Kano kommt: Barnes & Noble fördert „Tech Literacy“ mit Raspi-Bastelset

kano-kommtBei Kickstarter gestartet, im Regal bei Barnes&Noble gelandet — klingt nach einer klassischen Crowdpublishing-Karriere eines Romans, Sachbuchs oder Comics. Doch Kano ist kein Buch, sondern ein Computer-Bausatz rund um den Raspberry Pi, der sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet. Hinter diesem äußerst erfolgreichen Projekt, das bereits 2013 via Crowdfunding angeschoben wurde, stecken Autor & Designer Alex Klein, der Investor Saul Klein (beide aus London) sowie der israelische Unternehmer Yonatan Raz-Fridman. Neuester Vertriebspartner: die größte verbliebene US-Buchhandelskette B&N.

„So einfach wie Lego“

Das Motto für das zum Roll-Out im Buchhandel extra neu designte Bastel-Set zum Preis von 150 Dollar lautet: „as simple and fun as Legos“ — tatsächlich lassen sich die einzelnen Komponenten wie Keyboard, Lautsprecher, Wi-Fi-Dongle und natürlich der mitgelieferte Raspi sehr einfach zusammenstecken. Nicht nur beim Zusammenbauen lässt sich eine Menge lernen, auch die auf Linux basierende Benutzeroberfläche „Kano OS“ sowie weitere Software-Tools wurden speziell für die Bedürfnisse von Nachwuchs-Hackern entwickelt.

„Learning by Doing“ im Buchhandel

Bei Barnes&Noble sieht man das Kano-Set als perfekte Ergänzung für die bestehenden ‚Learning by Doing‘-Angebote. Passend dazu wird der Lego-Computer wird im Herbst auch auf der jährlichen „Mini Maker Faire“ gefeaturet — in zahlreichen B&N-Filialen können die Kids dort auch erste Erfahrungen mit 3D-Druck, Drohnen, Robots und Programmiersprachen machen.

„USA braucht mehr Tech Literacy“

Das Ziel solcher Aktionen & Produkte sei die Förderung der „Tech Literacy“, so Kathleen Campisano, bei B&N zuständig für den Spiel- und Spielzeugbereich, diese begrifflich von der Lese- & Schreibfähigkeit abgeleitete Technik-Kompetenz hält Campisano für „so wichtig wie noch nie“ für die USA. Doch nicht nur der Buchhandel engagiert sich: Für die weite Verbreitung der Kano-Sets dürfte wohl auch der Vertrieb über die Spielwarenkette Toys’R’Us sorgen.

(via TheVerge)

Frisch gedruckt aus der Buchhandlung: Barnes & Noble testet Espresso Book Machine

„Kommt ein Self-Publisher in die Buchhandlung, geht an den Digitaldrucker, und druckt sich sein eigenes Buch aus“: was wie ein bisschen wie ein Witz klingt, beschreibt zugleich ziemlich exakt die Realität in einigen US-Buchhandlungen. Dort stehen nämlich „Espresso Book Machines“ von On Demand Books, die auf Knopfdruck ein komplettes Paperback binnen Minuten ausspucken. Neben der Buchkette „Books a Million“ will nun auch Barnes & Noble auf Print On Demand vor Ort setzen – zunächst wird das Angebot an drei Standorten ausprobiert, darunter im Flagship-Store am New Yorker Union Square.

Einem Unternehmenssprecher zufolge sollen Kunden auf diese Weise ein ansonsten nicht direkt lieferbares Buch, einen Public Domain-Titel oder ihre eigenes Self-Publishing-Buch ausdrucken können. „Sinn und Zweck des Testlaufs ist es, bei den Konsumenten Interesse zu wecken“, wird der namentlich nicht genannte Sprecher bei publishersweekly zitiert.

