Schmuddel-Kindle im Ranking-Keller: Greenpeace-Report zu grüner IT watscht Amazon ab

green-it-guide-greenpeace„IT-Konzerne geben sich ein visionäres, umweltbewusstes Image. Gleichzeitig entwickeln viele Marktführer Produkte für die Müllhalde“, kritisiert Greenpeace-Österreich-Sprecherin Nunu Kaller. „Was in der Werbung klinisch sauber aussieht, birgt häufig dreckige Produktionsweisen.“ Besonders schmutzig geht es offenbar bei Amazon zu — im aktuellen Greenpeace-„Guide zur grünen Elektronik“ landet der Hersteller von Kindle, Alexa & Co. weit abgeschlagen auf dem vierzehnten Platz, Gesamtnote Sechs (bzw. „F“). Ganz vorne dagegen: Fairphone, Apple und Hewlett-Packard. Bzw. fast ganz vorne, denn die Spitze („A-Bewertung“) bleibt leer…

Ressourcen, Chemikalien, Reparierbarkeit

Um tatsächlich an die Spitze des Rankings zu gelangen, muss man nämlich einiges tun: idealerweise zum Beispiel die Geräte ressourcenschonend und ohne Einsatz giftiger Chemikalien produzieren, außerdem Smartphones, Tablets, Laptops oder E-Reader für eine lange Lebensdauer konzipieren (was mit Hilfe der Reparier-Experten von iFixit überprüft wurde). Auch der laufende Betrieb fließt in die Bewertung mit ein – werden verbrauchsintensive Serverfarmen für diverse Hintergrund-Dienste und Apps mit erneuerbaren Energien betrieben oder nicht?

Apple als Musterknabe bei Öko-Energien

Bei letzterem Thema (ganz im Gegensatz zur Reperarierbarkeit) erwiesen sich Steve Jobs Erben als wahre Musterknaben: „Als einziges Unternehmen hat Apple zugesagt, nicht nur Datenzentren und Büros, sondern zukünftig die gesamte Lieferkette mit erneuerbaren Energien zu versorgen“, so Greenpeace. Ganz hinten dagegen liegen Samsung und Amazon – schuld ist u.a. zu viel schmutziger Kohlestrom in der Energiebilanz. Amazon wiederum wurde aber alleine schon deswegen heruntergestuft, weil es Informationen über die Lieferkette zurückhält.

„Amazon eins der am wenigsten transparenten Unternehmen“

Dazu heißt es in der Greenpeace-Studie: „Amazon remains one of the least transparent companies in the world in terms of its environmental performance, as it still refuses to report the greenhouse gas footprint of its own operations. (…) the company provides few details on its sourcing of recycled materials that are going into its devices, nor does it publish any restrictions on hazardous
chemicals in its devices or being used in its supply chain (…)“
.

„Brauche ich das Gerät wirklich?“

Wirklich grüne IT gibt’s aber bisher ohnehin nicht. Gerade beim Neukauf sei deswegen Zurückhaltung geboten, meinen die Greenpeacer: „Die erste Frage vor jedem Kauf sollten immer sein: Brauche ich das Gerät wirklich?“, so Kaller. Umweltbewusste Käuferinnen und Käufer sollten zudem darauf achten, dass sich Elektronik-Produkte reparieren und aufrüsten lassen. Man dürfe die Verantwortung jedoch nicht allein den VerbraucherInnen aufhalsen: „Um wirklich grün zu werden, müssen Samsung und Co. komplett auf fossile Energien und gefährliche Chemikalien verzichten.“

Die komplette Studie (englischsprachig) findet man hier, eine deutsprachige Zusammenfassung hier.

