Crowdfunding, Crowdfailing: Popslate ist pleite – neues E-Ink-Smartcase kommt nicht mehr

popslate-2-e-ink-smartcase-kommt-nicht-mehrJe mehr Crowdfunding zum Crowdinvestment wird, desto mehr gleichen sich auch die Misserfolgsgeschichten – nun hat es mit Popslate wieder einmal ein Startup mit Crowdkapital erwischt. Immerhin war das E-Ink-Smartcase für das iPhone keine reine Vaporware, die erste Version des via Indiegogo vorvermarkteten E-Lese-Accessoires (Funding-Summe: 220.000 Dollar) für die Apple-Fangemeinde wurde – wenn auch mit Verspätung und reichlich abgespeckten Features – Anfang 2015 an die Vorbesteller ausgeliefert.

1,1 Mio. Dollar Crowdkapital futsch

Obwohl die Reviews dann eher enttäuschend ausfielen – bemängelt wurde u.a. niedrige Auflösung, kein Touchscreen, dafür aber hoher Preis – schafften es die Popslate-Macher, Mitte 2016 eine zweite Kampagne auf die Beine zu stellen, die sogar 1,1 Mio. Dollar einsammelte. Doch (funk-)technische Probleme bei der Realisierung – das Hüllenmaterial des Smartcases schluckt zuviel Signalstärke des iPhones – und am Ende leere Kassen haben dem Projekt nun den Todesstoß versetzt.

„This will be our final update“

Das finale Projektupdate bilanziert kurz und knapp:

„There is no way to sugarcoat what this all means:
-popSLATE has entered into the legal process for dissolution of the company
-Your popSLATE 2 will not be fulfilled
-There is no money available for refunds
-This will be our final update“

Know-How als Konkursmasse

Anders als bei der Pebble-Pleite gehen also nicht nur die Unterstützer/Vorbesteller des Produkts leer aus, auch die Gründer und ihr Team schauen in die Röhre – während die E-Ink-Smartwatch in letzter Minute für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag von einem Konkurrenten (Fitbit) aufgekauft wurde, scheint fraglich, ob sich jemand für die Konkursmasse von Popslate interessieren wird.

Tja, wie heißt es so schön: Startups sind Suchmaschinen für Geschäftsideen. Doch egal ob nun crowdgefundet oder nicht, wenn man sich dabei jenseits eingetretener Pfade bewegt, kann auf der Strecke eben auch mal der Abgrund lauern…

(via The Digital Reader)

Zehn Jahre iPhone: welche Rolle spielte Steve Jobs „revolutionäres Produkt“ für die E-Lese-Revolution?

apple-erstes-iphone-2007Steve Jobs liebte große Worte: „Hin und wieder kommt ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert“, verkündete der Apple-Chef Januar 2007 bei einem Live-Event. Diesmal versprach er dem Publikum sogar drei Produkte auf einmal: einen iPod Touch mit Widescreen, ein revolutionäres neues Handy und ein bahnbrechendes mobiles Internet-Gerät. Oder doch nicht? „These are not three separate devices, this is one device. And we are calling it the iPhone“.

Personal Computer unserer Zeit

Zehn Jahre und alleine 1 Milliarde (!) verkaufter iPhones später ist klar: die angekündigte Revolution hat tatsächlich stattgefunden — das mobile Smartphone hat den PC rein quantitativ überholt, das iPhone und seine Epigonen sind der „Personal Computer“ unserer Zeit. Doch die Veränderung ist eben auch qualitativ, mit dem vernetzten Multi-Touch-Smartphone ist das Internet mobil geworden, und damit auch der E-Commerce. Die Folgen sind unübersehbar: Wir sind als Netzbürger und Konsumenten immer und überall vernetzt, always on, never off, wir kommunizieren, recherchieren, konsumieren per Fingertipp auf den Display.

iPhone & Kindle starteten 2007

Auch das elektronische Lesen wäre ohne iPhone — vor allem in Verbindung mit App Store bzw. iBooks — nicht dort, wo es heute ist. Doch das wiederum liegt nicht an Apple, oder jedenfalls nicht nur an Apple. Denn im Herbst 2007 ging ein weiteres revolutionäres Gerät an den Start: Amazons erster Kindle Reader. Erst mit Kindle und Kindle Store erlebte das elektronische Lesen in den USA und international einen solchen Boom, dass auch Apple aufmerksam wurde. Parallel zum iPad-Launch 2010 startete mit dem iBooks Store das „iTunes für Bücher“ — eine separate Version für das iPhone inklusive (zur Vorgeschichte von iPad & Kindle siehe: vom-buch-zum-byte.de).

