Kobo-Reader im Test: Kein Kindle-Killer made in Kanada, aber ein schönes Einsteiger-Gerät

kobo-reader-test-berichtKanadas pragmatische Antwort auf das Kindle ist der Kobo-Reader. Das solide 6-Zoll-Lesegerät setzt auf schlichtes Design, einfache Benutzung und Low Price: nämlich 129 Dollar. Hinter dem Projekt steckt Indigo Books&Music, die größte kanadische Buchhandelskette. Besonderer Clou: Hundert E-Book-Klassiker sind bereits vorinstalliert. Für weiteren Lesestoff sorgt kobobooks.com, der firmeneigene E-Store. Der Kobo-Reader ist kein reines USB-Gerät – denn via Bluetooth und BlackBerry-Smartphone können E-Books auch online geshoppt werden. E-Book-News hat den Kobo-Reader getestet.

Keep it simple: Der Kobo-Reader ist einfach ein schönes Gerät

Standards wie E-Ink und 6-Zoll-Displays lassen viele E-Reader ein wenig geklont aussehen, vor allem wenn sie wie so oft von Netronix stammen. Beim Kunden punkten kann man deswegen vor allem beim Gehäusedesign und der Benutzeroberfläche. Kaum jemandem ist das so gut gelungen wie den Machern des Kobo-Readers. Der Reader macht nicht nur einen äußerst robusten Eindruck, durch schlichte und farblich abgestimmte Gestaltung handelt es sich ganz einfach um ein schönes Gerät. Die gummierte Rückseite lässt ähnlich wie beim Kindle den Kobo-Reader gut in der Hand liegen, mit 221 Gramm ist es außerdem etwas leichter. Bedient wird der Kobo-Reader hauptsächlich über einen blauen Multifunktions-Button direkt unter dem Display – der fühlt sich durch seinen Gummiüberzug allerdings etwas merkwürdig an. An der linken Kante befinden sich vier weitere Steuerknöpfe: Home-Button, Menu-Button, Display-Button sowie Back-Button. Über den Display-Button lassen sich Font-Stil und Fontgröße direkt wählen. An der Oberkante findet man neben dem blauen Einschaltknopf auch einen Einschub für SD-Karten (max. 4 Gigabyte). Zum Lieferumfang gehört neben dem Kobo-Reader selbst noch ein USB-Ladekabel und der Quickstart-Guide.

Der „Shelf-View“ zeigt die E-Bibliothek im iBooks-Stil

Besondere Sorgfalt wurde auch auf das Look&Feel der Benutzeroberfläche gelegt. Der “Shelf-View” zeigt die E-Bibliothek als virtuelles Bücherregal, ähnlich wie bei iBooks. Verfügbar ist aber auch eine ansprechend gestaltete Liste, wahlweise mit oder ohne Coverbildern. Getreu der Devise “Get lost in reading, not in technology” sind die Optionen allerdings eingeschränkt -- man kann zwischen 5 Zoomstufen wählen und zwischen zwei Schrifttypen, mit Serifen oder ohne. Auch die per Knopfdruck eingeblendeten Menus sind ein echter Augenschmaus. Etwas spartanisch ist allerdings auch die Liste der unterstützten E-Book-Formate. Der Kobo-Reader akzeptiert epub und PDF-Dokumente, sowohl mit wie auch ohne Adobes DRM-Kopierschutz. Um E-Books vom Laptop oder Desktop auf den Kobo-Reader zu übertragen, muss die „Kobo Desktop Application“ vorhanden sein. Sie installiert sich beim ersten Herstellen der USB-Verbindung unter Windows XP/7 bzw. Mac OS X automatisch. Um den integrierten E-Store zu nutzen, ist zudem eine (kostenlose) Registrierung bei Kobo erforderlich.

“Turning off is your E-Reader is like closing a real book“

Wichtigstes Lese-Instrument auf dem E-Ink-Screen ist die „I’m Reading“-Seite. Sie erscheint beim Starten des Kobo-Reader, auf ihr sind die zuletzt gelesenen E-Books aufgelistet. Ein Klick auf den gewünschten Titel führt direkt auf die zuletzt gelesene Seite. Wird der Kobo-Reader ausgeschaltet, erscheint auf dem Display das Cover des aktuell gelesenen Buches. Und bleibt dort, bis das Gerät wieder eingeschaltet wird. “Turning off your Kobo eReader is like closing a real book, another reminder your eReader is more book than device”, sagt der Hersteller über dieses Feature. Bereits die hundert vorinstallierten Klassiker glänzen mit liebevoll gestalteten Titelbildern, die auch im ausgeschalteten Zustand daran erinnern, was man gerade liest. Weitere Public Domain-Titel findet man im Kobo-E-Store. Das Lesen auf dem Kobo-Reader ist äußerst angenehm, selbst im Vergleich zum Kindle – nur beim Kontrast gibt es Unterschiede, denn Pearl-E-Ink bietet Kobo in der aktuellen Version noch nicht.

