Terms & Conditions als Meisterwerk: Robert Sikoryaks großartige Comic-Version der iTunes-AGBs

terms-and-conditions-itunes-als-comicPreisfrage: welchem Kontrakt haben alle Menschen zugestimmt, ohne ihn jemals gelesen zu haben – nur um am Ende was auf die Ohren zu bekommen? Nein, nicht dem Gesellschaftsvertrag von Monsieur Rousseau, hehehe, viel schlimmer: dem iTunes Nutzungsvertrag von Mr. Steve Jobs, bzw. den „iTunes Terms and Conditions“.

„Please read the Agreement carefully“

Tja, so sieht’s aus: (fast) alle von uns haben wohl schon des öfteren per Mausklick oder Fingertipp auf Nachfrage des diensthabenden Systems bestätigt, die AGBs für Apples Multimedia-Universum gelesen zu haben. Haben wir das aber wirklich? Wahrscheinlich quälen sich in Gänze durch diese Buchstabenwüste nur Medienrechtler, Linguisten oder Performance-Künstler auf der Suche nach unverbrauchtem Material.

„To confirm your acceptance, click Agree.“

Apropos: Die beliebte Ausrede: „So etwas lese ich nicht, da sind ja gar keine Bilder drin“ fällt ab jetzt definitiv weg. Der US-Comic-Zeichner Robert Sikoryak hat die mehr als 20.000 Wörter der (englischsprachigen) iTunes-AGBs nämlich sukzessive erst via Tumblr in eine Web-Comic-Serie, und am Ende dann in ein Comic-Buch verwandelt. Eine Art Biblia Pauperum für Digital Natives.

„A surreal record of our modern digital age“

Das wirklich großartige an diesem leicht dadaistisch anmutenden Projekt: Jede der insgesamt 96 Seiten dieser exotischen „Graphic Novel“ ist im Stil klassischer Comic-Künstler gehalten, z.B. Calvin & Hobbes, Simpsons, Jack Kirby, Marjane Satrapi u.a. Nur eine Figur ist als eine Art schurkisch-schelmischer Conférencier durchgehend präsent: Steve Jobs, wenn auch manchmal in der Haut von Dritten, z.B. Homer Simpson.

„Halte dich an das, was ich dir auftrage“ (2. Mose 34)

Als „Gesprächspartner“ tauchen in den 96 Szenarien diverse Figuren auf – natürlich kommt aber kein Gespräch zu stande, denn die iTunes Geschäftsbedingungen sind ein endloser Monolog, ein Monolith der Verlautbarung, der dem sprachlosen Nutzer vor die Füße geworfen wird, wie weiland Moses die Steintafeln mit den zehn Geboten auf dem Berg Sinai.

(via t3n.de)

Schluss mit 70/30? Apple möchte den Abo-Kuchen neu aufteilen

apple-teilt-kuchen-neu-aufWie sieht der ideale Verteilungsplan zwischen Content-Lieferant und Plattform-Betreiber aus? Bisher läuft es meistens auf siebzig zu dreißig hinaus. Genauer gesagt, seitdem Steve Jobs im Jahr 2003 Jahren iTunes auf die Beine stellte. Apples Musik- und Medienkiosk wurde zum Schrittmacher einer ganzen Branche, auch was die Tantiemen betrifft. Wer bei Amazon, Google und Co. Inhalte verkaufen möchte , zahlt dem jeweiligen Unternehmen für jedes abgesetzte Music-File, Video oder E-Book ebenfalls eine Provision von dreißig Prozent, also genau in der Höhe der historischen „Apple Tax“.

Sinkt die „Apple tax“ auf 15 Prozent?

Doch das goldene Zeitalter der großen Gatekeeper scheint zu Ende zu gehen – wie die Financial Times berichtet, diskutiert Apple mit verschiedenen großen Medienhäusern gerade eine „Steuersenkung“. Der neue Verteilungsplan bei ausgewählten Vertriebsschienen wie Apple TV oder dem virtuellen Zeitungkiosk „Newsstand“ könnte demnach eher in der Richtung von 85 zu 15 gehen. Schon seit einiger Zeit macht Apple die Android-Konkurrenz Kopfzerbrechen – manche schätzen, dass App-Entwickler mittlerweile via Google Play mehr Umsätze erzielen als im klassischen Apple App Store.

