Firefox OS ist tot — es lebe KaiOS: HTML5-Apps sollen Feature-Phones ins Webzeitalter katapultieren

auf-firefox-os-folgt-kaiosErinnert sich noch jemand an Firefox OS — die mobile Android-Alternative für Low-Cost-Smartphones? Das Projekt ist mittlerweile leider eingestampft, oder zumindest fast. Denn in Form von KaiOS lebt es weiter, eingedampft auf ein auf HTML5-Apps basierendes Betriebssystem für „Feature Phones“ ohne Touch-Screen. Derzeit läuft das ressourcen schonende KaiOs — Arbeitsspeicher-Minimum: 256 MB — zum Beispiel auf „Tastenhandys“ wie dem Nokia 8118 oder dem Alcatel One Touch Go Flip, Webzugang via 4G inklusive.

Durch die Browser-App-Methode sind viele klassische Smartphone-Anwendungen auch via KaiOS nutzbar, etwa Twitter, Facebook oder Youtube — viele weitere kann man im KaiStore genannten AppStore herunterladen. Für die Entwicklung des wie Android auf einem Linux-Kern aufbauenden KaiOS ist das gleichnamige US-Unternehmen KaiOS Technologies zuständig, tatkräftig unterstützt von Google: erst im Juni gab es eine Finanzspritze von 22 Millionen Dollar.

Googles Ziel scheint klar: Bisher ist nur die Hälfte der globalen Bevölkerung online, viele der anderen Hälfte könnten es auch sein, wenn der Gerätepreis von internetfähigen Phones die magische Grenze von 34 Dollar unterschreiten würde. Mindestens eine Milliarde neuer Nutzer könnte auf diese Weise u.a. Zugang zu Google-Anwendungen erhalten — keine schlechte Perspektive (zumindest nicht für Google). Aktuellen Zahlen zufolge sind weltweit derzeit 1,3 Milliarden Tastenhandys im Einsatz.

Und schon bisher läuft KaiOS auf mehr als 30 Millionen Feature-Phones, u.a. in Nordamerika und Indien, bis Ende 2017 wollen die Kaioten die 100-Millionen-Marke knacken, u.a. durch Partnerschaften mit Netzanbietern wie AT&T, T-Mobile und Reliance Jio. Spannende Aussichten nicht zuletzt auch für die weitere Verbreitung des elektronischen Lesens — denn natürlich bietet die HTML5-Basis auch beste Voraussetzungen für E-Reading-Apps und den drahtlosen Zugang zu E-Books.

See you later, Aggregator: Mozillas Empfehlungsdienst Pocket mausert sich zum konkurrenzfähigen Newsstream

pocket-mozilla-readitlaterSee you later, Aggregator: falls sich jemand Sorgen um Pocket gemacht hat, die 2017 von der Mozilla geschluckte Read-it-Later-App — es geht dem Service und seinen Machern gut. Denn bei den Nutzern des Open-Source-Browsers ist das nun fest integrierte Späterlese- und Empfehlungs-Tool äußerst beliebt, die in einem neuen Reiter angezeigten Lesetipps werden oft angeklickt. Was wohl nicht allein an der bloßen Masse von mehr als 50 Mio. aktiven Firefox-Nutzern liegt, sondern auch daran, dass die Basisdaten sozusagen mehrfach crowdgesourct sind, es geht nicht nur um die Reichweite allein, sondern die (Appnutzer-)Interaktionen mit den Artikeln insgesamt, wozu u.a. auch das Abspeichern und die Lesedauer gehört.

Mit Facebook gefühlt auf Augenhöhe

Firefox hat dabei ein ambitioniertes Ziel: durch verstärkte Zusammenarbeit mit Content-Anbietern soll ein Konkurrenzprodukt zu den Newsfeeds der sozialen Netzwerke aufgebaut werden, vor allem natürlich eine Alternative zu Facebook. Vereinzelt klappt das auch schon, bei SPOL sollen im Mai vermittelt via Mozilla & Pocket App satte drei Millionen Seitenbesuche erzeugt worden sein, und auch andere Publisher erleben vergleichbare Trafffic-Spitzen.

Monetarisierung muss aber auch sein…

Zwecks Monetarisierung — ja, es geht immer noch um Mozilla — werden in den Browser-Nachrichtenstrom zukünftig übrigens auch gesponserte Inhalte eingeblendet, immerhin findet die Auswahl der Themen dabei datenschützerisch vorbildlich lokal im Browser statt. Vorbild ist dabei wohl die Pocket-App: in der gibt’s schon Werbeeinblendungen, wer sie ausblenden möchte, muss einen monatlichen Beitrag von 4,50 Euro zahlen.

