„Der papierfreie Autor ist nicht in Sicht“: Digitale Spurensuche im Literaturarchiv Marbach

Bücher werden nicht nur elektronisch gelesen, sie werden auch elektronisch geschrieben. Die Schreibmaschine des 21. Jahrhunderts ist schließlich der PC. Doch was machen Literaturwissenschaftler und Archivare, wenn die Autoren zu Sans-Papiers werden? E-Book-News hat sich im Literaturarchiv Marbach umgeschaut. Die vorläufig beruhigende Erkenntnis: die ersten Atari-Computer und 3,5-Zoll-Disketten aus den Achtziger Jahren werden zwar schon archiviert, der papierfreie Autor ist aber noch nicht in Sicht.

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Nachlässe & Vorlässe: Marbach ist kein Club der toten Dichter

Literatur hat genauso viel mit Lesen zu tun wie mit Schreiben. Im Deutschen Literaturarchiv Marbach sieht man das besonders gut. Unweit von Schillers Geburtshaus lagern nicht nur Manuskripte aus den Schubladen der deutschen Klassiker. In Aktenordnern, Einlegemappen und Kartons schlummert auch das, was auf den Schreibtischen der modernen Schriftsteller entsteht. So stößt man in den endlosen Regalreihen auf prominente Namen wie Ilse Aichinger, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky. Aber genauso auf Martin Walser, Ror Wolf oder Bernhard Schlink. In Marbach werden nämlich nicht nur Nachlässe gesammelt, sondern auch Vorlässe, also Material aus der Werkstatt von Literaten, die noch unter den Lebenden weilen. Ob Nachlass oder Vorlass, ein großer Teil der literarischen Produkte bestand bisher aus Papier. Eine zentrale Rolle bei der Archivarbeit spielt deswegen die Handschriftenabteilung. „Bei uns steht nicht das fertige Buch im Mittelpunkt, sondern vielmehr alles, was davor kommt. Also die verschiedenen Fassungen, Handschriftliches, Schreibmaschinenmanuskripte, oder auch Computerausdrucke mit handschriftlichen Korrekturen, Druckfahnen, in die handschriftlich eingegriffen wird, aber natürlich auch Briefe“, erklärt Nikola Herweg, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Marbacher Literaturarchiv.

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„Achtung, Virus!“: Ein Nachlass auf 3,5-Zoll-Disketten

Geschriebenes, Getipptes und Gedrucktes steht im Archiv Rücken an Rücken, und nicht erst seit gestern. Schreibmaschinen werden seit mehr als hundert Jahren benutzt. Schon Friedrich Nietzsche hämmerte um 1880 auf einer der ersten Kugelkopf-Modelle den legendären Satz: „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“ Laptop- und Desktop-Computer ordnen nun auch schon seit etwa dreißig Jahren die Gedanken der deutschen Geistesarbeiter. Ein Blick in die Vitrinen des Literaturarchiv-Museums zeigt, wie auch solche modernen Aufschreibtechniken ihre Spuren hinterlassen. So stößt man nicht nur auf den Bleistift des Philosophen Karl Jaspers, sondern auch auf das PC-Keyboard von F.C. Delius und sogar auf einen leibhaftigen Atari-Computer. Der gehört dem 1995 im Alter von nur 33 Jahren verstorbenen Dramatiker und Schriftsteller Thomas Strittmatter: „Seine Eltern haben uns den literarischen Nachlass geschenkt, der bestand unter anderem aus dem Atari-Rechner und einem Macintosh-Laptop. Auch die Disketten haben wir noch“, so Nikola Herweg. Alleine die Labels der 3,5-Zoll-Disketten aus den Achtziger Jahren sind schon ein Fall für die Handschriften-Abteilung, schließlich finden sich hier Original-Beschriftungen des Autors – etwa die Namen von Computerspielen oder die Warnung: „Achtung, Virus“.

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Papier ist geduldig, Disketten-Daten müssen wandern

Lesbar sind viele Disketten nicht mehr – die Entmagnetisierung schreitet weitaus schneller voran als der Zerfall von Papier. Die EDV-Abteilung des Archivs hat deshalb versucht, die Daten zu überspielen. Mit einem modernen PC ging das leider nicht. Geholfen haben den Marbachern letztlich Computer-Freaks aus der Region, die alte Hard- und Software sammeln. Die digitalen Manuskripte sind nun in das Intranet des Archivs migriert, sowohl als originale Disketten-Images wie auch in konvertierter und archivarisch aufbereiterer und geordneter Form. „Diese Abstufung hat den schönen Nebeneffekt, dass auf der Ebene der Disketten-Images auch die ursprüngliche Unordnung beibehalten bleibt, so ähnlich wie das, was einen erwartet, wenn man die Kartons eines Nachlasses öffnet“, so Nikola Herweg. Die konvertierten Dateien lassen sich dagegen ganz einfach mit Word öffnen.