Für On Demand Books ist das Teil einer breiter angelegten Strategie, um mehr Geräte in Umlauf zu bringen, nicht nur im unabhängigen Buchhandel, sondern eben auch bei den großen Ketten. Bis Ende des Jahres sollen bis zu 100 Espresso Book Machines in Buch- und anderen Läden stehen. Das wäre schon einer kleiner großer Sprung nach vor: Inklusive Bibliotheken sind derzeit weltweit knapp 70 der flinken Digitaldruckmaschinen im Einsatz, die meisten in den USA (siehe Karte).

Kurzzeitig waren es sogar ein paar mehr – doch seit Mitte 2013 sind die Zahlen leicht rückläufig. So haben etwa einige Indies aus kleineren Städten ihre Maschinen aber auch wieder zurückgegeben, denn die Nachfrage war dort einfach nicht groß genug, die Kosten zu hoch. An manchen Orten wird der Ad-Hoc-Druck aber durchaus häufig genutzt – so werden etwa am Standort Harvard Book Store in Cambridge, Mass. monatlich zwischen 1.000 und 1.500 Titel produziert, etwa die Hälfte davon sind gemeinfreie Bücher aus der Google-Bibliothek.

Die Anschaffungskosten für eine Espresso Book Machine sind immer noch ziemlich schmerzhaft – derzeit werden 85.000 Dollar fällig, beim Start des Programms im Jahr 2007 waren es sogar noch 185.000 Dollar. Auch die Leasingraten sind offenbar nicht unbedeutend. Kein Wunder, dass sich der hyperlokale POD-Sektor noch nicht als der erhoffte Buchbranchen-Disruptor erwiesen hat. Auch ein sehr spannendes Joint-Venture zwischen Books On Demand und Kodak ist offenbar nicht zu Stande gekommen – es hätte die Espresso Book Machines mit dem Kodak Picture Kiosk kombiniert.

(via Publishers Weekly & The Digital Reader)

Abb.: Waag Society/Flickr (cc-by-2.0)
Das Bild zeigt eine Espresso Book Machine in Amsterdam – neben Den Haag derzeit der einzige Standort auf dem westeuropäischen Kontinent.

Barnes, aber Nobel: deutsche Nook App startet – Windows 8.1 only

Na endlich: jetzt hat nach Amazon und Kobo auch Barnes & Noble den Sprung über den großen Teich geschafft – erstmals können deutsche Kunden via Nook App in einem lokalisierten E-Store shoppen. Bis auf weiteres kommen jedoch nur die Microsoft-Gemeinde in den Genuss der Nook-App, sie wird momentan ausschließlich für Tablets und PCs mit der aktuellen Windows 8.1-Oberfläche angeboten. Insgesamt startet das neue Angebot in 32 verschiedenen Ländern, darunter auch Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien.

Ein eigenes Kunden-Account ist nicht nötig, die Anmeldung & Bezahlung von E-Books läuft über das Microsoft-Konto (vormals „Windows Live ID“, vergleichbar mit der Apple/iTunes-ID). Erstmals dürfte es sich nun für deutsche Indie-Autoren lohnen, über die Self-Publishing-Plattform „Nook Press“ zu veröffentlichen – denn die Titel landen in einem sprachlich angepassten B&N-Store, der sich speziell an deutsche Kunden richtet. Theoretisch wäre nun wohl auch der Verkauf von Nook-Readern bzw. Nook-Tablets mit lokalisiertem E-Store möglich, die in den USA qualitativ mit Kindle & Co. konkurrieren.

Da B&N sich am Branchenstandard epub orientiert und bei DRM auf Adobe setzt, kann man über eine Import-Funktion auch anderswo eingekaufte Lektüre via Nook App lesen. Abgesehen vom Desktop-PC dürfte sich die Nutzung aber zunächst stark in Grenzen halten, denn die große Mehrheit der Tablets gehört bekanntlich zur Apple- und Android-Welt. Wann die Nook-App auch für diese Geräte zur Verfügung steht, ist noch nicht bekannt.

