Self-Publishing mit Create Space – ein Erfahrungsbericht

Ja, es gibt sie noch, die Leser von Papierbüchern. Und es sind so viele, dass Amazon jetzt eine Möglichkeit geschaffen hat, Bücher von verlagsunabhängigen Autoren neben der Ausgabe als E-Book auch drucken zu lassen. Das realisiert Amazon über seine Tochterfirma CreateSpace. In den USA gab es das schon länger, und seit einigen Wochen nun auch bei uns. Diese Möglichkeit musste ich natürlich sofort ausprobieren. Mein Roman „Krieg um den Mond“ bot sich ideal dafür an. Er stand als E-Book von Januar bis Mai in den Amazon-Bestsellerlisten, und ich habe immer wieder Anfragen nach einer Print-Ausgabe bekommen. Also, eine spannende Story war da und Interesse der Leser ebenfalls.

Bevor ich angefangen habe, spielte ich auf einer der CreateSpace-Seiten mit möglichen Preisen herum, ob sich der Aufwand auch rechnet, denn bei zahlreichen PoD-Anbietern geht zwar vieles, aber am Ende steht ein utopischer Preis. Ergebnis: Mein Buch lässt sich tatsächlich zu einem für Leser guten Preis realisieren und es lohnt sich sogar für den Autor. Also los! Ein Account bei CreateSpace ist schnell eingerichtet. Die Menüführung ist in Englisch, ich konnte ihr aber leicht folgen. Hier spürt man, dass Amazon viel Erfahrung mit Autoren hat. Am besten wählt man „Guided Tour“, bei der man in Einzelschritten durch den gesamten Prozess geführt wird und an grünen Punkten sehr schön ablesen kann, was man schon erfolgreich bewältigt hat.

Am Anfang steht die Qual der Wahl. Welches Format ist das richtige und welches Papier nehme ich? Beim Format habe ich mich an den Büchern orientiert, die ich im Regal stehen habe und die gut in der Hand liegen. Weil „Krieg um den Mond“ auf fast 500 Normseiten kommt, entschied ich mich für ein großformatiges Taschenbuch, 5,25×8 Inches (Amazon gibt die Zentimeter in Klammern an). Das drückt die Seitenzahl auf 390 und damit auch den Endpreis. Die ISBN bekommt man bei CreateSpace gratis, wofür man in Deutschland ca. 80 Euro hinblättern müsste.

Bei Inhalt und Cover gibt es eine Menge Freiheiten – auf die ich alle verzichtet habe. Amazon bietet gute Vorlagen, bei denen ich mich auf der sicheren Seite wusste. Ich hatte keine Lust auf Formatierungsprobleme, die es dann auch nicht gab. Wer etwas Besonderes will, kann es gerne gestalten. Ich wollte nur ein ganz „normales“ Buch. Das Cover und die Rückseite habe ich mit einem gewöhnlichen Web-Design-Programm gestaltet und jeweils als Foto (.jpg) hochgeladen. Beim Text bietet Amazon eine Word-Vorlage, die ich per Copy and Paste gefüllt und als PDF hochgeladen habe. Da kann ziemlich wenig schiefgehen. Trotzdem baut Amazon jede Menge Prüfungen ein, was ich sehr gut finde. Schließlich möchte ich meinen Lesern gute Qualität liefern. Teils erfolgen die Prüfungen automatisch (z. B. ob das Cover eine ausreichende Auflösung für den Druck hat), teils erfolgt sie durch richtige Menschen. Sowas gibt es tatsächlich auch bei Amazon. Die sehen sich in einem Review das Endprodukt an, bevor es mir zu einer letzten Prüfung freigegeben wird. Das ist tatsächlich auch kostenlos.

Ein paar Hürden will ich nicht verschweigen. Wer ein Buch selbst herausbringt, sollte mal einen Blick in das Pressegesetz des Bundeslandes, in dem er lebt, werfen. Auch ein Buch braucht ein Impressum, und das sollte alles nötige enthalten. Und dann braucht man noch eine US-Steuernummer. (Oh Schreck!) Zum Glück bietet Amazon ein ausgefülltes Beispielformular, bei dem ich im Prinzip nur Name und Adresse ändern musste. (Erleichterung!) Das kann man per Post schicken, faxen oder einfach anrufen. Ich habe es gefaxt und dann doch angerufen, weil ich zu ungeduldig war. Vor der endültigen Freigabe für den Verkauf darf man nochmals alles prüfen. Das geht online, per downloadbarem PDF oder indem man sich ein Prüfexemplar schicken lässt. Habe ich alles drei gemacht, weil ich einfach wissen wollte, ob’s geht.