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„Rice übt Computer, die Laune wird immer guter“

Auf dem Monitor erscheint dann etwa die vor zwanzig Jahren von Strittmatter gespeicherte Verszeile „Rice übt Computer, die Laune wird immer guter.“ Eine persönliche Aura kann man von solchen Word-Dokumenten natürlich nicht erwarten. Interessanterweise war der Medienwechsel von Füller oder Bleistift zur Gabriele oder Olympia weitaus weniger folgenreich als der Schritt zu Atari oder Mac. „Die Handschrift konnte man einem Autor sehr genau zuordnen, bei der Schreibmaschine funktioniert das aber auch noch ziemlich gut, z.B. bei Alfred Andersch, der eine Blindenschreibmaschine mit besonders großer Schrifttype genutzt hat. Die Exil-Autorin Hilde Domin wiederum hatte einen ganz expressiven Anschlag, da ist dann etwa das „O“ durchstochen. Beim Computer ist die Hand des Autors, die Berührung sehr weit entfernt. Da wird dann vielleicht eher die Tastatur interessant, mit Staub und Kaffeerückständen“, so Nikola Herweg.

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E-Books gibt’s im Archiv nicht, aber einen veritablen Poesie-Automaten

Im Archiv landen übrigens auch die persönlichen Bibliotheken der Autoren. In Zukunft könnte also auch das eine oder andere E-Book in Marbach auftauchen. Ein ganz besonderes elektronisches Werk kann man bereits jetzt im Museum des Literaturarchivs besichtigen: den Poesieautomaten von Hans Magnus Enzensberger. Was auf den ersten Blick aussieht wie die Anzeigetafel eines Flughafens, ist tatsächlich eine elektromechanisches Display. Die Software stammt vom Autor selbst – und tatsächlich haben die simulierten Gedichte den typischen Enzensberger-Sound. Damit die Verszeilen auch weiter rattern, muss alledings ab und zu Hand angelegt werden, berichtet Nikola Herweg: „Das ist natürlich ein Stück mit einem etwas anderen Wartungsaufwand als ein Manuskript. Da steckt ein Programm dahinter, also etwas, was unsere EDV-Abteilung angeht. Und auch die Hardware muss gepflegt werden, die Plättchen auf der Anzeige werden von Zeit zu Zeit ausgetauscht, das geht durchaus über das normale archivarische Handwerk hinaus.“

Kommt mit dem papierfreien Büro der papierfreie Autor?

Doch trotz elektronischer Poesie und Nachlässen auf Disketten dürfte die Handschriftenabteilung im Marbacher Literaturarchiv auch zukünftig nicht weniger zu tun haben als die EDV-Abteilung. Das liegt nicht nur daran, dass die meisten Nachlässe zur Zeit noch von Autoren der Generation Schreibmaschine stammen. Der papierfreie Schriftsteller sei momentan überhaupt noch nicht absehbar, so Nikola Herweg: „Die Handschrift wird noch sehr lange eine große Rolle spielen, denn bisher kenne ich keinen Autor, der nicht doch irgendwie handschriftlich in seine Manuskripte eingreift oder Vorabreiten per Hand aufs Papier wirft. So gesehen werden wir uns also noch sehr lange mit Papier beschäftigen.“


Autor & Copyright: Ansgar Warner

(ursprünglicher Artikel erschienen am 30.07.2010)

Lesen im Browser: EPUBReader macht Firefox zum E-Reader

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Das Add-On EPUBReader macht Firefox ganz einfach zum E-Lesegerät: E-Books lassen sich damit direkt im Browser betrachten, ohne dass man noch eine externe Software starten muss. Besonders sinnvoll ist das Add-On für epub-Dateien, wenn man im Internet auf Download-Links für E-Books stößt – sie werden automatisch heruntergeladen und geöffnet. Außerdem fügt EPUBReader alle Downloads einer Bibliothek hinzu, die über die Taskleiste abgerufen werden kann.

Endlich sind die epubs bei Project Gutenberg oder Google Books bequem im Browser lesbar

epubreader-firefox-addonAnfangs war EPUBReader noch ein echter Geheimtipp – mittlerweile wird die 2009 erstmals veröffentlichte Software von mehr als 400.000 Firefox-Nutzern verwendet. In der aktuellen Version 1.4.1.0 lässt sich ein großer Teil der im Netz verfügbaren E-Books im epub-Standard öffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um DRM-freie Titel handelt. Kopiergeschützte E-Books müssen auch weiterhin mit einem externen Programm geöffnet werden, also etwa Adobe Digital Edition (ADE). Wer auf freie Texte zugreift, etwa über Project Gutenberg oder Google Books, kann via EPUBReader dagegen per Mausklick bequem durch ein E-Book navigieren – an der linken Seite des Browser-Fensters erscheint automatisch das Hypertext-Inhaltsverzeichnis.

Lesen ist Ansichtssache: EPUBReader ist individuell konfigurierbar

epubreader-addon-firefoxÄhnlich wie viele E-Reader-Apps auf iPad oder iPhone ist auch die Leseansicht des EPUBReaders individuell konfigurierbar – von Schriftgröße über Vorder- und Hintergrundfarbe bis zur Anzahl und Breite der Spalten. Über das Disketten-Symbol in der Fußleiste kann man die aktuelle epub-Datei lokal speichern, über das Bookmark-Symbol ein Lesezeichen setzen. Um auf E-Books zuzugreifen, die auf der Festplatte gespeichert sind, nutzt man das normale Browser-Menü („Datei öffnen“). Alle epubs, die bereits mit EPUBReader geöffnet wurden, lassen sich über das Katalog-Symbol in der Fußleiste auflisten. Über dieses Menü kann man sich zudem durch die epub-E-Book-Bestände von archive.org und feddbooks.com scrollen. Der direkte Download von epubs in einen bestimmten Zielordner ist auch mit epubReader immer noch möglich – über den Umweg rechte Maustaste – “Speichern Unter…”.

