Neues aus dem Bücherkosmos: Die Umsatzsonne leidet unter Massenverlust, E-Books bleiben weiße Zwerge

buecherkosmos-buchmarkt-2017Gibt es am Ende eine Supernova-Explosion? Oder implodiert sie in ein schwarzes Loch? Die Sonne schrumpft, soviel steht fest, jedes Jahr ein bisschen. Auch die Umsatzsonne auf der aktuellen Buchmarktgrafik des Börsenvereins leidet unter kontinuierlichem Massenverlust: das Zentralgestirn des „Bücherkosmos“ hat im Jahr 2017 mal wieder 1,6 Prozent verloren. Leichtes Wachstum gab es nur in einem Bereich: dem Internetbuchhandel. Die Materienebel des E-Book-Marktes dagegen kreisen und kreisen, aber zur Zündung der Kernfusion fehlt offenbar die kritische Masse — der Umsatzanteil am Gesamtmarkt stagniert bei 4,6 Prozent, die Zahl der Käufer nimmt sogar leicht ab. Nur die Zahl der verkauften E-Books nahm 2017 leicht zu.

Wachstum nur bei Film und Games

Und wo findet überhaupt noch Wachstum statt? Ganz einfach: außerhalb der Gutenberg-Galaxis. Die Filmwirtschaft verzeichnete 2017 ein Umsatzwachstum von 3 Prozent, die Computer- und Videospielbranche sogar ein zweistelliges Plus von 12 Prozent. Die Musikindustrie dagegen stagniert interessanterweise ähnlich wie die Buchbranche — ebenfalls ein Digitalisierungs-Phänomen? Erstmals haben ja kürzlich Streaming und Downloads in Deutschland den CD-Verkauf überholt. Eins muss man aber auch beachten: die Buchbranche blieb auch 2017 mit einem Volumen von 9,13 Mrd. Euro das mächtige Mutterschiff im kulturindustriellen Kosmos — dagegen sind Musik, Film und Games nur kleine Tochterschiffe, selbst zusammengerechnet sind sie noch 2 Mrd. Euro kleiner als der Buchmarkt.

(via Börsenblatt)

E-Book-Markt: Kinder- & Jugendbuch-Bestseller treiben Digital-Umsätze hoch

miss-peregrines-home-for-peculiar-childrenJ. K. Rowling, Ransom Riggs, Peter Larangis – gerade Autoren aus dem Kinder- und Jugendbuch-Sektor gehörten zu den Umsatztreibern des letzten Quartals 2016. Das hat sich hierzulande auch bei E-Books bemerkbar gemacht, der Umsatz mit elektronischer Lektüre wuchs in der Weihnachtssaison um satte 9,5 Prozent. Das meldet der Börsenverein, gießt aber gleich wieder Wasser in den Wein. Denn für das ganze Jahr kam nur ein mageres Wachstum von 2,6 Prozent heraus, der E-Buch-Marktanteil stieg minimal von 4,5 auf 4,6 Prozent.

Absatz steigt, Preise sinken

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich wiederum ein komplexes Gemisch aus widersprüchlichen Trends: Der E-Book-Absatz auf dem Publikumsmarkt stieg nämlich immerhin um 4,1 Prozent, die durchschnittlich pro elektronischem Titel bezahlten Preise sanken jedoch um 1,4 Prozent. Noch verwirrender kommt hinzu: die Zahl der E-Book-Käufer soll im letzten Jahr leicht gesunken sein – sie sank nach Angaben des Börsenvereins um 2,2 Prozent von 3,9 Millionen auf 3,8 Millionen Personen.

Keine realen Umsatzzahlen vorhanden

Weniger Käufer als 2015 insgesamt haben letztes Jahr zugleich in absoluten Zahlen mehr E-Books gekauft, dafür aber pro Band weniger bezahlt. Wobei man wie immer bei solchen Angaben hinzufügen muss: es handelt sich – ärgerlicherweise – nicht um reale Absatzzahlen. Stattdessen serviert der Börsenverein Hochrechnungen auf Grundlage des GfK Consumer Panel Media Scope Buch. Erhoben durch regelmäßige Befragung von 25.000 Personen gelten die Ergebnisse als „repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab zehn Jahren, für insgesamt 67,7 Millionen Menschen“.

