Windows 10 wird bibliophil: Microsoft will (wieder) E-Books verkaufen

windows-10-ebook-storeGoogle machts, Apple machts, Amazon sowieso, warum nicht auch Microsoft? Nach vielen Jahren Abstinenz will der Software-Riese offenbar wieder in das Geschäft mit E-Books einsteigen — der Windows Store soll Brancheninsidern zufolge demnächst um die entsprechende Content-Schiene erweitert werden.

Kauft man dort statt App, Game oder Audio-File ein elektronisches Buch, kann man es im Anschluss direkt im Windows-Browser Edge öffnen — denn der wurde erst kürzlich um eine native Unterstützung für das epub-Format erweitert. Eine eigenständige E-Book-App für Windows 10 dagegen scheint bisher nicht in Sicht zu sein.

Erste exklusive Previews wurden nur im Rahmen von Windows 10 Mobile für ausgewählte Beta-Tester freigegeben, doch das E-Book-Store-Feature soll beim offiziellen Start dann ebenfalls für PC und Tablets verfügbar sein.

Große Hoffnungen, nun den E-Book-Markt aufzurollen, dürfte man sich bei Microsoft wohl nicht machen, dafür ist Amazon ganz einfach zu mächtig. Außerdem sind die Redmonder schon mal von den Kindle-Erfindern abgehängt worden. Denn zu Beginn des Milleniums gehörte Microsoft zu den E-Book-Pionieren. Zusammen mit Barnes & Noble wurde im Jahr 2000 das dem späteren epub-Standard ähnliche .lit-Format und die E-Reading Software MS Reader auf den Markt gebracht. Der Kindle-Boom machte das Format jedoch bald obsolet, auch ein Windows-E-Reader kam nie auf den Markt. 2012 stellte Microsoft schließlich die Unterstützung für MS Reader ein.

(via Digital Reader & PC World)

Edge mit epub-Feature: Neuer Windows Browser öffnet E-Books direkt

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Tja, ein E-Book im epub-Format mag prinzipiell aus einem Bündel von Websiten im Hypertext-Markup-Stil bestehen, doch direkt in einem normalen Browser anschauen lassen sich die einzelnen Kapitel eines elektronischen Buches bisher nur, wenn man ein spezielles Plugin installiert hat, etwa Readium (Chrome) oder epubReader (Firefox). Mit der kommenden Version des Microsoft-Browsers Edge ändert sich das nun aber — die im Rahmen eines neuen Windows 10 Updates (Build 14971) ab 2017 ausgelieferte Software erhält nämlich „native“ epub-Unterstützung, der Nutzer muss also keine zusätzlichen Programme mehr installieren. Wie PDF-Dokumente lassen sich epubs mit einem Klick bzw. Fingertipp auf den jeweiligen Dokument-Link öffnen.

Nur DRM-freie epubs lesbar

Der offizielle Windows 10-Blog berichtet:

„Öffnet man ein kopierschutzfreies E-Book innerhalb von Microsoft Edge, landet man in einer flexibel anpassbaren Leseumgebung. Textgröße und Fontart lassen sich verändertn, man kann zwischen 3 Themes wählen: Hell, Sepia, Dunkel. Bei der Lektüre kann man Lesezeichen anlegen. Zur Navigation nutzt man das Inhaltsverzeichnis oder die Suchleiste am unteren Rand des Browsers. Man kann auch Cortana nutzen, um sich Worte erklären zu lassen.“

Ziehen Chrome & Firefox nach?

Edge hat derzeit in Deutschland nur einen Marktanteil von knapp vier Prozent, während sich die Marktführer Firefox und Chrome mit jeweils 33 Prozent ein Kopf- an Kopf-Rennen liefern. Im Kampf um mehr Reichweite könnte der native epub-Support aber nun auch für die Mozilla Foundation und Google ein Argument sein — rein technisch bereitet dieses Feature ohnehin keinen großen Aufwand.

(via Buchreport & The Digital Reader)

E-Book-Magie: Harry Potter als Kindle-Book und epub lieferbar

Der magische E-Book-Moment ist endlich gekommen: seit heute kann man Harry Potter als E-Book shoppen, zumindest die englische Version. Nicht nur der E-Store von J K Rowlings interaktiver Plattform Pottermore hat seine Pforten einen Spalt breit geöffnet, und bietet einzelne Folgen im epub-Format ab 5,97 Euro sowie das Gesamtpaket für 46,19 Euro an. Bei Amazon hat der Hogwarts-Express ebenfalls Station gemacht – hier werden zum selben Preisdie Kindle-Versionen von „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ bis zu „Harry Potter and the Deathly Hallows“ angeboten. Offizieller Starttermin für die gesamte Pottermore-Plattform ist auch weiterhin Anfang April. Deutsche E-Book-Versionen von Harry Potter sollen in den nächsten Wochen ebenfalls erhältlich sein.