Smartphone wichtigste E-Lese-Plattform

Elektronisches Lesen findet heutzutage zumeist innerhalb von Apps statt, die auf mobilen iOS- oder Android-Geräten installiert sind, Smartphones sind dabei das Einsteiger-Gerät Nummer Eins in punkto E-Reading. Klassische E-Reader mit E-Ink-Display haben ihre Rolle als Schrittmacher für die E-Lese-Revolution dagegen ausgespielt, sie dümpeln am Markt nur noch als zweckgebundene Nischengeräte herum, wenn auch nicht völlig erfolglos. Multifunktionsgeräte wie Smartphones oderTablets finden sich jedoch inzwischen in fast jedem deutschen Haushalt, ein Kindle- oder Tolino-Reader bei weitem nicht.

Nächstes großes Ding in Sicht?

Das iPhone als Ikone des Mobile Business übt eine solche Sogwirkung aus, dass selbst Amazon-Chef Jeff Bezos nicht die Finger davon lassen konnte, und sie sich mit dem Projekt „Fire Phone“ kräftig verbrannte. Auch ein iPad-Klon namens Fire Tablet verkauft sich eher mäßig. Beim Smart Home-Zubehör punktete Amazon dann aber plötzlich mit einer Eigenentwicklung — die Lautsprecher-Konsole Echo mitsamt integrierter digitaler Assistentin Alexa scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Hin und wieder kommt tatsächlich ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert. Und nicht immer kommt es von Apple.

Abb.: Arnold Kim/Blake Patterson (cc-by-2.0)

popSLATE2 trifft iPhone: E-Ink-Smartcover mit Saft im Gepäck

popSLATE2-smart-screen-cover-iphone-mit-einkEine Smartwatch mit 5 Zoll-Screen & Real-Time-Updates, ein E-Reader, und ein zusätzliches Akku-Pack, alles für einen Preis? Das neue popSLATE2 verspricht iPhone-Nutzern eine ganze Menge. Kaufen kann man das auf E-Ink-Technologie basierende „Smart Second Screen“ für’s iPhone 6ff. allerdings noch nicht, dafür aber vorbestellen: Derzeit läuft die Pre-Order-Kampagne via Indiegogogo, ab 69 Dollar (plus 25 Euro Versand) ist man dabei. Regulär soll das smarte Cover dann je nach iPhone-Modell 129 bzw. 149 Dollar kosten, geliefert wird ab August 2016.

Mehr Screen-Fläche, höhere Auflösung

Doch lohnt sich ein Smart Screen zum Preis eines kompletten Kindle-Readers wirklich? Zumindest mehr als beim popSLATE1, so scheint es. Das Team um Yashar Behzadi, Greg Moon und Stephan Charbit hat der zweiten Version des E-Ink-Covers nämlich zahlreiche technische Updates verpasst: Mehr Screen-Fläche (4,3 bzw. 4,7 statt 4 Zoll), höhere Auflösung (200 dpi statt 115 dpi), flacheres Design (4 mm statt 6,5 mm), sowie drei kapazitive Touch-Screen-Buttons.

Auch auf spezifische Kritik der Nutzer hat man reagiert: Das popSLATE2 zehrt nun nicht mehr am Akku des iPhone, es spendiert selbst eine Runde Saft. Der im E-Ink-Cover verbaute Zweit-Akku soll bis zu neun Stunden zusätzlicher Gesprächszeit bzw. fünf Stunden Online-Aktivitäten ermöglichen. Mal abgesehen davon, dass natürlich auch durch die häufige Nutzung des E-Ink-Displays anstelle des iPhone-Screens Strom gespart wird. Ist das popSLATE2 mit dem iPhone verbunden, lassen sich beide Akkus simultan via Lightning-Verbindung aufladen.

„Reisende, Working Mums, News Aficionados“

Als typische „Use Cases“ sehen die popSLATE-Macher z.B. Geschäftsreisende, die ihre virtuellen Boarding-Karten, Hotel-Reservierungen, Stadtpläne etc. griffbereit haben möchten, „Busy Working Mums & Dads“ mit langen Shopping-Listen und To-Dos, oder „Social & News Aficionados“, die Börsenkurse, Media Alerts und Social Media-Streams im Blick behalten möchten. Nicht zu vergessen Outdoor-Freunde, die sich über längere Akkulaufzeiten und konstraststarke Lektüre auch bei prallem Sonnenlicht freuen.