(via Amazon-Watchblog)

Apple im Club der Bezahlfreunde: iBooks, iTunes, App Store akzeptieren jetzt PayPal

apple-akzeptiert-paypal-zahlungenWas hat der iBook-Store, was der Kindle Shop noch nicht hat? Ganz einfach: PayPal. In Deutschland und einem knappen Dutzend weiterer Länder können Apple-Kunden ab sofort nämlich ihre E-Books auch mit dem (schlapp übersetzt) „Bezahlfreund“ erwerben. Gleiches gilt für Einkäufe im App Store, bei Apple Music oder iTunes. Das teilte der ursprünglich mal von eBay gegründete Zahlungsdienst heute via Firmenblog.

Inklusive PayPal One Touch-Option

Kunden mit einer neuen oder bestehenden Apple-ID müssen dazu „PayPal“ als Zahlungsmethode in ihren Kontoeinstellungen auswählen. Auf iPhone, iPad, iPod touch und Desktop-Mac funktioniert dies über die Einstellungen für App Store, Apple Music, iTunes oder iBooks. PC-Nutzer können diese Änderung via iTunes vornehmen. Gleichzeitig steht auch die Komfort-Option „PayPal One Touch“ zur Verfügung, auf diese Weise bleiben PayPal-Kunden eingeloggt und sparen sich bei Einkäufen über die Apple-ID die wiederholte Passworteingabe.

PayPal hierzulande beliebter als Kreditkarten

Paypal hat in Deutschland 17 Millionen Nutzer, der Umsatzanteil im Onlinehandel liegt bei knapp 18 Prozent – das reicht nur für Rang drei, davor liegen Zahlung per Lastschrift (20 Prozent) und Zahlung auf Rechnng (30 Prozent). Weit abgeschlagen dagegen die Kreditkarte – sie erreicht gerade mal 12 Prozent (Zahlen laut EHI Online-Payment-Studie 2017).

Im E-Book-Sektor wird PayPal als Zahlungsoption von den meisten E-Stores außerhalb der Amazon-Welt angeboten, auch Nutzer der Tolino-Reader bzw. Tolino-Apps können neben Kreditkarte oder Lastschriftverfahren bereits via PayPal zahlen.

Terms & Conditions als Meisterwerk: Robert Sikoryaks großartige Comic-Version der iTunes-AGBs

terms-and-conditions-itunes-als-comicPreisfrage: welchem Kontrakt haben alle Menschen zugestimmt, ohne ihn jemals gelesen zu haben – nur um am Ende was auf die Ohren zu bekommen? Nein, nicht dem Gesellschaftsvertrag von Monsieur Rousseau, hehehe, viel schlimmer: dem iTunes Nutzungsvertrag von Mr. Steve Jobs, bzw. den „iTunes Terms and Conditions“.

„Please read the Agreement carefully“

Tja, so sieht’s aus: (fast) alle von uns haben wohl schon des öfteren per Mausklick oder Fingertipp auf Nachfrage des diensthabenden Systems bestätigt, die AGBs für Apples Multimedia-Universum gelesen zu haben. Haben wir das aber wirklich? Wahrscheinlich quälen sich in Gänze durch diese Buchstabenwüste nur Medienrechtler, Linguisten oder Performance-Künstler auf der Suche nach unverbrauchtem Material.

„To confirm your acceptance, click Agree.“

Apropos: Die beliebte Ausrede: „So etwas lese ich nicht, da sind ja gar keine Bilder drin“ fällt ab jetzt definitiv weg. Der US-Comic-Zeichner Robert Sikoryak hat die mehr als 20.000 Wörter der (englischsprachigen) iTunes-AGBs nämlich sukzessive erst via Tumblr in eine Web-Comic-Serie, und am Ende dann in ein Comic-Buch verwandelt. Eine Art Biblia Pauperum für Digital Natives.

„A surreal record of our modern digital age“

Das wirklich großartige an diesem leicht dadaistisch anmutenden Projekt: Jede der insgesamt 96 Seiten dieser exotischen „Graphic Novel“ ist im Stil klassischer Comic-Künstler gehalten, z.B. Calvin & Hobbes, Simpsons, Jack Kirby, Marjane Satrapi u.a. Nur eine Figur ist als eine Art schurkisch-schelmischer Conférencier durchgehend präsent: Steve Jobs, wenn auch manchmal in der Haut von Dritten, z.B. Homer Simpson.