Harry Potter als E-Book & Audio-Book

Um im E-Store von Pottermore einzukaufen, muss man zunächst ein Kunden-Account anlegen. Die Benutzerführung ist englisch, bezahlt wird zumindest vorerst nur mit Kreditkarte. Europäische Kunden können lediglich die britische Version der Harry-Potter-E-Books kaufen, die mit anderen Covern ausgestattet sind als die US-Version. Neben den E-Books stehen auch Audio-Books der einzelnen Folgen zum Download bereit, die ersten drei Folgen für jeweils 21 Euro, neuere Folgen für 39 Euro. E-Books wie auch Audiobooks lassen sich übrigens auch verschenken, die erworbenen „Gift-Codes“ lassen sich ganz einfach per E-Mail an den Empfänger verschicken.

Digitales Wasserzeichen statt hartem DRM

Der Bezahlvorgang für die Kindle-Version läuft ebenfalls über Pottermore, vor dem Download wird das Pottermore-Account mit dem Amazon-Kundenaccount verknüpft. Ähnlich läuft das Verfahren für Kunden von Barnes&Noble. Bei Branchenbeobachtern sorgt das für Aufsehen – zum ersten Mal haben die Unternehmen sich auf eine solche exklusiven Bedingungen eingelassen. Nicht mit im Boot ist aus den selben Gründen Apples iBook-Store. Im Fall von Kindle und Nook sind die Harry-Potter-E-Books auch mit hartem DRM-Schutz versehen. Generell setzt Pottermore aber ansonsten auf das digitale Wasserzeichen. Fest mit dem Dokument verbundene Kundendaten sollen verhindern, dass Harry Potter-epubs frei im Internet zirkulieren. Von allen Bänden kann man übrigens bei Pottermore auch epub-Leseproben herunterladen.

epubs erstellen über die Automator-App von Mac OS X Lion

epub erstellen mit mac os x lion automator
Apples neues Betriebssystem Mac OS X Lion macht das Erstellen von E-Books im epub-Format besonders leicht: über die Automator-App lassen sich nämlich Textdokumente mit wenigen Mausklicks in ein elektronisches Buch verwandeln. Die entsprechende Funktion heißt „text to epub-file“. In das epub-Dokument können sogar Bilder und Videos integriert werden. Über ein spezielles Add-On lässt sich die epub-Funktion auch in das normale Dienste-Menü integrieren, so dass man ausgewählte Dateien direkt konvertieren kann.

epubs inklusive Audio- und Videofiles

Die besten Ergebnisse erzielt man mit RTF-Dateien – die Formatierungen werden mehr oder weniger reibungslos in das epub-Format übernommen. Als ersten Schritt zieht man das Ausgangsdokument in das Automator-Fenster. Die Konvertierungsfunktion „text in epub-Datei“ findet man im Suchdialog am schnellsten über die Eingabe des Begriffs epub. Im Menü des Konvertierungstools gibt man dann nur noch den gewünschten Titel, optional den Namen des Autors sowie den Dateinamen sowie Speicherort an. Außerdem kann man ein Coverbild hinzufügen, und im Menüfeld „Medien platzieren“ Bilder sowie Audio- und Videofiles einfügen.

Noch automatischer im Dienste-Menü

Mit den text-to-epub-Services der Website macosxautomation.com wird die epub-Konvertierung unter „Lion“ noch einfacher – sie ist dann nämlich in das Dienste-Menü integriert. Ausgewählte Dateien, markierte Textbereich oder der Inhalt der Zwischenablage können so direkt „verbucht“ werden. Schiebt man die epubs dann in den iTunes-Ordner, kann man die Dokumente dann auch mobil ganz bequem via iBooks auf iPhone oder iPad lesen. Die epub-Services gibt es kostenlos zum Download, sie lassen sich dann mit wenigen Mausklicks entpacken und installieren.

Ohne Lion geht’s auch: epubs via LibreOffice erstellen

Einen Nachteil hat die Methode allerdings – man braucht dafür schließlich Apples neues Mac OS X 10.7, das zum Download-Preis von knapp 30 Euro angeboten wird. Wer sich das Geld sparen will, kann epubs auch ganz einfach innerhalb der Open-Source-Textverarbeitung LibreOffice erstellen, die es für Windows, Mac OS X und Linux gibt. Dazu muss man LibreOffice lediglich mit der writer2epub-Extension ausstatten, die ebenfalls kostenlos zum Download bereitsteht. Einmal aktiviert, findet man dann in der Menüleiste ein Smarticon mit dem epub-Logo. Abgesehen von der fehlenden Multimedia-Option erhält man so dieselbe Konvertierungs-Funktion wie über die Lion-Automator-App.

(via teleread & iphone-ticker)

Kindle unterstützt bald auch epub – was haben die Leser davon?

