Bestseller-Listen bald genauer? Media Control erhält Daten von Amazon

alles-kaese„Media Control: Wie die Medien uns manipulieren“ – ein schönes Motto! Wäre Noam Chomskys gleichnamiges Sachbuch (erschienen 2013) ein Megaseller auf Amazon.de geworden, hätte die GfK den Schmöker möglicherweise zum allgemeinen Bestseller nominiert, Media Control (& damit u.a. die SPIEGEL-Bestsellerliste) wohl nicht. Denn im Krieg um die Daten galt lange Zeit: die GfK darf Amazon-Verkaufsdaten nutzen, Media Control dagegen nicht.

Im Krieg um die Daten verlieren alle

Dafür wiederum hielten sich lange Zeit große Buchhandels-Player wie Thalia und KNV gegenüber der GfK bedeckt. So nach dem Motto: nur wer von uns mit Marktforschung beauftragt wird, erhält auch unsere Daten. Und auch eBuch, Deutschland größte Buchhandelsgenossenschaft, lieferte Daten exklusiv an Media Control. Das Ergebnis war allerdings: es gab überhaupt keine Bestseller-Liste mit allgemeingültigem Anspruch. Alle waren Verlierer, mal abgesehen von Media Control und GfK.

„Jetzt inklusive Amazon“

Irgendwann aber hatte die Branche ein Einsehen, und man schloss das eine oder andere Gentlemen’s Agreement. Letzte Etappe: Media Control erhält repräsentative Verkaufsdaten vom Marktführer des Online-Buchhandels. „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Media Control-Handelspanel jetzt inklusive Amazon ist“, habe das Buch-Team von Media Control seinen Kunden diese Woche mitgeteilt, berichtet Buchreport. Bisher wurde nämlich schlicht „der E-Commerce aus den Daten kleinerer Online-Shops hochgerechnet“.

Bis auf weiteres alles Käse?

Man darf also gespannt sein, inwieweit sich unterschiedliche Bestseller-Listen, etwa die GfK-gepowerte des Börsenvereins (Platz eins bei Hardcover Belletristik derzeit: „Gregs Tagebuch 11 — Alles Käse“) oder die Meddiacontrolte des SPIEGELs (Platz eins derzeit: „Harry Potter und das verwunschene Kind“) in den kommenden Monaten angleichen. Vielleicht tun sie es, vielleicht auch nicht. Selbst wenn, wird wohl die alte Branchenweisheit in Sachen Medienkontrolle weiter gelten: Bestsellerlisten bilden nicht den realen Buchmarkt ab, sie werden gemacht.

Kein Sex, keine Katzen, kurze Sätze? Der DNA des Bestsellers auf der Spur

the-bestseller-codeManchmal kann auch ein Buch über Bestseller das Potential zum Bestseller haben. So etwa „The Bestseller Code – Anatomy of the Blockbuster Novel“: Die Autoren Jodie Archer & Matthew L. Jockers haben einen Algorithmus entwickelt, mit dem sie sozusagen der DNA von potentiellen Erfolgsromanen auf die Spur gekommen sein wollen – und stellen in ihrem derzeit heiß diskutierten Sachbuch die Grundlagen ihrer Arbeit vor.

Da Vinci Code, oder: das Rätsel des Erfolgs

Am Anfang des Projekts stand der verblüffende Erfolg von Dan Browns Megaseller „The Da Vinci Code“ (darauf spielt ja auch der Titel an) — wie kam es dazu, das von diesem Thriller mehr als 80 Millionen Exemplare weltweit abgesetzt werden konnten? Am Marketing alleine konnte es jedenfalls nicht liegen, meinte die britische Publishing-Expertin Jodie Archer, und machte sich zusammen mit Stanford-Wissenschaftler Matthew L. Jockers an die computergestützte Text-Analyse…

Trefferquote 80 Prozent

Aus einem Pool von 20.000 Titeln kann ihr Programm angeblich inzwischen satte 80 Prozent der darin enthaltenen New York Times-Bestseller herausfiltert. Erfolgskriterien bei der Textanalyse sind u.a.: Junge, starke Helden, kaum Sex, kurze Sätze, Hunde statt Katzen, etc. Besonders lesenswert, so hat man den Verdacht, sind am Ende aber vielleicht genau die 20 Prozent, die vom Bestseller-Code nicht erkannt wurden.

Algorithmen als Hilfsmittel für Lektoren?