Die internationale Expansion von B&N war schon seit langem erwartet worden, seit einiger Zeit besitzt die in den USA größte Buchhandelskette auch bereits ein Büro in Berlin. Doch für weitere Schritte fehlte wohl ganz einfach das Geld. Erst vor kurzem hatte das finanziell klamme Unternehmen bekannt gegeben, in Zukunft keine eigenen Lese-Tablets mehr zu entwickeln und stattdessen auf eine kräftige Finanzspritze von und eine Kooperation mit Microsoft zu setzen.

Abb.: Screenshot

Boykott der US-Buchhändler bremst Amazons verlegerische Ambitionen aus

Auf den ersten Blick sieht es nur so aus wie eine (immerhin überraschende) Personalie: Larry Kirshbaum verlässt das New Yorker Büro von Amazon Publishing. Damit verliert die Verlagssparte des Online-Händlers einen ausgebufften Profi, dem es 2011 gleich zu Beginn seiner Tätigkeit gelungen war, Timothy Ferriss‘ Sachbuch-Bestseller „The Four Hour Chef“ an Land zu ziehen. Doch genau da begann eigentlich schon das Problem: es scheint nämlich deutlich leichter zu sein, mit Meta-Learning nach dem Pareto-Prinzip zum Spitzenkoch zu werden, als nur via Amazon in die Bestseller-Liste der New York Times zu gelangen. Anders als die vorherigen Bücher von Ferriss gab es „The Four Hour Chef“ nicht bei Barnes&Noble, und auch viele unabhängige Buchhändler lehnten dankend ab – das dämpft den Absatz, und drückt einen Titel im Bestseller-Ranking nach unten.

Trick 17 mit Selbstauslistung

Grund dafür, dass Ferriss den „Four Hour Chef“ am Ende als „America’s most banned book“ promoten durfte, ist der generelle Amazon-Boykott von B&N – die letzte verbliebene große Buchhandelskette der USA weigert sich, Print-Versionen von Amazon-eigenen Labels zu listen, solange diese Titel wiederum als E-Book exklusiv bei Amazon erscheinen. Mit dieser Taktik will Jeff Bezos eigentlich die Disruption der Buchbranche beschleunigen, doch mittlerweile entwickelt sich das zu einer Art Trick Siebzehn mit Selbsüberlistung (bzw. Selbstauslistung) – denn für Kirshbaum war es in der Folge des Boykotts schwierig bis unmöglich, unter diesen Bedingungen prominente Sachbuch- oder Belletristikautoren für Amazon Publishing zu gewinnen. Auch attraktive Tantiemen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gedruckte Bücher auch in den USA immer noch 70 Prozent Marktanteil haben, und alleine schon die „Discoverability“ auch viel damit zu tun hat, ob ein Titel in den Buchhandlungen vor Ort ausliegt.

Amazon fährt Verlagsgeschäft zurück

Die Selbstblockade – anders kann man Amazons Ausschluss-System eigentlich nicht bezeichnen – wirkt sich nun offenbar auf die gesamte Firmenpolitik aus, berichtet der Branchennewsletter Shelf Awareness: „In Verbindung mit dem Weggang von Kirshbaum werden die besonders ambitionierten Bereiche von Amazons Verlagsaktivitäten zurückgefahren. Zahlreiche Verlagsmitarbeiter wurden bereits freigesetzt oder haben gekündigt, und Amazon spielte anders als noch vor zwei Jahren zuletzt kein wichtige Rolle mehr beim Ankauf von namhaften Buchrechten“. Statt auf „General Interest“-Titel dürfte Amazon in Zukunft also wieder stärker auf populäre Genre-Literatur von Thriller und Sci-Fi bis zu Herzschmerz setzen.