Amazon akzeptiert jetzt E-Books im epub-Format – vier große US-Verlage sollen eine entsprechende Mitteilung vom Online-Buchhändler erhalten haben. Neben dem hauseigenen Kindle-E-Book-Format wird Amazons E-Reader zukünftig also auch den längst etablierten Branchenstandard unterstützen. Branchenbeobachter führen diesen Schritt auf Amazons Kooperation mit OverDrive zurück, mit der erstmals die Ausleihe von Kindle-E-Books in öffentlichen Bibliotheken möglich wird. Auch bei der Onleihe ist epub das Standardformat. Die kommende epub-Version 3.0 soll zudem die Einbindung von Multimedia-Elementen erleichtern – auch das kann Amazon im Hinblick auf den Trend zum „enhanced E-Book“ nur recht sein.

Format-Sonderweg hat Amazon nicht geschadet

Jeff Bezos gleicht in mancherlei Hinsicht Käptn Ahab – während Melvilles mythischer Jäger nur Moby Dick im Kopf hatte, verfolgte der Amazon-Lenker lange Jahre vor allem eins: Mobipocket. Von Anfang an wurden Kindle-E-Books nur in diesem Format verkauft, kombiniert mit einem eigenen Digital Rights Management (DRM). Was 2007 beim Start des Kindle 1 noch verständlich war, denn der Standard bei Content für PDAs und Handys hieß damals tatsächlich Mobipocket. Nach und nach einigte sich die restliche E-Book-Branche allerdings auf den offenen Standard epub. Offen heißt dabei vor allem: nicht im Besitz eines bestimmten Unternehmens. Mobipocket.com gehört nämlich niemand anderem als Jeff Bezos. Amazons Aufstieg zum E-Book-Händler Nummer 1 hat der Alleingang nicht verhindert: Kindle-E-Books haben in den USA einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Viele Kunden scheint das „closed shop“-System nicht zu stören, zumal über die Kindle-App sich die E-Books auch auf Smartphones und Tablets lesen lassen.

Verlage sparen sich doppelte Konvertierung

In Europa sieht es allerdings ganz anders aus, der alte Kontinent ist eine epub-Zone. Buchhändler und Verlage waren hier von Anfang an bestrebt, sich alle Wege zum Kunden offen zu halten. Selbst ein großer Player wie Thalia hat mit dem Oyo zwar einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, sich jedoch nicht durch eigene Standards abgeschottet. Amazons Versuch, mit nationalen Kindle-Stores (wie zuletzt in Deutschland) auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, könnte mit der epub-Unterstützung erleichtert werden. Klar scheint auf jeden Fall: Verlage müssen nun nicht mehr so viel Arbeit in die (doppelte) Konvertierung ihrer Titel stecken, und auch für Freelance-Autoren wird das Direkt-Publishing erleichtert. Was sich aus Kundensicht ändern wird, ist wiederum eine ganz andere Frage.

Was sich für die Kunden ändert, ist ungewiss

DRM-freie epubs wird man zukünftig wohl problemlos auf den Kindle übertragen und lesen können, ohne dass man sie vorher mit Calibre oder anderen Tools umformatieren muss. Doch was mit kopiergeschützten E-Books passiert, die bei Libri, Thalia oder anderswo geshoppt wurden, ist noch völlig unklar. Gleiches gilt für die Übertragbarkeit von kopiergeschützten Kindle-E-Books im epub-Format auf andere Lesegeräte. Bisher jedenfalls ist Amazons hauseigenes DRM-System nicht mit dem ansonsten genutzten Standard von Adobe kompatibel. Die Koexistenz beider DRM-Standards auf einem Gerät wurde bisher sogar aktiv verhindert. Als etwa die Bookeen-Reader per Firmware-Update von Mobipocket auf epub umgestellt wurden, waren kopiergeschützte Mobipocket-Titel nicht mehr lesbar. Wirklich lösen lässt sich das Problem der „zwei Welten“ wohl nur durch den flächendeckenden Verzicht auf DRM.

Nook Color jetzt mit E-Comic-Apps von iVerse & graphic.ly

„Now even better“: Barnes&Noble hat dem Nook Color ein Update verpasst, das seinen Namen wirklich verdient. Im neu gestarteten „kuratierten“ App-Store gibt’s sogar E-Comic-Apps mit populären US-Serien wie Irredeemable, Archie oder Star Trek. Die E-Comic-Anbieter iVerse und graphic.ly haben dazu bereits bestehende Android-Apps angepasst. Ingesamt bietet B&N mehr als 150 offizielle Apps an, darunter auch Spiele wie „Angry Bird“, Sprachführer von Lonely-Planet oder die interaktive Leselern-App „Cat in the Hat“. Verbessert wurde auch die Surf-Qualität des integrierten Browsers – der Nook Color unterstützt jetzt Flash.