Falls mal etwas schiefgeht, gibt es noch einen Support. Ich hatte unerfahrenerweise weißes Papier gewählt, was ich online nicht mehr ändern konnte. Eine Mail an den Support. und sie haben die Änderung in „Cream“ sogar für mich gemacht.

Jetzt halte ich das fertige Buch in der Hand. Ich bin erstaunt über die Qualität, die einem Verlagsbuch in nichts nachsteht. Ich habe schon schlechtere Verlagsbücher in Händen gehalten. Erstaunt bin ich auch, wie schnell man das Buch bekommt, schließlich wird es für jeden Leser extra gedruckt. Am Samstag bei Amazon bestellt, am Montag hatte ich’s schon zu Hause. Und Staunen zum Dritten: Diese ganze Sache kostet erstmal NICHTS. Als Autor brauche ich kein Kapital, nur meine Zeit und Kreativität. Und dann kommt noch ein Endpreis heraus, der für jeden Leser ganz normal ist. Meine 390 Seiten kosten als hochwertiges, großes Taschenbuch (manche würden sagen „broschiert“) 12,80 Euro. Und verdienen tue ich auch noch etwas dran. Natürlich keine 70%, wie bei E-Books, aber es ist immer noch besser, als mein Anteil an meinem Verlagsbuch. Hier werden viele andere Anbieter ihr Geschäftsmodell überdenken müssen, zumal Amazon auch noch einen attraktiven Vertriebsweg bietet. In den USA kann man für 25$ die Option wählen, dass das Buch auch in allen Buchhandlungen erhältlich ist. Das geht in Deutschland noch (!) nicht. Aber Amazon ist ja nicht unattraktiv, zumal wenn das Buch neben einem E-Book daherkommt.

Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass der Verkauf gut anläuft. Wie üblich hält einen Amazon stündlich aktualisiert auf dem Laufenden – und setzt auch damit Maßstäbe an Transparenz, wie sie der Rest des Buchhandels bei Weitem nicht bietet.

Fazit: Mit einer neuen Materie muss man sich natürlich vertraut machen, aber Amazon hilft mit seinem durchdachten Konzept, guten Vorlagen und zur Not mit einem schnellen, freundlichen Support. Hier hat jeder Autor die Chance zu einem eigenen Buch, ohne dabei arm zu werden (weil er viele Leistungen im Voraus zahlen muss) oder alt zu werden (weil die Verlage doch sehr zögerlich mit Zusagen sind). Ob der Autor dabei reich wird, ist eine andere Frage, die nichts mehr mit Amazon zu tun hat ;-) Mich hat dieses Konzept jedenfalls überzeugt. „Krieg um den Mond“ wird nicht mein letztes Buch mit CreateSpace bleiben.

Autor & Copyright: Klaus Seibel
Mehr Infos zu Klaus Seibels Romanen gibt’s auf der Autoren-Hompage.

„Flat-Out Love“: Jeff Bezos promotet Self-Publishing-Autorin auf der Amazon-Startseite

Eine bessere Promotion kann man sich kaum vorstellen: zwei Tage lang warb Amazon.com diese Woche auf der Startseite für „Flat-Out Love“, das neueste Buch von Self-Publishing-Autorin Jessica Park. Anstelle der normalen Seitenansicht prangte auf der weltweit wohl meistbesuchten Shopping-Adresse ein „persönlicher“ Brief von Jeff Bezos. Dem Amazon-Chef war offenbar ein Blog-Artikel der Schriftstellerin aufgefallen – Titel: „Wie Amazon mein Leben gerettet hat“. In dem via IndieReader & HuffPo veröffentlichten Mini-Essay schreibt Park über den steinigen Weg zum Erfolg. Wobei die meisten Steine von klassischen Verlagen stammten, die ihre Manuskripte abgelehnt hatten. „Bin ich bei manchen dieser Ablehnungen in Tränen ausgebrochen? Ja. Habe ich mich ungerecht behandelt gefühlt, unbegabt, verletzt? Ja. Habe ich an meiner Fähigkeit gezweifelt, eine Geschichte zu schreiben, in die sich meine Leser verlieben können? Darauf könnt ihr wetten“, so zitiert Bezos in seinem Kundenbrief die Erfahrungen der Self-Publishing-Autorin.