Nicht umsonst heißt es wohl auch in der Überschrift eines Wired-Artikels, der die Hintergrund-Story des „Bestseller-Codes“ beleuchtet: „Algorithms could save book publishing — but ruin novels“. Archer & Jockers allerdings sehen es dagegen eher umgekehrt: mit Hilfe der Software könnten Lektoren auf Bücher aufmerksam werden, denen sie ansonsten keine Chancen einräumen würden.

(via Buchreport & Wired)

„Shades of Grey“ meistverkauftes E-Book 2012 (laut Mediacontrol)

Der Buchmarkt globalisiert sich – angetrieben durch Blockbuster wie die „Shades of Grey“-Trilogie. Auch in Deutschland gehörte die heiß diskutierte Erotik-Serie aus der Feder von E.L. James zu den meistverkauften Büchern des Jahres 2012. Nicht nur im Print, sondern auch bei den E-Books: wie Mediacontrol berichtet, gehen die Podiumsplätze der Bestseller-Liste im Bereich Belletristik sogar ganz chronologisch an die an die Teile eins („Geheimes Verlangen“), zwei („Gefährliche Liebe“) und drei („Befreite Lust“). Gleich danach kam Jonas Jonassons Rentner-Krimi „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, am unteren Ende der Top 5 landete Luca Di Fulvios im New York der 1920er Jahre angesiedelte Geschichte „Der Junge, der Träume schenkte“.

Sachbuch-Bestseller: Steve Jobs verpasst Platz 1

Die Jahresbestseller im Bereich Sachbuch werden von Biographien angeführt. Steve Jobs hat es jedoch nicht ganz an die Spitze geschafft: Walter Isaacsons kurz nach dem Tod des Apple-Gründers veröffentlichte Studie eroberte nur Platz zwei. Der Pokal ging stattdessen an Philippe Pozzo di Borgos Lebensgeschichte „Ziemlich beste Freunde“, die unter dem selben Titel auch im Kino Erfolge feierte. Auf die Biographien folgen Rolf Dobellis „Kunst des klaren Denkens“ sowie „Psycho? Logisch!“ von Volker Kitz und Manuel Tusch. Ein digitales Comeback erlebte Hape Kerkelings schon 2006 im Print erschienener Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ – das E-Book schaffte es 2012 immerhin auf Platz Fünf des Rankings.

Wurden Self-Publishing-Titel herausgefiltert?

Seit März 2012 erstellt Mediacontrol monatlich eine Rangfolge der meistverkauften E-Books in Deuschland – veröffentlicht werden die Daten u.a. bei Spiegel Online wie auch im Börsenblatt. Als Grundlage für die Ermittlung der Bestseller dienen Verkaufszahlen wichtiger Online-Portale. Ein erster Anlauf der GfK war bereits im Herbst 2010 erfolgt, dann jedoch wegen zu geringer Umsatzzahlen gleich wieder abgebrochen worden. Doch auch die 2. Auflage des Rankings stieß auf Kritik: „E-Book-spezifische Trends werden einfach weggelassen“, beschwerte sich etwa Meedia über den „sattsam bekannten Mix“ aus Verlags-Bestsellern. Tatsächlich bleiben Self-Publishing-Titel von Mediacontrol offenbar unberücksichtigt – obwohl sie im besonders marktrelevanten Kindle Store die Top 20 der Jahresbestseller beherrschen.

Abb.: flickr/twicepix (cc)

Christ-Kindle-Effekt: E-Books stürmen die Bestseller-Liste von USA Today

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Millionen E-Reader lagen unter amerikanischen Christbäumen – das macht sich nun auch in den Bestseller-Listen bemerkbar, etwa in der Tageszeitung USA Today. Bereits einen Tag im voraus gab die Redaktion bekannt, was man als einen „land slide victory“ bezeichnen könnte: unter den Top 50 der meistgekauften Titel befinden sich neben Paperback- und Hardcoverausgaben plötzlich 19 E-Books. Schon seit einiger Zeit hatte USA Today elektronische Versionen in das Bestseller-Ranking eingereiht, bisher waren jedoch nie mehr als zwei Titel zur selben Zeit auf den vorderen Plätzen. Seit heute ist die aktuelle Liste online – wir haben schon mal reingeschaut…

