Amazon enhanced Hugh Howeys Sci-Fi-Roman „Wool“: jetzt als Kindle in Motion-Version erhältlich

wool-als-kindle-in-motion-versionEnhanced ist wieder mächtig en vogue. E-Books auf Smartphone und Tablet geraten immer mehr in Bewegung, nicht nur durch den derzeitigen Boom von Chat-Style-Apps. Ganz vorne dran: mal wieder Amazon. Das Unternehmen hatte bereits letztes Jahr mit viel medialem Tamtam das „Kindle in Motion“-Format an den Start gebracht – zunächst aber nur etwas mehr als ein Dutzend Titel aus Eigen-Imprints mit solchen Video und Hintergrundanimationen aufgepimpt (siehe die aktuelle Programm-Übersicht)

Programm wird ausgeweitet

Wie The Digital Reader berichtet, geht’s nun aber in die zweite Runde – mit Hugh Howeys Sci-Fi-Bestseller „Wool“ wurde erstmals ein nicht exklusiv bei Amazon erhältlicher Titel multimedial angereichert (siehe die offizielle Video-Preview).

Kostenloses Update für Bestandskunden

Kunden, die bereits bereits eine konventionelle E-Book-Version von „Wool“ im Kindle Shop erworben hatten, wurden von Amazon per E-Mail auf die kostenlose Upgrade-Option hingewiesen:

„An updated version of your past Kindle purchase or borrow of Wool by Hugh Howey is now available. The updated version contains new art and animation that can be viewed on the free Kindle app for iOS and Android and recent Fire tablets.“

Zugleich weist Amazon darauf hin, dass die Kindle-In-Motion-Effekte sich auch abstellen lassen — und sich auf dem Kindle Reader so oder so gar nichts ändert – da die E-Ink-Geräte nicht Kindle-In-Motion-tauglich sind.

(Aufgepimpt wurde wohlgemerkt nur die auch bei Amazon.de erhältliche englischsprachige Version von „Wool“, nicht die deutsche Fassung „Silo“…)

Mach’s zum Buch mit Vook: Multimediale E-Book-Erstellung für Profis

Was herauskommt, wenn man E-Book und Video kombiniert, wusste Bradley Inman schon lange: ein Vook. Als einer der ersten wagte sich der Silicon-Valley-Unternehmer ins multimediale E-Book-Business – mit E-Book-Apps für das iPhone und später das iPad. Zu den „Vooks“ der ersten Stunde gehörten nicht nur Sachbücher und Ratgeber, sondern auch experimentelle Romane und Thriller. Insgesamt entstanden mehr als 800 Titel, darunter in Zusammenarbeit mit NBC das interaktive E-Book „JFK 50 Days“. Doch finanziell erfolgreich war das enhanced-Konzept offenbar nicht – im Herbst 2011 wurde das ambitionierte E-Book-Angebot eingestellt. Statt dessen konzentrierte man sich auf Dienstleistungen für Autoren und Verlage – aus dem Publisher Vook wurde eine komfortable E-Publishing-Plattform für multimedialen Content. Seit wenigen Tagen ist vook.com in der öffentlichen Beta-Phase, und lässt sich kostenlos testen.

Vook übernimmt den gesamten Workflow

Vook verspricht eine Menge – ohne Kenntnisse von HTML oder CSS soll es dem Autor möglich sein, den gesamten Workflow vom Erstellen des E-Books bis zur Vermarktung über Kindle Store, iBooks und den E-Store von Barnes&Noble zu meistern. Ein spezielles Analyse-Tool – eine Art Google Analytics für E-Books – erlaubt sogar das zeitnahe Tracking der Verkaufserfolge. Zum Glück muss man nicht die virtuelle Katze im Sack kaufen, denn ein Test-Account kann man kostenlos anlegen. Damit lassen sich bereits alle grundsätzlichen Arbeitsschritte vom Erstellen des Dokuments bis zum Export einer epub-Leseprobe ausprobieren. Das grafisch schön gestaltete Interface macht die Arbeit tatsächlich sehr angenehm – entweder importiert man fertige Dateien (epub oder doc), oder man via Copy&Paste einzelne Kapitel im Vook-Editor an. Ein Section-Manager erleichtert den Aufbau und das Verändern der Kapitel-Struktur.