Mehr Dynamik durch reduzierte Mehrwertsteuer?

Die Trendmeldungen aus großen Publikumsverlagen zeigten in den letzten Jahren dagegen stets eine weitaus größere Wachstumsdynamik auf dem deutschen E-Book-Markt. Noch mehr Dynamik könnte das real existierende E-Book-Business ab der zweiten Jahreshälte 2017 entfalten, wenn eine neue EU-Richtlinie endlich die Reduzierung der Mehrwertsteuer für elektronische Bücher auf sieben Prozent erlaubt.

Buch ohne Handel ab 2017: Börsenverein macht Buchhandel.de zum Projektmuseum

buchhandel-macht-dichtWer den lokalen Buchhändler seiner Wahl auch bei Online-Käufen unterstützen möchte, hat es bald wieder etwas schwerer: denn auf der Buy-local-affinen Buchhandelsplattform Buchhandel.de gibt’s ab 31. Januar 2017 zwar noch Titelinfos aus dem VLB, aber keine Bücher oder E-Books mehr zu erwerben. Damit entfällt auch die Möglichkeit, beim Shoppen eine der mehr als 800 Partnerbuchhandlungen als Bezugsadresse anzugeben.

Nach Libreka schon die zweite Pleite

Die von der Börsenvereins-Tochter MVB betriebene Plattform war 2014 als Nachfolge-Projekt des glücklosen Endkundenportals Libreka an den Start gegangen — schaffte es jedoch genauso wenig, genügend Umsatz zu generieren, zuletzt lag das Jahresergebnis bei nur mageren 600.000 Euro. Nachdem ein letzter Rettungsversuch in den letzten Monaten fehl schlug, zogen die Betreiber nun erneut den Stöpsel. Damit scheitert wohl auch endgültig der Plan der Buchhandels-Lobbyisten, mit Bordmitteln eine unabhängige Branchen-Adresse im Web zu schaffen, die gegen Amazon bestehen kann.

Wie schafft man mehr Sichtbarkeit?

Die unabhängigen Buchhhändler werden sich somit auch in absehbarer Zukunft zwischen zwei Wegen entscheiden müssen: entweder sie investieren herzhaft in eine eigene Verkaufsplattform, oder sie übernehmen ein Whitelabel-Baukastensystem, wie es u.a. von Barsortimentern (Libri, KNV) oder Mittelständlern wie SoftLevel Communication („Buchhandelsweb.de“) angeboten wird. Am eigentlichen Problem freilich ändert sich nichts: zwischen den Großen mehr virtuelle Sichtbarkeit für die Kleinen zu schaffen bleibt eine Herausforderung…

(via Buchreport.de)

Discoverability heißt Visibility: Berliner Senat & Börsenverein starten Wettbewerb „Digitalen Content sichtbar machen“

ebooks-sichtbar-machen-wettbewerb-berlinHehehe, ja wo sind sie denn, die E-Books? Sie stehen nicht in Regalen, liegen nicht in den Auslagen der Schaufenster, und niemand läuft mit einem E-Book in der Hand durch den Park. Das ist prima, wenn man eh nur gedruckte Bücher vermarkten will. Möchte man aber auch Umsätze mit elektronischen Büchern machen, ist das total doof. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Schrägstrich Landesverband Berlin Bindestrich Brandenburg findet das offenbar total doof. Und hat zusammen mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der „Digitalen Content sichtbar machen“ soll.

Verlagsübergreifend, geräteübergreifend, Volltext

Etwas elaborierter ausgedrückt: Gesucht wird nach einer Möglichkeit, E-Books dem Endkunden „verlagsübergreifend“ wie auch system- und geräteübergreifend „als Volltexte zu präsentieren und zu verkaufen“, egal ob auf Messen oder Konferenzen oder in Buchhandlungen. Erwünscht sind sachdienliche Beiträge von Verlagen und sonstigen KMUs aus der Region sowie von Software-Entwicklern, die einen Businessplan, Marktbeobachtung und Bewertung konkurrierender Ansätze enthalten. Das passt: schließlich gilt Berlin ja auch als ein Startup-Hub in Sachen E-Publishing.