Auch für E-Newspaper im epub-Format macht das Add-On Sinn

Die Installation von epubReader verläuft problemlos, das Add-On ist auf der offiziellen Mozilla-Seite zu finden. Unterstützt werden Firefox-Browser, die auf Win, Mac und Linux-Systemen laufen. Neben dem schnellen Zugriff auf E-Books am Desktop erscheint aber auch der Einsatz auf mobilen Geräten mit kleinerem Bildschirm sinnvoll. Zum Beispiel wenn man die E-Paper-Version einer Zeitung abonniert hat – die alternative Tageszeitung taz etwa bietet die elektronische Fassung auch im epub-Format an. So kann man das BlingBling der Webseite umgehen und muss auch nicht auf dem PDF einer großformatigen Zeitungsseite herumirren.

[Beitrag vom 20.9.2009, aktualisiert am 24.2.2011]

AOL kauft die Huffington Post: Sputnik-Moment des Online-Journalismus?

aol-kauft-huffington-postAm Anfang des Internets stand für viele Amerikaner America Online, abgekürzt AOL. Am Anfang des reinen Online-Journalismus stand die Huffington Post. In Zukunft gehen beide Hand in Hand. Für die erstaunliche Summe von 315 Millionen Dollar hat AOL die „HuffPo“ gekauft. Chefredakteurin und Gründerin Arianna Huffington leitet zukünftig die „Huffington Post Media Group“, in der auch die Content-Abteilungen von AOL zusammengefasst werden, etwa die auf Lokaljournalismus spezialiserte Seite patch.com sowie zahlreiche weitere Webangebote wie etwa Engadget oder TechCrunch. Insgesamt zählt die neue Mediengruppe bis zu 117 Millionen regelmäßige US-Nutzer, weltweit 270 Millionen. Erklärtes Ziel von AOL ist es damit, zum führenden Content-Anbieter im Web aufzusteigen.

HuffPo wird auch weiterhin auf Paid Content verzichten

Arianna Huffington sprach sogar vom gemeinsamen „Sputnik-Moment“. Für die HuffPo selbst würde sich grundsätzlich aber nichts ändern, abgesehen von weitaus besseren Entwicklungsmöglichkeiten: „Far from changing our editorial approach, our culture, or our mission, this moment will be for HuffPost like stepping off a fast-moving train and onto a supersonic jet“, schreibt die Grande Dame des Online-Journalismus in einem Editorial. Da ähnlich wie die HuffPo auch AOL sämtlichen Web-Content schon bisher komplett über Werbeeinnahmen finanziert hat, dürfte eins zumindest auszuschließen sein – der Übergang zu einem Paid Content-Modell.

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Mediengerecht inszenierte Fusion

Angesichts des kreativen Potentials dieser Fusion kommen auch der Konkurrenz die Tränen in die Augen – was aber vielleicht auch an der medialen Inszenierung liegt. Huffington und AOL-Chef Tim Armstrong unterzeichneten nämlich den Merger-Vertrag „at the superbowl in the company of a group of wounded veterans“, wusste ausgerechnet Rupert Murdochs neue iPad-Postille „The Daily“ zu berichten. Bei den Veteranen handelte es sich natürlich um verwundete GIs, nicht um Leidtragende der Zeitungskrise – oder etwa um Mitarbeiter des angeschlagenen Online-Riesens AOL. Während die HuffPo nämlich seit 2010 Gewinne erwirtschaftet, musste AOL zuletzt starke Gewinneinbrüche verkraften. Auch das dürfte die Motivation zur Fusion verstärkt haben.

Vom kollaborativen Modell zur Big Corporation

Eine ganz andere Frage ist natürlich, was die Leser und Mitarbeiter denken. Schließlich geht es hier um den Wechsel vom kollaborativen Medium zur Big Corporation. Die HuffPo lebt neben knapp hundert bezahlten Redakteuren von den Zulieferungen ihrer 6000 unbezahlten Blogger und mehr als einer Million monatlicher Kommentare aus der Community. Tatsächlich löste auch Arianna Huffingtons Editiorial zur Fusion mit AOL in wenigen Stunden tausende Reaktionen aus – viele Leser sorgen sich nun um die politische Unabhängigkeit ihrer Zeitung, die sich bisher als oppositionell und basisorientiert verstand.

Alternativer Online-Journalismus plus Paywall: Mediapart schreibt bald schwarze Zahlen

mediapart-alternative-online-zeitung-frankreichWas Rupert Murdoch mit „The Daily“ auf dem iPad versuchen will, hat die französische Online-Zeitung Mediapart bereits fast geschafft: das 2008 gegründete alternative Blatt existiert nur digital, und wird bald schwarze Zahlen schreiben. „Mit etwas Glück erreichen wir noch dieses Jahr die Rentabilität. Heute haben wir etwa 47.000 Abonnenten. Wenn wir die 50.000 überschreiten, sind wir rentabel“, äußerte sich am Wochenende Mediapart-Redakteurein Géraldine Delacroix gegenüber der taz. Anders als Online-Zeitungen wie etwa die Huffington Post oder die französische Rue.89 verzichtet Mediapart komplett auf Anzeigen und setzt konsequent auf ein Abo-Modell. Nur die Startseite mit den Anreißern kann man kostenlos ansteuern, alle weiteren Inhalte sind hinter einer Paywall verborgen. Lesen kann man Mediapart entweder direkt im Browser, als PDF-Download oder via iPhone-App.