Was genau auf dem smarten Second Screen angezeigt wird, entscheidet der Nutzer über die popSLATE2-App. Auch hier gab’s Zuwachs: zur Wahl stehen jetzt etwa Dashboards mit Wetter-Infos, Nachrichten-Feeds, To-Do-Listen, herzerwärmende Familienfotos oder diverse coole Watchfaces. Auch umblättern — z.B. bei der E-Book-Lektüre — ist dank der Touch-Buttons am unteren Display-Rand kein Problem.

E-Reading-Potential nicht ausgeschöpft

Apropos E-Reading via popSLATE2: ausgerechnet bei diesem interessanten Feature sind die Möglichkeiten derzeit leider noch ziemlich begrenzt, bisher können nämlich via App nur gemeinfreie Titel von Project Gutenberg auf das E-Ink-Screen gebracht werden. Weitere Content-Quellen sollen aber im Herbst 2016 dazukommen, lautet das Versprechen.

(via The Verge & Indiegogo)

Google Currents ist da: mobile Lese-App für Apple- & Android-Geräte

Google sorgt für mehr Content auf Tablets und Smartphones: Artikel aus dem umfangreichen Arsenal von mehr als 180 Medienpartnern lassen sich mit der Reader-App Currents kostenlos in voller Länge lesen. Dazu gehören Forbes, AllThingsDigital, Fast Company oder die HuffPo. Darüber hinaus kann man aber auch andere RSS- oder Video-Feeds, Google+ streams und via Google Reader abonnierte Web-Inhalte mit Google Currents lesen. Während man die iPad- und iPhone-Version nur über den US-App-Store bekommt, lässt sich die Android-App über einen externen Download-Link auch direkt installieren.

Googles großer Content-Deal

Die Konkurrenz auf dem Markt für Reader-Apps ist groß – wer schafft es am besten, Web-Inhalte für die Touch-Screens von Tablets und Smartphones aufzubereiten? Apps wie FlipBoard oder ZITE gelten als Schrittmacher für iPad-Magazine, die Content über Twitter oder RSS-Feeds zusammenstellen und grafisch aufbereiten. Bei ZITE helfen zudem lernfähige Such-Algorithmen, jeden Tag auf’s neue ein maßgeschneidertes News-Potpourri zu köcheln. Google Currents leistet in technischer Hinsicht somit nicht wirklich viel Neues – vom Inhalt her aber schon. Denn der große Deal mit mächtigen Verlagen und populären Web-Portalen bringt eine bisher nicht gesehene Fülle von Artikeln, Videos und Fotostrecken auf’s Display. Googles offizielle Liste umfasst bereits mehr als 180 illustre Adressen, darunter auch eher alternative Kanäle wie BoingBoing, Feministing.com oder The Consumerist.

Offline-Lektüre als zusätzlicher Vorteil

Gleichzeitig hat Google eine spezielle Self-Service-Plattform gestartet, auf der auch kleinere Publisher ihre Webseiten-Inhalte ohne viel Aufwand für die Lese-App formatieren können. Für die Anbieter hat Google Currents deutliche Vorteile, selbst wenn der Zugang kostenlos ist. Denn der Traffic über die App wird von comScore gezählt, vergrößert die offizielle Reichweite und damit die Werbeeinahmen. Doch auch für den Nutzer bringt Currents Mehrwert mit – so lassen sich im Unterschied zu anderen Apps die Inhalte offline lesen. Alles, was man für den Einstieg braucht, ist ein gültiges Google-Account. Es ist das bekannte Quid-pro-Quo, Google selbst ist schließlich brennend daran interessiert, noch mehr über unsere Lesegewohnheiten zu erfahren. Genau da klaffte aber bisher eine Lücke. Während auf dem Desktop schon fast jeder zweite Internet-Surfer mit Google Chrome unterwegs ist, fand die Lektüre auf dem mobilen Touch-Screen bisher zumeist mit Apples Safari-Browser oder Apps von Drittanbietern statt.