Nook Color als vollwertiges Android-Tablet

Dank Farbdisplay und Touch-Screen ist das Lese-Tablet von Barnes&Noble wie geschaffen für E-Comics. Schon bisher konnte man auf dem Nook Color etwa E-Comics im epub-Format oder im proprietären Nook-Format lesen. Genuine E-Comic-Apps passen aber eigentlich noch besser. Denn unter der Haube war der Nook Color schon immer ein vollwertiges Android-Tablet – was viele Nutzer dazu motivert hat, die von Barnes&Noble implementierten Sperren zu umgehen. Durch sogenanntes „Rooten“ brachten sie die zahlreichen Angebote aus dem Android App Store auf den Reader, darunter Amazons Kindle-App, aber eben auch E-Comic-Apps. Mit dem neuen Update hält die größte amerikanische Buchhandelskette jetzt dagegen – der Nook Color bietet nun ein angepasstes Android 2.2 (Froyo), Flash-Unterstützung erlaubt u.a. die Betrachtung von Youtube-Videos im Web-Browser, eine vollwertige E-Mail-Anwendung erleichtert die Kommunikation, und die Beta-Version von Nook Friends macht das Tablet zur Social-Reading-Plattform.

Apps sind komfortabler als E-Comics im epub-Format

Anders als beim iPad erlauben die E-Comic-Apps auf dem Nook Color allerdings kein in-App-Shopping, die Comics müssen jeweils einzeln gekauft werden. Im Nook-Ökosystem macht das wohl auch mehr Sinn, auch im Online-Katalog sind die Apps zwischen den normalen E-Comics bzw. Graphic-Novels eingereiht. Im Vergleich zu epub-Comics, die nicht viel mehr bieten als eine statische Seitenansicht, bringen die Apps komfortablere Navigationsmöglichkeiten und die automatische Vergrößerung einzelner Panels mit. Bis zum Start von epub 3.0 werden Apps wohl bei E-Comics genauso wie bei enhanced E-Books das Medium der Wahl bleiben. Nach iVerse und graphic.ly könnte übrigens auch bald der dritte große E-Comic-Anbieter im App-Bereich auf dem Nook Color mit im Boot sein – comiXology hat schließlich erklärt, mit seinem Content auf allen maßgeblichen Plattformen präsent sein zu wollen.

Diese E-Comic-Apps gibt’s zur Zeit für Nook Color:

iVerse (IDW Publishing)

  • Dead Space: Salvage
  • Star Trek: The Official Movie Adaption
  • Parker: The Hunter

iVerse (Archie Comics)

  • Archie Marries…
  • The Archies and Josie and the Pussycats
  • Archie All-Stars: Vol. 1 – Veronica’s Passport

graphic.ly

  • Mouse Guard: Fall 1152 – Archaia
  • Wanted – Top Cow/Image
  • Irredeemable – BOOM! Studios

Suhrkamp-Kultur trifft Screen-Culture: Fünf E-Lesetipps von Klassiker bis Krimi

suhrkamp-kultur-e-book-epub-libri Suhrkamp setzt zukünftig stärker auf digitale Lesekultur – die Zahl der verfügbaren E-Books erhöht sich auf mehr als hundert. War bisher via texttunes nur eine Handvoll E-Book-Apps für iPhone & iPad erhältlich, so können Suhrkampleser ihre Lieblingstitel nun endlich schwarz auf weiß auf das E-Ink-Display von E-Readern laden. Denn über das Libri-Netz gibt’s eine gehörige Prise Suhrkamp-Kultur auch im epub-Format & PDF-Format. Unsere Autorin Heide Reinhäckel gibt aus diesem Anlass ein paar Lese-Empfehlungen…

Suhrkamp beweist Mut zum Experiment

Der 1950 in Frankfurt gegründete Suhrkamp-Verlag galt als intellektuelles Flagschiff der alten Bundesrepublik. Das Image des Verlages litt allerdings in den letzten Jahren immer wieder unter Negativschlagzeilen, ausgelöst etwa durch den Wechsel an der Führungsspitze oder den Brain-Drain von Lektoren und Autoren. Im Jubiläumsjahr 2010 wagte man nun mehrere Experimente zugleich, um das Label Suhrkamp wieder zum Funkeln zu bringen. So zog der Verlag aus der Frankfurter Lindenstraße nach Berlin, nicht zuletzt, um seinen Autoren näher zu sein und am symbolischen Kapital der Kreativhauptstadt zu partizipieren. Ein neues Zuhause fand sich vorerst im Prenzlauer Berg – in den Räumen eines ehemaligen Finanzamtes an der Pappelallee. Zum Berliner Start bespielte Suhrkamp den neuen Standort Berlin aber gleich doppelt. Mit dem edition-suhrkamp-laden in Berlin-Mitte kam von Mai bis Juli 2010 eine Mischung aus Verkaufsraum, Showroom und Veranstaltungsort hinzu. Die experimentelle Suhrkampwelt wurde beherrscht von einem Riesenregal mit der berühmten, von Willy Flecklang gestalteten edition suhrkamp-Reihe, deren Spektralfarben eine Seite des Raumes ausfüllten.