Abb.: Flickr/mag3737 (cc)

Vom Reader zum E-Ink-Tablet: Nook Touch erhält Browser & Mail-Programm

Barnes&Noble verpasst den Nook-Readern ein interessantes Update – die Touch-Modelle erhalten nicht nur einen voll funktionsfähigen Browser, sondern auch ein Mail-Programm. Das berichtet TechCrunch unter Berufung auf ein geleaktes Memo. In Verbindung mit einer kräftigen Preissenkung will die US-Buchhandelskette mit dieser Aktion offenbar die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Amazon stärken. Anders als etwa das Kindle Paperwhite laufen die Nook-Reader mit einer stark angepassten Android-Oberfläche – und sind in der Hacker-Szene ein beliebtes Ziel für Rooting- und Modifizierungs-Versuche. Trotzdem liegen sie vergleichsweise wie Blei in den Regalen.

Vielleicht aber zu unrecht. Denn neben der Verwandlung in ein waschechtes Android-Tablet wurden durch zahlreiche Hacks auch Performance-Verbesserungen bei der E-Ink-Refreshrate sowie Multitouch-Fähigkeit erreicht. Insofern vollzieht B&N nur einen Teil der ohnehin stattfindenden Entwicklung mit einem offiziellen Firmware-Update nach. Ähnliches war schon bei den Nook-Tablets mit Farb-LCD-Display zu beobachten – im März ließ B&N dort den Google Play Store aufspielen, was die Installation sämtlicher verfügbarer Android-Apps ermöglicht (inklusive der Kindle-App).

Technisch gesehen sind die aktuellen Glowlight-Reader mit E-Ink-Display ohnehin schon sehr nah an solchen Lesetablets im 7-Zoll-Format dran. Eigentlich fehlt nur noch die Farbdarstellung, um zumindest rein optisch mit den LCD-Androiden gleichzuziehen. Insofern ist es nur konsequent, die funktionale Trennung auf Software-Seite aufzuheben – dabei ist B&N auch nicht allein: der chinesische Hersteller Onyx hat für die zweite Jahreshälfte 2013 gerade zwei 6-Zoll-Tablets mit E-Ink-Screen angekündigt, die sich ebenso als Lesegeräte wie auch als Surftablets eignen sollen.

Ob Barnes&Noble mit dem Browser- und E-Mail-Update mehr als nur einen kurfristigen PR-Coup landet, scheint übrigens eher zweifelhaft. Denn vor kurzem sickerte durch, dass im Zusammenhang einer möglichen Übernahme der Nook-Media-Sparte durch Microsoft die bisherigen Reader- und Tablet-Modelle bis 2014 auslaufen sollen. Der Mut zum Experiment im E-Ink-Bereich könnte also auch sehr viel damit zu tun haben, das B&N hier ohnehin nichts mehr zu verlieren hat.

(via TechCrunch)

Abb.: Screenshot

Eine Milliarde Dollar: Kauft Microsoft die Nook-Sparte von Barnes&Noble?

Es muss nicht gleich eine Trillion Euro sein. Auch eine Milliarde Dollar gibt immer eine gute Story ab – zum Beispiel diese: Microsoft will Nook Media kaufen, also die E-Lese-Sparte von Barnes&Noble, und dafür offenbar eine zehnstellige Summe hinblättern. Das sollen interne Dokumente belegen, die dem Technologie-Blog TechCrunch zugespielt wurden. Außerdem deutet sich ein Strategiewechsel an: „Nook Media“ soll demnach zukünftig auf eine eigene Geräteplattform verzichten – Produktion & Verkauf von E-Readern und Lese-Tablets solle bis Ende 2014 auslaufen. Kaum war die Nachricht vom Mega-Deal mit Microsoft in der Welt, sprang die B&N-Aktie um 25 Prozent nach oben. Die Story dahinter klingt durchaus plausibel, schließlich kooperieren Barnes&Noble und der Software-Gigant bereits seit Anfang 2012 – die kriselnde Buchhandelskette erhielt insgesamt eine Finanzspritze von fast einer halben Milliarde Dollar, und trennte die Nook-Sparte vom Kerngeschäft.

Kein Nook-Tablet mit Windows in Sicht?