Alternative Tageszeitung als Gegengewicht zum System Sarkozy

Gegründet wurde Mediapart von vier Journalisten, unterstützt durch private Kapitalgeber und prominente Links-Politiker, allen voran Ségolène Royal, die bei der Präsidentschaftswahl 2007 für die Sozialisten gegen Sarkozy kandidierte. Von Anfang an gab es jedoch auch eine starke Web-Community. Mediapart bezeichnet sich nicht umsonst als „digital, unabhängig und partizipatorisch“. Die Website enthält einen Nachrichtenteil (Le Journal) und einen Blogteil (Le Club), in dem sich gleichberechtigt Leser, Journalisten und Aktivisten tummeln. Anders als etwa bei der HuffPo gibt es eine klare Trennungslinie zwischen bezahltem Journalismus & unbezahltem Bloggen. Für den Nachrichtenteil ist eine Kernmannschaft von mittlerweile mehr als zwei Dutzend professionnellen Redakteuren zuständig. Debattiert und kritisiert wird über die Kommentarfunktion wie auch die Community-Blogs von „Le Club“.

Die Bettencourt-Affäre brachte einen Leser-Ansturm

Motivation zur Gründung von Mediapart war u.a. die Wahl von Sarkozy zum Staatspräsidenten – die Macher wollten mit möglichst geringem finanziellen Aufwand eine Alternative zum althergebrachten Mediensystem und seinen politischen wie wirtschaftlichen Verflechtungen schaffen. Gerade in der um Steuerbetrug, Parteispenden und Korruption kreisenden Woerth-Bettencourt-Affäre konnte Mediapart beweisen, wie nützlich ein wirklich unabhängiges Blatt sein kann, etwa, indem brisantes Material nicht zurückgehalten wurde, sondern an die Öffentlichkeit kam. Die Leserinnen und Leser scheinen das zu goutieren – seit dem Höhepunkt der Affäre im Sommer 2010 hat man fast zwanzigtausend Abonnenten hinzugewinnen können.

Teile von Mediapart kann man kostenlos auf englisch lesen

Ähnlich wie bei der alternativen Tageszeitung taz gibt’s bei Mediapart ein gestaffeltes Abosystem, das vom Unterstützer-Abo für 15 Euro pro Monat über den Normalpreis von 9 Euro bis zum Sozial-Abo für 5 Euro reicht. Mediapart ausprobieren kann man übrigens auch, wenn man nicht frankophon ist: Um die Reichweite der Online-Zeitung zu vergrößtern, hat Mediapart im Herbst 2010 eine inhaltlich eingeschränkte englische Version gestartet, die sich auf Übersetzungen des französischen Originals stützt. Momentan ist „Mediapart English“ noch kostenlos zu lesen, mittelfristig soll aber auch der Ableger in ein Abomodell überführt werden.

Amazon verkauft erstmals mehr Kindle-E-Books als Paperback-Ausgaben

amazon-e-books-toppen-printWiedereinmal kann Amazon ein paar Rekorde vermelden: das letzte Quartal war dank Kindle&Co. das bisher erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. Erstmals wurde mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz gemacht, und erstmals wurden mehr E-Books als Paperbacks verkauft. Seit Anfang Januar kamen auf 100 verkaufte Paperbacks 115 E-Books. Bereits im Juli 2010 hatten Kindle-E-Books zahlenmäßig die Hardcoverausgaben überholt. Das war jedoch auch leicht erklärbar – schließlich sind die meisten Kindle-Ausgaben deutlich günstiger als die jeweiligen Hardcover-Versionen. Der eigentliche Wettbewerb findet zwischen E-Books und den preislich nah beeinander liegenden Taschenbüchern statt, hier kreisen die Preise auch bei vielen Bestsellern um die 10 Euro-Schwelle. Entscheidend für den neuen Verkaufsrekord war offenbar der Start des Kindle 3, der im vergangenen Sommer mit verbessertem Display (Pearl-E-Ink) und zum branchenweit ungeschlagenen Niedrigpreis von 139 Dollar (WiFi-Version) in den Handel kam. Besonders viele Kindle-Reader wurden während des Weihnachtsgeschäfts verkauft, was sich zu Beginn des neuen Jahres etwa bei der Bestseller-Liste von USA Today bemerkbar machte – erstmals bestand die Top 20 mehr als zur Hälfte aus elektronischen Titeln. Einer Forrester-Prognose zufolge könnte der Marktanteil von E-Books in den USA schon bis 2014 auf mehr als 50 Prozent steigen.

Boogie Board statt Notizblock: neuartiges LCD-Tablet funktioniert (fast) ohne Strom

boogie-board-elektronisches-schreibenDas Boogie Board bringt uns der Utopie vom elektronischen Papier wieder einen Schritt näher – vor allem, was das Schreiben betrifft. Ein druckempfindliches LCD-Display macht schnelle Notizen, Kritzeleien oder Skizzen möglich, Strom wird nur für den Page-Refresh benötigt. Ähnlich wie bei Wunderblock oder Schiefertafel funktioniert das Boogie Board allerdings nach dem Tabula rasa-Prinzip: die Displayinhalte lassen sich nicht speichern. Für 30 Dollar ist das Boogie Board etwa bei Amazon.com erhältlich – inklusive Transporkosten zahlen deutsche Kunden etwas mehr als 50 Euro.