„Vor Ort kuratiertes E-Book-Angebot präsentieren“

Ein paar beispielhafte Anwendungsfelder werden in der Wettbewerbs-Ausschreibung schon mal genannt:
– Auf Buchmessen könnten Verlage ihre gesamten lieferbaren eBook-Titel inkl. (…) Metadaten) auf Touchscreens oder den Devices der Besucher sichtbar machen
– Filterfunktionen könnten helfen, (…) den gesamten Bestand aller lieferbaren eBooks verlagsübergreifend, thematisch eingegrenzt und zielgruppenorientiert sichtbar zu machen, zu sortieren und zu verkaufen.
– Buchhandlungen könnten sich dieser Technologie bedienen, um Kunden ein kuratiertes eBook-Sortiment im Geschäft zu präsentieren

„30.000 Euro für drei gute Ideen“

Dotiert sind Platz 1 bis 3 mit 15.000, 10.000 bzw. 5.000 Euro. Bewerbungen können noch bis zum 30. November 2016 eingereicht werden, die Bekanntgabe der Preisträger findet Anfang 2017 statt. Zur Jury gehören neben Detlef Bluhm (Geschäftsführer des Börsenvereins in Berlin-Brandenburg) auch re:publica-Gründer Andreas Gebhardt, Annika Joscht vom Aufbau-Verlag sowie René Kohl vom Buch- und Medienversand Kohlibri.

(via berlin.de)

Abb.: Thomas Leuthard/Flickr (cc-by-2.0)

Wirtschaftszahlen 2015: E-Books im Bereich Belletristik bei 13 Prozent Umsatzanteil

buchmarkt-in-der-medienrevolutionDer Branchenumsatz ist zwar auf das Niveau von 2005 gesunken, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels freut sich aber trotzdem: trotz „gewaltiger Umbrüche und massiver Medienkonkurrenz“ sei der Umsatz damit „seit zehn Jahren stabil“. Markige Worte, doch bei der gestrigen Vorstellung der Wirtschaftszahlen für 2015 war das noch nicht mal das Zentrum des „Reality Distortion Fields“. Dort stand dann Börsenvereins-Chef Alexander Skipis — den tagesschau.de im Zusammenhang mit dem Thema Multichannel-Strategie so zitiert: „Ich würde sagen, dass reine Online-Händler wie Amazon, der ja nur einen digitalen Vertriebskanal bieten kann, ungefähr dort steht, wo wir vor zehn Jahren waren.“

Stationärer Buchhandel unter 50 Prozent

Manches war aber auch im Buchhandel vor zehn Jahren noch besser. Tatsächlich liegt im Branchenmixder stationäre Buchhandel bei früher unvorstellbar niedrigen 48 Prozent Umsatzanteil am derzeitigen Gesamtkuchen von 9,2 Milliarden Euro. Der klassische Versandbuchhandel ist gar auf 1 Prozent geschrumpft. Das Direktgeschäft der Verlage zusammen mit dem Internet-Buchhandel kommt dagegen auf beinahe 43 Prozent.

E-Books insgesamt bei 4,5 Prozent…

Und was ist mit den E-Books? Nun ja. Den Börsenvereins-Zahlen zufolge — die auf dem GfK Consumer Panel basieren — hat sich der Umsatzanteil (Belletristik, Ratgeber, Sachbuch, ohne Fach- und Schulbuch) bei sinkenden Durchschnittspreisen nur leicht von 4,3 auf 4,5 Prozent hochgearbeitet, die Zahl der E-Book-Leser soll gegenüber 2014 gar nicht zugenommen haben.

…aber im umsatzstarken Bereich Belletristik…

Der niedrige Umsatzanteil von E-Books hat auch damit zu tun, das elektronische Lektüre umsatzmäßig im Bereich Ratgeber & Sachbuch ziemlich schwächelt, fast 90 Prozent der digitalen Umsätze werden mit Belletristik erzielt. In dieser Warengruppe ist der E-Book-Anteil am Umsatz demgemäß deutlich höher.

…bereits bei 13 Prozent Marktanteil

Nimmt man die Börsenvereins-Zahlen als Basis, wurden 2015 mit E-Books etwa 414 Millionen Euro erwirtschaftet, davon ungefähr 370 Millionen Euro mit Belletristik-Titeln. Die Warengruppe Belletristik insgesamt kam 2015 auf einen Umsatzanteil von 31 Prozent, was etwa 2,7 Mrd Euro entspricht. Der E-Book-Anteil daran beträgt etwa 13 Prozent.