Auch ja übrigens: Chrome-Nutzer müssen auf Pocket natürlich nicht verzichten, es wird von Pocket auch ein Plugin für Googles Browser angeboten.

(via Meedia
& heise)

Subvokalisation plus Knochenschall: Neues Wearable-Konzept ermöglicht stumme Dialoge mit dem digitalen Assistenten

alterego-wearable-mitSubvokalisieren, das heißt normalerweise: jemand spricht beim langsamen Lesen jedes Wort unhörbar mit, deswegen wird das gerade beim Lesenlernen auftretende Phänomen auch „inneres Mitsprechen“ genannt. Aber Subvokalisieren geht natürlich auch jenseits von Lektürevorgängen. Die bei solchen inneren Monologen auftretenden minimalen Kehlkopfbewegungen sind schon seit längerem maschinell erfassbar, was mittlerweile heißt: sie sind maschinenlesbar, können also für die stille Mensch-Maschine-Kommunikation genutzt werden. Setzt man dann noch Knochenschall für den Backchannel ein, kann man sogar für die Außenwelt unhörbare Dialoge führen, entweder mit einem digitalen Assistenten oder einem entfernten menschlichen Gesprächspartner.

Digitales Alter Ego als allwissender Einflüsterer

Genau nach diesem Prinzip funktioniert ein neues Wearable-Konzept namens „Alter Ego“, entwickelt von den MIT-Forschern Arnav Kapur und Pattie Maes. Aufgesetzt sieht es in etwa so aus wie ein Bumerang, der sich hinter der Ohrmuschel verfangen hat und bis zum Kinn reicht. Sitzt am anderen Ende dieses Hightech-Dosentelefons zum Beispiel vermittel via Smartphone eine clevere AI mit Zugang zu Internet und Datenbanken, hat man tatsächlich so eine Art Alter Ego an der Strippe — und kann in allen möglichen Situationen mit ihm interagieren, ohne andere Menschen zu stören, etwa in der U-Bahn, im Kino oder … in der Bibliothek.

Neue Form der Mensch-Maschine-Schnittstelle

“We basically can’t live without our cellphones, our digital devices. But at the moment, the use of those devices is very disruptive“, so Pattie Maes. Diverse Schummelszenarien mit einem heimlichen Einflüsterer sind natürlich ebenfalls vorstellbar, etwa bei einem Schachspiel. Ein bisschen Unterstützung kann aber nie schaden: Da unser Bewusstseinsstrom in der Regel auf Sprache aufbaut, ist eine zusätzliche innere Stimme grundsätzlich eine Art intellektuelle Prothese, oder vornehmer ausgedrück, eine Art Denkerweiterung. So sehen das auch die AlterEgo-Erfinder: „Our idea was: Could we have a computing platform that’s more internal, that melds human and machine in some ways and that feels like an internal extension of our own cognition?“, berichtet Arnav Kapur.

Bisher kann das System nach einigem Training sowohl Zahlen wie auch ca. 100 Worte erkennen, aber das ist natürlich nur ein Anfang. Im Endeffekt geht „AlterEgo“ in dieselbe Richtung, die auch in den Laboren von Facebook oder Elon Musk’s Neuralink-Startup beschritten wird – da die MIT-Forscher allerdings nicht Hirnsignale anzapfen, sondern nur Nervenimpulse am Kehlkopf, werden sie wohl schneller ein praxistaugliches Produkt auf die Beine stellen können.

(via MIT News)

Smartphone über alles: bald größerer C02-Fußabdruck als Desktops, Laptops und Displays zusammen

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausSo, so, du hast ein E-Book auf dein nagelneues iPhone mit 5,8 Zoll-Display geladen, und meinst, das sei umweltfreundlich, weil keine Bäume dafür sterben mussten? Und hast zum Beleg dafür auf diversen Servern kreuz und quer über alle Welt verteilt ein paar Infos zu diesem Thema zusammengegoogelt? Hmmmm… Leider gibt es da ein paar schlechte Nachrichten. Denn wie zuletzt eine Studie der kanadischen McMaster-Universität zeigte („Assessing ICT global emissions footprint: Trends to 2040 & recommendations“), sind gerade Smartphones und mobile Apps dafür verantwortlich, dass der CO2-Fussabdruck der IT-Industrie sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht hat. Bis 2040 wird er sich nochmal vervierfachen. In konkreten Zahlen: 2007 lag der Anteil der „Informations- und Kommunikations-Industrie“ noch bei ein Prozent am globalen CO2-Ausstoß, derzeit liegt er bei knapp drei Prozent, in den nächsten zwei Jahrzehnten droht der Anteil auf 14 Prozent zu steigen.

