Nur keine Sentimentalitäten: New York Times wirft Comic-Bestsellerlisten raus

nyt-wirft-comic-bestseller-liste-rausMan denkt ja immer, Comics seien längst Kulturgut, voll akzeptiert und arriviert, erst recht überm großen Teich, egal ob als E-Comic oder gedruckt, egal ob „Graphic Novel“ oder populäre Serie. Bester Beweis — bisher, leider ab Februar nicht mehr — die New York Times. Im Jahr 2009 hatte das Blatt nämlich Comic-Bestseller-Listen eingeführt, parallel zum Kinostart von „Watchmen“, und mit dem Ritterschlag-Argument: „Comics have finally joined the mainstream“.

„Experiment fand keinen Anklang bei Lesern“

Neben mehr als einem Dutzend diverser Bestseller-Listen für Sachbücher und Belletristik gab es seitdem drei Comic-Rankings: Hardcover Graphic Novels, Softcover Graphic Novels, sowie Mangas. Ab Februar 2017 ist damit aber schon wieder Schluss — die Graue Lady baut ihre Ressorts und Bericht-Strukturen um, und dabei hat’s u.a. auch die Comics erwischt.

Laut NYT sei das ohnehin nur ein „Experiment“ gewesen, und die Comic-Rankings hätten „keine große Zahl von Lesern erreicht bzw. keinen großen Anklang gefunden“. Eine weitergehende Begründung blieb aus — es werden im Netz aber eine Menge Vermutungen herumgereicht. Darunter das Problem, überhaupt repräsentative Verkaufszahlen aus der oft noch sehr subkulturellen und versprengten Comic-Szene zu sammeln.

Repräsentative Zahlen für Comics Mangelware

„Es gibt keine öffentlich zugänglichen Zahlen, der Superstore comiXology ist intransparent, und der wichtigste Datensammler Comichron zählt nur die Lieferungen an Comic-Shops, nicht die Verkäufe“, fasst etwa Vulture zusammen.
Das wiederum dürfte es für Comics auch schwieriger machen, in die generellen Bestseller-Listen zu gelangen, in denen sie nach Auskunft der NYT prinzipiell durchaus auftauchen können, entsprechende Verkaufszahlen vorausgesetzt.

Fokus auf alternativen Mainstream

Davon mal ganz abgesehen wollen natürlich nicht alle Leser immer nur die üblichen Superhelden vorgesetzt bekommen — genau hier wirkte die Besten-Auslese der NYT als Korrektiv, so Vulture: „Branchenbeobachter haben schon seit längerem darauf hingewiesen, dass die Bestseller-Listen der Times typischerweise nicht von Superheroes, sondern von Young Adult-Titeln dominiert wurden, insbesondere mit weiblichen Protagonisten aus der Feder von „Ghosts“-Erfinderin Raina Telgemeier“. Die Perspektive auf den alternativen Mainstream im Comic-Sektor droht nun aus dem Fokus zu geraten…

(via Vulture.com & Comicsbeat.com)