führte 2010 erst jedes vierte Smartphone den kleinen grünen Roboter im Schilde, so war es 2011 bereits jedes zweite – aktuell laufen weltweit sogar fast 70 Prozent aller schlauen Handys mit Googles freiem Betriebssystem. Doch wer meint, bei Tablets würde es mittlerweile einen ähnlichen Trend geben, liegt völlig falsch. Denn den Analysten von Localytics zufolge werden 60 Prozent aller Android-Tablets in den USA betrieben. Großbritannien kommt auf schlappe 5 Prozent, Spanien und Korea auf 2 Prozent, alle anderen Länder liegen jeweils bei einem Marktanteil von unter 1 Prozent.

Fast alle Kindle-Fire-Besitzer leben in den USA

Das sollte eigentlich anders sein – schließlich gehört es ja zum Erfolgsrezept von Android, weltweit auf zahlreichen günstigen mobilen Gadgets präsent zu sein und eine Alternative zur teuren Konkurrenz von Apple & Co. zu bieten. Tatsächlich gibt’s ja auch schon viele Android-Tablets, die preislich deutlich unter 100 Dollar liegen. Doch man darf die Rechnung nicht ohne Amazon machen. Die Kindle-Fire Modelle haben in den USA im Android-Tablet- Sektor einen Marktanteil von 30 Prozent, dreimal mehr als der schärfste Konkurrent Barnes&Noble. Und satte 90 Prozent aller Kindle Fire-Besitzer leben in den Vereinigten Staaten – was die globale Marktstatistik stark verzerrt.

Lokalisierung des Kindle Fire als Herausforderung

Rechnet man Amazons Gadgets dagegen mal heraus, sind plötzlich nur 40 Prozent aller Android-Tablets in den Händen amerikanischen Konsumenten. Eine Zahl, die sehr stark an die Smartphone-Statistik erinnert – denn auch 37 Prozent aller Android-Smartphones werden in den USA betrieben. Letzlich weist der Tablet-Überhang auf ein spezielles Amazon-Problem hin – die logistischen Herausforderungen der Kindle-Fire-Internationalisierung (bzw. der Lokalisierung) scheinen das Wachstum deutlich abzubremsen. Ein eigener App-Store scheint also doch seine Nachteile zu haben…

(via Readwriteweb.com & Localytics)

Abb.: Amazon, Localytics

epubs auf dem Kindle Fire lesen – Dropbox & Bluefire App machen’s möglich

Bisher war die E-Lesewelt in zwei Hälften geteilt – entweder nutzte man Amazons Kindle-Format, oder aber den Branchenstandard epub. Denn leider verhindert der Kopierschutz bei kommerziellen E-Books das grundsätzlich mögliche Hin- und Herformatieren. Der Boom im Bereich von Lese-Tablets auf Android-Basis ermöglicht jetzt jedoch die friedliche Koexistenz von E-Books & E-Lese-Apps unterschiedlicher Anbieter, und das sogar auf Amazons Kindle Fire. Eine besonders clevere Lösung ist die Installation der Cloud-Speicher-App DropBox in Verbindung mit der E-Reading-App Bluefire. So lassen sich mit einem Fingertipp epub-Dateien vom PC oder Laptop auf das Kindle Fire bringen und automatisch mit der komfortablen Lese-App öffnen. Ein aufwändiger „Jailbreak“ ist dazu nicht nötig: E-Book-News zeigt, wie’s geht.

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Das App-Universum im Android-Bereich scheint schier unendlich, auf dem Kindle Fire jedoch ist es recht überschaubar. Denn statt des normalen Google Play Stores bietet Amazons Tablet im Lieferzustand nur den „kuratierten“, firmeneigenen App Shop. Das heißt: Lese-Apps der Konkurrenz müssen draußen bleiben. Macht aber nichts, denn über einen kleinen Umweg kann man sie trotzdem installieren. Dazu muss man lediglich im Konfigurationsmenü unter der Rubrik „Gerät“ die Installation von „Anwendungen unbekannter Herkunft“ zulassen. Nun macht man sich auf die Suche nach einem direkten Download-Link für die gewünschte App. Sowohl Dropbox wie auch Bluefire bieten solche Links zum Glück direkt auf ihrer jeweiligen Webseite an.

Nach dem Download lässt sich die App-Datei per Fingertipp installieren und ist dann auf dem Homescreen über das App-Menü aufrufbar. Einziger Nachteil dieses Workarounds jenseits normaler App-Stores: die App wird nicht automatisch aktualisiert, d.h. man sollte ab und zu den Download wiederholen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Kombination von Dropbox und Bluefire auf dem Kindle Fire lohnt sich aber auf jeden Fall – per Fingertipp im Dropbox-Menü wird eine Datei aus der Cloud nun direkt auf das Gerät geladen und öffnet sich automatisch im Bluefire-Reader. Da die Bluefire App mit Adobe Digital Editions kompatibel ist, kann man auch DRM-geschützte epubs problemlos auf dem Kindle Fire lesen.

Kindle-Parade: Amazon bringt bis zu sechs neue Fire Tablets auf den Markt

Für die zweite Jahreshälfte scheint sich Amazon besonders viel vorgenommen zu haben: ganze „fünf bis sechs“ neue Modelle des Kindle Fire befinden sich offenbar derzeit in der Pipeline. Zumindest eins davon soll eine Display-Diagonale von zehn Zoll haben (was ungefähr dem iPad entspricht). Das bestätigte Staples-Chef Demos Parneros jetzt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Und damit stammt die Information nicht von einem der üblichen, zumeist anoynym bleibenden „Branchen-Insider“. Sie kommt aus dem Munde des Geschäftsführers einer der größten US-Ketten für Bürobedarf, die nicht nur Büroklammern verkauft – in den Regalen von Staples stapeln sich auch Amazon-Geräte wie das Kindle Fire.

