Deutsche Nationalbibliothek fragt die Nutzer: Was im Webspace ist archivierungswürdig?

nationalbibliothek-fragt-nach-webspaceDie Deutsche Nationalbibliothek versteht sich als institutionalisiertes kulturelles Gedächtnis unserer Republik, was mittlerweile natürlich auch die Archivierung von digitalen Inhalten umfasst — tatsächlich gehört schon seit 2006 zum Sammelauftrag ganz offiziell die „Archivierung des nationalen Webspace“.

„Was ist in 50 oder 100 Jahren noch von Interesse?“

Wie immer beim Archivieren stellt sich jedoch die Frage: was ist wichtig und muss ins Archiv, was kann — um Speicherplatz zu sparen — entfallen, weil es nicht „archivierungswürdig“ ist. Dabei möchte sich die DNB zukünftig in punkto Webspace-Konservierung auch an den Nutzerbedürfnissen orientieren — und möchte im Rahmen einer Online-Befragung wissen: „Welche Inhalte erwarten Sie in einem deutschen Webarchiv, die auch in 50 oder 100 Jahren noch von Interesse sind?“

Sind auch Youtube-Clips Kulturerbe?

Gefragt wird dabei auch allgemein nach Nutzungsgewohnheiten wie auch den Medienarten, die man für archivierungswürdig hält, von E-Books und Zeitungs-E-Paper über YouTube- oder Netflix-Filmchen bis hin zu Newslettern, Blogs, Apps oder Games. Was Webseiten betrifft, geht es auch um die Tiefe der Archivierung (alles/repräsentative Teile) sowie das zeitliche Raster (täglich, wöchentlich, monatlich). Zehn Vorschläge für archivierungswürdige Webseiten darf man zum Schluss dann auch noch machen…

QR-Code de luxe: Neue Software kodiert komplettes E-Book auf einer DIN A 4 Seite

Klingt nach einem Witz: das Freeware-Programm namens „Paperback“ verwandelt Datenmengen bis zu mehreren Megabytes in winzige Pixel-Muster, die man dann auf Papier ausdruckt. Doch die von Programmierer Oleh Yuschuk erfundene Software funktioniert tatsächlich. Ähnlich wie beim Prinzip des zweidimensionalen QR-Codes, der mit einer Smartphone-Kamera abfotografiert wird, kann man die verpixelte Papierseite ganz einfach einscannen und in die ursprüngliche Datei zurückverwandeln. Neben Bildern übersetzt die Software im Handumdrehen auch komplette E-Books in eine Art QR-Code de Luxe. Mit der normalen Auflösung eines Laserdruckers passen etwa 500 Kilobytes auf eine Druckseite. Mit zusätzlicher Datenkomprimierung bis zu 3 Megabyte. Bei unserem Test verbrauchte der gesamte Inhalt von „Vom Buch zum Byte“ (als reiner Text knapp 124 Kilobytes) etwa den Platz einer halben DIN A 4-Seite. Bietet sich hier vielleicht eine ganz neue Chance für das Offline-Marketing?

„Erinnert sich noch jemand an die Lochkarte?“

Yuschuk selbst sieht „Paperback“ eher als eine Art Festplatte aus Papier, die zuverlässiger Daten konserviert als andere Speichermedien: „Wenn man auf eine CD oder ein Magnetband blickt, weiß man gar nicht, ob der Datenträger noch lesbar ist oder nicht. Dazu muss man das Medium erst mal in ein Laufwerk einlegen, wenn man denn überhaupt noch eins hat. Mit Papier ist das anders: erinnert sich noch jemand an Lochkarten?“ Theoretisch lassen sich die „Paperback“-Daten sogar per Hand entschlüsseln, auch wenn das wohl selbst mit guter Lupe ziemlich lange dauern würde. Grundsätzlich scheint das Konzept aber gerade für die langfristige Archivierung wichtiger Dateien interessant. Denn mit einer Haltbarkeit von mehr als 100 Jahren toppt bedrucktes Papier alle bisherigen digitalen Speichermedien von der Diskette bis zum USB-Stick.

Call to action: „Scan’s ein, lies rein“

Was Yuschuk jetzt als funktionsfähigen „Open Source Joke“ im Internet veröffentlicht hat, war anfangs eher zu Demonstrationszwecken gedacht. Um seinem Sohn zu erklären, wie Daten auf einer CD-Rom gespeichert werden, zeichnete der Programmierer mit einem spitzen Bleistift winzige Punkte und Striche. Dabei ergab sich die Frage: „Wie viele Daten lassen sich eigentlich auf diese Weise auf ein Blatt Papier bringen?“ Yuschuk schätzte die Menge auf etwa 100 Kilobytes. Um die genaue Zahl herauszufinden, begann er eine Software zu schreiben – am Ende wurde daraus dann Paperback. Ob sich demnächst tatsächlich die ersten Archive mit Folianten voller QR-Codes füllen, oder E-Book-Leseproben als pixelige Handzettel in Fußgängerzonen verteilt werden (Call to action: „Scan’s ein, lies rein“)? Mal abwarten. Eine praktische Anwendung jedenfalls scheint sich schon abzuzeichnen: manche User setzen Paperback ein, um Backups wichtiger Passwörter zu machen, etwa für das Online-Banking.

Abb.: E-Book-News