Video und Audio einfügen per Drag&Drop

Während andere E-Publishing-Lösungen wie booki.cc oder pressbooks vom Funktionsumfang her auf einer Linie mit WordPress liegen (oder direkt darauf aufbauen), geht Vook weit darüber hinaus. Schon die Text-Features erinnern eher an ein DTP-Programm – im „Style-Manager“ lassen sich über Buttons und Schieberegler zahlreiche Layout-Parameter (d.h. die CSS-Datei) direkt beeinflussen. Noch beeindruckender sind aber die Multimedia-Funktionen. Videos, Audio-Dateien und Bilder fügt man ganz einfach per Drag&Drop in das E-Book ein. Vook erweist sich trotz gewisser Einschränkungen – etwa bei interaktiven Grafiken – hier als clevere, plattformübergreifende Alternative zu Apples iBooks Author. Lesen lassen die bei Vook fabrizierten enhanced-Schmöker dann mit iOS-Geräten vom iPhone bis zum iPad – sowohl via iBooks oder Kindle-App, aber auch mit dem Nook-Tablet von Barnes&Noble.

Komfortabler Direkt-Vertrieb bei Amazon, Apple & Co.

Previews des E-Books lassen sich auch in der Testversion im epub- oder mobi/KF8-Format exportieren. Enthält das E-Book auch Videos, kann man das Erstellen der Vorschau beschleunigen, indem man die Multimedia-Inhalte durch gekürzte Platzhalter ersetzt. Ist man mit dem E-Book zufrieden, gibt es es für den Vertrieb der Endfassung zwei Möglichkeiten: entweder lädt man das E-Book herunter und sorgt selbst für den Upload etwa bei Amazons Kindle Direkt Publishing Programm, oder man nutzt den Distributions-Service von Vook. Nur in diesem Fall lässt sich auch die Tracking-Option nutzen, mit der u.a. auch die Preisfindung erleichtert werden soll. Im Fall von Amazon sowie iBooks ist übrigens mit Vook auch der Vertrieb in Deutschland möglich.


Vook lohnt sich vor allem für Profi-Autoren

Finanzielle Nachteile hat man durch den Vertrieb via Vook nicht – denn alle Tantiemen fließen zu 100 Prozent an den Autor, bei dem auch alle Rechte am Content verbleiben. Dafür wird man vor der Veröffentlichung gleich zur Kasse gebeten – bereits für das Upgrade vom Test-Account zum Basis-Account zur Erstellung einfacher epubs- oder Kindle-Books werden 79 Dollar pro Monat fällig. Multimedia-E-Books lassen sich erst mit einem Pro-Account erstellen, das für 199 Euro pro Monat zu haben ist. Für kleine Verlage oder Profi-Autoren dürfte sich das aber auf jeden Fall lohnen – denn sie bekommen mit Vooks cloudbasierter E-Publishing-Plattform ein ebenso mächtiges wie komfortables Tool für den kompletten Work-Flow bis hin zu Vertrieb und Marktanalyse in die Hand.

Digitale Schnitzeljagd zwischen Hot Spots: E-Books & E-Reader auf der Frankfurter Buchmesse

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Gastland der Buchmesse 2010 ist Argentinien, inoffiziell ist es auch der Cyberspace. Von insgesamt 7500 Ausstellern haben 1900 digitale Produkte im Gepäck. Die Hersteller von E-Readern sind an „Special Interest Hot Spots“ präsent, mit der „Sparks-Initiative“ & „Frankfurt Storydrive“ sucht die Buchmesse den Schulterschluss mit der digitalen Film- und Gamesbranche. Wer durch die Messehallen schlendert, sieht jedoch vor allem eins: gedruckte Bücher.

E-Books lassen sich schlecht ins Regal stellen

„Gut erzählte Geschichten sind der Motor der Buchmesse“, so Messedirektor Juergen Boos bei der Eröffnung der 62. Frankfurter Buchmesse. Eine der ganz großen Erzählungen im Jahr 2010 ist die vom medialen Wandel – es geht darum, Content zum Kunden zu bringen, egal in welcher Form. Wer den kilometerlangen Marsch durch insgesamt zehn Ausstellungshallen auf sich nimmt, sieht freilich vor allem eins: Bücher, Bücher, Bücher. Bücher aus Papier natürlich. E-Books, das wissen nicht nur Buchhändler, lassen sich nun mal schlecht ins Verkaufsregal stellen. Allerdings flimmern den Besuchern auch zahlreiche Video-Bildschirme oder Laptop-Screens entgegen, und zumindest hier und da schimmert ein Tablet-Computer.

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Hohes Wachstumspotential, geringer Marktanteil

Von einer E-Book-Revolution ist auch in der Medienberichterstattung zur Buchmesse wenig zu spüren. Es passiert sehr viel im E-Book-Sektor, wird etwa Libreka-Chef Ronald Schild in der Süddeutschen Zeitung zitiert, doch die Entwicklung brauche noch Zeit. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels legt aufschlussreiche Zahlen vor. Nur 30 Prozent der Titel seien in elektronischer Form lieferbar, hört man Vorsteher Alexander Skipis im Deutschlandfunk sagen. Und wieder die gleiche Botschaft: Das Wachstumspotential ist groß, der Marktanteil aber noch gering. Der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) untermauerte das in Frankfurt mit neuen Geschäftszahlen – der mittlere Umsatzanteil von E-Books in Deutschland liegt momentan bei mageren 1,8 Prozent.