Millenium-Trilogie von Stieg Larsson als E-Bestseller Nr. 1

Besonders abgeräumt hat Stieg Larsson – die drei Bände der Millenium-Trilogie besetzen nur drei von vier Positionen unter den Top 4. Kein Wunder: Die Knopf Doubleday Publishing Group soll alleine in der Weihnachtswoche 165.000 elektronische Larssons und 155.000 Printversionen verkauft haben. Die E-Book-Ausgabe von John Grishams Thriller „The Confession“ schaffte es auf Platz drei. Das erste Printbuch findet man überhaupt erst auf Platz Nummer sieben – es ist ein Dean Koontz-Krimi. Unter den ersten zwanzig Titeln findet man insgesamt nur elf Hardcover- oder Paperbackausgaben, unter den Top 50 sieht das Verhältnis etwas „normaler“ aus: 19 E-Books gegen 31 gedruckte Versionen. Verstärkt wird der E-Book-Effekt allerdings durch die Tatsache, dass die Bestseller-Liste von USA Today die Bereiche Belletristik wie Sachbuch umfasst. Trennt man beide Bereiche auf, kann man sehen: im „Non-Fiction“-Bereich überwiegen auch weiterhin Bücher aus Papier. Die Amerikaner waren in den Weihnachtswochen vor allem Weltmeister im Herunterladen von Thrillern, Fantasy-Romanen und Herzschmerz-Novellen.

Wie nachhaltig ist der Trend jenseits vom Download unterm Christbaum?

Doch wie nachhaltig ist dieser Trend? USA Today zitiert Michael Cader, den Gründer des Newsletters „Publishers Lunch“: „What’s most interesting is what happens next week or over the next month. About 3 million to 5 million e-readers were activated last week. Will the people who got them keep downloading e-books, and at what rate?“ In einem Punkt sind sich viele Analysten zumindest einig: der E-Book-Absatz dürfte sich im Jahr 2011 insgesamt im Vergleich zum Vorjahr mindestens verdoppeln. Während sich der Vormarsch der elektronischen Lektüre im Fall von USA Today direkt ablesen lässt, haben E-Books vor kurzem aber auch qualitativ einen Quantensprung hinter sich gebracht. Die New York Times fügt ihren bisherigen Bestseller-Listen in der renommierten Rubrik „Sunday Book Review“ zwei weitere hinzu, und zwar für die bestverkauften E-Book-Titel aus den Bereichen Fiction sowie Non-Fiction.

„The day the Kindle died“: Amazon löscht kritisches E-Book zum Thema Bestseller-Ranking

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Neue Zensur-Vorwürfe gegenüber Amazon: das Unternehmen soll zeitweise einen E-Book-Ratgeber aus dem Programm genommen haben, der sich kritisch mit dem Amazon-Verkaufsrang auseinandersetzt. In „The Day the Kindle died“ beschreibt Thomas Hertog ausführlich, wie es ihm gelang, durch fleißiges Rezensieren, aber auch downloaden einen seiner Titel an die Spitze der betreffenden Bestseller-Kategorie zu bringen. Mittlerweile ist „The Day the Kindle died“ wieder im Kindle-Store aufgetaucht – allerdings ohne Kundenbewertungen.

In 45 Tagen zum Amazon-Bestseller

Zwei geradezu mystische Größen regieren den Erfolg von Internet-Autoren, zum einen Googles Page-Rank, zum anderen das Bestseller-Ranking im Amazon-Store. Die Einstufung von Websites durch die Methoden der „Search Engine Optimization“ (SEO) ist in gewissen Maßen beeinflussbar, was zu einer Flut von Experten-Tipps und ständig aktualisierten Ratgebern geführt hat. Der Weg zum Bestseller-Titel schien dagegen ebenso klar wie steinig: man muss möglichst viele Bücher verkaufen. Wie der US-Autor Thomas Hertog feststellen musste, gibt es jedoch auch Seitenwege, die weitaus schneller zum Erfolg führen. In nur 45 Tagen gelang es ihm, seinen im Jahr 2009 erschienen Finanzratgeber „Wealth Hazards“ an die Spitze der Kategorie „Personal Finance/Budgeting“ zu bringen.

Kundenrezensionen als Katapult für’s Ranking

Der Trick war recht simpel: Hertog hatte fleißig Rezensionen geschrieben und diese wiederum als „hilfreich“ bewertet. Zudem kaufte er einfach zahlreiche Versionen seines E-Books zum Preis von 11,47 Dollar selbst – was offenbar eine lohnenswerte Investition sein kann. Das Kindle-E-Book überholte sogar große Namen wie Donald Trump – obwohl Hertog von seinem eigenen Titel nur 39 Exemplare wirklich an Dritte verkauft hatte. Nun stand er selbst ganz oben im Kindle Store. Das wurde aber auch der Tag, an dem für Hertog das Kindle als Institution endgültig gestorben war – und zugleich die Geburtsstunde des nächsten Titels: „The Day the Kindle died“: „The Kindle experience died because Amazon failed to communicate openly with its customers and explain to them the inaccuracies in Amazon’s use of sales rankings, bestseller lists, customer reviews“, heißt es in der Einleitung.