E-Book-Marktanteil wuchs 2015 nur noch langsam — glauben zumindest GfK & Börsenverein

ebook-in-deutschland-2015Verhaltenes Wachstum auf niedrigem Niveau, so lässt sich die aktuelle Entwicklung beim E-Book-Umsatzanteil auf dem deutschen Publikumsmarkt zusammenfassen — wenn man den via GfK Consumer Panel ermittelten Zahlen für das Jahr 2015 Glauben schenkt. Demnach kamen die Warengruppen Kinder- und Jugendbuch, Belletristik, Ratgeber und Sachbücher/Lexika im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Marktanteil von 4,5 Prozent, d.h. 0,3 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2014. Den Löwenanteil davon räumte wie gehabt die Roman-Fraktion ab: Belletristik erzeugte 86 Prozent der elektronischen Buchumsätze.

Ein möglicher Grund für das vermeintliche Abebben des Booms: Die Anzahl der E-Book-Käufer in deutschen Landen soll stagnieren. Zu den Nicht-mehr-ganz-so-early-Adoptern digitaler Lektüre gehörten 2015 nämlich 5,7 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren, und damit 3,9 Mio. Menschen. Ein statistisches Déjà-Vu: denn im Jahr 2014 waren es genauso viele.

Allerdings dürften auch diese Zahlen erneut viel Diskussionsbedarf bieten, nachdem erst kürzlich viele Verlagsauslieferer ein ganz anderes Bild gezeichnet haben: der E-Book-Markt grünt und blüht mit deutlich zweistelligem Umsatzplus. Erneut steht somit die Frage im Raum: inwieweit wird das kleine E-Book-Marktsegment mit den hochgerechneten GfK-Zahlen überhaupt korrekt erfasst?

Erst recht Grund für Skepsis besteht, seitdem selbst auf die Zahlen aus dem Printbereich — wenn auch aus etwas anderen Gründen — kein Verlass mehr ist. Gerade erst wurde der vom Börsenverein regelmäßig publizierte „Branchenmonitor Buch“ vorübergehend eingestellt. In einer „Sondermeldung“ an die Abonnenten wurde bekanntgegeben: „Die von GfK Entertainment im Handelspanel Buch erhobenen Daten, auf denen der Branchen-Monitor BUCH basiert, bilden derzeit die tatsächliche Marktentwicklung nicht valide ab“.

Schuld seien Exklusivverträge der Marktforscher mit einzelnen Buchhandelsunternehmen, die ihre Daten unter Verschluss halten — eine repräsentative Marktabdeckung sei derzeit deshalb nicht gewährleistet. Bis zur Leipziger Buchmesse im März wird nun immerhin eine gemeinsame, neue Lösung in Sachen Printmarkt-Statistik angestrebt. Vielleicht ja ein gutes Vorbild für eine ähnliche Kooperation im E-Book-Handel? Welches Bild würde sich wohl bieten, wenn man die realen Marktdaten von Amazon und der Gran Tolino-Koalition vor sich hätte?

Abb.: Infografik des Börsenvereins, Ausschnitt (cc-by-sa-4.0)

E-Book-Alarm: Print-Marktanteil in Deutschland sinkt auf 94,4 Prozent

infografik-boersenverein-e-book-2015Von einem „stetig wachsenden“ E-Book-Markt“ spricht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in der aktuellen Quartalsbilanz Januar bis Juni 2015: um 13,4 Prozent steigerte sich der Umsatzanteil elektronischer Bücher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, E-Books erreichen jetzt 5,6 Prozent Markanteil (Vorjahr: 4,9 Prozent). Umgekehrt ausgedrückt: Print-Bücher haben jetzt „nur“ noch einen Anteil von 94,4 Prozent.

Auch die Zahl der Leser steigt

Stetiges Wachstum ist auch bei der Anzahl der E-Book-Käufer zu verzeichnen: zu ihnen zählt der Börsenverein jetzt 2,9 Millionen Personen (Vorjahr: 2,7 Prozent), ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt auf 4,2 Prozent (Vorjahr: 4,0 Prozent). Grundlage für die präsentierten Daten ist das repräsentative Konsumentenpanel der GfK, für das regelmäßig 25.000 Personen befragt werden.