„Halte dich an das, was ich dir auftrage“ (2. Mose 34)

Als „Gesprächspartner“ tauchen in den 96 Szenarien diverse Figuren auf – natürlich kommt aber kein Gespräch zu stande, denn die iTunes Geschäftsbedingungen sind ein endloser Monolog, ein Monolith der Verlautbarung, der dem sprachlosen Nutzer vor die Füße geworfen wird, wie weiland Moses die Steintafeln mit den zehn Geboten auf dem Berg Sinai.

(via t3n.de)

Neue E-Lese-App für Apple TV: iBooks StoryTime bringt Kinderbücher groß raus

apple-tv-mit-kinderbuch-app„Wenn du eine eins schreibst, darfst du eine Stunde fernsehen, wenn du aber eine sechs schreibst, musst du zur Strafe ein gutes Buch lesen“ — dieser Pädagogen-Witz klingt angesichts von Projekten wie „iBooks StoryTime“ plötzlich ganz schön antiquiert. Denn die neue App für Apple TV bringt nicht noch mehr Games, Videos oder Web-Gewimmel auf den heimischen Hauptbildschirm im Wohnzimmer, sondern ausgerechnet elektronische Kinderbücher für Kids im Vor- und Grundschulalter.

„Was gibt’s heute im TV?“ — „Bücher“

Anfang November startete bereits die US-Version, nun folgt das internationale Roll-Out. Die ab heute erhältliche deutsche Version bietet z.B. Kinderbuchklassiker von Pixi, etwa „Ritter Rodobert und der Yeti“, „Die fliegenden Unterhosen“ oder „Troll zwei…drei…vier“. Interessanterweise ist so ein „StoryTime“-Buch kein interaktives, hochanimiertes „Superbuch“, sondern (zumindest bisher) einfach nur die E-Book-Variante der illustrierten Papier-Version.

Vorlesefunktion lässt sich abschalten

Mit einer Ausnahme: es gibt da eine automatische Vorlese- und Umblätterfunktion. Diese können die hoffentlich immer anwesenden Erziehungsberechtigten aber zum Glück abschalten, und die Rezitation wie auch das Umblättern via Siri Remote selbst übernehmen. Notwendig zur Installation der für Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren empfohlenen App ist eine „Apple TV“-Box der vierten Generation und mindestens die Betriebssystem-Version tvOS 10.0.1.

iBook ohne „s“ – das darf nicht sein: Apple zensiert E-Books mit „falschen“ Produktnamen

apple-zensiert-ebooksGroße Gatekeeper wie Amazon, Apple & Co. stellen Regeln auf, an die sich alle Marktteilnehmer auf ihren Plattformen halten müssen — egal, ob diese Regeln sinnvoll sind oder nicht. Besonders absurd sind Apples Sprachregelungen für Produktnamen wie „iBooks“ oder „iBooks Store“, das haben gerade die Sachbuch-Autoren Aaron Perzanowski und Jason Shultz erfahren müssen. Ausgerechnet ihr neues, u.a. auch Apple-kritisches Buch „The End of Ownership – Personal Property in the Digital Economy“ darf in der ursprünglichen Fassung nicht via iBooks vertrieben werden.

iBook hieß schon ein Apple-Laptop

Die Begründung: drei Passagen des 264-Seiten-Wälzers enthalten das Wort „iBook“ – was den Formatierungs-Vorschriften des iBooks Stores widerspricht. Denn Apple bevorzugt — bzw. diktiert — die Nutzung von „iBooks“ oder „E-Books from iBooks“. Ein Grund für diese Sprachpolitik könnte mit der Firmengeschichte zu tun haben, schreiben die Autoren in ihrem Blogbeitrag „Why you can’t buy our book from Apple“: Apple selbst hat Ende der 1990er Jahre ein Nachfolge-Modell der PowerBook-Laptopreihe unter dem Namen „iBook“ verkauft.