E-Reader-Apps ohne Store-Link: Apple setzt sich durch

apple_app_store.jpgE-Books einkaufen auf iPad oder iPhone wird etwas unbequemer. Anbieter wie Amazon, Google oder Barnes&Noble haben in den letzten Tagen Store-Links aus ihren Apps entfernt, die automatisch zu den betreffenden Webseiten führten. Wer via Touch-Screen neue Titel shoppen will, muss nun die App per Knopfdruck verlassen und selbst den externen Browser öffnen. Hintergrund des Missing Links: Apple hatte Anfang 2011 strengere Regeln für den App-Store eingeführt, die Übergangsfrist ist nun ausgelaufen. Die Shopping-Links waren sozusagen das letzte Hintertürchen für die Konkurrenz. Denn beim In-App-Shopping fordert Apple von den Content-Anbietern 30 Prozent Provision. Das wiederum lehnen die Online-Buchhändler ab. Das „Ökosystem“ von Apps für Desktop-PCs, Mobilgeräte und drahtlosen E-Readern bei Amazon & Co. wird natürlich auch weiterhin funktionieren. Denn über die Syncing-Funktion gelangen E-Books immer noch auf iPhone & iPad. Gatekeeper Apple allerdings darf hoffen, dass sich die Nutzer mittelfristig vermehrt elektronische Lektüre via iBooks besorgen. Denn das iTunes für Bücher wird ja auch weiterhin In-App-Shopping ermöglichen. Für Ärger bei den Kunden wird die neue Platzhirsch-Politik aber wohl erst einmal ebenso sorgen. Denn die gewohnte Nutzung etwa der Kindle-App wird nun ohne vernünftigen Grund erschwert. Unfreiwillig rührt Apple damit auch die Werbetrommel zum Umstieg auf das für August angekündigte Amazon-Tablet.

Archie-Comics erscheinen ab April 2011 gleichzeitig digital & gedruckt

archie-comic-ipad-iphoneArchie Andrews, Betty Cooper und Veronica Lodge aus der fiktiven Kleinstadt Riverdale gehören zum Inventar der amerikanischen Populärkultur, und das schon seit mehr als siebzig Jahren. Letztes Jahr widmete die amerikanische Post Archie & Co sogar eine eigene Briefmarke. Den Sprung auf die Displays von iPhone & iPad schafften die Helden aus der Provinz auch schon, doch eins hatten die gedruckten Hefte den E-Comics bisher immer noch voraus – die neuen Folgen gab’s zuerst auf Papier. Das wird sich nun ändern: ab April erscheinen die Archie-Comics parallel elektronisch und im Print. Beigetragen zu dieser Kursänderung hat offenbar der Erfolg der Serie in Apples App Store. Im Jahr 2010 wurde die kostenlose Archie-App mehr als 1,7 Millionen mal heruntergeladen – das dürfte eine genügend große Basis darstellen, um mit dem neuen Konzept das In-App-Shopping aktueller Titel kräftig anzukurbeln. Und falls das doch nicht reichen sollte: in ein paar Wochen kommt auch eine Android-App auf den Markt…

taz als App, die Zweite: Alternative Tageszeitung startet erneut Einzelverkauf auf iPhone & iPad

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Digitales Comeback für die taz: seit heute gibt’s für iPhone- und iPad-Nutzer die alternative Tageszeitung wieder im Einzelverkauf. Unter dem Namen „itaz“ wird in Zusammenarbeit mit textunes eine eigene epub-App angeboten. Ein erster Anlauf über iBooks war bereits im Sommer 2010 gestartet – doch wegen technischer Probleme zogen die tazzler nach einer Woche entnervt den Stecker. Die itaz-App kann im App Store kostenlos heruntergeladen werden, aktuelle Ausgaben lassen sich per In-App-Shopping für 79 Cent erwerben.

Weniger tazzen am Kiosk, mehr tazzen im App Store?

Die Bad News zuerst: Tageszeitungen auf Papier verkaufen sich am Kiosk immer schlechter. Das gilt leider auch für die taz. Im Einzelverkauf muss das alternative Blatt Verluste von 25 Prozent verbuchen, so die gerade veröffentlichte IVW-Statistik für das 3. Quartal 2010. Da ist es natürlich eine gute Nachricht, dass iPhone- und iPad-Nutzer die taz jetzt wieder täglich per In-App-Shopping bekommen können. Wie bei dem Versuch, die taz über Apples iBook-Store zu vertreiben, setzen die tazzler auch diesmal auf das epub-Format. Nutzer bekommen damit die komplette Print-Ausgabe in einer konvertierten Version auf das Display. Der iBooks-Version war im Sommer 2010 nur eine kurze Existenz gegönnt. Nach nur drei Wochen stellte die taz den Einzelverkauf in Apples iPad-Buchhandlung wieder ein. Grund waren technische Probleme mit der täglichen Aktualisierung der iPad-Ausgabe – und die Weigerung von Apple, bei der Lösung behilflich zu sein.