Ein Motiv: Apples Einstieg in das Flatrate-Geschäft

Noch wichtiger für Apples Kursänderung dürfte jedoch der Boom von Musik- und Videostreaming im Rahmen von Flatrate-Abos sein: hier sind die Margen besonders knapp. Und Apple plant bekanntlich eine eigene Flatrate, die wahrscheinlich in dieser Woche auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wird. Damit Apples später Einstieg in den Musikdienst-Sektor gelingt, muss ein überzeugendes Angebot her, nicht nur aus Sicht der Nutzer.

Von der Flatrate zur Null-Linie?

Denn auch für die Content-Lieferanten braucht es natürlich gute Argumente – eins ist sicherlich Apples große Kundenbasis, weltweit existieren mehr als 800 Millionen Nutzer-Accounts. Doch auch ein attraktive Tantiemenregelung dürfte hilfreich sein. Fragt sich nur: Wie könnte die im Flatrate-Business aussehen? Ein Brancheninsider schätzte gegenüber der Financial Times: um wirklich einen Vorteil zu bieten, müsste Apple sich hier mit fünf (!) Prozent der Einnahmen begnügen. Eine mögliche Übersetzung für Flatrate lautet ja übrigens auch: Null-Linie.

Abb.: Jonathan Powell/Flickr (cc-by-2.0)

E-Reading-Event am 1. März: Schaffen Telekom, Thalia, Weltbild & Co. das deutsche iTunes?

Soviel Gemeinsamkeit gab’s selten in der E-Book-Branche: die Deutsche Telekom, Thalia, Weltbild und der Bertelsmann-Buchclub laden zu einem E-Reading-Event ein – Schauplatz ist die „Hauptstadtrepräsentanz“ der Deutschen Telekom in der Französischen Straße, mitten im Berliner Zentrum. Worum es genau geht, bleibt bisher jedoch im dunkeln – angekündigt wurde lediglich „ein Gespräch mit hochkarätigen Entscheidern von Buchandels- und Technikseite“, bei dem „aktuelle Neuigkeiten“ präsentiert werden sollen. Die extravagante Kulisse im ehemaligen kaiserlichen Haupttelegrafenamt spricht jedoch gegen solch ein sprachliches Understatement – in das multimedial bespielbare Atrium passen locker 750 Gäste.

Wichtiges Detail: Amazon oder Kobo sind nicht eingeladen

Das lässt viel Raum für Spekulationen. Vielsagend ist schon mal, wer alles nicht eingeladen wurde: Google, Kobo und Amazon müssen leider draußen bleiben. Schließlich hatten Branchenbeobachter schon seit einiger Zeit prophezeit, schwächelnde deutschen Buchhändler wie Thalia könnten sich – ähnlich wie Waterstones in Großbritannien – in eine Kooperation mit den Global Playern retten. Diese Option dürfte nun wohl vom Tisch sein, zugunsten einer engeren Zusammenarbeit der größten nationalen Plattformen. Dass die Telekom als Gastgeber auftritt, gibt einen weiteren Hinweis, wohin die Reise gehen könnte: schließlich betreibt sie unter dem Label „PagePlace“ nicht nur eine Content-Plattform für E-Books und E-Magazine, sondern hat auch kräftig in ein entsprechendes App-Universum für Browser und Mobilgeräte investiert. Außerdem stellt der magentafarbige Kommunikationsriese als Service-Provider den direkten Draht ins Web für Smartphones und Tablets zur Verfügung, die in bundesweit knapp 750 Telekom-Shops angeboten werden.

Für einen „Kindle-Killer“ ist es zu spät

Gerade bei E-Readern und Tablets hatten Thalia & Co. bisher Probleme – mangels eigener Mittel konnte man Kindle-Reader und Fire-Tablet nichts gleichwertiges entgegensetzen, schon gar nicht zu subventionierten Kampfreisen. Mit der Telekom als Partner könnte das natürlich anders aussehen: Europas größtes Telekommunikationsunternehmen macht deutlich mehr Umsatz als Amazon, hat also ganz andere Möglichkeiten als die deutschen Buchhändler. Doch eigentlich ist es für den „Kindle-Killer“ schon zu spät. Zudem wird die Content-Distribution immer wichtiger als die Geräte selbst: die Kooperation zwischen Thalia, Weltbild & Co. mit der Telekom dürfte also wohl eher eine rein virtuelle werden. Schon vor zwei, drei Jahren wurde lauthals ein „deutsches iTunes“ gefordert. Was (nicht nur) der Buchbranche schließlich fehlt, ist eine unabhängige Plattform, die den direkten Zugang zum Kunden (und den Kundendaten) ermöglicht.