Die „Suhrkamp-Kultur“ kommt auf das E-Ink-Display

Wird Suhrkamp jetzt wieder hip? Offenbar war der temporäre Suhrkamp-Laden als Wiederbelebung der „Suhrkamp-Kultur“ gedacht, ein Begriff, den ursprünglich mal der amerikanische Literaturwissenschaftler und Suhrkamp-Autor Georg Steiner prägte. Diese Suhrkamp-Kultur war nicht zuletzt mit dem Verleger-Mythos Siegfried Unseld verbunden. Mit der aktuellen E-Book-Offensive trifft die Suhrkamp-Kultur nun auf die digitale Screen-Culture des 21. Jahrhunderts. Natürlich können 140 Titel nur ein Anfang sein – bei Libri sind insgesamt mehr als 3000 gedruckte Suhrkamp-Titel lieferbar. Doch das erweiterte E-Book-Angebot umfasst nun immerhin Romane von klassischen Suhrkamp-Autoren wie Max Frisch, Hermann Hesse und Thomas Bernhard, von deutschen Gegenwartsautoren wie Christa Wolf, Uwe Tellkamp und Sibylle Lewitscharoff und nicht zuletzt auch internationale Gegenwartsliteratur. Sogar Dietmar Daths Polit-Bilderbuch „Deutschland macht dicht“ ist mit dabei. Die Botschaft ist angekommen: Suhrkamp zumindest macht bei E-Books nicht mehr dicht. Nur über die Preise sollten wir noch mal reden…

Fünf Empfehlungen

Meine fünf persönlichen Empfehlungen für den E-Book-Einstieg bei Suhrkamp:

ulysses-e-book-suhrkamp 1. James Joyce: Ulysses. Wer schon immer den berühmten Klassiker des modernen Romans und der literarischen Bewusstseinsdarstellung lesen oder wiederlesen wollte, kann dies jetzt auch auf dem E-Reader tun. In der Übersetzung von Hans Wollschläger liegt bei Suhrkamp der Tagesablauf von Leopold Bloom am 16. Juni 1904 in Dublin auch als E-Book vor. Wie wär’s mit einem Bloomsday per E-Reader? Gibt’s leider nur als PDF-Version, mit 11,99 Euro aber erschwinglich…

unseld-bernhard-briefwechsel-suhrkamp-e-book 2. Thomas Bernhard, Siegfried Unseld: Der Briefwechsel. In über 500 Briefen eröffnet sich ein Beziehungsdrama besonderer Natur zwischen dem berühmten österreichischen Autor und dem Verleger-Mythos Unseld, das sich Haßtiraden, Schreibblockaden und manische Schübe erstreckt. Ein fesselndes Hintergrunddrama der Literaturproduktion. Als epub & PDF für etwas anspruchsvolle 19,99 Euro im Angebot…

herzzeit-celan-bachmann-briefwechsel-e-book-suhrkamp 3. Ingeborg Bachmann, Paul Celan: Herzzeit. Mit dem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, den zwei großen deutschsprachigen Dichtern des 20. Jahrhunderts, liegt eine eindringliche Korrespondenz vor, die das Dichter-Liebespaar der Nachkriegszeit beleuchtet. Als epub&PDF gibt’s 400 Seiten für 9,99 Euro…

ndiaye-drei-starke-frauen-roman-suhrkamp-e-book 4. Marie Ndiaye: Drei starke Frauen. Die französische Autorin schildert in ihrem Roman, der mit dem Internationalen Literaturpreis 2010 ausgezeichnet wurde, drei Frauenschicksale zwischen Europa und Afrika in einer intensiven literarischen Sprache. Auch als epub & pdf hat Ndiaye leider ihren Preis: nämlich 19,99 Euro.

winslow-pacific-private-krimi-suhrkamp-e-book 5. Don Winslow: Pacific Private. Kalifornischer Krimi mit dem surfenden Privatdedektiv Boone Daniels, der neben dem Wellenreiten am Pazifik mit einem Fall konfrontiert wird, der in seine eigene Vergangenheit führt. Die Synthese von Surfer- & Privatdedektiv-Milieu ist eine gute Kontrastlektüre für die kalten Jahreszeit. Als epub oder PDF gibt’s den Westküstensound der Suhrkamp-Krimi-Reihe für 9,99 Euro.

Autorin & Copyright: Heide Reinhäckel

[e-book-review] Zwischen New Age & alten Mysterien: Dan Browns „Verlorenes Symbol“ gibt’s jetzt auch als E-Book

dan-brown-verlorenes-symbol-e-book-review-bestsellerWer Dan Browns Bestseller „Lost Symbol“ als E-Book lesen wollte, war bisher auf die englische Fassung angewiesen. Mit „Das verlorene Symbol“ kommt nun endlich die deutsche Übersetzung auf‘s E-Ink-Display – ein Jahr nach Erscheinen der Druckversion. Nach Schauplätzen wie Rom („Illuminati“) oder Paris („Sakrileg“) löst Browns intellectual hero Robert Langdon diesmal seine Rätsel mitten in Washington. Nicht um Antimaterie oder den heiligen Gral geht‘s dabei, sondern um das verborgene Wissen der Freimaurer. Mit 19,99 Euro ist das E-Book immerhin 6 Euro günstiger als die Hardcover-Ausgabe.