„Wer schreibt, sucht vor allem Kontakt mit den Lesern“

„Es ist eine herzerfrischende Geschichte“, resümiert Bezos, „und sie zeigt auf besondere Weise, was KDP möglich macht“. Tatsächlich schaffte Park nämlich den Durchbruch als Autorin erst über das Kindle Direkt Publishing-Programm. Abgesehen von der Kindle-Version ist „Flat-Out Love“ über Amazons Print-On-Demand-Schiene Create Space auch als Papierversion zu haben. Interessanterweise schreibt Park in ihrem IndieReader-Blogpost, sie würde sich erst jetzt als wirkliche Schriftstellerin fühlen: „Einer der Hauptgründe, warum ich schreibe, ist der Kontakt mit den Lesern, nicht der Kontakt mit Verlagen. In Wahrheit ist es mir ziemlich egal, was irgendwelche New Yorker Verleger oder Lektoren denken“. Ähnlich würde es letztlich auch den Lesern gehen: „Sie lesen um des Inhalts willen, nicht weil auf dem Cover das Emblem eines großen Verlages klebt.“

Ausbruch aus publizistischem „Stockholm-Syndrom“

Bevor Park zum Self-Publishing-Star werden konnte, musste sie also erst einmal den Glauben an das bisherige Literatursystem verlieren. Nicht umsonst hätten manche das Verhältnis von Autoren und Verlagen als publizistische Variante des „Stockholm-Syndroms“ bezeichnet: „Monatelang hatte ich gedacht, ich brauche einen großen Verleger, um berechtigterweise den Titel einer Schriftstellerin führen zu können. Ich dachte, ohne die Verlage könnten meine Bücher nicht in den Vertrieb gelangen, und die Leser würden ohne die Unterstützung der Verlage mein Buch nicht akzeptieren.“ Zugleich sei sie damit wohl der Überzeugung gewesen, man müsse sich als Autorin über den Tisch ziehen lassen, schlechte Bezahlung akzeptieren und zudem die Festlegung von „idiotisch“ kalkulierten Buchpreisen und Covern: „Ich war offenbar von Sinnen.“

Im Kindle-Store ist jeder 5. Bestseller ein Indie-Titel

Kein Wunder also, dass Amazon (zusammen mit anderen an Parks Erfolg beteiligte Self-Publishing-Portalen) in diesem Fall ein Autoren-Leben gerettet hat. „Sagt was ihr wollt über dieses Unternehmen, aber es ermöglicht mir, weiterzuschreiben.“ Inzwischen erhält die gut verdiendende Autorin von „Flat-Out Love“ zwar auch Angebote von Verlagen. Doch vergleichbare Tantiemen wie Amazon können die natürlich nicht bieten. Ähnlich dürfte es auch vielen anderen Independent-Autoren gehen. Tatsächlich stammt mittlerweile schon jeder fünfte Bestseller im den Top 100 des US-Kindle-Stores aus dem Kindle-Direkt-Publishing-Programm. Obwohl es dort zahlreiche Promotion-Möglichkeiten gibt, von Sonderangeboten bis zum Gratis-Marketing, bleibt natürlich die persönliche Empfehlung durch Jeff Bezos die absolute Ausnahme. Ob es auch mal ein deutscher Autor bei Amazon.de auf die Titelseite schafft?

Abb.: Screenshot

Create Space – ein Quick-Guide

Amazon eröffnet mit Create Space Autoren völlig neue Wege und Möglichkeiten, Bücher als Printexemplare unabhängig von Verlagen zu veröffentlichen und direkt über Amazons Online-Store zu vertreiben. Warum also nicht auch mitmachen? Der Einstieg stellt kein Problem dar: ein Create Space Konto anlegen, Nutzungsbedingungen akzeptieren – und los geht’s. Wenn alles korrekt verlaufen ist, befindet man sich nach dem Einloggen im Dashboard von Create Space. Links oben sieht man den Namen, den man bei der Anmeldung angegeben hat, sowie die Member ID. Rechts daneben steht die Royalty Balance – die nach einer Neuanmeldung natürlich auf Null steht. In wenigen Tagen jedoch sollte hier der eine oder andere Euro angezeigt werden, wenn Du Dein Werk bereits an den Leser bringen konntest.