epub hat Grenzen: Multimedia kennt die itaz nicht

Mit textunes als Kooperationspartner sorgt nun erneut ein E-Book-Produzent für die taz auf dem Touch-Screen. Doch diesmal war das wohl eindeutig die richtige Wahl – die „itaz“ ist ähnlich gut gemacht wie die normalen E-Book-Apps des auf iPhone- und iPad-Versionen spezialisierten Startups aus Berlin-Kreuzberg. Das Look&Feel auf dem iPhone etwa erinnert jetzt stärker an die Apps der Süddeutschen Zeitung oder der Welt. Mit einem Unterschied natürlich: die itaz kann nicht mit Content glänzen, der von einer eigenen Multimedia-Redaktion aufbereitet wird. Das lange und unübersichtliche Menü folgt den normalen Rubriken, nicht Kategorien wie „Politik“, „Medien“ oder „Digital“. Bilder fehlen fast vollständig – auch in den Artikeln, abgesehen vom Tom-Comic und der einen oder anderen Karrikatur auf der Meinungsseite. Bei der Orientierung helfen vor allem Faksimiles der einzelnen Seiten, die man durchblättern kann. Die Auflösung ist allerdings so niedrig, dass es wirklich nur für einen Überblick reicht.

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Spagat zwischen Print-Layout und Touch-Screen-Display

Gerade für die iPad-Version könnte man den Spagat zwischen dem Layout der Printausgabe und der Darstellung auf dem Display anders lösen – wie etwa die App der französischen Tageszeitung „Le Monde“ zeigt, mit der sich ebenfalls einzelne Ausgaben shoppen lassen. Bei „Le Monde“ kann man sich in die gedruckte Seite komfortabel einzoomen, auf Wunsch aber auch bei jedem Artikel direkt in die reine Textansicht wechseln. Dafür muss man dann allerdings etwas längere Download-Zeiten in Kauf nehmen – die taz ist dagegen im WLAN in wenigen Sekunden heruntergeladen. Die taz hat aber wohl vor allem aus Kostengründen auf alle erweiterten Features verzichten müssen. Ohnehin leistet sich das von einer Genossenschaft getragene Blatt bisher auch nur eine sehr schmal besetzte Online-Redaktion.

Auf Dauer ist das Digi-Abo günstiger als die itaz-App

Strategisch dürfte das wohl eher unklug sein. Denn mittlerweile sind andere Zeitungen schon weiter, auch in Deutschland. Zuletzt hat etwa die iPad-App der Frankfurter Rundschau gezeigt, welche Möglichkeiten sich für ein E-Newspaper auf dem multimedialen Tablet bieten. Für viele taz-Abonnenten hat sich übrigens trotz neuer App nichts geändert. Denn schon seit Sommer 2009 gibt es im Rahmen des “Digi-Abos” eine elektronische Ausgabe der taz im epub-Format, die man auf E-Readern und via Stanza auch auf dem iPhone und nun auch auf dem iPad lesen kann. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. Wer sich solchermaßen regelmäßig in die taz vertiefet, fährt dabei auch deutlich günstiger als mit der itaz-App – das Digi-Abo kostet nämlich nur 10 Euro pro Monat.

E-Comic aus dem Berliner Untergrund: „Lifestrips“ von Marc Seestaedt als iPhone- & iPad-Version

e-comic-marc-seestaedt-lifestrips-bestseller„Lifestrips“ nennt der Berliner Comic-Künstler Marc Seestaedt seine autobiografisch inspirierten Bildergeschichten. An Millionen Berlinern ist das Leben des Comichelden schon vorbeigezogen – die Serie wird nämlich im „Berliner Fenster“ gezeigt, dem Public-TV der Hautpstadt-U-Bahn. Eine Auswahl der schwarz-weißen, jeweils acht Panels langen Episoden gibt’s jetzt als E-Comic für iPhone & iPad. Für 79 Cents kann man die Underground-Comics herunterladen. Das ist deutlich billiger als eine U-Bahnfahrt mit der BVG…

Comic-Crossover für die stumme Endlosschleife

Die Berliner U-Bahn geizt nicht mit medialen Reizen. In jedem Waggon fällt der Blick der Fahrgäste auf die Doppel-Bildschirme des „Out-of-Home-TV“, das bereits seit zehn Jahren auf Sendung ist. In 15-minütigen Schleifen läuft eine Mischung aus Kurznachrichten, Wetterbericht, Promi-News und Werbung. Allerdings ohne Ton. Somit ist das Berliner Fenster auf die Kombination von Texten & Bildern angewiesen. Warum also nicht auch Comics? Im Jahr 2008 kam die „Lifestrip“-Serie von Marc Seestaedt und Katharina Anna Helming ins Programm. Jeweils Freitag bis Sonntag flimmern die Berlin-Abenteuer von Seestaedts Comic-Alter ego über die Bildschirme der Untergrundbahnen. Schauplätze sind Clubs, WGZimmer, die berühmte Kastanien-Allee, aber auch der öffentliche Nahverkehr. Wer weder Apple-Gadgets besitzt noch U-Bahnen mag, hat übrigens keine Nachteile. Alle bisher gesendeten Folgen kann man sich als Web-Comic anschauen.