Parforce-Jagd durch die amerikanische Gründungsgeschichte

Dan Brown-Fans sind es gewohnt, dass am Ende für die Romanhelden unerwartetete Ergebnisse stehen. Ein Meteorit in der Arktis, der den Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens birgt? Pustekuchen. Am Ende war in „Meteor“ alles nur eine High-Tech-Verschwörung. (Der englische Titel „Deception Point“ legt das natürlich auch bereits nahe.) Die Suche nach dem heiligen Gral? Der „Davinci-Code“ erweist sich am Ende als eine tausend Jahre alte Ablenkung. Umso gespannter durfte man natürlich auf das „Verlorene Symbol“ sein. Dem „Vermächtnis der Tempelritter“ auf den Spuren hatte bereits Nicolas Cage im gleichnamigen Disney-Blockbuster die Katakomben Washingtons durchsucht – und am Ende reiche Beute gemacht. Für die Zuschauer war das ganze zugleich eine Parforce-Jagd durch die Gründungsgeschichte der USA & die Topographie Washingtons. Ähnliche Aha-Effekte hält mit dem „Verlorenen Symbol“ Dan Brown für die Leser bereit. Vom Kapitol geht’s zur Library of Congress, zum Adams Building und schließlich hinaus zur Washington National Cathedral, ganz am Ende gerät der große Obelisk des Washington Monuments in den Blickpunkt.

Entdeckungen in der Krypta des Kapitols

„Castles, Crypts, Pyramids, temples… it‘s all there“ – pflegt Symbol-Forscher und Harvard-Professor Langdon seinen Schülern die kulturellen Schätze der amerikanische Hauptstadt schmackhaft zu machen. Aber verbirgt sich mitten in Washington tatsächlich ein Portal zu den antiken Mysterien? Der mysteriöse Entführer von Peter Solomon, Direktor des Smithsonian Institutes und ranghoher Freimaurer, scheint daran zu glauben. Um Solomons Leben zu retten, soll nun Langdon den Zugang zum antiken Portal finden. Erster Anhaltspunkt ist eine tätowierte menschliche Hand, die plötzlich in der Rotunde des Kapitols gefunden wird. Außerdem gibt es da noch ein versiegeltes Päckchen, das Langdon für seinen Freund Solomon aufbewahren sollte. In der Krypta des Kapitols stößt Langdon dann auf eine Miniatur-Pyramide mit einer codierten Inschrift. Die Schatzsuche ist eröffnet. Doch auch der CIA beginnt sich für das geheime Portal zu interessieren – und bald befindet sich Langdon auf einer wilden Flucht durch die Straßen von Washington.

Dan Brown-Mix: Wissenschaft, Religion, Heilsgeschichte

Beim reinen Freimaurer-Plot belässt es Brown allerdings nicht- eine parallele Erzählebene dreht sich um die Verbindung antiken Wissens und moderner Physik. Katherine, die Schwester Solomons, forscht im Auftrag des Smithsonian Institutes im Bereich der Noetik, einer Art Grenzwissenschaft, bei der es um die Veränderung der Welt durch Gedankenkraft geht. In einem abgeschirmten Labor des Smithsonian Museums konnte sie bereits bahnbrechende Erfolge erzielen. Das bringt sie nun in Gefahr – denn der Entführer ihres Bruders versucht zu verhindern, dass diese Informationen in die Öffentlichkeit geraten und das elitäre New Age-Wissen zum Mainstream machen. Spätestens hier merkt man natürlich: die Verbindung von Wissenschaft, Religion und Heilsgeschichte bilden auch in „Lost Symbol“ die Grundlage des Plots. Durch die Wahl Washingtons als Schauplatz ist dies nun allerdings auch noch eng mit dem utopischen Gründungsmythos von „God’s own country“ verknüpft. Das Freimaurer-Motto „Ordo ab chao“ (Ordnung aus dem Chaos) passt wohl etwas besser in die Welt nach dem 11. September als „e pluribus unum“. Wie am amerikanischen Wesen nun ganz praktisch die Welt genesen könnte, verrät Dan Brown aber leider nicht.

dan-brown-verlorenes-symbol-e-book-epub-bestseller
Dan Brown,
Das verlorene Symbol (Oktober 2010)
E-Book (epub-Format), 19,99 Euro
Hardcover (Lübbe Thriller) 26,00 Euro

taz als App, die Zweite: Alternative Tageszeitung startet erneut Einzelverkauf auf iPhone & iPad

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Digitales Comeback für die taz: seit heute gibt’s für iPhone- und iPad-Nutzer die alternative Tageszeitung wieder im Einzelverkauf. Unter dem Namen „itaz“ wird in Zusammenarbeit mit textunes eine eigene epub-App angeboten. Ein erster Anlauf über iBooks war bereits im Sommer 2010 gestartet – doch wegen technischer Probleme zogen die tazzler nach einer Woche entnervt den Stecker. Die itaz-App kann im App Store kostenlos heruntergeladen werden, aktuelle Ausgaben lassen sich per In-App-Shopping für 79 Cent erwerben.