Unten siehst Du das Projektfeld – hier werden Deine Bücher aufgelistet –, und genau hier geht es mit einem Klick auf „Add New Title“ weiter. Ab jetzt wird es ernst – Du erstellst Dein erstes Buch mit Create Space.

Im sich öffnenden Fenster muss nun der Titel des Werks eingegeben werden. Anschließend die Projektart – Du willst am Ende ein Buch, also Paperback – auswählen. An diesem Punkt rate ich zu der „Guided“-Variante, die nun Schritt-für-Schritt durch die Bucherstellung führt. Hast Du diesen Prozess einmal durchlaufen, kann für künftige Projekte durchaus auch der „Expert-Mode“ gewählt werden.

Die folgenden Schritte sind selbsterklärend: Autor, weitere Mitwirkende sowie der Buchklappentext müssen eingegeben werden. Mit „Save&Continue“ bestätigen. Weiter geht es mit der ISBN – genau wie Smashwords bietet Create Space kostenlose ISBNs. Will man diese nutzen, wird Create Space automatisch als Verlag eingetragen – registriert wird die ISBN bei BooksInPrint.com, die ISBN ist eine US-ISBN. An dieser Stelle kann natürlich auch eine eigene ISBN sowie der eigene Verlag – so man diesen hat – eingetragen werden. Wählt man die kostenlose Variante aus und bestätigt diese, kann die ISBN nicht mehr geändert werden.

Auf der nächsten Seite widmest Du Dich dem Buch selbst. Hier müssen die Druckart, die Papierfarbe sowie die Buchgröße bestimmt werden. Für einen Roman im Taschenbuchformat wäre dies z. B. Black&White, Paper Color Cream sowie eine Größe von 5“x8“ (was nicht exakt dem deutschen Taschenbuch entspricht …). Jetzt könntest Du Deinen Text hochladen – wenn das Format stimmen würde. Je nach vorheriger Auswahl muss die Worddatei entsprechend formatiert werden. Als Hilfe dazu bietet Create Space fertig formatierte Templates an, in die man seinen Text hineinkopieren kann. Ist die Buchdatei fertig formatiert und gesetzt, kann diese hochgeladen werden. Create Space wandelt diese dann in ein PDF um. Alternativ kann direkt ein PDF hochgeladen werden – sinnvoll, wenn z. B. Schriften eingebettet sind. Die Datei wird nach dem Upload von Create Space überprüft, was je nach Umfang zwischen zwei und fünf Minuten dauert. Im Idealfall meldet Create Space keine Fehler. Auf jeden Fall solltest Du Dir im Interior Reviewer Deine Buchdatei noch einmal gründlich ansehen, bevor Du diese freigibst. Zeigt Create Space Fehler an – ausmerzen!

Wenn Du diese Hürde genommen hast, geht es an das Buchcover. Ganz links in der Seitennavigation auf „How to make a cover PDF“ klicken. Jetzt nicht verwundert oder entsetzt die Augen reiben, denn man muss nicht rechnen. Am Ende von Punkt zwei der Anleitung steht „Download Cover Templates“ – hier bist Du richtig. Einfach die Auswahlfelder ausfüllen (die Seitenzahl seines Werks muss man natürlich wissen) und Du bekommst eine gepackte Datei, die ein PNG sowie ein PDF mit den für Dein Buch richtigen Maßen enthält. Jetzt kannst Du mit einem Bildbearbeitungsprogramm, welches mit Ebenen arbeitet (Gimp, Photoshop), das Cover erstellen. Alles Wichtige dazu steht auf der Vorlage selbst. Ist das Cover fertig, hochladen. Die kostenpflichtige Möglichkeit, mithilfe eines Cover-Designers zu arbeiten, besteht natürlich auch.

Am Ziel angekommen. Die letzte Seite zeigt eine Übersicht: Autor, ISBN, Buch und Coverdatei. Wenn alles richtig ist, genügt der Klick auf „Submit Files for Review“, um Create Space das Werk auf „Druckbarkeit“ überprüfen zu lassen. Der Vorgang dauert ca. 48 Stunden.

Du bist fast fertig. Über den Punkt „Distribute“ werden die Verkaufsplattformen ausgewählt. Die „Expanded Distribution“ kann für $25 dazugekauft werden. Beim Preis heißt es aufpassen, denn bei der Eingabe des Euro-Preises muss die Mehrwertsteuer von 7% abgezogen werden – Create Space will Netto-Preise. Zu guter Letzt die „Description“ ergänzen – fertig!