Schreiben per Finger, Stift oder Pinsel

Ursprünglich versteht man unter Boogie Board ja eine Art Miniatur-Surfbrett. Doch mittlerweile gibt es auch ein Boogie Board für Landratten – das 8,9-Zoll-Gerät ist eine interessante Mischung aus den analogen Vorgängern Wunderblock und Schiefertafel. Das druckempfindliche LCD-Display lässt sich per Finger, Stift oder Pinsel beschreiben. Die besondere Beschaffenheit des Boogie Boards macht neben Notizen auch Zeichnungen mit Schraffur möglich – die Dicke der Striche hängt davon ab, wie stark man aufdrückt. Der besondere Clou: Strom verbraucht wird dabei überhaupt nicht. Nur zum Löschen des Displays muss eine minimale Spannung anliegen, die von einer kleinen Knopfzelle im Gehäuse geliefert wird (auswechseln lässt sie sich leider nicht). Gespeichert werden kann der Inhalt des Boogie Boards in der Basisversion allerdings nicht – es ist ähnlich wie seine analogen Vorbilder tatsächlich nur für flüchtige Notizen oder Skizzen gedacht. Geliefert wird das vollfunktionsfähige Gerät mit Teleskop-Stylus, irgendwelche Anschlüsse oder oder einen Einschaltknopf gibt es nicht – das Boogie Board besteht nur aus Display und Lösch-Knopf.

Boogie Board ist besser als E-Ink plus Touch-Screen

„The next time you reach for a piece of paper and a pen – Don’t! Grab a Boogie Board instead, the tree-friendly alternative“, begeistert sich die Website des Herstellers improv Electronics. Mindensten 50.000 Beschreibvorgänge soll das Gerät aushalten, das wäre auf jeden Fall ein ziemlich hoher Stapel Papier. Obwohl ein Notizblock ohne Speicherfunktion doch etwas skuril anmutet, schlagen die Boogie Board-Macher eine ganze Reihe von Anwendungsgebieten vor – etwa für Lehrer, Football-Trainer, Krankenschwestern oder Künstler. Überall dort also, wo man schnell mal etwas aufschreiben oder skizzieren möchte. Auf dem Boogie Board-Blog wird sogar der Einsatz für Hobby-Piloten empfohlen, die sich Flugdaten notieren möchten – sozusagen „on the fly“. Viele E-Reader mit Touch-Screen und Stylus – zuletzt etwa Sonys neue Modelle – bringen eine ganz ähnliche Funktion mit. Im Gegensatz zu solchen E-Ink-Lösungen reagiert das LCD-Display des Boogie Boards allerdings weitaus schneller und exakter. Auf den Hands-on-Videos sieht die Nutzung ähnlich unkompliziert aus wie mit Stift und Papier. Wer professionell zeichnen will, und zudem nicht nur monochrom, ist aber wohl auch weiterhin mit iPad-Ergänzungen wie dem Pogo Sketch Stylus oder einem Wacom-Stifttablett für den Desktop am besten bedient.

Web-Comic für „Holy-Scrollers“: „Wormworld-Saga“ setzt auf das Prinzip der unendlichen Leinwand

Wormworldsaga ist ein Web-Comic der besonderen Art – die vor kurzem gestartete Fantasy-Serie von Daniel Lieske lässt sich im Browser komplett durchscrollen. Der Gütersloher Computerspiel-Gestalter und Zeichner setzt im Unterschied zu den meisten anderen E-Comic-Machern auf das Prinzip der „infinite canvas“. Ungewöhnlich für deutsche Comic-Künstler ist auch die Wahl der Sprache – Lieske textete von Anfang auf Englisch, um die größtmögliche Reichweite zu erhalten. Das erste Kapitel der Wormworld-Saga ist seit Dezember 2010 online.

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Zwischen Manga-Stil und Videospiel-Ästhetik

„Comics neu erfinden“ („Reinventing Comics“) lautet der legendäre Titel eines Buches von US-Comic-Papst Scott McCloud, Untertitel: „Wie Vorstellungskraft und Technik eine Kunstform erneuern“. Die Technik, um die es McCloud dabei geht, ist das Internet. Eine der Ideen, die McCloud in seinem 2001 erschienenen Bestseller vorbrachte, war die „unendliche Leinwand“ („infinite canvas“). Nicht umsonst stieß Daniel Lieskes Wormworldsaga denn auch auf einhelliges Lob beim großen Meister. In seinem Blog schrieb McCloud nach dem Start des deutschen Webcomics: „Besonders beindruckt mich Lieskes Raumgefühl, das sehr seltene Erlebnis, in eine umfassend ausgeführte neue Welt einzutauchen. Sehr geschickt nutzt Lieske Establishing Shots, um die Übergänge zwischen den einzelnen Panels zu gestalten.“ Lieskes Webcomic ist auf ein internationales Publikum ausgerichtet – nicht nur durch die Wahl der englischen Sprache. Zeichnerisch ist die Geschichte vom kleinen Jungen, der im Landhaus seiner Großmutter durch ein Gemälde in eine Fantasiewelt eintritt, deutlich am Manga-Stil geschult, aber auch an hochwertiger Videospiel-Ästhetik.