Der Tag, an dem die Kritik aus dem Kindle-Store verschwand

Amazons eigener Anspruch ist es eigentlich, jedes Buch verfügbar zu machen, unabhängig vom Inhalt: „the good, the bad and the ugly“, wie es Jeff Bezos einmal formuliert hat. An anderer Stelle ließ man gar verlauten: „Amazon believes it is censorship not to sell certain books simply because we or others believe their message is objectionable.“ Doch bei Hertogs Schmähschrift zog man die Notbremse: wie der britische Guardian berichtet, wurde das Anfang Dezember erschienene Buch um den Jahreswechsel aus dem Programm genommen. Neben „The Day the Kindle died“ verschwand auch „Wealth hazards“. Mittlerweile sind beide Titel wieder im Kindle Store zu haben – die Kundenzrensionen wurden allerdings gelöscht, die Bestseller-Position korrigiert. Amazons Ruf dürfte die Aktion nicht verbessert haben. Spätestens, seitdem im Sommer 2009 über Nacht Ausgaben von George Orwells „1984“ auf den Kindle-Readern gelöscht wurden, befindet sich das Unternehmen im Fadenkreuz der Kritik. Das ungebremste Wachstum der Kindle-Community hat allerdings die Gatekeeper-Funktion noch weiter verstärkt.

Endlich etabliert: New York Times veröffentlicht ab 2011 E-Book-Bestsellerlisten

new-york-times-bestseller-e-books Ab Januar 2011 fügt die New York Times ihren Bestseller-Listen zwei weitere hinzu – die bestverkauften E-Book-Titel aus den Bereichen Fiction sowie Non-Fiction, also Belletristik und Sachbuch. Zu diesem Zweck wird die Rubrik „Sunday Book Review“ erweitert, die dann insgesamt 16 Bestseller-Listen für Hardcover-Ausgaben und Paperbacks und elektronische Versionen umfasst. Von den Verkaufszahlen her haben E-Books in den USA sich fest etabliert – in diesem Jahr betrug ihr Anteil an den Buchverkäufen insgesamt bereits 9 Prozent.

“Wir hatten ein Auge auf E-Books, seitdem es sie gibt“

Für elektronische Bücher in den USA ist das so etwas wie der Adelsschlag – nach Paperbacks, Bilderbüchern oder Business-Ratgebern werden nun auch die medial eher flüchtigen E-Books in der altehrwürdigen „Sunday Book Review“ gelistet. Das Internet ist allerdings hier auch schon schneller als das raschelnde Zeitungspapier – denn online man kann die Zahlen bereits eine Woche früher lesen. Ab Januar 2011 nun also inklusive E-Books. Zwei Jahre lang hat die NYT nach eigenen Angaben an einem Tracking-System gearbeitet, mit dem sich E-Book-Verkäufe in ähnlicher Form messen lassen wie im Print-Bereich. „Wir hatten ein Auge auf E-Books, seit dem sie auf dem Markt sind“, zitiert die NYT Janet Elder, Redakteurin im Bereich News Survey. „Es war klar das E-Books einen immer größeren Anteil an den gesamten Verkaufszahlen haben würden, deshalb wollten wir unseren Lesern sagen können, welche Titel sich besonders gut verkaufen und wie das Verhältnis zu den Printverkäufen aussieht.“ Aktuellen Zahlen der Association of American Publishers zufolge ist der Zeitpunkt gut gewählt: denn im Vergleich zum letzten Jahr hat sich von Januar bis August 2010 der Anteil von E-Book-Verkäufen am gesamten Buchmarkt von drei auf neun Prozent nahezu verdreifacht. In Deutschland sind die Zahlen zur Zeit dagegen offenbar noch unter der Nachweisgrenze – eine von MediaControl für diesen Herbst versprochene monatliche E-Bestseller-Liste blieb nämlich bisher aus.