Nach der erfolgreichen Prüfung durch Create Space kannst und solltest Du ein letztes Mal das endgültige Buch prüfen – entweder in der Online-Vorschau, als PDF-Download oder als Testexemplar, welches günstig gekauft werden kann – Achtung: hier wird eine Kreditkarte benötigt. Alles passt, ist richtig gesetzt? Impressum ist vollständig? Keine Leerseiten im Buch? Glückwunsch! Gib Dein Buch frei für den Verkauf – in spätestens zwei Tagen ist es bei Amazon erhältlich.

Zuletzt ein Hinweis zur TIN – es wird keine benötigt. Benötigt wird nur der Tax Reporting Name sowie der Business Type. Create Space bietet noch jede Menge mehr – probiert es aus!

Autorin & Copyright: Emily Bold
Crossposting via emilybold.de

Kleiner Tipp der Redaktion: Bei Amazon gibt’s dank Create Space jetzt Emily Bolds Romane Gefährliche Intrigen, Blacksoul sowie Mitternachtsfalke als Taschenbuch (jeweils zum Preis von knapp 10 Euro).

Neue Chancen für Self-Publisher: Amazon startet Print-On-Demand in Europa („Create Space“)

Für Verlage und Buchhandel dürfte es ein Alptraum sein, für Self-Publishing-Autoren dagegen eine große Chance: Die digitalen Druckmaschinen der Amazon-Tochter Create Space arbeiten nun erstmals auch mitten in Europa, und machen damit Print-On-Demand-Titel schnell und günstig lieferbar. Der Vertrieb findet über Amazon-Stores in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien sowie Italien statt. Ähnlich wie in Amazons Kindle-Direkt-Publishing-Programm können Autoren bei Create Space ihr Manuskript sowie Cover hochladen, formatieren und kostenlos veröffentlichen.

Create Space bietet europäischen Autoren dabei dieselben Vorteile, von denen seit 2007 bereits ihre US-Kollegen profitieren: „Die Bücher werden am selben Tag versandt, für den Kunden fallen keine Versandkosten an, zudem gelten die üblichen Bedingungen für Amazon-Prime-Mitglieder“, so die Amazon-Tochter in einer Pressemitteilung. Außerdem verspricht CreateSpace „industry-leading royalties“, also die besten Tantiemen der gesamten Buchbranche, ohne dass Autoren ihre Rechte an böse Verwerter abtreten müssen. Doch stimmt das tatsächlich? Wir haben mal nachgerechnet.

Ein Preiskalkulator ermöglicht es nämlich, bei Create Space die voraussichtliche Gewinnspanne vorab zu berechnen. Ein Buch in schwarz-weiß mit 120 Seiten im Format 6 mal 9 Zoll (ca. 15 x 22 cm) erzielt bei einem anvisierten Verkaufspreis von 10 Euro beispielsweise 3,96 Euro Tantiemen, also immerhin knapp 40 Prozent. Der Preiskalkulator der deutschen Print-On-Demand-Plattform epubli dagegen zeigt bei vergleichbaren Kalkulationsdaten lediglich 1,53 Euro Tantieme an. Selbst wenn man zahlreiche Exemplare vorab drucken lässt, um zusätzliche Rabatte zu erhalten, lassen sich vergleichbare Konditionen bei dem zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehörenden Dienstleister kaum erzielen, zumal jeweils noch deftige Versandkosten hinzukommen.

Besonders interessant für Self-Publisher ist natürlich die Kombination verschiedener Vertriebswege. Doch auch hier liegt Amazon deutlich vorn. Schließlich kann man ab jetzt Kindle-Version und Printbuch auf einer prominenten Plattform parallel anbieten, ohne auf einen zusätzlichen Distributor angewiesen zu sein. Denn die epubli-Tantieme im obigen Beispiel gilt nur für den Verkauf im firmeneigenen Shop. Beim Vertrieb über Amazon liegt bei einem Endpreis von 10 Euro die Tantieme lediglich bei 22 Cent. Erst bei deutlich höheren Verkaufspreisen verbessern sich die Konditionen. Gerade für Self-Publisher, die vorab kein Geld in ihr Projekt investieren möchten und trotzdem möglichst niedrige Endpreise anstreben, könnte Create Space somit in Zukunft das Mittel der Wahl darstellen.