Zwischen Foto-Kunst & E-Comic liegt der Berliner Alltag

Angefangen hat alles beim Kaffeetrinken im Gorki-Park-Café. Seestaedt und Helming fotografierten sich gegenseitig im Gespräch und überlegten, eine comicartige Serie aus dem Material zu machen. Dabei sollten sie nicht nur Dialoge, sondern auch Hintergedanken und innere Monologe sichtbar werden. Die ersten Ergebnisse wurden 2007 auf einer Ausstellung präsentiert und zudem als selbst verlegtes Comicheft. Bis heute sieht man den Lifestrips ihre Nähe zur Fotografie an – nicht zufällig beschäftigen sich Seestaedt und Helming auch in ihrer künstlerischen Arbeit mit diesem Medium. Das heißt, eigentlich sind ja auch die Lifestrips Kunst, wenn sie Motive aus dem Alltag aufnehmen, umformen und über das Berliner Fenster in den Alltag zurücksenden. Einem ganz ähnlichen Blick auf Berlin begegnet man in Seestaedts Fotoserien, die auf der Website der von ihm mitgegründeten Multimedia-Projektplattform ARTKITCHEN zu finden sind.

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Haiku in Bildern: Bei nur acht Panels bleibt jede Story nur Momentaufnahme

Die Lifestrips in der U-Bahn wechseln zwischen den Perspektiven von Zeichner- und Zeichnerin-Alter-Ego. Auch eine 2009 erschienene Print-Buchversion „Aber ich erlebe überhaupt nichts“ folgt diesem Muster. Dagegen zeigen die 20 Strips der iPhone-Version nur die männliche Seite. Die Folgen stammen aus dem Jahr 2008. Es geht um die Ankunft in der Großstadt, das Alleinsein auf Parties, Beziehungsprobleme mit Facebook-Bekantschaften, oft auch um die Absurdität des Augenblicks. „Klar, wir haben ne Vorgeschichte“, ist die iPhone-Version betitelt. Da ist was dran. In acht Panels muss jede Geschichte eine Momentaufnahme bleiben, die Kommentare haben meist nicht einmal SMS-Länge. In der U-Bahn zieht jeder Lifestrip in weniger als einer Minute vorbei. Was vorher und nachher passiert, bleibt ausgeklammert. Das macht aber auch den eigentlichen Reiz aus, die „Graphic Stories“, wie Seestaedt seine Comics auch nennt, haben fast so etwas wie Haiku-Charakter.

Carpe Diem, carpe Noctem: der Comicheld als virtueller Einzelfallhelfer

Rein optisch orientiert sich Seestaedt an den Maßstäben, die Jamiri alias Jan Michael Richter seit den Neunziger Jahren gesetzt hat. Auch Jamiri nutzt für die Karikatur von Alltagssituationen Fotos, deren Konturen nachgezogen und koloriert werden. Wer die Strips im Studentenmagazin Unicum oder auf SPOL kennt, wird natürlich auch sofort die Unterschiede bemerken. Seestaedts schwarz-weiß-Ästhetik bringt die Melancholie der Hauptstadt besonders gut rüber, und bleibt durch den Verzichte auf Kalauer und polemische Pointen stärker auf der dokumentarischen Ebene. Das kann natürlich auch an Seestaedts Ausbildung liegen, schließlich hat er hat Sozialpädagogik mit Fokus auf ästhetische Methodik“ studierte. Man kann seinen Comichelden also auch als eine Art virtuellen Einzelfallhelfer verstehen, der (nicht nur) den Twenty-Somethings zwischen Karriere & Hochprekariat beim Überleben im Großstadtdschungel hilft.

Das beste aus beiden Welten: Neue Hugendubel-App integriert E-Books von textunes

Hugendubel App E-Books textunes iphone ipad.gifHugendubel kommt auf das iPhone: mit der neuen App lassen sich nicht nur Leseproben von Print-Büchern herunterladen, sondern auch Bestellungen tätigen, die man direkt in einer der bundesweit 39 Filialen zwischen Amberg und Würzburg abholen kann. Für Content im E-Book-Bereich sorgt textunes – das auf iPhone-Anwendungen spezialisierte Startup aus Berlin hat dafür das Look&Feel seiner eigenen App angepasst. Gesamturteil: optisch ziemlich gelungen. Nur die E-Books sind in vielen Fällen zu teuer – denn sie bleiben an das iPhone gebunden.