„Die Navigation fühlt sich einfach natürlich an“

Mit dem endlos scrollbaren Webcomic bewegt sich Lieske allerdings fern jeglichen Mainstreams. Die meisten Webcomics setzen nämlich auf das Seitenprinzip – pro Folge eine neue Web-Page. Dank WordPress-Plugins wie etwa Comic Press ist das Veröffentlichen von Comics im Internet rein technisch tatsächlich schon mit dem normalen Bloggen identisch. Das führt zu hohen Klickzahlen, und ist auch für die Platzierung von Werbebannern ideal. Gerade bei den innovativen Autoren stößt das Umblättern allerdings auf Widerstände, es gilt als zu nah dran an den Zwängen der Gutenberg-Galaxis. Zuletzt hatte sich etwa der Journalist und Sachbuchautor Jürgen Neffe mit seiner endlos durchlaufenden „Libroid“-App auf die Seite der „Holy Scrollers“ geschlagen. Ähnlich denkt auch Lieske – dem Berliner Tagesspiegel gegenüber erklärte der Web-Comic-Zeichner: „Die Navigation fühlt sich einfach natürlich an. Man kommt auf eine Webseite und es ist völlig natürlich, runterzuscrollen. Du musst es niemandem erklären, es ist der natürlichste Reflex jedes Web-Users, der mehr sehen will.“ Aktualisiert wird die Wormworld-Saga nicht scheibchenweise, sondern Kapitel für Kapitel. Lieske hat sich vorgenommen, vier solcher Abschnitte innerhalb von zwölf Monaten zu schaffen – wenn die Finanzierung klappt.

Im Webshop gibt’s handsignierte Digital-Prints der Wormworld-Saga

Da eine Printfassung nicht nur aus formalen (bzw. Format-)Gründen nicht geplant ist, probiert Lieske andere Formen der Vermarktung aus. Spenden via Paypal oder Flattr gehören ebenso zum Konzept wie das Sponsoring durch Anzeigenkunden. Anfang Januar ging zudem ein Webshop online, in dem man exklusive Digital-Prints aus der Feder des Wormworldsaga-Zeichners erwerben kann. Um dieses Angebot auch Sammlern schmackhaft zu machen, sind alle Drucke sind mit Unterschrift und Stempel versehen. Das Interesse der Leser hat Lieske selbst überrascht – das erste Kapitel von der Wormworld-Saga ging am 25.12. online und hatte mittlerweile bereits 150.000 Pageviews. Lieskes Gesamtkonzept scheint aufzugehen – durch die Wahl von Englisch als Webcomic-Sprache ist die Zahl der potentiellen Leser sehr groß, vor allem dürften sich auch Leser aus den USA und Großbritannien angezogen fühlen, Länder, in denen elektronische Comics schon stärker zum Teil der digitalen Alltagskultur geworden sind.

Abb.: Wormworldsaga.com

E-Book-Verleih als Geschäftsmodell: „Kindle Lending Club“ finanziert sich über Affiliate-Links

kindle-lending-clubAmazons Ausleih-Funktion für Kindle-E-Books zieht weitere Kreise: ein Startup aus Kanada hat das „Lending-Feature“ als Geschäftsidee entdeckt. Ziel des anvisierten „Kindle Lending Clubs“ (KLC) ist es, online möglichst viele Leihgeber und Ausleihende in Kontakt zu bringen. Werden die Leser in den zur Verfügung stehenden 14 Tagen mit der Lektüre nicht fertig, bietet ihnen KLC einen Affiliate-Link an, um das E-Book im Kindle-Store zu erwerben. Gründerin Catherine MacDonald hat mit dem Modell des Ausleih-Clubs bereits erste Erfahrungen sammeln können – sie startete nämlich bereits Anfang Januar die Facebook-Seite „Kindle Lending Club“, über die in kurzer Zeit bereits mehr als 1000 Kindle-E-Books verliehen wurden.

Egal ob Nook oder Kindle – die Leser vernetzen sich

E-Books verleihen kommt immer mehr in Mode – angefangen hatte damit Amazons wichtigster Konkurrent Barnes&Noble. Um die neuen Nook-Reader noch attraktiver zu machen, startete die größte US-Buchhandelskette bereits im letzten Jahr das „Lend-Me“-Programm. Gedacht war die Verleihfunktion eigentlich eher für den privaten Rahmen. Wie so oft eigneten sich die Nutzer die neue Möglichkeit jedoch auf ihre Weise an – und gründeten mit Hilfe von Social-Media-Plattformen neue Verleih-Netzwerke und Online-Clubs. Ähnlich schnell waren die Kindle-Nutzer, kaum das Ende Dezember das „Lending-Feature“ verfügbar war. Catherine McDonalds „Kindle Lending Club“ auf Facebook startete am Silvesterabend, und hat nun bereits mehr als 4000 Unterstützer.