Für Amazon waren die NYT-Bestseller schon immer ein Verkaufsargument

Allerdings ist es auch nicht ganz einfach, an die richtigen Zahlen zu kommen. Im Printbereich sammelt die New York Times etwa Stichproben aus einzelnen Buchhandlungen wie auch Buchhandelsketten – so dass die Bestseller-Listen vor allem etwas über Bücher aussagen, die sich im Einzelhandel als verkaufsstark erwiesen haben. E-Book-Verkaufsszahlen dürften sich dagegen wohl eher an wenigen großen Playern wie Amazon oder Barnes&Noble orientieren – denn die verkaufen schließlich einen Großteil des elektronischen Lesestoffs. Die genaue Technik zur Ermittlung der Zahlen wird aber wohl auch in diesem Bereich ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis der NYT bleiben. Klar ist dagegen die Wirkung der Bestseller-Listen: denn wie Umfragen ergeben haben, interpretiert sie tatsächlich die Mehrheit der Buchkäufer in den USA als eine Art Kauf-Empfehlung. Dabei profitieren vor allem weniger bekannte Autoren, die durch das Auftauchen in der Sunday Book Review plötzlich ein ganz besonderes Qualitätssiegel erhalten. Kein Wunder, dass Anbieter wie Amazon oder Barnes&Noble sich schon seit den Neunziger Jahren besonders gerne bei den NYT-Bestsellern gegenseitig unterbieten. Auch bei E-Books wurde von Anfang an Wert gelegt auf möglichst viele und preisgünstige Titel von der NYT-Bestseller-Liste. Denn gerade mit diesem Argument wollte man potentielle E-Reader-Kunden überzeugen, auf elektronische Tinte umzusteigen. Natürlich gibt es mittlerweile ein weiteres Argument – in den Kaufempfehlungen der Unternehmen tauchen Kindle wie auch Nook selbst als Bestseller auf.

[e-book-review] Zwischen New Age & alten Mysterien: Dan Browns „Verlorenes Symbol“ gibt’s jetzt auch als E-Book

dan-brown-verlorenes-symbol-e-book-review-bestsellerWer Dan Browns Bestseller „Lost Symbol“ als E-Book lesen wollte, war bisher auf die englische Fassung angewiesen. Mit „Das verlorene Symbol“ kommt nun endlich die deutsche Übersetzung auf‘s E-Ink-Display – ein Jahr nach Erscheinen der Druckversion. Nach Schauplätzen wie Rom („Illuminati“) oder Paris („Sakrileg“) löst Browns intellectual hero Robert Langdon diesmal seine Rätsel mitten in Washington. Nicht um Antimaterie oder den heiligen Gral geht‘s dabei, sondern um das verborgene Wissen der Freimaurer. Mit 19,99 Euro ist das E-Book immerhin 6 Euro günstiger als die Hardcover-Ausgabe.

Parforce-Jagd durch die amerikanische Gründungsgeschichte

Dan Brown-Fans sind es gewohnt, dass am Ende für die Romanhelden unerwartetete Ergebnisse stehen. Ein Meteorit in der Arktis, der den Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens birgt? Pustekuchen. Am Ende war in „Meteor“ alles nur eine High-Tech-Verschwörung. (Der englische Titel „Deception Point“ legt das natürlich auch bereits nahe.) Die Suche nach dem heiligen Gral? Der „Davinci-Code“ erweist sich am Ende als eine tausend Jahre alte Ablenkung. Umso gespannter durfte man natürlich auf das „Verlorene Symbol“ sein. Dem „Vermächtnis der Tempelritter“ auf den Spuren hatte bereits Nicolas Cage im gleichnamigen Disney-Blockbuster die Katakomben Washingtons durchsucht – und am Ende reiche Beute gemacht. Für die Zuschauer war das ganze zugleich eine Parforce-Jagd durch die Gründungsgeschichte der USA & die Topographie Washingtons. Ähnliche Aha-Effekte hält mit dem „Verlorenen Symbol“ Dan Brown für die Leser bereit. Vom Kapitol geht’s zur Library of Congress, zum Adams Building und schließlich hinaus zur Washington National Cathedral, ganz am Ende gerät der große Obelisk des Washington Monuments in den Blickpunkt.

Entdeckungen in der Krypta des Kapitols

„Castles, Crypts, Pyramids, temples… it‘s all there“ – pflegt Symbol-Forscher und Harvard-Professor Langdon seinen Schülern die kulturellen Schätze der amerikanische Hauptstadt schmackhaft zu machen. Aber verbirgt sich mitten in Washington tatsächlich ein Portal zu den antiken Mysterien? Der mysteriöse Entführer von Peter Solomon, Direktor des Smithsonian Institutes und ranghoher Freimaurer, scheint daran zu glauben. Um Solomons Leben zu retten, soll nun Langdon den Zugang zum antiken Portal finden. Erster Anhaltspunkt ist eine tätowierte menschliche Hand, die plötzlich in der Rotunde des Kapitols gefunden wird. Außerdem gibt es da noch ein versiegeltes Päckchen, das Langdon für seinen Freund Solomon aufbewahren sollte. In der Krypta des Kapitols stößt Langdon dann auf eine Miniatur-Pyramide mit einer codierten Inschrift. Die Schatzsuche ist eröffnet. Doch auch der CIA beginnt sich für das geheime Portal zu interessieren – und bald befindet sich Langdon auf einer wilden Flucht durch die Straßen von Washington.