Schluss mit Zensur & Wegezoll

Kann die Telekom so etwas im Konzert mit den Buchhändlern bieten, käme das einer Zeitenwende gleich: Schluss mit den Gatekeeper-Allüren, schluss mit Zensur, schluss mit Pricing-Vorschriften, schluss mit dem „Wegezoll“, sprich: unverschämt hohen Provisionen. Schluss natürlich auch mit der Fragmentierung der Inhalte, der Aufspaltung in viele einzelne E-Stores mit unterschiedlichen AGBs und unterschiedlichen Nutzer-Accounts. Da die Telekom mit Mozilla kooperiert, um ein Open-Source-Betriebssystem (Firefox OS) für Mobilgeräte zu entwickeln, zeichnet sich mittelfristig sogar eine „doppelte Null-Lösung“ ab: freies Betriebssystem plus freier E-Store statt Android plus Google Play bzw. iOS plus iTunes.

Content-Plattform toppt Leistungsschutzrecht?

Noch ein spannender Punkt: Eine gemeinsame Alternative von Telekommunikations-Dienstleister plus Content-Industrie zu „Closed Shop“-Modellen à la Google Play, Kindle Store oder iBooks würde das Leistungsschutzrecht schon vor der Einführung komplett unnötig machen: „Ein solches Gesetz wird überhaupt nicht gebraucht, da der Markt die Dinge sehr wohl zugunsten der Verlage würde richten können“, schrieb Matthias Schwenk auf Carta.info schon 2010. Das Wesentliche, was dazu fehle, sei eben ein deutsches iTunes. Fehlt es vielleicht demnächst nicht mehr? Kommt zumindest ein deutsches iBooks? Am 1. März wissen wir hoffentlich mehr…

Abb.: Deutsche Telekom (c)

Neue iTunes-AGB: Was man über In-App-Abos auf dem iPad wissen sollte

in-app-aboDie Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei iTunes ändern sich ständig, ohne das noch jemand genau hinschaut. Diesmal lohnt es sich aber, denn es geht um die In-App-Abos, also das Abonnieren von elektronischen Zeitungen & Zeitschriften auf dem iPad. Gegenüber dem Einzelverkauf lässt sich im Abo oft einiges sparen – dafür muss man sich aber auch für mehrere Monate binden. Wann kann man kündigen? Wie funktioniert die automatische Verlängerung? Wer bekommt eigentlich die Abo-Daten? Wir haben zusammengefasst, was man in Sachen In-App-Abo unbedingt wissen sollte.

Automatische Verlängerung, händische Kündigung

Bei den In-App-Abos ist es wie im richtigen Leben – wenn man sie nicht irgendwann kündigt, laufen sie munter weiter. Bei Apple hat man aber eigentlich sogar bessere Karten als bei Papiermedien, denn die „automatische Verlängerung“ kann man bis 24 Stunden vor Ablauf des aktuellen Zeitraums einfach abschalten (vorausgesetzt, man ist online). Wenn der Zeitungsverlag die Abopreise erhöht, wird die automatische Verlängerung automatisch abgeschaltet. Akzeptiert man den neuen Preis, muss man also die Verlängerung wieder aktivieren, sonst endet das Abo zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

14-tägige Geld-zurück-Garantie

Wer gerade ein neues Abo abgeschlossen hat, bekommt etwas Bedenkzeit – erstmal läuft nämlich eine 14 Tage währende Kündigungsfrist. Bezahlen muss man nur, was innerhalb dieser Zeit bereits geliefert wurde, das restliche Geld wird erstattet. Kündigen per Knopfdruck, Mausklick oder Fingerwisch geht allerdings nicht. Wer kündigen will, muss dies mit einem E-Mail-Formular tun, das auf der iTunes-Homepage zugänglich ist. Nach Ablauf der 14-Tage-Frist ist keine Kündigung oder Rückerstattung mehr möglich, alles was dann noch hilft, ist die Abschaltung der automatischen Verlängerung.

Weitergabe von persönlichen Daten an Verlage, Opt-Out-Funktion

Anders als bei einem normalen Zeitungsabo hat man es nicht direkt mit dem Verlag zu tun, sondern zunächst mal nur mit iTunes/Apple. Allerdings wird man gefragt, ob Apple den Namen, die E-Mail-Adresse und die Postleitzahl an den Verlag weitergeben darf. Die Verlage können diese Informationen für statistische Zwecke nutzen, aber auch um Werbung zu verschicken. Die Zeitungsverleger sind wegen der „Opt-Out“-Funktion zur Zeit ziemlich sauer auf Apple, denn schließlich geht ihnen hier der direkte Kontakt zum Kunden verloren, mal ganz abgesehen davon, dass sie nun bei jedem In-App-Abo via iTunes 30 Prozent Provision zahlen müssen. Mitleid wäre hier aber wohl fehl am Platz – man sollte auf jeden Fall die Weitergabe der Daten ablehnen, denn für den Leser gibt’s dabei nichts zu gewinnen. Deswegen sollte man diese „Opt-Out“-Funktion auf jeden Fall nutzen.