Nutzung des Kindle Lending Clubs bleibt kostenlos

Für die Nutzer von kindlelendingclub.com soll der Ausleih-Service genauso kostenlos sein wie die Nutzung der Facebook-Community, die Monetarisierung findet ausschließlich über Provisionen statt, die beim nachträglichen Kauf von E-Books fließen : “Ich möchte nicht, das bei der Nutzung der Ausleihfunktion auf unserer Plattform Geld ins Spiel kommt“, so McDonald gegenüber cnet. „Mir gefällt die Idee, das jemand der nicht einmal eine Kreditkarte besitzt trotzdem einfach so ein Buch von jemand anderem ausleihen kann – vielleicht ja jemand in einem Entwicklungsland. Eigentlich machen wir ja auch nichts anderes als früher, Bücher verleihen ist ja nichts neues, aber die Reichweite hat sich geändert, der Akt des Ausleihen hat nun globale Dimensionen erreicht“.

Auch E-Book-Verleih durch Bibliotheken boomt

Von seiten Amazons wurde das neue Projekt bisher nicht kommentiert – was aber auch daran liegen dürfte, dass die Ausleihfunktionen sich im engen Rahmen bewegen: jedes Kindle-E-Book kann vom Besitzer nur einmal für die Dauer von 14 Tagen verliehen werden. Außerdem bleibt es ähnlich wie bei der „Text-to-Speech“-Funktion den jeweiligen Verlagen bzw. Rechteinhabern überlassen, ob das Feature bei einem Titel im Kindle-Store überhaupt aktiviert wird. Die meisten E-Books werden ohnehin wohl auch zukünftig in anderer Form ausgehliehen – nämlich ganz regulär von Bibliotheken. Der in diesem Bereich tätige US-Dienstleister Overdrive meldete für 2010 einen Anstieg der Ausleihen um 200 Prozent, insgesamt wurden mehr als 15 Millionen E-Books ausgeliehen. Overdrive macht für Bibliotheken weltweit mehr als 400.000 Buch-, Musik- und Videotitel in elektronischer Form verfügbar – direkt auf Tablets, Smartphones und E-Readern. In Deutschland ist die „Onleihe“ via Overdrive bisher allerdings nicht möglich. Viele Bibliotheken bieten allerdings basierend auf Adobe Digital Editions den Download von E-Books und Hörbüchern an.

Tablets, Superphones & kaum echte E-Reader: CES bestätigt Trend zum Multifunktions-Gerät

ces-2011-tablet-ereaderEchte E-Reader gab es kaum zu sehen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas – dafür umso mehr Tablets mit E-Reader-Funktionen. Der Konvergenz-Effekt machte sich auch anderswo bemerkbar, etwa beim Trend zum „Superphone“. Das Smartphone der Zukunft ist ein vollwertiger PC, und als solcher zugleich ein E-Lesegerät, das vielleicht statt Android sogar mit Windows läuft. Doch bis dahin ist noch Zeit – vielleicht sogar bis zur Marktreife von farbigem E-Ink, das ebenfalls in Las Vegas zu sehen war.

Elektronik als Show: “Gadgets sind Rock’n’Roll“

„Consumer Electronics Show“ lautet nicht umsonst der Name der größten US-Messe für Unterhaltungselektronik. Die neuesten High-Tech-Trends werden in Las Vegas zum Mega-Event gemacht – man kann auch sagen: „Gadgets sind Rock’n’Roll“. Disco-Licht, Nebelwerfer, Musik aus der Konserve – selbst ein eher nüchterner Zeitgenosse wie Microsoft-Chef Steve Ballmer wird da zum Bühnenstar, ob real oder als Avatar mit Halbglatze. Mitgebracht hatte Ballmer die Botschaft: auch wenn der PC abgelöst wird durch Tablets oder die Superphones der nächsten Generation: Microsoft ist wieder da. Denn das nächste Windows-Betriebssystem soll sich neben Android und Apples iPhone-OS auf dem Markt für Touch-Screen-Geräte etablieren. Der beste E-Reader – um das alte Ballmer-Zitat mal zu modernisieren – wäre dann in Zukunft nicht mehr der PC, sondern das Superphone. Oder eben das Supertablet.

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Es gibt sie noch, die echten Lesegeräte…

Ob wir demnächst wirklich einen winzigen Zentralrechner mit uns herumtragen, auf den zu Hause und im Büro ein wachsender Haufen anzudockender Peripheriegeräte wartet? Dedizierte Lesegeräte zumindest gibt es bis auf weiteres wohl immer noch. Auf der CES waren zwar mehr als 80 Flachrechner zu sehen, manche wie etwa das Motorola Xoom sogar schon mit der neuen Android-3.0-Version „Honeycomb“, doch immerhin auch eine Handvoll E-Reader. Spürbar ist aber der Konvergenz-Effekt: so sind etwa der Nook Color von Barnes&Noble wie auch sein Klon Pandigital Multimedia Novel eigentlich Android-Tablets mit künstlich eingeschränktem Funktionsumfang. Ähnlich wie Amazon ist Barnes&Noble zudem dank eigener Apps (neuerdings auch mit „Nook Kids“) auf iPad & iPhone präsent. Auch der Hersteller Onyx setzt neben E-Ink mittlerweile auf LCD-Farb-Display – auf der CES war die eine farbige 9,7-Zoll-Version der Boox M-Serie zu sehen, ebenfalls mit Android-Oberfläche.