Jetzt iBooks-konforme Version geplant

Extra für den Vertrieb via iBooks haben Perzanowski und Shultz jetzt eine regelkonforme Ausgabe von „The End of Ownership“ produziert. Dort ist u.a. der Satz „Apple’s iBooks can only be read on Apple devices“ verändert worden in die Version „Ebooks acquired through Apple’s iBooks Store can only be read on Apple devices.“ An anderer Stelle heißt es nun nicht mehr „how to make an iBook work on a Kindle“, sondern „how to make an an ebook from Apple work on a Kindle“.

Die Thesen des Buches hat Apple bewiesen…

Die Autoren hoffen nun, das Apples Zensoren mit dieser Formulierung einverstanden sind. Warum Apple sich überhaupt so uneinsichtig gezeigt hat, bleibt aber rätselhaft, denn schließlich geht es ja in „The End of Ownership“ gerade auch um den überzogenen Kontrollwahn des IT-Riesen: DRM-Schutz, Verhinderung von nicht autorisierten Geräte-Reparaturen, hermetisch abgeschottete Business-Modelle, und nicht zuletzt: unlesbar lange und komplizierte Nutzungsbedingungen.

(via The Digital Reader & BoingBoing)

Tschüss QUERTZ: Apples neue Macbook-Generation erhält E-Ink-Tastatur

macbook-mit-eink-tastatur-ab-2018Bis E-Ink als Display-Technologie in Laptops auftaucht, wird es wohl noch ein bisschen dauern — leider. Doch dafür hat Apple nun einen neuen Trend losgetreten: E-Ink auf dem Tastenfeld, um die angezeigte Tastaturbelegung je nach Sprache dynamisch anzupassen. In Zusammenarbeit mit dem australischen Startup Sonder Design haben Steve Jobs Erben ein dynamisches Universal-Keyboard entwickelt, das in der kommenden Macbook-Generation verbaut werden soll, Marktstart: 2018.

„Goodbye QWERTY, hello Emoji“

Enstprechende Gerüchte über ein E-Ink-Keyboard gab es schon seit einiger Zeit. Das Wall Street Journal berichtete nun gestern unter Berufung auf Informanten aus dem Unternehmensumfeld wie auch einen Artikel des Guardian: „The new keyboards will be a standard feature on MacBook laptops, and will be able to display any alphabet, along with an unlimited number of special commands and emojis.“

E-Ink-Tastatur für den Desktop startet noch 2017

wer nicht bis 2018 warten möchte: Das neue Tastatur-Konzept von Sonder Design wird manwohl auf jeden Fall schon etwas früher ausprobieren können. Denn noch bis Ende des Jahres wolln die Australier ein separates mit E-Ink-Tasten ausgestattetes Desktop-Keyboard im Apple-Design auf den Markt bringen. Das schlicht „Sonder Keyboard“ getaufte Produkt soll dann zum Preis von 200 Dollar erhältlich sein.

Deutlicher Vorteil gegenüber OLED-Tastaturen

Größter Vorteil der E-Ink-Tastatur dürfte die dauerhafte Speicherung der Tastenbelegung sein, schließlich muss nur für die Veränderung der Tastenbelegung kurz Strom fließen. Ein deutlicher Pluspunkt gegenüber Konzepten wie etwa Artemy Lebedevs “Optimus Maximus”-Keyboard, das mit OLED-Displays leuchtende Funktionstasten schafft — für ein Laptop dürfte solch ein Konzept wenig Sinn machen. Teuer ist die OLED-Variante obendrein.