Im Folgenden dokumentieren wir die Original-AGB (Absätze & Zwischenüberschriften E-Book-News)

IN-APP ABONNEMENTS

Automatische Verlängerung von Abos

Bestimmte App Store Produkte können Funktionalitäten enthalten, die es Ihnen ermöglichen, Inhalte auf der Basis eines Abonnements zu erwerben („Bezahlte Abonnements“). Bezahlte Abonnements verlängern sich automatisch um die von Ihnen gewählte Laufzeit. Ihr Konto wird nicht mehr als 24 Stunden vor dem Ablauf des derzeitigen Bezahlten Abonnements belastet.

Automatische Verlängerung abschalten, Abschaltung bei Erhöhung des Abopreises

Sie können die automatische Verlängerung ausschalten, indem Sie in Ihren Kontoeinstellungen auf „App Abos verwalten“ gehen und das Abonnement auswählen, das Sie ändern wollen. Die automatische Verlängerungsfunktion des Abonnements wird ausgeschaltet, wenn der Veröffentlicher den Preis für das Abonnement erhöhen.

Gratis-Testphasen

Gewisse Bezahlte Abonnements bieten gegebenenfalls eine gratis Testphase vor dem Kauf an. Wenn Sie sich dazu entschließen, ein Bezahltes Abonnement vor dem Ende der gratis Testphase zu erwerben, beginnt Ihr Bezahltes Abonnement unverzüglich. Zusätzliche Informationen über ein Angebot zu Bezahlten Abonnements gibt es auch beim Kauf desselben über das App Store Produkt.

Weitergabe von persönlichen Daten an Verlage, Opt-Out-Funktion

Wir holen gegebenenfalls Ihr Einverständnis ein, um den in Ihrem Konto angeführten Namen, die entsprechende Emailadresse und Postleitzahl dem Veröffentlicher zur Verfügung zu stellen, damit Ihnen dieser in Übereinstimmung mit seiner Datenschutzrichtlinie Werbung zu seinen eigenen Produkten zusenden kann. Wenn der Veröffentlicher diese Informationen erhält, werden diese in Übereinstimmung mit seiner öffentlich bekanntgemachten Datenschutzrichtlinie verarbeitet. Wir empfehlen Ihnen, sich mit den Datenschutzpraktiken des Veröffentlichers vertraut zu machen bevor Sie Ihr Einverständnis erteilen, dass Ihre personenbezogenen Daten an diesen weitergegeben werden. Für weitere Informationen siehe die Datenschutzrichtlinie des Veröffentlichers oder kontaktieren Sie den Veröffentlicher direkt.

14-Tage Geld-zurück-Garantie

Kaufpreisrückerstattungen (die anteilsmäßig berechnet werden und dabei die von Ihnen bereits erhaltenen Inhalte des Bezahlten Abonnements berücksichtigen) sind innerhalb von 14 Kalendertagen ab dem Kauf des Bezahlten Abonnements möglich. Für diesen Zweck steht das Email-Formular unter http://www.apple.com/de/support/itunes/ zur Verfügung. Es gibt keine weiteren Kaufpreisrückerstattungen, keine Rückgabe oder Vertragsaufhebung nach dem Kauf.

Abo auf einen Klick: Google plant digitalen Zeitungskiosk für Android-Tablets

Was das iPad für Apple ist, sind die kommenden Android-Tablets für Google – fehlt allerdings nur der Content. Natürlich gibt’s schon den Google eBookStore, doch was ist mit Zeitungen & Zeitschriften? Schließlich kann man via iTunes bzw. den App Store E-Magazin- und E-Newspaper-Apps nicht nur herunterladen, sondern teilweise sogar schon elektronisch abonnieren. Doch offenbar plant Google bereits einen „Digital Newsstand“ für Nutzer von Android-Geräten:

The e-newsstand would include apps from media companies offering versions of their publications for smartphones or tablets running Android

berichtet das Wall Street Journal. Das Motto einer solchen Kiosk-Plattform: alles auf einen Blick, und möglichst auch alles auf einen Klick. Mit dem versprengten Angebot einzelner Apps haben viele Zeitungen offenbar keine guten Erfahrungen gemacht, es fehlt eine zentrale Anlaufstelle. Die Verlage sind andererseits aber auch etwas unwillig, neue Kooperationen einzugehen, da die Konditionen zu schlecht sind – zumindest bisher:

In recent weeks (…) Google has told publishers it would take a smaller slice on any sales they make of Android apps than the 30% cut Apple typically takes on iTunes sales.