App mit Überblick: Leuchtet die Bücher-Ampel grün, ist der Titel in der Filiale verfügbar

Als Heinrich Hugendubel 1893 den Grundstein für die gleichnamige Buchhändler-Dynastie legte, hieß das Telefon noch Fernsprechapparat und wurde von kaum jemandem benutzt. Seitdem aus dem Telefon ein iPhone geworden ist, kann man nicht nur ganze Bibliotheken, sondern auch Buchhandlungen in die Tasche stecken. Die Hugendubel-App ist sozusagen der direkte Draht in die nächste Filiale. Bestsellerlisten von Hugendubel selbst, von textunes sowie vom Spiegel geben einen ersten Überblick. In vielen Fällen lassen sich Leseproben anschauen, und zwar in der gewohnten textunes-Qualität. Wer sich für einen bestimmten Titel interessiert, kann zunächst die Verfügbarkeit in einer der Filialen überprüfen. In einer Übersicht leuchten je nach Bestand von Amberg bis Würzburg die Farben grün, gelb oder rot. Auf Wunsch helfen Adresse, Kontaktdaten und eine Kartenskizze weiter. Alternativ kann man sich Bücher, DVDs und andere Artikel auch versandkostenfrei zuschicken lassen.

Das E-Book-Angebot umfasst bisher rund 1000 Titel – für iPhone & iPad

Seit letztem Jahr ist Hugendubel auch im E-Book-Segment präsent. Im Online-Shop gibt es nicht nur eine Auswahl von mehr als 30.000 epub- und PDF-Titeln, sondern auch eine Reihe von E-Readern, u.a. den iRiver Story und Bookeens Opus. Die Hugendubel-App setzt dagegen bei elektronischem Content voll auf das Sortiment von textunes. Das umfasst bisher lediglich 1000 Titel – von Comics&Mangas über Belletristik & Sachbuch bis zu Sport& Wellness. Dazu kommen ein paar Angebote, die Text und Audio kombinieren, sowie interaktive E-Books. Lesen lassen sich die E-Books mit der App sowohl auf dem iPhone wie auch auf dem iPad. Allerdings werden in der aktuellen Version lediglich die iPhone-Ansichten auf die Display-Größe des Tablets hochskaliert. Eine besser auf das iPad angepasste „native“ Version ist aber in Arbeit.

Unglaublicher Guido für die Westentasche: Spiegel-App bringt Nachrichtenmagazin auf’s iPhone

Spiegel-App-iPhone-iPod-Touch.gifDie Spiegel-App ist da – Samstag abend konnte man zum ersten Mal die aktuelle Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins auf iPhone oder iPod Touch laden. Die digitale Ausgabe ist zur Zeit noch deutlich günstiger zu haben als das gedruckte Magazin: Für 2,99 Euro kann man sie am virtuellen Kiosk shoppen – noch, denn ab April wird sie 3,99 Euro kosten.

„Der unglaubliche Guido“ schrumpft auf dem iPhone auch optisch auf Westentaschenformat


„Der unglaubliche Guido“ hebt ab – und das sogar mehrfach: parallel zur gedruckten Spiegel-Ausgabe startet der Superman im gelben Trikot im App Store durch. Den passenden Leitartikel „Herr Schrill gegen Frau Still“ konnte man somit bereits am Samstag abend auf dem Display von iPhone und iPod Touch lesen. Deutschlands Vizekanzler werden darin gehörig die Flügel gestutzt. Auf dem iPhone ist allerdings auch der Spiegel insgesamt auf Westentaschenformat geschrumpft. Dem größten deutschen Nachrichtenmagazin geht es da wie jeder anderen Zeitschrift auch – passt man den Content an das mobile Medium an, bleibt rein optisch vom ursprünglichen Produkt nicht mehr viel übrig außer Text, Bedienungsmenüs und einzelnen Bildern. Schwierig ist es deswegen auch, sich auf dem kleinen Display von anderen Produkten abzuheben. Ein Grund, warum viele Verlage ihre Hoffnungen vor allem auf das iPad und überhaupt die neue Generation von Tablet-Computern setzen.