Herstellung für CO2-Bilanz entscheidend

Mit dem Energieverbrauch der Smartphones selbst bei laufendem Betrieb hat das allerdings wenig zu tun, das Problem sind die hohen Aufwendungen zur Herstellung — etwa das Schürfen und Verhütten der seltenen Erden für die Elektronik — wie auch die im Hintergrund ständig ratternden Serverparks, um all die datenhungrigen Apps ständig up to date zu halten und User-Anfragen zu bearbeiten. Von E-Book-Bibliotheken in der Cloud mal ganz abgesehen. Bis zu 45 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks der IT-Branche werden bis 2020 alleine durch den Betrieb von Datenleitungen und Serverparks entstehen, schätzen die Autoren der McMaster-Studie.

Recycling-Quote „unter 1 Prozent“

Wird dann durchschnittlich alle zwei Jahre auch gleich noch das „alte“ Smartphone durch ein neues (ggf. noch mit größerem Display und noch mehr Elektronik) ersetzt, beginnt der Teufelskreis von neuem, außerdem entstehen natürlich noch weitere Probleme durch das Recycling bzw. Nicht-Recycling der gebrauchten Geräte — die Wiederverwertungsqote liegt nach Schätzungen der McMaster-Studie bei weniger als ein Prozent (!).

Letzlich sind die Zahlen insgesamt auch ein Beleg für den raschen Wandel der Informationsgesellschaft: in nur zehn Jahren hat das Smartphone den klassischen Büromaschinen-„Fuhrpark“kräftig durcheinandergewirbelt — dementsprechend wird der CO2-Fußabdruck des Smartphone in Kürze größer sein als der von Desktops, Laptops und Displays zusammen.

(via FastCoDesign.com)

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)

E-Mail bleibt der wichtigste Kanal, meint Google — & webifiziert mit „AMP for Email“ die Elektropost

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Geschätzte 270 Milliarden E-Mails werden Tag für Tag rund um den Globus verschickt — viele davon mit Links, die in Richtung Web oder App führen. Man klickt oder tippt drauf, und schwupp öffnet sich ein neuer Content-Container. Doch warum solche Umwege gehen (zumal manche Adressaten genervt darauf reagieren), fragen sich immer mehr Publishing- und Marketing-Profis — und versuchen, nicht nur so viel Web-Design, sondern auch soviel Interaktivität wie möglich in die E-Mail selbst zu packen.

Pinterest, Booking.com & Doodle machen’s vor

Nun hat sich Google an die Spitze dieser Bewegung gesetzt — das Zauberwort lautet in diesem Fall „AMP for Email“: der Suchmaschinen-Riese will den selbst entwickelten Web-Standard für mobile Webseiten („Accelerated Mobile Pages Standard“) künftig auch in E-Mail-Anwendungen implementieren. Zum Start mit dabei: nicht ganz zufällig Googles eigene GMail-App, sowie als kommerzielle Anwender der neuen Technik Unternehmen wie Pinterest, Booking.com oder Doodle.

E-Mail-Marketing verspricht die höchste Rendite

Wer sich nicht mehr weiterklicken oder tippen muss, sondern gleich in der Mail durch Web-Shops scrollen, den Einkaufskorp packen und bezahlen kann, wird natürlich im Durchschnitt auch zum willigeren Käufer — und so dürfte „AMP für Emails“ gerade im E-Mail-Marketing große Erfolgschancen haben. Immerhin hat das Marketing via Mail schon jetzt den höchsten „ROI“ aller medialen Kanäle, sprich: erzielt die höchste Rendite.

Hoher Nutzwert auch für Verlagsbranche

Nützlich ist das Ganze natürlich auch, wenn man es für Inhalte wie News oder E-Books (bzw. Leseproben) verwendet — der Empfänger kann gleich loslesen, man muss ihn nicht mehr davon überzeugen, einen Link zu aktivieren. Und man darf natürlich nicht vergessen: soziale Netzwerke mit ihren komplexen Ausspielungs-Algorithmen sind im Vergleich zum E-Mail-Marketing eine Black Box, die Reichweite lässt sich nur schwer kontrollieren bzw. abschätzen — per Mail erreicht man die ausgewählten Empfänger direkt, ohne Vermittlungsinstanz.