Konkurrenz belebt mal wieder das Geschäft. Auch Apple geht jetzt erneut auf die Publisher zu – und verspricht verbesserte Abo-Features via iTunes. Besonders attraktiv scheint der Touch-Screen-Kiosk bisher für die Content-Anbieter nämlich nicht zu sein:

While many media companies have rushed to build apps for iPads and Android tablets, they say their current inability to sell standard subscriptions through iTunes, a shortage of data about app buyers and tough business terms are keeping them from investing more in the effort.

Deutsches iTunes statt Leistungsschutzrecht: Plädoyer für eine branchenübergreifende Bezahlplattform

Mit dem sogenannten Leistungsschutzrecht wollen deutsche Verlage ihre Web-Inhalte vor unerlaubter Weiterverbreitung bewahren. Doch was ihnen wirklich fehlt, ist wohl eher ein vernünftiges Geschäftsmodell für digitale Güter vom E-Book bis zum Musik-File. CARTA-Mitherausgeber Matthias Schwenk plädiert in seinem Beitrag für eine branchenübergreifende Bezahlplattform, die Paid Content so einfach machen könnte wie wir es bereits von Apples iTunes gewohnt sind.

Was wirklich fehlt, ist eine branchenübergreifende Bezahlplattform

Der Lobbyismus deutscher Verleger um ein Leistungsschutzrecht für ihre Branche ist eine unwürdige und unnötige Veranstaltung. Ein solches Gesetz wird überhaupt nicht gebraucht, da der Markt die Dinge sehr wohl zugunsten der Verlage würde richten können. Das Wesentliche, was dazu fehlt, ist eine branchenübergreifende, standardisierte Plattform für das Bezahlen im Internet, die so einfach funktioniert wie Apples iTunes. Würden sich alle Verlage und Medienhäuser verbindlich mit ihren Medien daran beteiligen, könnten die Leser im Web mit einem einzigen Account überall einkaufen: Hier einen einzelnen Artikel, dort ein Abonnement und wieder woanders eine Sonderedition. Eine Medienbezahlplattform mit Akzeptanz bei den Usern müsste dabei nicht auf Zeitungen oder Zeitschriften beschränkt bleiben: Sie könnte (nach und nach) auf verwandte Gattungen ausgedehnt werden, etwa auf die Buchverlage oder Anbieter von Musik oder Filmen. Zu Ende gedacht könnte schließlich auch der Handel mit Waren partizipieren, so dass damit insgesamt ein bedeutendes deutsches Gegengewicht zu Apple und Amazon, den beiden auch hierzulande führenden Plattformen, entstünde. Wäre das nicht eine Vision?

Eine Alternative zu Apple und Amazon brächte mehr Geld und weniger Zensur

Bei dieser Lösung könnte jeder beteiligte Verlag seine Preise autonom setzen und hätte bei jeder Buchung nur einen geringen Abzug, der für die Betriebskosten der Bezahlplattform aufkommt. Nicht aber Abzüge im Bereich von 30 bis 40 Prozent, wie dies andernorts heute der Fall ist. Zudem entfiele hier das Problem der Zensur, so dass Bildzeitung oder Playboy sich mit ihren Inhalten am Geschmack der Leser orientieren könnten und sich nicht den seltsamen und willkürlich anmutenden Standards eines einzelnen Firmenchefs in Amerika unterordnen müssten. Ganz nebenbei könnte eine solche Plattform auch noch etwas für den Jugendschutz tun: Wer einen Account anlegen will, muss sein Alter überprüfen lassen, so dass sich in der Folge Minderjährige vom Kauf ungeeigneter Inhalte abhalten lassen.