Dan Brown-Mix: Wissenschaft, Religion, Heilsgeschichte

Beim reinen Freimaurer-Plot belässt es Brown allerdings nicht- eine parallele Erzählebene dreht sich um die Verbindung antiken Wissens und moderner Physik. Katherine, die Schwester Solomons, forscht im Auftrag des Smithsonian Institutes im Bereich der Noetik, einer Art Grenzwissenschaft, bei der es um die Veränderung der Welt durch Gedankenkraft geht. In einem abgeschirmten Labor des Smithsonian Museums konnte sie bereits bahnbrechende Erfolge erzielen. Das bringt sie nun in Gefahr – denn der Entführer ihres Bruders versucht zu verhindern, dass diese Informationen in die Öffentlichkeit geraten und das elitäre New Age-Wissen zum Mainstream machen. Spätestens hier merkt man natürlich: die Verbindung von Wissenschaft, Religion und Heilsgeschichte bilden auch in „Lost Symbol“ die Grundlage des Plots. Durch die Wahl Washingtons als Schauplatz ist dies nun allerdings auch noch eng mit dem utopischen Gründungsmythos von „God’s own country“ verknüpft. Das Freimaurer-Motto „Ordo ab chao“ (Ordnung aus dem Chaos) passt wohl etwas besser in die Welt nach dem 11. September als „e pluribus unum“. Wie am amerikanischen Wesen nun ganz praktisch die Welt genesen könnte, verrät Dan Brown aber leider nicht.

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Dan Brown,
Das verlorene Symbol (Oktober 2010)
E-Book (epub-Format), 19,99 Euro
Hardcover (Lübbe Thriller) 26,00 Euro

Deutscher Buchpreis unter Strom: Hälfte der Shortlist-Titel ist elektronisch lieferbar

shortlist-buchpreis-e-book-bestsellerDie Shortlist ist da – damit gibt es noch sechs AnwärterInnen auf den deutschen Buchpreis. Die Liste birgt einige Überraschungen, so sind etwa Favoriten des Feuilletons wie Thomas Hettche („Die Liebe der Väter“) oder Kristof Magnusson („Das war ich nicht“) nicht in die engere Auswahl gekommen. Der E-Book-Anteil hat sich zudem deutlich erhöht. Mit den Romanen von Jan Faktor, Peter Wawerzinek und Thomas Lehr ist immerhin die Hälfte der nominierten Titel in elektronischer Form lieferbar. Der Name des endgültigen Preisträgers wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verkündet.

“Welthaltigkeit“ der Literatur – von 1968 bis Nine Eleven

„Poetisch, komisch und experimentell“ seien die Romane auf der Shortlist, so Jurysprecherin Julia Encke zur Auswahl der Finalisten. Das Gemeinsame an den sechs nominierten Titeln sei „in ihrer Welthaltigkeit zu finden“, fügte die FAS-Literaturkritikerin hinzu. In besonderem Maße dürfte das wohl für Thomas Lehrs Post-Nine-Eleven-Roman „September.Fata Morgana“ gelten (siehe unsere E-Book-Review). Skurrile Rückblicke in das Prag der Sechziger Jahre bietet dagegen Jan Faktors eigenwilliger Entwicklungsroman „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“. „Ein Buch wie ein Erdbeben“ ist laut Verlagsprospekt Peter Wawerzineks „Rabenliebe“ – der autobiographische Roman kreist um das Kindheitstrauma des Autors, der bei der Republikflucht seiner Mutter als Waise in der DDR zurückblieb.

Wird der Buchpreis 2010 auch ein E-Book-Preis sein?