E-Book-Marktsegmente wachsen unterschiedlich

In einzelnen Bereichen scheint der Markt allerdings deutlich schneller zu wachsen, als es die Börsenvereins-Zahlen nahelegen: vieler (Zwischen-)Buchhändler und Verlage haben zuletzt Zuwächse von bis zu 40 Prozent gemeldet. Betrachtet man den Gesamtmarkt inklusive Schul- und Fachbücher, zeigt sich ebenfall ein anderes Bild: Statista rechnet bis 2020 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 20 Prozent.

Infografik (Ausschnitt): boersenverein.de (cc-by-sa-4.0)

„E-Books entwickeln sich deutlich nach oben“: Verlagsauslieferer melden 40 Prozent Umsatzplus

ebookmarkt-2014-umsatzzahlenIst der E-Book-Boom auch in Deutschland am Abflauen? Magere sieben Prozent Umsatzwachstum im Jahr 2014 meldete der Börsenverein Anfang Juni, und errechnete daraus einen E-Book-Marktanteil von knapp über vier Prozent. Die Datenbasis bildeten dabei nicht reale Bilanzen, sondern „repräsentative“ Verbraucherbefragungen der GfK. Schon damals hatten sich viele Beobachter über diese Zahlen gewundert. Nun legte der Börsenverein ganz andere Zahlen vor: der Zwischenbuchhandel geht von einem durchschnittlichen Umsatzwachstum bei E-Books von 40 Prozent auf 126 Millionen Euro aus. Der Marktanteil würde demnach eher bei 6 Prozent liegen.

„Deutliche Entwicklung nach oben“

Wenn die Zahlen wirklich repräsentativ für die gesamte Branche sind. Ermittelt wurden sie im Rahmen der jährlichen „Logistikumfrage“, an der in diesem Bereich elf Verlagsauslieferer teilnahmen. „Umsatzseitig ist im digitalen Bereich eine deutliche Entwicklung nach oben erkennbar“, zitiert das Börsenblatt Jens Klingelhöfer, Bookwire-Geschäftsführer und Mitglied im Ausschuss für den Zwischenbuchhandel des Börsenvereins. Einfluss auf diese Entwicklung hat wohl auch das gewachsene Angebot, die Zahl der elektronischen Bücher, die die Verlagsauslieferer durchschnittlich im Portfolio haben, kletterte im Vergleich zum Vorjahr deutlich nach oben.

E-Book-Verleih erzielt kaum Umsätze

Weitere interessante Erkenntnisse der „Logistikumfrage“: das epub-Format ist zwar am stärksten verbreitet, PDFs haben jedoch mit 22 Prozent immer noch einen beachtlichen Anteil. Fast der gesamte Umsatz wurde mit der Auslieferung von E-Books an Online-Buchhändler gemacht, nur zwei Prozent dagegen mit digitalen Verleihmodellen, der Direktvertrieb erzielte sogar nur 0,5 Prozent. Jedes zehnte ausgelieferte E-Book wurde gratis verteilt.

(via Buchreport)

Abb.: Plakat des Börsenvereins, „Buch und Buchhandel in Zahlen 2015“ (Ausschnitt)

E-Books wuchsen 2014 leiser, Hörbücher lauter (laut Börsenverein/GfK)

ebooks wachsen leiser hoerbuecher lauterDer Umsatzanteil von E-Books wächst, aber längst nicht mehr so schnell wie früher: im Jahr 2014 stieg ihr Anteil am Publikumsmarkt von 3,9 auf 4,3 Prozent. Das gab der Börsenverein im Vorfeld der Leipziger Buchmesse bekannt. Damit liegt der Marktanteil nur knapp vor physischen Hörbüchern (CDs), die dank starkem Wachstum im letzten Jahr 4,2 Prozent vom Kuchen ergatterten. Die Steigerungsrate bei E-Books flachte dagegen von 60 Prozent im Jahr 2013 auf 7 Prozent im Jahr 2014 ab.