(Was allerdings auch Spammer und Scammer wissen — so dass dynamische Webinhalte in E-Mails auch auf Kritik stoßen…)

(via FastCodeDesign)

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Storydocks schwimmt sich frei: Erzähl-Werft dank Kapitalspritze jetzt unabhängig von Oetinger Verlagsgruppe

storydocks-oetinger-digitales-storytellingErst 2015 hatte die Oetinger Gruppe diverse digitale Geschäftsbereiche unter dem Label „Storydocks“ zusammengefasst — die Hamburger „Erzählwerft“ soll dem Mission Statement zufolge „Storytelling für Kinder auf ein neues Level heben“ und gute Geschichten „multimedial, viral, cross-channel“ darstellen helfen. Nun geht die Ausgründung endgültig eigene Wege — auch dank einer millionenschweren Kapitalspritze der Beteiligungsholding J.F. Müller & Sohn.

Erfolgreich Doppelstrategie: Eigenmarken stärken…

Von Anfang an verfolgte Storydocks eine Doppelstrategie. Zum einen ging es um die Weiterentwicklung von Oetingers Digital-Marken à la Tigerbooks (Plattform für digitale Kinderbücher & Kindermedien), Tigercreate (App zur Gestaltung interaktiver E-Books für Kinder) oder „Framily“ (personalisierte Kinderbücher) vorantreiben, zum anderen auch um Beteiligungen an externen Start-Ups.

… und via Companybuilding neue Marken schaffen

Solches „Companybuilding“ betrieb man zwischenzeitlich bereits für Altraverse (Crossmediale Manga-Welten), Filimundus (Games-Entwicklung) sowie readio (responsives Lesen). Das fanden wohl auch die Investoren interessant — Storydocks Kernkompetenz sei es, „zukunftsweisende Produkterlebnisse für digitale Zielgruppen aus der Verbindung von Medien-Content und Technik zu entwickeln und daraus nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren“, verlautbarte anlässlich des Einstiegs die Beteiligungsholding.

(via Buchreport & boersenblatt.net)

Bezahlen mit CPU-Zyklen? Salon.com testet Krypto-Mining im Browser als Alternative zu Online-Ads

salon-bictoin-mining-statt-online-adsDer Online-Leser ist die Cash-Cow der Online-Presse, doch wie man die Kuh melkt, das kann sich durchaus unterscheiden. Beim „traditionsreichen“ Internet-Magazin Salon.com (gegründet 1995) wird jetzt eine interessante Variante beim Umgang mit Ad-Blockern getestet — anstatt Online-Ads zuzulassen, können die Seitenbesucher auch das „Suprress Ads Beta“-Programm wählen. In diesem Fall „borgt“ sich Salon.com über ein eingebettetes Skript einen Teil der Rechnerleistung aus, um damit Krypto-Mining zu betreiben, sprich: virtuelles Geld zu machen (genauer gesagt geht’s dabei um die Bitcoin-Variante Monero).

Der Leser hat seinen Wert, der Rechner auch

Salon.com selbst beschreibt die Logik hinter dieser Alternative so: „We realize that specific technological developments now mean that it is not merely the reader’s eyeballs that have value to our site — it’s also your computer’s ability to make calculations, too. Indeed, your computer itself can help support our ability to pay our editors and journalists.“ Mit anderen Worten: statt „Eyeballs“ zählen jetzt auch CPU-Zyklen, die sind schließlich im Zeitalter von errechneten Krypto-Währungen so wertvoll wie nie zuvor.

Andere Seiten kapern die Rechenleistung ungefragt

Pikanterweise wird dabei eine Methode verwendet, die auf manchen Webseiten heimlich vor sich geht, so wurde etwa die Sharing-Plattform The Pirate Bay letztes Jahr dabei erwischt, ungefragt die Rechenleistung der Nutzer anzuzapfen. Was sich dann zum Beispiel durch verlangsamte Seitenperformance und rasende Lüfter bemerkbar machte, sehr zum Ärger der Community. Ähnliche Probleme könnten natürlich auch auf der Website von Salon.com auftreten – aber immerhin: die Leser werden ja vorgewarnt.