[via The Digital Reader & The Verge]

Schluss mit 70/30? Apple möchte den Abo-Kuchen neu aufteilen

apple-teilt-kuchen-neu-aufWie sieht der ideale Verteilungsplan zwischen Content-Lieferant und Plattform-Betreiber aus? Bisher läuft es meistens auf siebzig zu dreißig hinaus. Genauer gesagt, seitdem Steve Jobs im Jahr 2003 Jahren iTunes auf die Beine stellte. Apples Musik- und Medienkiosk wurde zum Schrittmacher einer ganzen Branche, auch was die Tantiemen betrifft. Wer bei Amazon, Google und Co. Inhalte verkaufen möchte , zahlt dem jeweiligen Unternehmen für jedes abgesetzte Music-File, Video oder E-Book ebenfalls eine Provision von dreißig Prozent, also genau in der Höhe der historischen „Apple Tax“.

Sinkt die „Apple tax“ auf 15 Prozent?

Doch das goldene Zeitalter der großen Gatekeeper scheint zu Ende zu gehen – wie die Financial Times berichtet, diskutiert Apple mit verschiedenen großen Medienhäusern gerade eine „Steuersenkung“. Der neue Verteilungsplan bei ausgewählten Vertriebsschienen wie Apple TV oder dem virtuellen Zeitungkiosk „Newsstand“ könnte demnach eher in der Richtung von 85 zu 15 gehen. Schon seit einiger Zeit macht Apple die Android-Konkurrenz Kopfzerbrechen – manche schätzen, dass App-Entwickler mittlerweile via Google Play mehr Umsätze erzielen als im klassischen Apple App Store.

Ein Motiv: Apples Einstieg in das Flatrate-Geschäft

Noch wichtiger für Apples Kursänderung dürfte jedoch der Boom von Musik- und Videostreaming im Rahmen von Flatrate-Abos sein: hier sind die Margen besonders knapp. Und Apple plant bekanntlich eine eigene Flatrate, die wahrscheinlich in dieser Woche auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wird. Damit Apples später Einstieg in den Musikdienst-Sektor gelingt, muss ein überzeugendes Angebot her, nicht nur aus Sicht der Nutzer.

Von der Flatrate zur Null-Linie?

Denn auch für die Content-Lieferanten braucht es natürlich gute Argumente – eins ist sicherlich Apples große Kundenbasis, weltweit existieren mehr als 800 Millionen Nutzer-Accounts. Doch auch ein attraktive Tantiemenregelung dürfte hilfreich sein. Fragt sich nur: Wie könnte die im Flatrate-Business aussehen? Ein Brancheninsider schätzte gegenüber der Financial Times: um wirklich einen Vorteil zu bieten, müsste Apple sich hier mit fünf (!) Prozent der Einnahmen begnügen. Eine mögliche Übersetzung für Flatrate lautet ja übrigens auch: Null-Linie.

Abb.: Jonathan Powell/Flickr (cc-by-2.0)

Zu sexy für Apples App-Store: ComiXology-App musste gesäubert werden – mehr als 50 mal

Witches & Stitches, einer der ersten via Internet verbreiteten E-Comics überhaupt, war allein schon deshalb subversiv, weil es sich um ein nicht-autorisiertes Spin-Off des Zauberers von Oz handelte. Mittlerweile gibt’s ganz andere Probleme: neben Web-Comics sind Comic-Apps für Tablets und Smartphones zur wichtigsten Vertriebsschiene geworden, so etwa die in den USA populäre ComiXology-App. Letztlich entscheiden damit jedoch Gatekeeeper wie Apple darüber, was die Leser zu sehen bekommen – und nackte Körper wie auch Sex gehören nicht dazu. Publishers Weekly zufolge wurde im Jahr 2013 aus solchen und ähnlichen Gründen bereits mehr als 50 E-Comics der Zugang zum App-Store verweigert.