E-Books auf der Buchmesse nur „Special Interest“?

Die meisten E-Reader auf der Buchmesse tummeln sich auf dem etwas schmucklosen „Devices Hotspot“ in Halle 8. Dort können die Buchmesse-Gäste etwa Samsungs neues Galaxy-Tablet, den neun Zoll-Reader von Pocketbook oder das WeTab von Neofonie in die Hand nehmen. Den nagelneuen Oyo-Reader präsentiert die Buchhandelskette Thalia dagegen vor bunter Kulisse im „Literature & Special Interest-Bereich“ von Halle 3. Gutes Stichwort. Offenbar gehen die Macher der Buchmesse davon aus, dass viele Besucher generell noch wenig Interesse am elektronischen Lesen haben. Bei der Stammkundschaft der Buchhandlungen vor Ort ist das ähnlich. Der Börsenverein stellte nämlich in Frankfurt eine Studie zur „Zukunft des Sortimentsbuchhandels“ vor, der zufolge fast zwei Drittel der klassischen Kunden auf Online Käufe verzichten, während sogar nur 6 Prozent sich überhaupt vorstellen können, Bücher digital zu lesen.

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“Enhanced E-Books“: Strohfeuer oder Zukunftsmodell?

Allerdings gelten solche Zahlen vor allem für die Generation 40 plus. Was die jüngeren Leser erwartet, ist dagegen nicht nur konventionelle Belletristik auf E-Ink-Displays, sondern eine völlig neue mediale Umgebung: “In fünf Jahren werden Bücher häufiger Crossmedia-Produkte sein: mit eingebettetem Sound, bewegtem Bild, Internetlinks und möglicherweise einer Spielekomponente wie Alternate Reality Games“, prognostizierte auf der Konferenz „Frankfurt Storydrive“ Juliane Schulze vom Beratungsunternehmen peacefulfish. Einen ersten Eindruck vom „enhanced E-Book“ gab auf der Buchmesse die elektronische Version von Sascha Lobos New-Economy-Roman „Strohfeuer“. Das in der Reihe Rowohlt Digitalbuch erschienene E-Book ermöglicht den Lesern, über die sogenannte „Buchfrage“-Funktion direkt mit dem Autor zu kommunizieren. Noch etwas mehr „enhanced“ bringt Bastei Lübbe pünktlich zur Buchmesse Ken Follets historischen Roman „Sturz der Titanen“ für iPhone und iPad heraus – nämlich ergänzt mit Videomaterial, Landkarten, Stammbäumen etc. Der multimediale Mehrwert erweist sich offenbar bereits als echter Verkaufsvorteil – so gab etwa das Berliner E-Book-Label textunes auf der Buchmesse bekannt, „enhanced E-Books“ für iPhone oder iPad würden sich mittlerweile fünfmal so häufig wie klassische elektronische Ausgaben verkaufen.

Digitale Schnitzeljagd für Bücherwürmer

Für die Generation Facebook wird natürlich nicht nur das Lesen, sondern auch das Schreiben von Literatur immer mehr zum sozialen Prozess. Dem trägt auch die Buchmesse Rechnung – im Special Interest Hot Spot etwa stellen sich Buchcommunities und Autorenportale wie Bilandia, Bookrix oder epidu vor. Wer es noch performativer mag, kann auf der Buchmesse zu Handy oder Smartphone greifen und sich an „Wyrm“ beteiligen, einer digitalen Schnitzeljagd. Bestseller-Autor Wolfgang Hohlbein hat sie auf Grundlage seiner gleichnamigen Sci-Fi-Serie konzipiert. Über QR-Codes bzw. den Versand von SMS mit Stichworten, die an den Infotheken der einzelnen Hot Spots veröffentlicht sind, erhalten Leser einzelne Episoden von „Wyrm mobile“ auf ihr Handy. Zum Start schickt man eine SMS mit dem Text „startwyrm“ an Nummer 48000. Doch auch die Handy-Nutzer werden in den Messenhallen neben ihrem Gadget natürlich auch zahllose gedruckte Bücher – oder wenigstens Comics – in die Hand nehmen. Dem medialen Nebeneinander dürfte wohl auch die Zukunft gehören. Selbst auf der „Tools of Change for Publishing“ – Konferenz im Rahmen der Buchmesse waren sich die Referenten einig: Der E-Book-Boom befördere nachweislich auch den Verkauf an gedruckten Büchern.