Alleine 180 Millionen Dollar wurden daraufhin in die Entwicklung von E-Lese-Apps für Geräte mit Windows 8 gesteckt, die mittlerweile gelauncht sind. Die zunächst von vielen Branchenbeobachtern erwartete Entwicklung eines neuen Nook-Tablets mit Windows-Oberfläche kam aber offenbar nicht ins Rollen. Auch die angekündigte Expansion von Barnes&Noble in Richtung Europa – inklusive Deutschland – lässt weiter auf sich warten. Der große Erfolg blieb selbst in den USA aus: Insgesamt wurden bisher knapp 10 Millionen Nooks verkauft, zu einem wichtigen Teil über das Filialnetz der größten verbliebenen US-Buchhandelskette. „Die Werthaltigkeit der Marke Nook ist eng mit den Buchhandlungen vor Ort verbunden“, zitiert etwa NBCnews den Analysten Michael Norris – auch amerikanische Kunden möchten ein Gerät vor dem Kauf gerne in der Hand gehalten haben.

B&N nicht in Top 5 des E-Book-Business

Im Online-Handel wurde der Nook jedoch längst von Amazon abgehängt – alleine die klassischen Kindle-Reader mit E-Ink-Display verkauften sich weltweit mehr als 50 Millionen mal. Eigentlich fast tragisch, schließlich war Barnes&Noble seinem Hauptkonkurrenten technisch öfter mal eine Nasenlänge voraus, etwa beim Launch des ersten Lese-Tablets, oder beim Glowlight-Reader. Die schmale mobile Plattform macht sich bemerkbar: International wird Barnes&Noble nicht mal zu den Top 5 im E-Book-Business gezählt, der globale Marktanteil liegt nach Zahlen der IDC gerade mal bei 2 Prozent. Allerdings hatte auch Microsoft immer wieder Probleme, mit Hardware-Innovationen zu punkten, siehe den gescheiterten iPod-Killer Zune. Auch im Tablet-Sektor liegt man hinter dem Marktführer Apple zurück. Insofern ist es wohl schon eine gute Idee, das Nook-Business auf Apps und E-Store zu reduzieren – der Ausverkauf der Nooks scheint auch tatsächlich schon begonnen zu haben.

Abb.: Screenshot

Das beste aus beiden Welten: Bookshout-App importiert epub- & Kindle-Books

Von wegen „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“: die E-Lese-Welt ist schon lange in zwei Hälften geteilt – epub und mobi (alias Kindle-Format). Damit hatte bisher auch die Social Reading-Bewegung zu kämpfen. Denn unterschiedliche Kopierschutz-Standards bei Amazon und dem Rest der Branche verhinderten es, alle E-Books eines Lesers in einem virtuellen Bücherregal zu vereinigen, und so neben mehr Lesekomfort auch mit anderen Lesern ins Gespräch zu kommen. Das US-Startup Bookshout betätigt sich nun jedoch erfolgreich als Mauerspecht: denn die Bookshout-App ermöglicht es, zuvor bei Amazon oder Barnes&Noble erworbene E-Books zu importieren. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde die momentan nur für iPhone & iPad erhältliche Anwendung jetzt der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt.

Was auf den ersten Blick fast schon nach Napster klingt, ist aber letztlich weitaus weniger subversiv. Die App arbeitet nämlich mit den offiziellen Login-Daten der Benutzer, und checkt auf den Anbieter-Plattformen zunächst, welche Bücher man bereits besitzt. Die E-Book-Daten selbst werden dann aber nicht von Amazon oder B&N gesaugt, sondern von den Servern der mit Bookshout kooperierenden Verlage. Dazu gehören bereits große Player wie Random House, HarperCollins, Macmillan sowie Wiley, mit weiteren Publishern ist man im Gespräch. Die „Zweitauslieferung“ der E-Books an den Kunden erfolgt mit einheitlichem DRM-Schutz. Letztlich wird somit natürlich recht aufwändig ein Problem umgangen, das ohne DRM gar nicht existieren würde – denn grundsätzlich ist es kein Problem, unverschlüsselte epub und mobi-Dateien parallel zu nutzen.