Über Umwege kommt der Kobo-Reader auch nach Europa

Wer ein BlackBerry-Smartphone sein eigen nennt, bleibt nicht auf das mitgelieferte USB-Kabel angewiesen. Hat man auf dem Handy die Kobo-App installiert, kann man die E-Bibliothek nämlich via Bluetooth auf dem Reader drahtlos synchronisieren. Wer ein Handy anderer Hersteller besitzt, bleibt allerdings von diesem Service bis auf weiteres ausgeschlossen. Eine weitere Möglichkeit, E-Books „händisch“ auf das Gerät zu bringen, eröffnet natürlich der SD-Kartenslot. So lassen sich nicht nur epubs über, sondern auch PDFs übertragen. Weitere Formate soll der Kobo-Reader in Zukunft nach Herstellerangaben ebenfalls unterstützen. Vermarktet wird der Kobo-Reader mittlerweile via Borders nicht nur in den USA, sondern auch in Australien und Neuseeland. Europa blieb bisher außen vor, zumindest offiziell – blame it on Kobo & Canada. Über Dienstleister wie etwa viadress.com kann man sich jedoch eine virtuelle US-Adresse -- besser gesagt eine Art Postfach -- besorgen. Gegen eine Bearbeitungsgebühr werden von dieser Adresse aus dann in den USA online geshoppte Artikel an die Heimatadresse weitergeschickt. Bei tendenziell fallenden Preisen könnte sich das in Zukunft durchaus lohnen. Mit dem schlichten Look&Feel hat der Kobo-Reader das Potenzial zu einem echten Einsteigergerät für alle, die auf ihrem Reader vor allem eins wollen: lesen.

Kobo-Reader Specs


Größe

184mm x 120mm x 10mm

Gewicht

221g

Display

6” E Ink mit 8 Graustufen

Interner Speicher

1 GB

Externer Speicher

max. 4 GB

E-Book-Formate

Epub (DRM), PDF

Schnittstellen

USB, Bluetooth (nur via BlackBerry)

Preis

129,90 Dollar (Borders USA)

Akkulaufzeit

Bis zu 2 Wochen

Lieferbare Farben

Weiß, Schwarz

Smartphones als E-Reader: Amazon spendiert Kindle-App für BlackBerry

Kindle fuer Blackberry Smartphone Amazon E-Book E-Reader.gifNach dem iPhone folgt das BlackBerry: Amazon macht seine Kindle-App nun auch für das weltweit beliebteste Smartphone verfügbar. Vorerst richtet sich das Angebot allerdings nur an US-Kunden. Eingeschränkt ist auch die Funktionalität: Bestimmte Kindle-Features wie Scrolling, Stichwortsuche und Anmerkungen werden zur Zeit noch nicht unterstützt. Die Kindle-App läuft auf allen neueren BlackBerrys aus der Curve-, Bold- und Storm-Serie.

Mit der BlackBerry-App ist Amazon ist zukünftig auf 20 Prozent aller Smartphones präsent


Die Kindle-App wird immer mobiler: nach PC-Desktops und dem iPhone ist jetzt also das BlackBerry dran. Damit ist Amazon auf einen Schlag auf mehr als 20 Prozent aller Smartphones präsent – so groß ist nämlich mittlerweile der Marktanteil des kanadischen Herstellers RIM (Research in Motion), der 2002 das erste echte BlackBerry auf den Markt brachte. Die Benutzeroberfläche der Smartphones ist ähnlich wie Apples iPhone OS offen für Anwendungen von Drittanbietern – wie etwa Amazon. Besonderen Mehrwert verspricht die neue App für Leser, die bereits einen Kindle besitzen – sie haben über Amazons Server Zugriff auf alle bereits gekauften E-Books. Synchronisieren lassen sich außerdem die auf anderen Geräten gesetzten Lesezeichen. Die Blackberry-App ist jedoch auch als Stand-Alone-Anwendung benutzbar – durch eine integrierte Einkaufs-Funktion („In-App-Store“) kann man Kindle-Books auch direkt vom Smartphone aus shoppen.

Am besten eignet sich Blackberrys „Storm“-Serie – denn das Design ähnelt dem iPhone


Unterstützt werden alle neueren Blackberry-Geräte – doch fragt sich natürlich, ob die Nutzung der App auch auf allen Geräten Sinn macht. Vom Design her sind die meisten BlackBerrys immer noch für das Schreiben von E-Mails optimiert – die untere Hälfte nimmt eine Qwerty-Tastatur ein, die obere Hälfte ein Display im Querformat, zumeist mit einer Auflösung von 480×360 oder 480×320 Pixel. Damit sind die Blackberrys der Bold- und Curve-Serie zwar die einzigen Geräte, die ähnlich wie das Original-Kindle eine vollwertige Tastatur mitbringen – besonders günstig zum Lesen von E-Books ist das Querformat allerdings nicht. Am besten geeignet dürfte die neue BlackBerry „Storm“-Serie sein, mit dem RIM dem iPhone Konkurrenz machen will. Das Display ist im Hochkant-Format angeordnet (360×480 Pixel), und statt Qwerty-Tastatur und Trackball wird es per Touch-Screen bedient.