iTunes hat gezeigt, das Paid Content funktionieren kann – nicht nur bei Musik

Natürlich werden die Verleger argumentieren, dass das alles keinen Zweck habe, weil das Publikum für Inhalte im Internet nicht bezahlen wolle. Aber stimmt das auch? Wer heute ein iPhone oder auch ein iPad nutzt, erkennt sofort, wie bequem hier eingekauft werden kann. Der Vorgang ist immer gleich, über alle Inhalte oder Gattungen hinweg. Die Standardisierung und intuitive Einfachheit des Bezahlvorgangs macht es wohl aus, dass Apple damit in den USA zum größten Online-Musikhändler aufsteigen konnte und sein Angebot nun in alle anderen Richtungen digitaler Medieninhalte ausweitet. Das Geschäft ist offensichtlich lukrativ, allem Filesharing über andere Kanäle zum Trotz. Den deutschen Medienanbietern muss zudem auch entgegengehalten werden, dass sie in der Vergangenheit mit dem Internet nicht wirklich viel anfangen konnten und ihre Ansätze zu Paid Content daher auch eher phantasielos und lustlos gerieten. Tageszeitungen etwa in Form von Pdf-Dateien im Original-Layout der Printversion im Netz zu verkaufen war keine gute Idee: Für den Leser am Bildschirm war das nur eine Quälerei und sicher nicht geeignet, das Publikum an Paid Content zu gewöhnen. In Zukunft wird man sich mehr einfallen lassen müssen und seine Inhalte so formen, dass sie so begehrenswert wie die Hardware von Apple wird. Dass Paid Content funktionieren kann, zeigt aktuell das Magazin Wired, das von seiner ersten Ausgabe auf dem iPad vermutlich mehr Exemplare verkaufen wird als von der gedruckten Version. Verabsolutieren darf man dieses Beispiel natürlich nicht. Es zeigt aber, dass Paid Content, immer in Kombination mit Werbung und auch einer teilweise frei zugänglichen Version, offenbar doch eine Zukunft hat.

Noch ein Vorteil: Neutralität in Sachen Werbung & Marktforschung

Eine eigene Bezahlplattform hätte einen weiteren Vorteil: Sie wäre vollkommen neutral in Sachen Werbung und Marktforschung. Apple nämlich könnte das Ziel haben, für seine Applikationen im App Store die Werbemöglichkeiten auf das neue, hauseigene Programm iAds zu beschränken und ist bereits dabei bestimmte Fremdanbieter bei der Datenerhebung auszuschließen. Dies richtet sich natürlich in erster Linie gegen Google, ist aber auch ein Affront gegenüber den Applikationsentwicklern und Inhalteanbietern, die sich in immer stärkerem Maß nach Vorgaben von Apple richten müssen. Wie gut wäre es doch demgegenüber, man könnte sich voll und ganz auf seine Seiten im Netz konzentrieren: Ein Medienanbieter muss hier nur auf die Darstellbarkeit seiner Inhalte in unterschiedlichen Browsern Rücksicht nehmen und kann ansonsten Werbung einblenden wo und wie er will. Er muss keine Zensur fürchten und kann seinen Content teils frei, teils hinter die Bezahlschranke stellen, ja wenn es sie nur gäbe, die einheitliche, überall akzeptierte und vom Publikum gern genutzte Bezahllösung.

Wollen wir wirklich die endlose Fragmentierung von Content?

Da wir diese aber nicht haben und die Verleger lieber die Rechtsanwälte an Stelle der Programmierer bemühen, werden wir in Deutschland bald schon ein schönes Leistungsrecht bekommen! Paid Content dagegen wird es in endlos fragmentierter Form geben, teils in Apples App Store (mit Zensur), teils bei Google Android (ohne Zensur) und sicher auch bald bei Microsoft, Nokia und anderen. Natürlich wird die Hardware all dieser Anbieter untereinander immer weniger kompatibel sein, denn die einzelnen Bezahlplattformen wollen ja geschützt sein und was für die Hardware gilt, wird für die Medieninhalte erst recht gelten: Was auf einer Plattform gekauft wird, wird sich nur schwer oder gar nicht auf konkurrierende Plattformen migrieren lassen. Wollen wir das? Ist diese Perspektive wirklich im Sinne von Medienanbietern und ihren Kunden? Ganz sicher nicht. Aber vermutlich werden wir dieses Tal der Tränen durchschreiten müssen, weil Verlage und Verleger weithin immer noch kein Gespür für das Internet haben und sich mit einer Wagenburgmentalität unter den Schutz von Gesetzen flüchten anstatt die Zukunft zu gestalten.