Nach Ansicht von Bookshout-Gründer Jason Illian werden die Rechte von Amazon und B&N bei diesem cleveren Verfahren auf jeden Fall nicht verletzt, genausowenig wie die Lizenzvereinbarungen, die man als Kunde mit diesen Unternehmen eingeht: „Das tolle daran ist ja: es handelt sich um das Buch des Nutzers. Der Kauf selbst bei Amazon oder Barnes & Noble wird nicht beeinflusst“, so Illian gegenüber dem Branchenblog PaidContent. Trotzdem weiß der Social-Reading-Entrepreneur natürlich um seine Rolle als Agent Provacateur: „Werden die versuchen, diese Lücke zu schließen? Vielleicht. Amazon ist ja bekannt dafür, sein Ökosystem zu schützen.“ Vorerst hat Bookshout aber erstmal mit ganz anderen Problemen zu kämpfen – der Import funktioniert bisher natürlich nur bei Büchern solcher Verlage, die bereits mit im Boot sind.

Völlig uneigennützig ist das Angebot der Social Reading-Plattform Bookshout ohnehin nicht. Wichtigster Investor hinter den Kulissen ist der Buch-Distributor Ingram – und die von Ingram vertriebenen Titel kann man auch im Bookshout-eigenen E-Store kaufen. Das dürfte aber auch im Interesse der beteiligten Verlage liegen. Je mehr über bestimmte Bücher in den Lese-Communites diskutiert wird, desto mehr werden sie auch gekauft – alleine schon, um bei angesagten Debatten mitreden zu können. Je nach der gewählten Privacy-Einstellung erlaubt es Bookshelf sogar, in die Regale von Freunden zu schauen. Weiterer Vorteil für die Verlage: sie erhalten durch die App wichtige Informationen über das Leseverhalten, und können ihr Verlagsprogramm besser an die Bedürfnisse der Leser anpassen.

Abb.: Screenshot

Kommt ein Nook-Tablet mit „revolutionärer Display-Technologie“?

Barnes&Noble war Amazon bereits mehrmals eine Nasenlänge voraus – etwa, als mit dem Nook Color bereits Monate vor dem Kindle Fire ein Lese-Tablet mit Android-Oberfläche herauskam. Auch bei E-Ink-Readern mit Glowlight-Feature besetzte die größte US-Buchhandelskette die Pole Position. Nun scheint B&N erneut zum großen Sprung nach vorn anzusetzen. Denn möglicherweise erhält die für Herbst 2012 angekündigte nächste Generation des Nook-Tablets eine revolutionäre Bildschirm-Technologie („revolutionary screen technology“). Das berichtet zumindest CNet unter Berufung auf Branchen-Insider. Schon seit Jahren gibt es einen Wettlauf um ebenso stromsparende wie kontraststarke Farb-Displays: Firmen wie Pixel Qi, Qualcomm oder Mirasol werkeln an Darstellungstechniken, die ähnlich wie E-Ink ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen, aber trotzdem rasche Bildwechsel und hohe Auflösungen ermöglichen.

Wer nun beim Nook das Rennen macht, ist jedoch nicht bekannt. Die CNet-Quelle berichtet lediglich, die neue Screen-Technologie sei von B&N selbst in Zusammenarbeit mit einem „anderen Unternehmen“ entwickelt worden, und bisher „noch nicht in einem anderen Produkt zu sehen“ gewesen. Außerdem würde wie bisher das „Lese-Erlebnis“ im Vordergrund stehen. Nicht umsonst meint angesichts solcher Vagheit nun E-Reading-Experte Nate Hoffelder von The Digital Reader, es gehe wohl vorerst nur um die Weiterentwicklung der bisherigen LCD-Displays – schließlich seien die bekannten stromsparenden LCD-Alternativen alle noch nicht zur Marktreife gelangt. Durch die Kooperation mit Microsoft hätte B&N andererseits natürlich genügend Geld in der Kasse, um innovative Techniken eher an den Start zu bringen als Mitbewerber. Spätestens im Oktober werden wir mehr wissen, denn dann soll das neue Nook Tablet in den USA der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der anvisierte Verkaufspreis klingt auf jeden Fall alles andere als revolutionär: mit 200 Dollar wird es exakt auf Höhe des Kindle Fire liegen.