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Die Spiegel-App hat den Sex-Appeal eines RSS-Readers


Bisher sind die Tablets jedoch kaum mehr als Vaporware – selbst in Deutschland dürften weitaus mehr „klassische“ E-Reader mit E-Ink-Display in Benutzung sein als solche Multi-Media-Flachmänner. Drei Millionen iPhones und iPod Touch in deutschen Händen sind dagegen eine Zahl, die nicht zu vernachlässigen ist. So hatte sich im letzten Jahr auch der Spiegel zu einer App durchgerungen. Starten sollte sie bereits im Dezember 2009 – das angepeilte Ziel wurde jedoch deutlich verfehlt. Trotzdem scheint die erste Ausgabe immer noch mit heißer Nadel gestrickt worden zu sein – sie enthielt kaum Bilder, Infografiken fehlten vollständig, und viele regelmäßige Spiegel-Leser vermissten Rubriken wie die Hausmitteilung oder den Hohlspiegel auf der letzten Seite. Manch einer vermisste sogar die großformatigen Anzeigen. Stattdessen erwartete die „Early Adopter“ eine äußerst reduzierte Leseumgebung, die fast wie ein RSS-Reader daherkommt.

In der Spiegel-App wird nicht gescrollt, sondern geblättert


Ein paar interessante Akzente setzt die Spiegel-App auf den zweiten Blick allerdings doch. Da ist zum einen die Leserichtung. Schon seit Anbeginn der elektronischen Lektüre gibt es da zwei ideologische Richtungen: die „Holy Scroller“ und die „Sharks“. Erstere wollen einen Text vom Anfang bis zum Ende durchscrollen, die anderen lesen lieber eine Bildschirmseite und blättern dann um. Viele Nachrichten-Apps auf dem iPhone gehören zur ersten Kategorie, die Artikel selbst lassen sich vollständig scrollen. Im Verlagshaus an der Brandstwiete hat der Haifisch dagegen noch Zähne. In der Spiegel-App werden die Artikel nämlich geblättert. Von links nach rechts, oder rückwärts von rechts nach links. Auf animiertes Umblättern im eigentlichen Sinne wurde dabei verzichtet – es gibt weder virtuelles Rascheln noch 3D-Effekte. Stattdessen verschiebt man die Seiten ganz schlicht wie Schiebtüren in einem Haus aus Reispapier.

„Shuffle-Read“, oder: die technische Antwort auf das Schüttel-Girl der BILD-APP


Der G-Sensor kommt auch zum Einsatz. Der Spiegel hat traditionell ein gutes Sensorium für die Lage der Nation. Die Spiegel-App hat ein ganz besonderes Gefühl für die Lage des iPhones. Dreht man das Gadget in die Horizontale, wechselt man vom Text- in den Bildmodus. Die „Klickmonster“ von Spiegel-Online werden zur seriös scrollbaren Bildergalerie. Soviel zur Politik der ruhigen Hand. Es geht aber auch mit etwas mehr Bewegung. Die Spiegel-App enthält nämlich zusätzlich noch eine technische Antwort auf das Schüttel-Girl der BILD-App. Zwar fallen hier keine Hüllen – dafür wird jedoch die Ordnung auf den Kopf gestellt: schüttelt man die Spiegel-App, wird ein zufälliger Artikel dargestellt. So ähnlich wie beim „Shuffle-Play“ von MP3-Player oder CD-Spieler.

Bedingt einsatzbereit: Vom Preis her Premium, vom Content her abgespeckt


Die größte Überraschung ist wohl der Preis – denn mit den anvisierten 3,99 Euro ist die App ab April sogar noch 19 Cents teurer als das gedruckte Heft. Dafür bekommt man allerdings nicht nur die App selbst, sondern auch einen Zugang zur „normalen“ E-Paper-Version. Nach dem Einloggen auf spiegel.de lässt sich das aktuelle Heft somit auch als PDF herunterladen, wahlweise auch nur einzelne Seiten. Etwas günstiger wird die Spiegel-App im Abo – sie kostet dann pro Ausgabe aber immer noch 3,65 Euro, also genau so viel, wie Abonnenten der Printausgabe bezahlen. Solch eine Preisgestaltung zeigt vor allem eins: Offenbar hat man beim Spiegel – wie auch in vielen anderen Verlagshäusern – große Angst vor der Kannibalisierung der Printauflagen. Woche für Woche verkauft etwa der Spiegel mehr als eine Millionen gedruckte Exemplare. Mit ihnen steht und fällt zur Zeit auch noch das Anzeigengeschäft – mehr als zwanzig ganzseitige Anzeigen etwa enthält das aktuelle Heft. Um ähnliche Werbeflächen im mobilen Medium bieten zu können, braucht man schon ein Tablet. Bis dahin wird die Spiegel-App wohl das bleiben, was sie jetzt ist: preislich gesehen ein Premium-Angebot, ansonsten aber eine zwar praktische, vom Layout her aber deutlich abgespeckte Version der Printausgabe.