Weniger tazzen am Kiosk, mehr tazzen im App Store?

Die Bad News zuerst: Tageszeitungen auf Papier verkaufen sich am Kiosk immer schlechter. Das gilt leider auch für die taz. Im Einzelverkauf muss das alternative Blatt Verluste von 25 Prozent verbuchen, so die gerade veröffentlichte IVW-Statistik für das 3. Quartal 2010. Da ist es natürlich eine gute Nachricht, dass iPhone- und iPad-Nutzer die taz jetzt wieder täglich per In-App-Shopping bekommen können. Wie bei dem Versuch, die taz über Apples iBook-Store zu vertreiben, setzen die tazzler auch diesmal auf das epub-Format. Nutzer bekommen damit die komplette Print-Ausgabe in einer konvertierten Version auf das Display. Der iBooks-Version war im Sommer 2010 nur eine kurze Existenz gegönnt. Nach nur drei Wochen stellte die taz den Einzelverkauf in Apples iPad-Buchhandlung wieder ein. Grund waren technische Probleme mit der täglichen Aktualisierung der iPad-Ausgabe – und die Weigerung von Apple, bei der Lösung behilflich zu sein.

epub hat Grenzen: Multimedia kennt die itaz nicht

Mit textunes als Kooperationspartner sorgt nun erneut ein E-Book-Produzent für die taz auf dem Touch-Screen. Doch diesmal war das wohl eindeutig die richtige Wahl – die „itaz“ ist ähnlich gut gemacht wie die normalen E-Book-Apps des auf iPhone- und iPad-Versionen spezialisierten Startups aus Berlin-Kreuzberg. Das Look&Feel auf dem iPhone etwa erinnert jetzt stärker an die Apps der Süddeutschen Zeitung oder der Welt. Mit einem Unterschied natürlich: die itaz kann nicht mit Content glänzen, der von einer eigenen Multimedia-Redaktion aufbereitet wird. Das lange und unübersichtliche Menü folgt den normalen Rubriken, nicht Kategorien wie „Politik“, „Medien“ oder „Digital“. Bilder fehlen fast vollständig – auch in den Artikeln, abgesehen vom Tom-Comic und der einen oder anderen Karrikatur auf der Meinungsseite. Bei der Orientierung helfen vor allem Faksimiles der einzelnen Seiten, die man durchblättern kann. Die Auflösung ist allerdings so niedrig, dass es wirklich nur für einen Überblick reicht.

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Spagat zwischen Print-Layout und Touch-Screen-Display

Gerade für die iPad-Version könnte man den Spagat zwischen dem Layout der Printausgabe und der Darstellung auf dem Display anders lösen – wie etwa die App der französischen Tageszeitung „Le Monde“ zeigt, mit der sich ebenfalls einzelne Ausgaben shoppen lassen. Bei „Le Monde“ kann man sich in die gedruckte Seite komfortabel einzoomen, auf Wunsch aber auch bei jedem Artikel direkt in die reine Textansicht wechseln. Dafür muss man dann allerdings etwas längere Download-Zeiten in Kauf nehmen – die taz ist dagegen im WLAN in wenigen Sekunden heruntergeladen. Die taz hat aber wohl vor allem aus Kostengründen auf alle erweiterten Features verzichten müssen. Ohnehin leistet sich das von einer Genossenschaft getragene Blatt bisher auch nur eine sehr schmal besetzte Online-Redaktion.

Auf Dauer ist das Digi-Abo günstiger als die itaz-App

Strategisch dürfte das wohl eher unklug sein. Denn mittlerweile sind andere Zeitungen schon weiter, auch in Deutschland. Zuletzt hat etwa die iPad-App der Frankfurter Rundschau gezeigt, welche Möglichkeiten sich für ein E-Newspaper auf dem multimedialen Tablet bieten. Für viele taz-Abonnenten hat sich übrigens trotz neuer App nichts geändert. Denn schon seit Sommer 2009 gibt es im Rahmen des “Digi-Abos” eine elektronische Ausgabe der taz im epub-Format, die man auf E-Readern und via Stanza auch auf dem iPhone und nun auch auf dem iPad lesen kann. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. Wer sich solchermaßen regelmäßig in die taz vertiefet, fährt dabei auch deutlich günstiger als mit der itaz-App – das Digi-Abo kostet nämlich nur 10 Euro pro Monat.

Thalia setzt auf eigenen E-Reader – und bald auch auf ein Closed-Shop-Modell?

closed-shop-ifa-thalia-reader-e-store-e-ink-e-bookThalia auf den Spuren von Amazon? Die Buchhandelskette will ab Oktober einen eigenen E-Reader verkaufen. Dabei handelt es sich technisch angeblich um eine komplette Neuentwicklung. Bisher setzte Thalia auf Lesegeräte von Sony, wie sie auch bei Buchhandelsportalen wie libri oder buch.de erhältlich sind. Vorgestellt werden soll der Thalia-Reader erstmals auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) Anfang September. Begleitet wird die Reader-Premiere von einer neuen Website zur „Zukunft des Lesens“ sowie einer PR-Tournee durch ausgewählte Thalia-Filialen.

