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Mehr Einkaufserlebnisse jenseits von Online und der grünen Wiese schaffen: Ikea zieht es in die Innenstädte

ikea-kommt-in-die-innenstadtIkeas Webshop gehört zu den zehn reichweitenstärksten Online-Shops in Deutschland, zugleich darf sich das schwedische Möbelhaus im stationären Bereich … auch zu den zehn größten Systemgastronomen hierzulande zählen, noch vor Vapiano oder Starbucks. Weil das Einkaufs- und Schlemmerlebnis vor Ort genauso wichtig ist wie das bequeme Bestellen von der Couch aus, wollen Ingvar Kamprads Erben jetzt eine interessante neue Strategie fahren — einerseits wird die Lieferlogistik optimiert und das Smartphone-Shopping verbessert (u.a. mit AR-Elementen), andererseits rückt Ikea im realen Leben bald auch hierzulande deutlich näher an die Kunden: in 15 – 20 Minuten soll jeder Großstadbewohner ins Reich der Möbelelche gelangen können, verkündete kürzlich Deutschland-Chef Bennis Balslev. Bisher dauert die Anfahrt im Schnitt eher so 50 – 60 Minuten — für viele ist dann mittlerweile die Onlinebestellung einfach bequemer, im großstädtischen Umfeld gehen die Besucherzahlen zurück.

Doch einfach nur das Möbelhaus von der grünen Wiese in die City-Lage verschieben will man nicht — denn das wurde in Hamburg bereits erfolglos getestet. Die Konsequenz: man braucht auch innerorts viel weniger Parkplätze, kleinere Warenlager, vor allem aber gezieltere Angebote. In Berlin z.B. günstige Möbel für ein junges Publikum plus schnellen Lieferservice (konkret: Stunden statt Tage), in München für betuchtere ältere Kunden etwa Designer-Kollektionen oder mobile Zusammenbau-Teams, die mit dem Imbusschlüssel und der Bauanleitung umgehen können. Die Größe der Stores wird variabel sein, kleinere Showroom- und Popupstore-Präsenzen hat Ikea bereits in Spanien, Dänemark und Schweden getestet.

Alles für alle wird es zukünftig also vor allem online und am Stadtrand geben, das lokale Angebot in der Innenstadt dagegen wird viel stärker auf regionale Besonderheiten zugeschnitten sein. Ein Phänomen, das man ja auch im Buchhandel beobachten kann: während es die großen Buchsupermärkte zunehmend schwerer haben, da sie letztlich nur den General Store im Web reproduzieren, sind individuell designte, auf das lokale Publikum zugeschnittene kleine Buchhandlungen im Aufwind.

Selbst Amazon beginnt ja derzeit, den Kunden auch stationäre Einkaufserlebnisse in einem bewusst begrenzten Rahmen zu ermöglichen, zumindest in den USA. Apropos Big A: natürlich ist Ikeas Strategie zugleich auch gegen die in alle Richtungen expandierende Online-Konkurrenz gerichtet — erklärtermaßen will Jeff Bezos ja auch ins E-Commerce-Möbelgeschäft vorstoßen. In den USA plant das Unternehmen bereits eigene Logistikzentren, die extra auf Großwaren vom Regal bis zur Schrankwand ausgerichtet sind.

(via zukunftdeseinkaufens.de

Abb.: Ikea Koblenz (cc-by-sa 3.0)

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Online-Einkaufsverbot am Sonntag als Rettung für den Einzelhandel?

online-handel-sonntags-geschlossenDer Leerstand ernährt den Leerstand: Die Online-Konkurrenz führt den stationären Handel in Deutschlands City-Lagen immer weiter in die Abwärtsspirale, warnt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung und des Handelsverbands Deutschland (HDE). Bis 2021 drohen demnach 20 Prozent Leerstand, mehr als 50.000 Ladengeschäfte würden bis dahin bundesweit aufgeben, so die düstere Prognose.

Rückzug aus der Fläche als Lösung?

Der HDE bläst deswegen zum geordneten Rückzug — vor allem die Fußgängerzonen müssten sich zukünftig „gesundschrumpfen“. Außerdem brauche man Hilfe von außen, sprich von der Politik: „Das schafft der Handel nicht mehr allein.“ Denn der „virtuelle Standort Internet“ sei konkurrenzlos, vor allem auch wegen der zeitlich unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten, Sonntags inklusive. Was also tun?

Grüne wollen Online-Handel ausbremsen

Während der HDE ein besseres City-Management fordert, um vorhandene Vermarktungs-Potentiale auszuschöpfen, haben die niedersächsischen Grünen einen ganz anderen Vorschlag in die Debatte geworfen: der Online-Handel am Sonntag müsse eingeschränkt werden, um den Offline-Handel nicht zu benachteiligen. Bestellen soll man sonntags zwar noch können, mehr aber auch nicht: „Es ist ausreichend, wenn die Bearbeitung der Bestellung am Montag passiert. Die Mitarbeiter müssen nicht das ganze Wochenende bereitstehen“, so Stefan Körner, Landeschef der Grünen.

Kein E-Book-Download am Sonntag?

Spannend wäre eine solche Regelung natürlich erst recht, wenn sie auch für digitale Dienstleistungen gelten würde — dann könnte man z.B. E-Books zwar Sonntags kaufen, aber erst Montags herunterladen. So weit haben die Grünen aber offenbar nicht gedacht, es geht wohl eher um physische Waren. Ob der Vorschlag am Ende tatsächlich im Kapitel „GRÜNE WIRTSCHAFT: NACHHALTIG, INNOVATIV UND GERECHT“ ins offizielle Wahlprogramm der niedersächsischen Grünen aufgenommen wird, entscheidet sich spätestens an diesem Wochenende, dann wird nämlich darüber abgestimmt, mit welchen Programmpunkten die Öko-Partei in die nächste Landtagswahl zieht.

Abb.: Ben Husmann (cc-by-2.0)