„Die Dynamik nimmt derzeit stark ab, obwohl Lesegeräte mittlerweile sehr verbreitet sind“, so Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller. Es gebe jedoch Hinweise auf weiteres Wachstum: „Auch der online gut aufgestellte Buchhandel vor Ort spürt die steigende Nachfrage nach E-Books“, beobachtet Riethmüller.

Schaut man sich die einzelnen Warengruppen an, zeigen sich jedoch große Unterschiede – mehr als 80 Prozent des E-Book-Umsatzes werden im Bereich Belletristik erzielt, auf Ratgeber, Jugendbuch und Sachbuch enfallen nur jeweils 5 bis 6 Prozent. Da Belletristik umsatzmäßig zugleich die stärkste Warengruppe im Gesamtmarkt (Print plus E-Book) darstellt (ca. 30 Prozent), ist der E-Book-Anteil dort natürlich deutlich höher, die 10 Prozent-Marke dürfte dort längst überschritten sein.

Erhoben werden die E-Book-Absätze und Umsätze vierteljährlich im Rahmen des GfK Consumer Panel Media*Scope, sie beruhen also nicht auf Marktdaten sondern auf einer repräsentativen Verbraucherbefragung (Zahl der Teilnehmer: 25.000 Personen).

Dank GfK wissen wir auch, wie groß der Anteil der E-Book-Käufer an der Gesamtbevölkerung ist: er lag 2014 bei 5,7 Prozent, was fast 4 Millionen Menschen entspricht. 2013 waren es noch 600.000 weniger, die E-Lese-Community wuchs also immerhin um 15 Prozent.

Abb.: James Popsys/Flickr (cc-by-2.0)

In Deutschland nur noch einstellig: Umsatzwachstum bei E-Books verlangsamt sich – aber warum?

Sind Tablets und Smartphones schuld? Das Printbuch? Die Piraten? Fest steht erstmal nur eins: Nach dem Boomjahr 2013 mit einem Umsatzplus von 60 Prozent hat sich das Wachstum bei E-Books in Deutschland deutlich verlangsamt: Die Steigerung zum Vorjahr betrug in den ersten drei Quartalen 2014 nur noch 8 Prozent, der Anteil am Publikumsmarkt wird „nur“ von etwa vier auf etwa 5 Prozent steigen. Das meldete diese Woche der Börsenverein, erhoben wurden diese Zahlen in Kooperation mit der GfK . Die Zahl der E-Book-Käufer unter der Gesamtbevölkerung hat sich ebenfalls nur leicht von 4,1 auf auf 4,9 Prozent erhöht, zu den Kunden im Digitalbereich zählen die Statistiker aktuell ca. 3,3 Millionen Bundesbürger ab 10 Jahren.

Eine ähnlich starke Ablflachung war in letzter Zeit in den USA zu beobachten – dort schienen jedoch die dreistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre ohnehin nicht mehr realistisch, denn der Buchmarkt marschiert überm großen Teich schon stramm auf eine 50/50-Teilung zu, PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostizierte diese Wendemarke kürzlich für das Jahr 2018. In Deutschland dürfte das Potential dagegen noch längst nicht ausgeschöpft sein, allerdings machen sich hierzulande wohl dämpfende Effekte bemerkbar, die man ebenfalls aus den USA kennt: klassische E-Reader haben es gegenüber immer günstigeren Multifunktionsgeräten wie Tablets oder Smartphones immer schwerer, die Medienkonkurrenz im App-Universum wird immer größer.

Bleibt es hierzulande beim einstelligen Wachstum, könnten sich die von PwC für den deutschen Markt im Jahr 2018 prognostizierten Umsatzzahlen als zu hoch angesetzt erweisen – denn die Analysten hatten zuletzt immerhin knapp 800 Millionen Dollar Umsatz vorhergesagt, gegenüber dem aktuellen Wert mehr als doppelt so viel. E-Books hätten dann einen Umsatzanteil von mehr als 12 Prozent. Kommt die elektronische Lektüre auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Tran, sind 8 bis 10 Prozent wohl realistischer. Eins muss man aber beachten: Wie sich die Zahl der tatsächlich gelesenen E-Books (inklusive Gratis-Aktionen, Klassiker, Onleihe, etc.) entwickelt, verraten solche umsatzbezogenen Marktdaten nicht.

Abb.: boersenverein.de (CC-BY-SA-4.0)