„Es handelt sich um einen dezidierten E-Reader, nicht um ein Tablet-PC“

Die Muse des Theaters scheint bei dieser E-Reader-Premiere Pate zu stehen: Der Thalia-Reader kommt, so viel ist klar. Doch bis zur Premiere auf der IFA erhält die Buchhandelskette den dramaturgischen Spannungsbogen aufrecht. So bleibt etwa ungewiss, auf welcher technischen Basis der neue Thalia E-Reader produziert wird. Klar ist bisher nur, dass es um ein E-Ink-Gerät geht. Das Börsenblatt will von einer Thalia-Sprecherin erfahren haben, es handele sich „um einen dezidierten E-Reader und nicht um einen Tablet PC nach Vorbild des iPad“. Damit die E-Book-Strategie der zweitgrößten deutschen Buchhandelskette aufgeht, dürfte es sich wohl um ein vernetztes, also mindestens WiFi-fähiges Gerät handeln – denn das garantiert den direkten Draht zum Content. Sowohl Amazons Kindle wie auch der Nook von Barnes&Noble gründen ihren Erfolg unter anderem auf den unmittelbaren Zugang zum Lesestoff. Nicht umsonst wirbt Amazon mit dem Slogan: „Get books in 60 seconds“. Bei der Realisierung des vernetzten Lesens kann das in Hamburg ansässige Unternehmen auf die Erfahrungen mit Buch.de setzen – Thalia hält nämlich 60 Prozent des Internet-Buchhandelsportals. Als hilfreich für den Geräteabsatz dürfte sich natürlich auch das deutschlandweite Filialnetz von Thalia erweisen.

Deutsche E-Book-Händler setzen bisher maximal auf Rebranding

Im stationären Buchhandel ist Thalia seit Jahren für einen recht hemdsärmeligen Verdrängungswettbewerb bekannt. Mit der E-Reader-Offensive betritt die Buchhandelskette jedoch völliges Neuland – ein mit dem Closed-Shop-System von Amazon oder Barnes&Noble vergleichbares Geschäftsmodell gibt es in Deutschland bisher nicht. E-Book-Portale von Verlagen wie auch Buchhandelsketten setzen hierzulande nicht nur gemeinsam auf den epub-Standard, sie bieten auch eine ganze Reihe von Lesegeräten unterschiedlicher Hersteller an. Hier und da gab es zwar Rebranding, wie etwa bei der „Weltbild-Edition“ des Hanvon N516, doch das beschränkte sich auf leicht modifizierte Firmware-Versionen. Die Lektüre von E-Books war insofern für deutsche Kunden vergleichsweise komfortabel – denn wo man einen epub-Titel gekauft hat, war egal, lesen konnte man ihn auf mehr als einem Dutzend E-Ink-Geräten von Bookeen oder Bebook bis zu Pocketbook und Sony. Wenn Thalia nun versuchen würde, das Steuer komplett herumzureißen, wäre das Unternehmen wohl nicht gerade von der Muse geküsst.

Das einzige Argument für ein Closed-Shop-Modell wäre ein 99-Euro-Reader

Denn die verhältnismäßig große Freiheit im E-Leseland Deutschland dürfte jeder exklusiven Expansionsstrategie enge Grenzen setzen – so steht wohl kein proprietäres E-Book-Format wie bei Amazons Kindle-Books zu befürchten. Denkbar wäre allerdings ein Alleingang beim Kopierschutz, ähnlich wie bei Barnes&Noble. Die US-Buchhandelskette verkauft ihre E-Books im epub-Format nämlich mit einem eigenen Kopierschutz, der nicht mit dem von Adobe gelieferten Branchenstandard ADEPT kompatibel ist. Somit kann man diese E-Books nur auf dem Nook-Reader lesen. Immerhin ist das B&N-System halboffen – denn umgekehrt lassen sich DRM-geschützte E-Books aus „fremden“ E-Stores durchaus auf dem Nook lesen. Wahrscheinlich ist jedoch auch diese Variante nicht, denn in den USA können Amazon wie auch Barnes&Noble ihre Closed-Shop-Systeme den Lesern mit Niedrig-Preisen schmackhaft machen. Die deutsche Buchpreisbindung verhindert solche Strategien allerdings, zudem ist das E-Book-Angebot bei Thalia bzw. Buch.de auch inhaltlich identisch mit dem anderer Plattformen, etwa Libri. Der einzige Weg, deutsche Kunden in die Content-Einbahnstraße zu locken, bestünde im Discount beim Gerätepreis. Doch traut sich Thalia am Ende wirklich, so etwas wie einen WiFi-fähigen 99-Euro-Reader anzubieten, hart an der Grenze oder sogar unterhalb des Herstellungspreises?