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Google & die Cloud: “Millions of books on the go“

Umgekehrt sind natürlich auch viele der vorgestellten Android-Tablets potentielle E-Reader. Google ließ es sich nicht nehmen, im offiziellen Promotion-Video für Android Honeycomb auf die Einbindung von Google eBooks hinzuweisen: „millions of books on the go“. Eher ein Exot blieben in Las Vegas dagegen bisher Sharps Galapagos-Tablets, die bisher nur in Japan zu haben sind. Die in einer zehn und einer fünf Zoll-Version produzierten Geräte unterstützen in ihrer geplanten US-Ausführung die Darstellung von epub-E-Books – und laufen bisher offenbar auf einer Linux-Basis. Neben der in Japan erhältlichen WiFi-Version soll es zukünftig auch eine UMTS-Option geben. Speziell auf elektronisches Lesen ausgerichtet ist übrigens auch das auf der CES vorgestellte Dual-Screen-Tablet von NES – der Android-Basis laufende „LT-W Cloud Communicator“ – mal abgesehen von der Akkulaufzeit (magere fünf Stunden).

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E-Ink lebt – und wird schärfer und bunter

Da können E-Ink-Nutzer nur müde lächeln – und zudem auf einige Highlights auf der CES verweisen. Einge Aufmerksamkeit konnte etwa iRiver mit der neuen „HD“-Version des Story-Readers auf sich lenken. Das neue WiFi-Lesegerät kommt nämlich mit einer bisher für E-Ink-6-Zoller unbekannten Auflösung von 1024×768 Pixeln. Spätestens im Mai soll es auch in Deutschland zu haben sein. Etwas länger auf sich warten lassen dürfte Hanvons neuer 9-Zoll-Reader mit farbigem E-Ink, der ebenfalls auf der CES präsentiert wurde. Die Darstellung auf dem Display wirkt jedoch noch ziemlich verwaschen, das Grundproblem der Farbdarstellung per E-Ink-Technologie scheint also immer noch ungelöst – nicht umsonst hat ja etwa Amazon bisher auch auf den Einbau von farbigen Displays verzichtet. Den goldenen Mittelweg könnte die von Qualcomm entwickelte Mirasol-Technologie ebnen. Diese wahlweise hintergrundbeleuchtete (bei Kunstlicht) oder reflexive (im Sonnenlicht) Displaytechnik war auf der CES in Form eines Prototyps zu sehen. Viele E-Reader-Hersteller werden wohl bis auf weiteres eine Doppelstrategie fahren – und sowohl auf reine E-Ink-Geräte wie auch auf Tablets setzen. Bestes Beispiel dafür ist Pocketbook: auf der CES war das Unternehmen nicht nur mit 6- und 9-Zoll-E-Ink-Geräten angekündigt, sondern auch mit einem 7-Zoll-Tablet mit Mirasol-Display.

Das Fernsehen & seine Leser: Nutzung von Videotext hat deutlich zugenommen

videotext-30-jahre-ard-hbbtv-ifa.gifElektronisch gelesen wird in Deutschland nicht nur auf zahllosen Displays, sondern auch auf der guten alten Mattscheibe – dank Videotext nämlich. Und das mit ständig wachsender Leserschaft: allein im Jahr 2010 hat die Zahl der Nutzer noch einmal kräftig zugenommen, von 15,7 auf 16,2 Millionen. Videotext-Nutzer lasen durchschnittlich sechs Minuten und 54 Sekunden pro Tag, mehr als eine halbe Minute länger als noch 2009. Hauptgrund dafür ist die insgesamt gestiegene Fernsehdauer. Denn mit 223 Minuten pro Tag war der TV-Konsum pro Zuschauer im Jahr 2010 so hoch wie noch nie in der deutschen Fernsehgeschichte.

Beim Videotext haben ARD & ZDF die Nase vorn

Besonders beliebt bei den Zuschauern sind Videotext-Angebote wie aktuelle Sportergebnisse, Wetterdaten und Nachrichten-Schlagzeilen. Zuwachs kann aber auch die Untertitelung verzeichnen, mittlerweile sind zur Hauptsendezeit der ARD zwei Drittel der Sendungen auch für Hörgeschädigte nutzbar. Ohnehin sind die öffentlich-rechtlichen bei den Buchstaben auf dem Bildschirm Marktführer: laut GfK-Fernsehforschung haben ARD und ZDF in punkto Videotext mit einem Marktanteil von 18 bzw. 14 Prozent die Nase leicht vorn, mittlerweile allerdings dicht gefolgt von vergleichbaren Angeboten der Privatsender RTL, SAT 1 und Pro 7.

Hybrid-TV bringt Videotext auf die Multimedia-Flatscreens

Videotext gab es schon einige Jahre vor Gründung der Privaten: Seit 1980 werden die grob gepixelten Informationstafeln dem TV-Signal beigemischt und von einem speziellen Dekoder auf den Bildschirm gebracht – erst im letzten Jahr konnten der Videotext von ARD & ZDF den dreißigsten Geburtstag feiern. Elektronische Programm-Guides (EPG) im digitalen Fernsehen haben allerdings begonnen, den klassischen Infotafeln den Rang abzulaufen. Über den Umweg Internet könnte der Videotext aber auch im Zeitalter von Hybrid-TV auf die flachen Screens hypermoderner Fernseher kommen. Auch auf Mobilgeräten muss man übrigens nicht auf Videotext verzichten – über diverse Apps kommen so etwa die mehr als 800 täglich aktualisierten Infotafeln von ARD & ZDF auch auf Smartphones & Tablets.

(via heise.de)