Bezahl-App als zusätzliche Einnahmequelle

Grundsätzlich ist der Ansatz auch gar nicht so dumm — schließlich sind kreative Lösungen beim Umgang mit Werbeblockern gefragt, will die Publishing-Branche ihre Erlöse steigern, ohne die Leser zu vergraulen. Eine weitere Einnahmequelle soll übrigens in Kürze folgen — die bezahlungspflichtige Salon-App für iOS, Google Play und Amazon Fire. Auf Dauer wohl die effektivste Methode, die Umsätze zu steigern.

(via TNW & The Digital Reader)

Schon mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz: App-Markt in Deutschland boomt

apple_app_store.jpgDer App-Markt boomt weiter – 2017 wurden hierzulande 1,5 Mrd. Euro mit mobilen Anwendungen für Smartphones oder Tablets umgesetzt, und damit fast eine Verdreifachtung gegenüber 2013 erreicht, meldet der IT-Branchenverband BITKOM. Im Vergleich zu 2016 wuchs der Umsatz um vier Prozent, gegenüber 2015 um 17 Prozent. Zum Vergleich: das Marktvolumen im Bereich E-Books liegt in Deutschland bei ca. 500 Millionen Euro, der gesamte Buchmarkt bei 9 Millionen Euro — bei deutlich niedrigeren Steigerungsraten bzw. Stagnation.

Smartwatch & Wearables-Bereich heizt den Markt an

„Der Boom von Apps ist ungebrochen. Mit Wearables wie etwa der Smartwatch und Fitnessarmbändern erweitert sich das Ökosystem rund um Apps nochmals deutlich“, kommentiert BITKOM-Präsident Achim Berg. In den zwei größten Stores wurden im letzten Jahr insgesamt 1,8 Mrd. Downloads verzeichnet. Die Nase vorn hat Googles Play Store, zwei Drittel aller Apps wurden dort heruntergeladen, Apples App Store kommt auf einen Anteil von 35 Prozent.

Deutlich angestiegen ist in den letzten Jahren auch die Zahl der verfügbaren Apps — sie hat sich seit 2013 verdoppelt. In den führenden App Stores von Google und Apple werden mittlerweile rund sechs Millionen Anwendungen angeboten, 3,4 Millionen bei Google, 2,2 Millionen bei Apple. Doch auch der Amazon Appstore startet durch, dort gibt es bereits mehr als 600.000 Anwendungen Apps.

In-App-Shopping bleibt zentraler Umsatztreiber

Zum Erfolgrezept des App-Konzepts gehört auch weiterhin, dass die meisten Apps kostenlos heruntergeladen werden können. Der Löwenanteil des App-Umsatzes (1,2 Milliarden Euro, entspricht 79 Prozent) wird mit In-App-Shopping erzielt, zum Beispiel mit Upgrades bei Gaming-Apps (232 Millionen Euro, entspricht 15 Prozent) oder Werbung (91 Mio, entspricht . (sechs Prozent) — nur 91 Millionen Euro und damit 6 Prozent des Umsatzes direkt mit dem Kauf einer App.

Am beliebtesten sind Anwendungen für Soziale Netzwerke, Messenger, Streaming-Dienste und Spiele. Stark im Kommen sind außerdem Alltagshelfer wie Radar- oder Unwetteralarm-Apps sowie Fitness-und Gesundheits-Apps, die Schritte zählen oder zurückgelegte Strecken aufzeichnen.

Shades of Gray statt Klicki-Bunti: Hilft die Screen-Vergrauung gegen Smartphone-Sucht?

grauer-bildschirmEs gibt ja viele Wege, der Suggestivkraft des Smartphones zu entkommen: vom zeitweisen Verzichten („Smartphone-Fasten“) über Smartphone-freie Zonen (siehe den gerade angekündigten Handy-Bann in französischen Schulen) bis hin zu Ersatz-Fetischen à la Nokia-Handy oder gleich einer Holzattrappe. Ein ganz besonderer Trend tobt gerade in den USA: die absichtliche Screen-Vergrauung. Statt Millionen Farben wählen immer mehr Nutzer sozusagen „Fifty Shades of Gray“ zwischen den Non-Colors Weiß und Schwarz.

Tech-Ethiker Tristan Harris hat den Trend ausgelöst

Inzwischen kursieren auch diverse Kurzanleitungen im Netz, inspiriert wird die Bewegung dabei vom Tech-Ethiker & „Time Well Spent“-Gründer Tristan Harris, der sich als Ex-Googler besonders gut mit den subtilen Tricks der Aufmerksamkeitsökonomie auskennt — nutzen doch die Technik-Konzerne beim ausgefeilten Design der Benutzeroberflächen gezielt die Schwächen der Nutzer aus, um sie möglichst lange am Bildschirm zu halten oder sobald wie möglich wieder an das Screen zu locken.