Die drei Romane von Lehr, Faktor und Wawerzinek bilden zugleich die elektronische Hälfte der Shortlist – sie sind sämtlich als E-Book im epub-Format lieferbar. Damit steigen zugleich die Chancen, dass der deutsche Buchpreis am Ende auch ein E-Book-Preis ist. Für die Popularisierung qualitativ hochwertiger Gegenwartsliteratur ist das eine wichtige Voraussetzung – gerade Nachwuchsleser nutzen E-Reader oder Smartphones für die Lektüre genauso selbstverständlich wie Hardcover oder Taschenbuch. Leider wurden sie bisher in den meisten Fällen von den Verlagen nicht einmal nachträglich bedient. Von den bisherigen Preisträgern der seit 2005 verliehenen Auszeichnung „Deutscher Buchpreis“ sind bisher nur zwei Titel auf dem E-Reader lesbar – Julia Francks „Mittagsfrau“ (2007) und Kathrin Schmidts „Du stirbst nicht“ (2009). Immerhin gibt es in diesem Jahr bei Libreka eine eigene Buchpreis-Seite mit elektronischen Leseproben aller Titel, die auf die Longlist gelangt sind. In Zukunft sollte sich elektronisches Lesen allerdings nicht nur auf kurze Appetizer beschränken – schließlich enden Taschenbücher ja auch nicht auf Seite 20.


Die Shortlist in alphabetischer Reihenfolge:

  • Jan Faktor,
    Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag
  • Thomas Lehr,
    September. Fata Morgana
  • Melinda Nadj Abonji,
    Tauben fliegen auf
  • Doron Rabinovici,
    Andernorts
  • Peter Wawerzinek,
    Rabenliebe
  • Judith Zander,
    Dinge, die wir heute sagten

(Hier findet man zum Vergleich die E-Books auf der Longlist)

Vampirismus, aber kein Kannibalismus: Stephenie Meyers „Bree Tanner“ ist ein Bestseller – trotz kostenloser E-Book-Version

stephenie-meyer-bree-tanner-biss-zum-sonnenstrahl-e-book-bestsellerBestseller bis(s) zum ersten Sonnenstrahl: Stephenie Meyers Story vom kurzen Leben der Bree Tanner ging alleine am ersten Verkaufstag mehr als 100.000 mal über den Ladentisch. Besonders erfolgreich ist die englischsprachige Version – obwohl es bis Anfang Juli noch eine kostenlose E-Book-Version im Internet gibt. Die Leser bevorzugen aber offenbar Print oder epub, denn in der ersten Woche zählte die Online-Version nur knapp 15.000 Leser.

Den Löwenanteil des Umsatzes sichern sich die Online-Buchhändler

„I wonder how you will feel about Bree“, schreibt Stephenie Meyer im Vorwort ihres neuen Vampir-Romans „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“. Das hängt offenbar davon ab, wo und wie das Buch gelesen wird. In den USA wurde Bree Tanner alleine während der ersten 48 Stunden knapp 350.000 mal verkauft – den Löwenanteil davon sicherten sich allerdings Online-Buchhändler wie Amazon. „Biss zum ersten Sonnenstrahl“ schaffte es bis auf Platz Drei der Amazon-Print-Charts, und war auch im Kindle-Store Spitzenreiter. In Großbritannien gingen in der ersten Woche laut Bookseller.com mehr als 136.000 Bände über den Ladentisch, damit schlägt Stephenie Meyer sogar vormalige Verkaufsrekorde von Bestseller-Autoren wie Patricia Cornwell oder Stieg Larsson.

Branchenüblicher Beißreflex? Buchhändler beklagen sich über kostenlose E-Book-Version

An kleineren Buchhandlungen ging das Geschäft dagegen offenbar vorbei – wie Publisher’s Weekly berichtete, lag die Twilight-Saga-Auskopplung in den USA vielerorts wie Blei in den Regalen. Dass aus dem kurzen Leben der Bree Tanner solchermaßen ein sehr langes wird, führen manche Buchhändler unter anderem auf die kostenlose E-Book-Version im Internet zurück. Ein branchentypischer Beißreflex? Nun mag Meyer zwar mit Bree Tanner zum ersten Mal aus der Perspektive eines echten Vampirs erzählen, doch für die alte Kannibalisierungsthese scheint die Gratis-PR-Aktion nichts herzugeben. Eher zeigen sich hier Verschiebungen zwischen Online-Buchhändlern und großen Verkaufsketten einerseits und dem traditionellen Buchhandel andererseits. Besonders interessant dürfte aus dieser Perspektive die Umsatzentwicklung in Deutschland sein. Die deutsche Übersetzung startete parallel mit der Originalversion am 5. Juni – eine konkurrierende Gratis-Version im Internet gibt es hierzulande aber nicht.