Abb.: Hersteller

Kindle ist kein Name, und auch kein Getränk: Wie Tolstoi auf dem Nook via Strg-F gesäubert wurde

Da staunte er nicht schlecht, ein amerikanischer Vielleser und Blogger namens Philip: gerade erst hatte er Lew Tolstois gewichtigen 1000-Seiten Wälzer „Krieg und Frieden“ aus seinen arthritischen Händen gelegt, um die Lektüre auf dem handlicheren Nook-Reader von Barnes&Noble fortzusetzen. Doch plötzlich stolperte er über ein merkwürdiges Wort am falschen Ort. „It was as if a light had been Nookd in a carved and painted lantern….“, stand da. NOOKD!? Wenige Seiten später tauchte das merkwürdige Wort erneut auf, und dann noch einmal. „Nach der dritten Begegnung holte ich das Hardcover wieder hervor und suchte nach dem Originaltext“, berichtet Philip auf seinem Blog. Und siehe da: dort stand nicht „Nookd“, sondern „kindled“. Was im betreffenden Kontext auch Sinn macht, denn „to kindle“ bedeutet so viel wie „anzünden“ oder „anfachen“. Zugleich ist „Kindle“ natürlich auch der Name des wichtigsten Konkurrenzprodukts von Barnes&Nobles „Nook“. Was war hier passiert!?

Das Erstaunen wich der Empörung. Hatte Barnes&Noble hier mit Absicht alle „Kindle“-Stellen durch Suchen und Ersetzen mit „Nook“ überschrieben? Das wäre natürlich ein Skandal in der Größenordnung von Amazons großer Löschungsaktion aus dem Sommer 2009: damals waren ausgerechnet Ausgaben von George Orwells „1984“ drahtlos von Kindle-Readern gelöscht worden. Das wurde von der Web-Community nicht zu unrecht als Zensur empfunden. Wandelt Barnes&Noble nun also auf Amazons Spuren, und verbannt den Produktnamen der Konkurrenz aus allen Texten der Weltliteratur? „Man bekommt Angst vor der Manipulation aus ökonomischen, politischen oder religiösen Gründen. Man beginnt an der Integrität nicht nur von ‚War and Peace‘ zu zweifeln, sondern überhaupt von jedem E-Book“, beklagt sich Philip. Ist das der Fluch der E-Books, vor denen uns die Reichssiegelbewahrer der Gutenberg-Galaxis immer gewarnt haben? Gemach, gemach. Die Lösung des Rätsels dürfte weitaus banaler sein. Schließlich handelt es sich bei „War and Peace“ um ein Werk aus der Public Domain, dessen Nook-Version von einem Drittanbieter namens „Superior Formatting Publishing“ für 99 Cent verkauft wird.

Besonders „superior“ scheint man dort beim Formatieren der zuvor bereits für das Kindle erstellten E-Book-Version des Tolstoi-Klassikers gerade nicht vorgegangen zu sein. Offenbar, so vermutet nicht nur Web-Experte Jonathan Zittrain, wollte man möglichst bequem alle Hinweise auf den Kindle-Reader im Vorwort oder in Verlagsanzeigen am Ende des Buches an die Nook-Version anpassen. Doch an die Folgen von Strg-F für den Roman selbst hat man dabei natürlich nicht gedacht: Kindle ist kein Name, und auch kein Getränk, sondern ein Verb, das im Englischen schon seit dem Mittelalter benutzt wird. Letzlich sind natürlich auch die Produktdesigner des Kindle-Readers mitverantwortlich. Für sie war nicht nur die Wortbedeutung von „to kindle“, sondern auch dessen Verankerung in der klassischen Literatur ein Argument. Gerne zitierten sie zum Beweis Voltaire: „The instruction we find in books is like fire. We fetch it from our neighbours, kindle it at home, communicate it to others and it becomes the property of all.“ Apropos „Property of all“: Tolstois „War and Peace“ gibt’s bei Project Gutenberg auch umsonst, inklusive 8 x Original-„kindle“.