Autor & Copyright: Matthias Schwenk

(Der Originalartikel erschien am 11. Juni 2010 auf CARTA)

Foul Play beim iPad: Apple schützt E-Books mit exklusivem „Fair Play“-DRM

fair-play-foul-play-bei-apple-exklusiver-drm-schutz-e-books-auf-dem-ipad.gifApple wird für den neuen iPad kopiergeschützte E-Books im epub-Format anbieten – doch die Verkaufsplattform iBooks verzichtet auf Adobes Digital Edition. Stattdessen setzt Steve Jobs auf „Fair Play“ – Apples hauseigene DRM-Technik. Sie kam bisher schon für MP3- und Videodateien zur Anwendung, die via iTunes verkauft wurden. Musikdateien werden allerdings seit 2009 von Apple grundsätzlich DRM-frei ausgeliefert.

Adobe hat sich bereits auf Apples DRM-Alleingang eingestellt


Bei der Etablierung von iBooks geht Apple ganz eigene Wege – nicht nur bei der Preisgestaltung. Um den Verlagen entgegenzukommen, bietet Steve Jobs offenbar auch an, die E-Books mit Digital Rights Management (DRM) auszustatten – setzt dabei allerdings nicht auf Adobes Digital Editions, sondern auf das hauseigene „Fair Play“. Das berichtet jedenfalls die LA Times unter Berufung auf Branchenkenner. Auch bei Adobe scheint man sich auf Apples Alleingang einzustellen: „Apple has not licensed Adobe Content Server for their iBookstore. They appear to be doing something else“, äußerte sich Adobe-Manager Nick Bogaty gegenüber Computerworld.

„Fair Play“ oder „Foul Play“? Schon bei iTunes war DRM äußerst unbeliebt


Apples „Fair Play“ fand bereits bei Produkten wie iPod, iPhone und natürlich im iTunes Store Verwendung. Die Nutzungsbedingungen erinnern jedoch stark an Adobe: Eine mit FairPlay geschützte Mediendatei kann nur auf fünf Computern gleichzeitig wiedergegeben werden, dazu muss jedes Gerät einzeln autorisiert werden. Allerdings ging Apples Version im Vergleich zur E-Reader-Welt noch etwas weiter – denn Musikdateien ließen sich mobil nur auf iPods abspielen. Das führte nicht nur zu Protesten der Nutzer, sondern brachte Apple auch zahlreiche Klagen wegen Wettbewerbsverletzungen ein. Seit Anfang 2009 sind alle Musikstücke im iTunes Store kopierschutzfrei, allerdings wurde zur selben Zeit auch eine neue Preisstruktur eingeführt.

Nach Amazons Kindle-Store kommt mit iBooks nun das zweite große Closed-Shop-System


Unklar ist bisher noch, ob Verlage auch die Option haben werden, auf „Fair Play“ zu verzichten. so ist etwa O’Reilly dafür bekannt geworden, seine E-Books ohne Kopierschutz anzubieten – was in diesem Fall zu deutlich höherem Umsatz geführt hatte. Zudem stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit von „i-Books“: Wenn iPad-Besitzer ihre mit FairPlay verschlüsselten Bücher nur auf Apples Tablet lesen könnten, würde das die Nutzung stark einschränken. Neben Amazon gäbe es dann möglicherweise ein zweites Closed-Shop-System – und dass ironischerweise, obwohl Apple anders als Amazon beim E-Book-Format selbst auf den Branchenstandard epub setzt.

Das neue iPad – benutzerfreundlich oder „Defective by Design“?


Die Reaktionen bei Bloggern und Open Source-Aktivisten fielen dementsprechend kritisch aus: „[FairPlay] is another in a varied number of DRM schemes that will ultimately confuse the consumer and harm e-book adoption,“ schreibt etwa Teleread-Herausgeber Paul Biba. John Sullivan von der Free Software Foundation (FSF) sieht Apples DRM-Pläne im Zusammenhang der bisherigen Firmenpolitik und fordert: „If Jobs and Apple are actually committed to creativity, freedom, and individuality, they should prove it by eliminating the restrictions that make creativity and freedom illegal.“ Im Rahmen der „Defective by Design“-Kampagne hat die FSF übrigens eine Online-Petition gestartet, Überschrift: „iPad DRM endangers our rights“. Sobald – bzw. jedesmal wenn – 5000 Unterschriften zusammengekommen sind, bekommt Steve Jobs eine großformatige Postkarte im 1984-Design geschickt.

