Premium-Angebot „Spiegel Plus“: Zahlende Leser sollen Werbeeinnahmen maximieren

spiegel-plusNa dann Prost: Wer den brandneuen Premium-Content von Spiegel Online („Spiegel Plus“) lesen möchte, kann auf einem „digitalen Bierdeckel“ anschreiben lassen. Erst wenn der Inhalt von dreizehn Artikeln à 39 Cent (d.h. insgesamt für knapp 5 Euro) den Sehnerv herabgeperlt ist, wird man via „LaterPay“ zur Kasse gebeten – vorher reicht die einfache Registrierung. Gezahlt werden kann dann via Kreditkarte, Sofortüberweisung oder Bankeinzug. Spiegel Plus enthält sowohl Texte aus dem aktuellen Wochenmagazin wie auch exklusive Online-Only-Artikel, Tag für Tag kommen jeweils zwei aus beiden Sektoren hinzu. Einen Überblick zum derzeitigen Premium-Angebot gibts via spiegel.de/spiegelplus.

„Bezahlinhalte salonfähig machen“

Der Vorteil dieses Micropayment-Verfahrens liegt auf der Hand: es rasselt keine undurchdringliche Paywall herab, die Leser können das neue Angebot erst einmal testen — die ersten 1.000 Wörter jedes Artikels sind zudem ohne Registierung bei Laterpay lesbar. Auch Portale wie Golem, Geo oder Schöner Wohnen setzen bereits auf das niedrigschwellige Konzept des Münchner Paid-Content-Dienstleisters LaterPay, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „Bezahlinhalte im Internet salonfähig zu machen“.

Eine Folge der Print-Krise

Die bisherige Angebots-Trennung — SPOL als kostenloses Massenangebot im Netz, das Wochenmagazin DER SPIEGEL als kostenpflichtiges Komplettangebot in Papierform oder als E-Paper — ist damit endgültig passé. Wohl aus gutem Grund, zum einen sinkt die Druckauflage immer weiter, zum anderen bringt die Online-Werbung und der E-Paper-Verkauf nicht genug, um den Schwund bei Print aufzufangen.

Metered Model im Trend

Mit der neuen Paid Content-Strategie geht SPOL einen ähnlichen Weg wie viele deutsche (Tages-)Zeitungsverlage, die überwiegend auf eine Kombination von Freemium und Premium bzw. das „Metered-Model“ setzen.Laut BdZV bitten insgesamt bereits 120 der ingesamt 344 Tageszeitungsverlage hierzulande ihre Digital-Leser zur Kasse. Jedes zweite Blatt unterstützt zudem auch auf die Vermarktung durch externe Häppchen-Anbieter à la Blendle oder Pocketstory.

„Hochwertiges Werbeumfeld“

Die dort feilgebotenen Lese-Häppchen (inklusive Spiegel-Content) sind mit Preisen zwischen 75 Cent und knapp 2 Euro zwar deutlich teurer als bei Spiegel Plus, dafür aber auch komplett werbefrei — auf die beim Publikum unbeliebten Reklame-Banner wollen die Spiegel-Macher dagegen auch beim Premium-Content nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: „Wir gehen davon aus, das wir in Umfeldern von Beiträgen, für die die Leser bezahlt haben, höhere Werbepreise erzielen können“, so Verlagsgeschäftsführer Hass gegenüber Horizont.net.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".