Prominentes Beispiel ist die von Matt Fraction und Chip Zdarsky gestartete Serie „Sex Criminals“. „Suzie’s a normal girl with an extraordinary ability: when she has sex, she stops time. One night she meets John…  who has the same gift. And so they do what any other sex-having, time-stopping, couple would do: they rob banks“, so der Promo-Text. Der von Image Comics verlegte E-Comic wurde nach drei Folgen von Apple gestoppt. Auf anderen Plattformen ist die Serie problemlos zu bekommen – doch das ist nicht das eigentliche Problem. Die Umsatzverluste durch den App-Store-Rauswurf seien beträchtlich, so zitiert PW Image Comics-Verleger Eric Stephenson. „Wenn wir den Comic nicht via App interessierten Lesern anbieten können, geht uns die Möglichkeit verloren, das größtmögliche Publikum zu erreichen“. Üblicherweise wird zumeist der erste Teil einer Serie kostenlos angeboten, weitere Folgen kauft man via In-App-Shopping.

Um Apples Bestimmungen zu entsprechen, üben Anbieter wie ComiXology bereits ein hohes Maß an Selbstzensur aus, doch das reicht offenbar nicht. Im Mai 2013 wurde ComiXology laut Publishers Weekly von Apple mitgeteilt, dass 56 Comics, die bis dato über die App erhältlich waren, nicht den App-Store-Standards entsprechen würden und deswegen zurückgezogen werden müssten. Manche der betroffenen Serien, wie etwa die Anthologie „No Straight Lines“ (Fantagraphics) sind sogar für den Eisner Award nominiert worden, einer der wichtigsten Auszeichnungen für Comic-Kultur überhaupt.

Mit OS X Mavericks kommt iBooks auf den Mac-Desktop

Bei all den Gadget-Neuigkeiten der jüngsten Apple-Show ging eine Nachricht fast ein bisschen unter: die neueste Version von Mac OS X – Codename Mavericks – wird kostenlos unter die Leute gebracht, und das ermöglicht dem Mac-Besitzer, nun auch ohne Mehraufwand iBooks auf den Desktop zu bringen. Bisher gabs Apples E-Reader-App merkwürdigerweise nur für das mobile iOS – doch Apple führt ja bekanntlich beide Welten Schritt für Schritt zusammen: die Installation von Mac OS X umfasst jetzt von vornherein die E-Reader-Software mit integriertem iBook Store. Klickt man also in Zukunft auf dem Mac-Desktop ein epub an, wird es automatisch innerhalb von iBooks geöffnet, wobei auch der neue epub3-Standard unterstützt wird.

E-Bibliothek via Cloud synchronisiert

Beim ersten Öffnen fragt iBooks für den Desktop nach der Apple-ID – also den Account-Daten, mit denen man auch im iTunes-Store einkauft. In der Bibliotheksübersicht werden dann alle via iBooks mit anderen Geräten gekauften E-Books mit einem Cloud-Symbol angezeigt – per Mausklick kann man sie dann auf den Mac laden. Es sei denn, die maximale Anzahl von fünf aktivierbaren Geräten ist überschritten. Kann natürlich bei echten Apple Fanboys und -girls schon mal passieren (iPad, iPod Touch, iPhone, Mac Mini, MacBook, schwupp). Ähnlichen Ärger gibt’s ja auch im Kindle-Universum, vor allem, wenn man noch Kindle-Apps auf diversen Fremdgeräten nutzt.

iBooks öffnet mehrere E-Books gleichzeitig

Die Nutzung von iBooks für Schreibtischtäter unterscheidet sich abgesehen von der unterschiedlichen Bildschirm-Größe nicht von der mobilen Version – voreingestellt ist der Zweispalten-Satz, der Wechsel in den Einspalten-Modus ist problemlos möglich. Besonderer Vorteil dürfte sein: Auch mehrere Bücher können auf dem Desktop gleichzeitig nebeneinander geöffnet werden. Das Umblättern erfolgt mit einem Mausklick auf rechts und links eingeblendete Pfeilsymbole, oder via Keyboard mit den Richtungstasten. Sehr bequem funktionieren auch die erweiterten Textfunktionen – etwa Nachschlagen im Wörterbuch per Doppelklick auf ein einzelnes Wort, das Markieren bzw. Notizen anlegen durch das Highlighten von längeren Textabschnitten, oder das Facebooken und Twittern von Zitaten. Textexport per Copy-Paste in Richtung Word & Co. gibts ebenfalls, aber nur sehr eingesschränkt.