Wieviele Display-Varianten sind geplant?

Ob nun tatsächlich Tablets mit sechs unterschiedlichen Display-Größen auf den Markt kommen werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn Parneros sprach explizit von „stock-keeping units“ („Bestandseinheiten“), was man auch als „lieferbare Varianten“ interpretieren kann. Ähnlich wie beim iPad dürfte es also bald Kindle Fire-Tablets mit WiFi oder 3G geben, oder aber Geräte mit unterschiedlicher Speichergröße. Neben Kindle Fires in mindestens zwei Display-Größen (7 Zoll wie bisher sowie 10 Zoll) und gestaffelter Ausstattung könnte noch ein echter Winzling dazukommen – denn Amazon geht im Herbst möglicherweise auch mit einem eigenen Smartphone an den Start.

„World’s biggest anything store“

Welches Motiv hinter der Diversifizierungs-Strategie stecken könnte, ist eine ganz andere Frage. Offenbar hat man bei Amazon aufmerksam das Einkaufs-Verhalten der mehr als 100 Millionen Kunden beobachtet, und dabei die rapide wachsende Bedeutung mobiler Plattformen festgestellt. Das ambitionierte Ziel von Amazon-Gründer Jeff Bezos lautet bekanntlich, das Unternehmen zum „world’s biggest anything store“ zu machen. Mit Desktop-Shopping alleine wird das in Zukunft nicht mehr zu erreichen sein. Hat man bei Smartphones, Midi- sowie Maxi-Tablets dagegen genügend Marktanteile, sieht es schon deutlich anders aus. Jeff Bezos, so scheint es, hat sich mal wieder für eine seiner strategischen Kursänderungen entschieden.

Kommt nach dem Kindle-Tablet jetzt das Kindle-Smartphone?

Die Gerüchteküche rund um Amazon brodelt: Nicht nur neue Lese-Tablets hat Jeff Bezos offenbar in petto, sondern auch ein Smartphone. Realisiert wird das „Kindle-Phone“ angeblich in Kooperation mit dem taiwanesischen Zulieferer Foxconn, der auch für die Produktion von iPhone und iPad verantwortlich zeichnet. Das meldet das US-Wirtschaftsportal Bloomberg unter Berufung auf Branchen-Insider. Außerdem habe Amazon zahlreiche Patente eingekauft, um beim Einstieg in das Handy-Business juristisch auf der sicheren Seite zu stehen. Ein Smartphone würde die letzte Lücke in Amazons Ökosystem mobiler Geräte schließen – und zudem ein weitaus größeres Publikum erreichen können, als dies mit E-Readern oder Tablets möglich ist. Während knapp ein Drittel der US-Konsumenten Tablets nutzt, besitzt rein rechnerisch bereits jeder US-Bürger ein Mobiltelefon, wobei mehr als 50 Prozent davon Smartphones sind.

Analysten erwarten aggressives Pricing

Da Jeff Bezos sich das Ziel gesetzt hat, Amazon zu „Earth’s biggest anything store“ zu machen, kommt er um das Mobiltelefon als Shopping-Plattform nicht herum. Denn Web-Traffic wird in Zukunft vor allem mobil stattfinden, schon jetzt haben in den USA Smartphones und Tablets den drahtlosen Internet-Verkehr auf einen Anteil von 20 Prozent geboostet. Natürlich darf man sich fragen, wie ein „Kindle Phone“ auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt überhaupt punkten kann, selbst wenn es mit einer dem Kindle Fire vergleichbaren Android-Oberfläche daherkommt. Einen Hinweis gibt das Wired-Magazin: „Man sollte nicht Amazons Fähigkeit unterschätzen, ein Feature zu liefern, das andere nicht bieten können: einen hoch subventionierten Verkaufspreis.“ Ähnlich wie bei Kindle-Reader und Kindle-Tablet würde ein Kindle-Phone den Absatz von digitalem Content wie E-Books, Filmen oder Games fördern : „Amazons Strategie besteht darin, solche Geräte eher als Verschiebebahnhof für Content anzusehen, weniger als Standalone-Produkt. Deswegen dürfte das Pricing ziemlich aggressiv ausfallen“, zitiert Wired den ABI Research-Analysten Aapo Markkanen.

Vom Mobilfunk-Kindle zum Kindle-Mobiltelefon

Ob es sich beim Kindle-Phone noch um ein elektronisches Lesegerät im engeren Sinne handelt, ist eine ganz andere Frage. Selbst wenn man in Rechnung stellt, das Telefonieren bei einem Smartphone angesichts unzähliger Features und Apps längst nicht mehr die Hauptfunktion darstellt. Immerhin dürfte die Kindle-App aber an prominenter Stelle auf dem Desktop des Kindle Phones Platz finden. Umgekehrt darf man nicht vergessen: schon der 2007 gestartete Kindle-Reader der ersten Generation war letzlich eine Kombination von Lesegerät und integriertem Mobiltelefon (allerdings ohne Übertragung von Sprach-Daten). Denn um ein perfektes Kundenerlebnis zu schaffen, sollten Kindle-Nutzer sich nicht um die Konfiguration einer W-LAN-Verbindung kümmern müssen – die eingebaute Mobilfunk-Karte sorgte überall automatisch für den Netzzugang. Damals war das bei E-Readern ein absolutes Novum. Insofern kehrt Amazon mit dem Kindle-Phone natürlich doch zu den Wurzeln zurück, auch wenn E-Books nicht mehr im Vordergrund stehen.

Abb.: Fotomontage unter Nutzung von Flickr/bfishadow