Ob Bree Tanner oder Beedle Bard – für die Leser ist der Wiedererkennungwert bei Spin-Offs zu gering

Vielleicht war der Bree-Tanner-Hype auch einfach nicht mächtig genug – immerhin handelt es sich ja nicht um eine direkte Folge der Twilight-Sage, sondern um ein erzählerisches Nebengleis. Der Verkaufsrekord von „Breaking Dawn“ (Biss zum Ende der Nacht) von 2009 wurde bei weitem verfehlt – damals wurden mehr als eine Million Bände am ersten Tag abgesetzt. Ähnliche Erfahrungen musste Harry-Potter-Autorin J K Rowling mit dem Spin-Off „Tales of the Beedle Bard“ machen. Bestseller sind natürlich Bree Tanner genauso wie Beedle Bard – doch beide kamen sie zu einem Zeitpunkt, als die Autorinnen ihren Zenit bereits überschritten hatten. Stephenie Meyer reagierte darauf taktisch mit der kostenlosen E-Book-Version. J K Rowling dagegen hat sich selbst einer kommerziellen E-Book-Fassung bisher verweigert. Angesichts zurückgehender Print-Verkäufe hat nun aber auch die Harry-Potter-Autorin begonnen, elektronisches Blut zu lecken.

Harry Potter bald als E-Book: Bestseller-Autorin J K Rowling erlaubt elektronische Version

Harry Potter erscheint als E-Book.gifHarry Potter als E-Book? Das gab es bisher nur mit Hilfe von schwarzer Magie, besser gesagt auf illegalen Tauschbörsen. Denn die Autorin J K Rowling lehnte die Veröffentlichung ihrer Bestseller-Reihe auf elektronischem Weg strikt ab. Der ungebrochene E-Book-Boom zeigt nun aber offenbar Wirkung: Rowlings Literaturagent Neil Blair zufolge ist man „aktiv“ auf der Suche nach einem geeigneten Konzept für eine elektronische Ausgabe. Die englischsprachige Harry Potter-Reihe erscheint bisher bei Bloomsbury, die deutsche Übersetzung im Carlsen Verlag.

Harry Potter auf der Leinwand, aber nicht auf dem Display: Bisher lehnte J K Rowling E-Books strikt ab

Die Bewohner der magischen Parallelwelt in den Harry-Potter-Romanen pflegen eine gewisse Ignoranz gegenüber den Segnungen der technischen Moderne. Kein Wunder – sie können ja zaubern. Was elektronische Bücher betrifft, verhält sich J K Rowling ganz ähnlich. Wenn auch etwas aus anderen Motiven: zauberhafte Auflagenhöhen. Die gedruckten Ausgaben der mittlerweile sieben Harry-Potter-Romane haben sich weltweit mehr als 400 Millionen mal verkauft. Als der letzte Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ im Jahr 2007 herauskam, gingen in den USA und Großbritannien allein am ersten Tag mehr als zehn Millionen Bände über den Ladentisch. Neben den Büchern der 1997 gestarteten Serie gab es rasch eine breite Palette an medialen Umsetzungen – von Harry-Potter-Videospielen bis zu Harry-Potter-Kinofilmen. Nur eben keine E-Books, obwohl die Bedeutung elektronischer Lektüre von Jahr für Jahr zunahm. Offenbar musste erst die Magie des iPad-Moments hinzukommen, um J K Rowling umzustimmen. Wie Rowlings Literaturagent gegenüber dem Branchenportal Bookseller.com formulierte, würde man im Moment „alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die sich auf diesem Gebiet entwickeln“ und sei „aktiv auf der Suche“.

Kommt mit der elektronischen Fassung nun ein zweiter Harry-Potter-Hype?

Kommt Harry Potter als E-Book heraus, werden vermutlich keine Zauberlehrlinge mit Schlapphüten vor den Buchhandlungen campieren – es sei denn, man verkauft die elektronische Fassung nur auf CD-Roms oder USB-Sticks. Doch eine große mediale Aufmerksamkeit dürfte diesem Ereignis trotzdem sicher sein. Auf Plattformen wie Scribd.com waren J K Rowlings Romane immer schon beliebt – was erst im letzten Jahr erneut zu einem Rechtsstreit führte, zugleich aber noch einmal den offensichtliche Bedarf der Leser nach Harry Potter-E-Books deutlich machte. Gegenüber Bookseller.com erwartete Alex Ingram von der britischen Buchhandelskette Waterstone so etwas wie den elektronischen Harry-Potter-Hype : “Ohne Zweifel würde J K Rowling unser Verständnis verändern, was die Verkaufszahlen von E-Books angeht.”