Apple holt ein Versäumnis nach…

Bei aller Freude über iBooks auf den Desktop sollte man eins aber nicht vergessen: Apple holt hier nach mehreren Jahren ein Versäumnis nach, das eigentlich eher unverständlich ist – schließlich war es niemand anderes als Steve Jobs persönlich, der in den 80er Jahren schon mal interaktive E-Books auf den Desktop gebracht hatte, u.a. durch die Kooperation mit Oxford University Press, und sich dafür mächtig auf die Schultern klopfte („Erste echte Innovation der Buchbranche seit Gutenberg“ etc.). Aber gut, Desktops selbst sind natürlich auch nicht mehr wirklich innovativ – dass iPhone und iPad die Nase vorn hatten, entbehrt letztlich auch nicht einer gewissen Logik…

(Tipp: Eine ausführliche iBooks-(P)Review hat Liz Castro auf pigsgourdsandwikis.com gepostet…)

Samsung beantragt Patent für das Umblättern von E-Books

Fünfhundert Jahre lang waren Bücher einfach Bücher, dann erfand Steve Jobs das E-Book (behauptete jedenfalls Steve Jobs). Bei bloßen digitalen Letternwüsten blieb es nicht – denn Apple erfand dann für das Display von iPad & Co. noch den digitalen „Page Turn“, vulgo: das Umblättern. Für den grafisch animierten Seitenwechsel bei E-Books bekam das Unternehmen Ende 2012 sogar ein Patent zugesprochen. Das muss der Moment gewesen sein, an dem beim Konkurrenten Samsung die Alarmglocken läuteten – kaum fünf Monate später hat der südkoreanische Konzern jetzt beim „US Patent and Trademark Office“ einen eigenen Patentantrag zum selben Thema eingereicht. Wieder geht es um’s Umblättern, nur deutlich ausführlicher als im Apple-Patent.

Der Physik des Seitenblätterns auf der Spur

Samsung geht es offenbar darum, die Physik des Seitenblätterns möglichst naturgetreu und interaktiv auf die Touchscreens von Smartphones und Tablets zu übertragen. Dabei werden auch die Verformungs- und Verzerrungsmuster von Papier ganz genau beschrieben, ebenso ihre Simulation im digitalen Medium. Möglichst viele Gesten sollen dabei erlaubt sein, etwa das Umschlagen der oberen oder unteren Ecke, um nur einen schnellen Blick auf die dahinterliegenden Seite zu erhalten. Viele dieser Elemente werden von gängigen E-Lese-Apps schon jetzt angeboten, nur hat bisher noch niemand Interesse daran gehabt, sich so etwas Banales wie das Umblättern patentieren zu lassen.

„Drei, zwei, eins, Mainz“

Abgesehen von Apple. Schon bisher haben sich Apple und Samsung eine jahrelange Patentschlacht geliefert, um auf dem hart umkämpften Markt für Mobilgeräte Vorteile zu erlangen. Dabei wurden nicht nur Milliardenbeträge verpulvert, auch die Konsumenten mussten leiden: denn immer wieder wurde der Verkauf etwa von bestimmten Smartphone-Modellen in bestimmten Regionen gerichtlich untersagt. Statt um Design-Plagiate im Hightech-Bereich geht’s beim Umblättern bedruckter Textseiten aber absurderweise um die digitale Kopie einer Kulturtechnik, die so alt wie die Gutenberg-Galaxis ist. Was für ein Glück für Apple und Samsung, dass es vor 500 Jahren weder Patentämter noch multinationalen Shareholder-Kapitalimus gab – sonst wären sie längst von der Johannes Gutenberg AG aus Mainz verklagt worden.

(via The Digital Reader)

Abb.: US Patent & Trademark Office / Wikipedia (Artikelübersicht)