(via ars technica & futureoftheinternet.org)

Abb.: Flickr/Blume Fou

Nook erhält NFC-Chip: Barnes&Noble-Kunden bezahlen in der Buchhandlung bald via E-Reader

Gedruckte Bücher in der Buchhandlung mit dem E-Reader oder Lese-Tablet bezahlen? Für Barnes&Noble-Kunden könnte das bald zum Alltag gehören. „Wir werden NFC-Chips in unsere Nooks einbauen“, kündigte B&N-Chef William Lynch gerade in einem Interview mit Fortune an. Die Near-Field-Communication ermöglicht das berührungslose Übertragen von Daten im Nahbereich, und gilt allgemein als Königsweg für das elektronische Bezahlen mit Mobilgeräten. Mit der Integration von NFC wäre die größte US-Buchhandelskette erneut dem Hauptkonkurrenten Amazon um eine Nasenlänge voraus. Erst vor wenigen Wochen hatte Barnes&Noble den Nook Simple Touch neu aufgelegt – dank GlowLight-Feature eignet sich das Gerät nun auch zur Lektüre im Dunkeln.

„Wir werden auch Bücher mit NFC-Chips ausstatten“

Mit den NFC-Chips lassen sich zugleich auch Verbraucherinformationen auf physischen Produkten platzieren, also etwa Büchern: „In Zusammenarbeit mit Verlagen können wir es so einrichten, dass Hardcover-Bücher ebenfalls einen NFC-Chip enthalten, der alle Buchbesprechungen unseres Web-Portals BN.com enthält. Hat man dann den Nook-Reader dabei, kann man somit alle wichtigen Informationen über ein Buch direkt auf dem Nook lesen und den Titel nahtlos bezahlen.“ Einen vergleichbaren Ansatz brachte bereits der in Deutschland von Libri vertriebene Acer LumiRead mit. Mit einer kleinen Kamera auf der Rückseite konnte man ISBN-Strichcodes auf Buchcovern einscannen und online nach Produktdaten suchen. Genauso wie das Einscannen von QR-Codes sind solche Verfahren aber langsamer und fehleranfälliger als der Datenaustausch via NFC.

Innovationsschub durch Kooperation mit Microsoft

Die Attraktivität von Barnes&Noble-Filialen dürfte das neue Feature noch einmal deutlich erhöhen – schon bisher konnten Nook-Besitzer dort via WLAN kostenlos in E-Books hineinschmökern. Als Zielgruppe für Papiermedien sind die E-Leser alleine schon deshalb interessant, weil sie durchaus auch an gedruckter Lektüre interessiert sind: „Wie haben die Erfahrung gemacht, dass Nook-Käufer insgesamt mehr Bücher kaufen. Ihre Kaufkraft verschiebt sich zwar in Richtung E-Books, doch sie kaufen eben auch noch gedruckte Bücher“, so Lynch gegenüber Fortune. Hintergrund des aktuellen Innovationsschubs ist die gerade bekanntgegebene Allianz zwischen B&N und Microsoft, die 300 Millionen Dollar in die Kassen der finanziell klammen Buchhandelskette spült. Neben einer Nook-App für Windows 8 könnte das Zusammengehen von Buchmachern und Software-Schmiede bald Self-Publishing-Autoren sogar die Möglichkeit eröffnen, Office-Dokumente direkt im Nook Book-Store zu veröffentlichen.

Abb.: Barnes&Noble