DRM-freie Flatrate & Bitcoin-Zahlung: Liebe Buchhändler, kopiert endlich die Piraten!

Der Umbruch in der Warez-Szene geht weiter: nach dem Shutdown von boox.to Ende 2013 hat die bis dahin wichtigste deutsche E-Book-Piratenplattform offenbar unter der Adresse boox.bz ein neues Zuhause gefunden. Noch interessanter scheint momentan jedoch ein anderes Projekt zu sein, das bereits Mitte Dezember online ging: lul.to – was soviel wie „Lesen & Lauschen“ bedeutet. Während viele E-Books wohl aus dem vor einigen Monaten geleakten „Torboox“-Archiv stammen, erklärt das nicht die erstaunliche Größe des Datenbestands, den die lul.to-Macher mit 3 Terabyte angeben. Die einfache Erklärung: zweites Standbein sind tatsächlich Audiobooks, die natürlich deutlich mehr Kilobytes auf die Waage bringen als E-Books. Dazu kommen dann noch zahlreiche E-Comics & E-Papers.

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Optik & Marketing an Branchenstandards orientiert

Das Frontend von lul.to ist weitaus bunter und aufwändiger, als man es von Torboox kennt – die Coverbasierten Rankinglisten orientieren sich stark an den kommerziellen Buchportalen („Neueste Einträge“, „Downloadrangliste“, „Unsere Empfehlungen“). Einen Sinn für Online-Marketing verrät auch der angegliederte „Corporate“-Blog, mit dem die Download-Community bei Laune gehalten wird, inklusive Gewinnspiele & Preisrätsel. Kern des lul.to-Konzeptes ist eine Art Flatrate mit Volumenbegrenzung, für einen Euro lassen sich ca. hundert Titel herunterladen. Das Angebot enthält neben 1-Cent-E-Books bzw. Audiobooks auch kostenlose Titel. Bei der Gewinnung von Neukunden orientieren sich die lul.to-Macher gleichfalls an Branchenstandards: Wer neue User wirbt, bekommt 10 Prozent der jeweiligen Ersteinzahlung gutgeschrieben.

Kopierwürdig: Kopplung von Flatrate & Bitcoins

Besonders bemerkenswert finde ich aber: Nicht nur mit der flexiblen Flatrate sind die Buchpiraten von lul.to dem legalen Zweig der Buchbranche weit voraus, mit der Kopplung an fortschrittliche Zahlungsoptionen setzen sie ebenfalls neue Maßstäbe: neben „Paysafecards“ werden nämlich ganz selbstverständlich auch Bitcoins akzeptiert. Für die deutsche Buchbranche ist die Bezahlung mit der hippen Kryptowährung ein absolutes Novum – und macht mehrfach Sinn. So entfallen nicht nur Transaktionsgebühren, die Bezahlung verläuft zudem praktisch anonym, fast wie mit Bargeld, und Mißbrauch (etwa wie im Fall von Kreditkarten-Daten) ist ausgeschlossen. So bieten ausgerechnet die Buchpiraten aus Kundensicht das datenschutztechnische Optimum: DRM-freie E-Books plus anonymen Einkauf. Da kann man nur sagen: Liebe Buchhändler, kopiert endlich die Buchpiraten! In der Post-Snowden-Ära dürfen potentielle NSA-Kollaborateure wie Adobe oder PayPal im Buchhandel nichts mehr zu suchen haben.