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Holzmedien versus Web 2.0: Trendpiraten.tv erklärt uns die Zeitungskrise

holzmedien-versus-web20-trendpiratentv-erklart-zeitungskrise„Kommt nach der Bankenkrise jetzt die Medienkrise? Werden Zeitungen verschwinden?“ Eine attraktive Moderatorin im Schlabber-T-Shirt räkelt sich auf dem Flokati, dann gibt es Animationsfilmchen mit den Figuren Eggbert und Eila. Die Macher von Trendpiraten.tv erklären einer wachsenden Fan-Gemeinde die „wilde Welt des Webs“. Die Mischung aus Viva, Southpark und Sendung mit der Maus widmet sich Themen wie Cloudcomputing, Fernsehen 2.0 oder die Zukunft von Apple. In der aktuellen Folge geht’s um das Schicksal der „Holzmedien“. „Die Konsumenten passen nicht mehr in das Schema der alten Medien“, so die zentrale Botschaft. Die Leser wandern ins Internet ab, doch dort kann man bisher kaum Geld verdienen. Also sind andere Lösungen gefordert: von der Kulturflatrate über Genossenschaften bis hin zum Leserjournalismus. Nicht zu vergessen: Tweeds, Feeds und Blogs. A propos: Trendpiraten.tv ist selbst ein Videoblog. Die virtuellen Freibeuter segeln unter der Fahne einer Kölner Medienagentur…

Was haben Trendpiraten mit Schnaps, Benzin und Kölnisch Wasser zu tun?

Die Agentur hört auf den Namen Reality-Bytes.com: nach eigenen Angaben „führender Fullservicedienstleister für alle Kundenbelange, die mit Internet zu tun haben“. Man bietet nicht „überladene Bildschirm-Eldorados ohne Limit und Gesetz“, sondern „auf die Nutzbarkeit reduzierte Aktions- und Erlebniswelten“. Die „Farb- und Bildwelten“ dürfen aber zur „Nutzerführung“ schon gerne mal „emotionsgeladen“ sein. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt etwa der von reality-bytes betreute Relaunch der Seite eines transnationalen Schnaps-Großhändlers. Oder die Seiten von Aral, FunnyFrisch & Kölnisch Wasser. Schnaps? Benzin? Chips? Eau de Toilette? Wie geht das mit dem kritischen Label der Trendpiraten.tv zusammen?

Schon Enzensberger wusste, warum Web-TV nicht per se schlecht sein muss

Tja, man sollte vielleicht nicht vorschnell die Nase rümpfen. Schon Hans-Magnus Enzensberger wusste ja (und vor ihm schon Brecht): das Medium Film ist nicht per se anti-aufklärerisch. Es kommt immer darauf an, wie man es einsetzt. Man kann die Verhältnisse durch Bild- und Schnitttechnik verschleiern, man kann sie aber auch analysieren. Zu letzterer Kategorie gehört sicherlich das Web-TV-Angebot der Trendpiraten. Auch wenn es gleichzeitig Werbung für die Agentur im Hintergrund ist. Medial liegt die letzte Folge zur Medienkrise auf jeden Fall voll im Trend. Einer Studie von Cisco zufolge soll bis zum Jahr 2013 mehr als 90 Prozent des Internet-Traffics durch Video-Anwendungen verursacht werden. Die ehemaligen „Holzmedien“ mutieren schon jetzt zu Trendpiraten: im Online-Journalismus etabliert sich eine Mischung aus Texten, Bildern und Videoclips. Auf Moderatorinnen im Schlabber-T-Shirt muss man dabei allerdings verzichten…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

5 Gedanken zu „Holzmedien versus Web 2.0: Trendpiraten.tv erklärt uns die Zeitungskrise“

    1. Und selbst die E-Mail-Adresse ist mit bytes und nicht mit bites! Jetzt glaub ich’s endgültig. :-)

    1. Mhh, ja, danke! Schon korrigiert. Aber: Das kommt eben davon, wenn man Wortspiele macht. Am Ende verstehts noch einer :-)

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