Abhilfe gegen Neuromarketing-Tricks

Überhaupt sollen heutzutage ja Produktverpackungen wie auch das App-Layout durch entsprechende Farb- und Formgestaltung so anziehend wie möglich wirken — Neuromarketing-Beratungsfirmen wie Neurons Inc. schieben dafür auch schon mal Testpersonen in einen MRT-Scanner, um die Gehirnaktivität bei der Wahrnehmung bestimmter Designs ganz genau zu vermessen.

Mit dem Umschwenken auf Grautöne, so die These der farblosen Gegenbewegung, sollen all die Appelle an das Unterbewusstsein unterbunden werden, so dass der Nutzer wieder eine bewusste Auswahl treffen kann. Eigentlich ein perfektes Argument für Smartphones und Tablets, die statt Farb-LCD mit E-Ink-Display ausgestattet sind — und wohl zugleich die Begründung dafür, dass kein großer Hersteller sich bisher so richtig um die Markteinführung gekümmert hat. Es wären eher Arbeitsinstrumente, keine Spaß- und Konsum-orientierten Geräte…

„Gemeinsame Plattform mit Verlagen“: ARD-User Service Engine als Google plus Facebook plus Netflix-Ersatz?

ard-logo-altAch ja, Texte im Internet. Den einen (private Verlage) ist es erlaubt, ins Web zu schreiben, den anderen (öffentlich-rechtliche Sendeanstalten) nicht? Oder nur im Telegrammstil? Wie beim Videotext? Aua, touché, schlechtes Beispiel. Denn damit fing der Streit ja in den frühen 1980er Jahren an, lange vor dem World Wide Web. Worte auf dem Bildschirm, mit Rundfunk-Gebühren und weiteren öffentlichen Zuschüssen bezahlt, das war den Zeitungsmachern damals schon ein Dorn im Auge.

Heute streitet man sich eher über den Wortanteil der Tagesschau-App, oder auf tagesschau.de, wobei ja eigentlich klar ist: ohne Worte geht es gar nicht. „Text in einem bestimmten Umfang ist notwendig, um gefunden zu werden“, so betonte BR-Intendant und derzeitiger ARD-Vorsitzender Ulrich Wilhelm jetzt in einem öffentlichen Pressegespräch. Denn alle Content-Anbieter seien vom Traffic der Suchmaschinen und Social Media-Netzwerke abhängig, und damit von deren Algorithmen.

Um dann einen großen Wurf zu formulieren (siehe das wörtliche Transkript bei daniel-bouhs.de): sollte es nicht besser „zu einer gemeinsamen Plattform für die Inhalte der unterschiedlichsten Qualitätsanbieter“ kommen, um von Google, Facebook & Co. unabhängig zu werden? Also einer „massiven Mediathek auch mit Text-Content der Verlage“, wie gleich mal vom Moderator kritisch nachgefragt wurde? Antwort: Im Prinzip schon, in der Zukunft, mit entsprechenden Gesetzesänderungen, und entsprechenden Kooperationsvereinbarungen, weil beide Seiten „schützenswerte Inhalte“ produzieren.

Die technischen Grundlagen dafür werden gerade gelegt, nämlich im Rahmen der ARD-User Service Engine (ARD USE), deren Ziel eine „für alle ARD-Angebote gemeinsame technische Infrastruktur mit einem personalisierten Nutzerzugang“ ist, die „intelligente Empfehlungs- und Suchfunktionen“ bietet. Startpunkt soll die bestehende (Video-)Mediathek sein, die in der Folge mit einer Audiothek und einer Mediathek speziell für Kinder-Inhalte ergänzt wird.

Kommt dann am Ende auch der News-Content der Zeitungsverlage dazu? Und zu welchen Bedingungen? Soll die Plattform dann etwa auch noch als ein eigentständiges soziales Netzwerk funktionieren? Ist das wirklich realistisch? Trotz der Konkurrenz nicht nur durch Facebook, sondern auch Amazon, Netflix, etc? Klar ist bisher nur eins: die Rundfunkbeiträge werden ab 2021 steigen, denn die Anstalten haben drei Milliarden Euro „Mehrbedarf“ pro Jahr angemeldet.