Verlage lernen von iTunes: Simon&Schuster verkauft E-Books kapitelweise

verlage-lernen-von-itunes-simonschuster-verkauft-jetzt-e-books-kapitelweise_bild_pixelio_hofschlaegerE-Books von Simon&Schuster kann man ab jetzt auch kapitelweise kaufen. Die neue E-Commerce-Lösung wird mit Sachbüchern aus dem Bereich Medizin und Gesundheit ausprobiert: wer auf der „Ask Doctor Oz„-Seite die Antwort auf eine medizinische Frage in einem bestimmten Text findet, kann das betreffende Kapitel herunterladen und spart Geld. Das erfolgreiche Vorbild ist iTunes: in Apples Online-Store kann man zu günstigen Preisen einzelne Songs herunterladen.

Lernen von der Musikindustrie: das E-Book-Kapitel ist die „Single“ der Buchbranche

Wer sagt denn, dass die Verlage nicht doch von der Musikindustrie lernen? Der Preis für ein ganzes Album ist vielen zu hoch, doch wenn man sich für 99 Cent genau den Song herunterladen kann, den man hören möchte, ist das ein faires Angebot. Lange Zeit wurden schließlich auch mehr Singles als LPs verkauft. Nun steigt der amerikanische Verlag Simon & Schuster in das Geschäft mit „ausgekoppelten“ E-Book-Kapiteln ein – eine gute Idee. Zumindest für die gewählte Sparte: Sachbücher haben eine thematische Gliederung, die das Auskoppeln sinnvoll erscheinen lässt. Außerdem ist das gesamte Werk oft so teuer, dass man vor dem Kauf zurückschreckt. Die Wahl traf hier eine Ratgeber-Serie der telegenen Star-Ärzte Mehmet Oz und Micheal Roizen. Oz wurde äußerst populär durch regelmäßige Fernsehauftritte etwa in der Oprah-Winfrey-Show. Auch im Internet ist Oz mit einer aufwändig gestalteten Service-Seite präsent. Ein spezielles Web-Widget auf der Ask Dr. Oz-Website erlaubt nun den Kauf einzelner Kapitel seiner Ratgeberreihe zum Preis von 2 bis 3 Dollar. Die Kapitel-Option gibt es nur direkt auf der Oz-Site – hinter der ShareCare Inc. steht. „Hier öffnet sich eine ganz neue Welt der Möglichkeiten für die Distribution und den Verkauf digitaler Möglichkeiten“, so Simon & Schusters Medien-Chef Ellie Hirschhorn. „Unser Plan ist, den kapitelweisen Verkauf mit Hilfe des E-Commerce-Widgets nun auch auf andere Bereiche auszudehnen.“

Why some ideas survive and others die…

Ganz neu ist die Idee freilich nicht: Eine ähnliche Strategie hat im Jahr 2008 schon das Verlagshaus Random House verfolgt, sinnigerweise mit dem Bestseller von Dan&Chip Heath „Made to Stick„, Untertitel: „Why Some Ideas Survive and others Die“. Die Idee hat bisher überlebt, aber richtig lebendig ist sie nicht. Das zeigt auch der Blick nach Europa.
Im deutschsprachigen Raum ist das neue Kapitel im E-Book-Publishing nämlich schon aufgeschlagen worden. Vor allem kleinere Anbieter wie ciando.de und exlibris.ch werben mit dem kapitelweisen Verkauf von Fachbüchern. Es gibt jedoch ein großes Problem: Bisher spielen nur wenige Verlage mit, so dass die Zahl „Single-Auskopplungen“ noch sehr überschaubar ist (siehe Beispiel). Das ist schade, denn als Marketing-Instrument sollte man das Aufsplitten von Content nicht unterschätzen. Bis zum echten iTunes für E-Books ist es offenbar noch ein weiter Weg…

Bild: Pixelio/Hofschlaeger

Kindle E-Books kommen jetzt auch auf’s iPhone

iPhone-Nutzer können ab sofort auch E-Books im Kindle-Format auf ihrem Handy lesen. Wie der Blog ReadWriteWeb berichtet, ist via Apple Store eine entsprechende iPhone-App erhältlich, mit der man die E-Books auf das Display des Mobiltelefons bringen kann. Ein normaler Internet-Download vom iPhone aus ist allerdings nicht möglich, die Dateien werden über eine spezielle Funktion der Kindle-Site direkt an das iPhone geschickt. Die iPhone-Offensive soll offenbar Amazons E-Book-Absatz weiter ankurbeln. Amazon-Vize Ian Freed zufolge erwartet Amazon durch die neue Möglichkeit, Kindle-Bücher ohne Kindle zu lesen, Kindle E-Books kommen jetzt auch auf’s iPhone weiterlesen