„Subscribe my thing“: Mit Flattr kann man Blogs jetzt auch abonnieren

flattr-subscribe-abo-modell Das Abo-Modell macht beim Crowdfunding immer mehr Schule: auch Flattr ermöglicht es jetzt, einzelne Beiträge oder auch einen ganzen Blog regelmäßig mit kleinen Spenden zu bedenken, wahlweise für drei, sechs oder zwölf Monate. Für die Nutzer bedeutet das vor allem weniger Klickerei – und die Gewissheit, ihre Lieblingsblogs längerfristig unterstützen zu können. Anders als etwa Kachingle erfordert das Grundprinzip von Flattr aber auch weiterhin, interessante Blogbeiträge, Videos oder sonstige Inhalte („Things“) einzeln zu „flättern“.

Erst lesen, dann zahlen: Alternative Abo-Modelle gesucht

Paid Content breitet sich langsam, aber sicher im Internet aus. Immer mehr News-Seiten verschwinden hinter Paywalls – in Kürze sogar die New York Times. Deutsche Zeitungen versuchen zur Zeit vor allem, über kostenpflichtige Apps mehr Geld mit digitalen Inhalten zu erwirtschaften. Will man etwa die FAZ auf dem iPhone oder die FR auf dem iPad lesen, muss man zuvor das Portemonnaie zücken. Beim Crowdfunding geht’s andersherum: man liest, und nur wenn’s einem gefällt, zahlt man (vielleicht) etwas. Das funktioniert nicht nur bei Blogs wie E-Book-News, sondern auch im Pressebereich: Micropayment als alternatives Zahlungsmodell probieren zur Zeit etwa die taz oder der Freitag aus (via Flattr), genauso aber die Online-Ausgabe des Vorwärts (via Kachingle). Besonders populär ist in Deutschland der Crowdfunding-Service von Flattr – dank der neuen „Subscribe“-Funktion könnte daraus nun ein alternatives Abo-Modell werden.

Die Flattr-Subscriptions können jederzeit gekündigt werden

Flattr ermöglicht es jetzt nämlich, einzelne Beiträge oder auch einen ganzen Blog regelmäßig mit kleinen Spenden zu bedenken – wahlweise für drei, sechs oder zwölf Monate. Das Feature ist allerdings erst auf den zweiten Blick zu entdecken: wenn man einen Flattr-Button klickt, zählt der Counter nicht nur um einen Punkt weiter, der „Flattr“-Button ändert seinen Namen statt in „Flattred“ in „Subscribe“. Klickt man ihn nochmal an, bekommt man ein kleines Pop-Up-Menü mit dem Abo-Zeitraum zur Auswahl. Will man doch nicht abonnieren, kann man das Fenster einfach wieder schließen. Um bei den aktiven Abos die Übersicht zu behalten, wurde in der Listenansicht in unteren Hälfte des Dashboards ein weiterer Reiter eingefügt: „Subscriptions“. Neben dem jeweiligen Beitrag/Blog steht dort dann etwa die Info: „Will be flattred for the next 3 months“. Kündigen kann man hier auch – neben dem Mülltonnen-Icon steht da unmißverständlich: „Cancel subscription“.

Das Abo-Modell von Flattr macht Sinn für beide Seiten

Der Mindestbeitrag bei Flattr beträgt 2 Euro pro Monat – je nachdem, wie viele Flattr-Buttons man monatlich anklickt, sind die einzelnen Klicks für die geflatterten Seiten mehr oder weniger wert. Bei der US-Konkurrenz Kachingle gehörte eine Art von Abo-Prinzip von Anfang an zum Konzept hinzu: sobald man per Mausklick auf den Kachingle-Button zu den Unterstützern einer bestimmten Site wird, werden alle Besuche automatisch gezählt, und vom monatlichen Mitgliedsbeitrag geht dann der entsprechende Anteil auf das Konto der „kachingleten“ Adresse. Während einer „friendly takeover“-Aktion funktionierte Kachingle mit einem speziellen Browser-Plugin sogar bei den populären Blogs der New York Times. Aus juristischen Gründen wurde dieses Projekt dann allerdings wieder gestoppt. Das Kachingle-Prinzip war bisher auf jeden Fall aber weniger anstrengend als bei Flattr – dort musste man ja jeden Monat wieder ein paar neue „Things“ entdecken und anklicken. Gerade bei Blogs, die man regelmäßig besucht, macht das Abo-Modell für die Flattr-Community wohl auf jeden Fall Sinn – für beide Seiten.

Friendly Takeover bei der New York Times: Kachingle sammelt Spenden, um Paywall zu verhindern – ohne zu fragen

kachinglex-new-york-times-crowdfunding-pluginKann Kachingle die Paywall der New York Times stoppen? Zumindest für die beim Publikum beliebten NYT-Blogs von David Pogue oder Paul Krugman gibt es jetzt eine Alternative. Mit einem Browser-Plugin namens KachingleX sammelt das Crowdfunding-Netzwerk unter den regelmäßigen Lesern Spenden, die an die Blogger weitergeleitet werden. Die Aktion ist eine Art „freundliche Übernahme“ – denn die NYT wurde nicht gefragt. Wer mitmachen will, braucht Firefox oder Chrome als Browser.

KachingleX zeigt der NYT, dass Crowdfunding funktioniert

Bei der New York Times tickt die Uhr – ab 2011 will das finanziell klamme Blatt eine Paywall errichten. Eine bestimmte Anzahl an Artikeln wird man zwar auch im nächsten Jahr noch umsonst lesen können, doch wer mehr will, wird zur Kasse gebeten. Vorbild beim sogenannten „metered access“ ist die in London erscheinende Financial Times – dort können Leser maximal zehn Online-Artikel jeden Monat unentgeltlich konsumieren. Auch die beliebten Blogs der New York Times sollen hinter dieser abgestuften Bezahlschranke verschwinden. Die neuesten Postings von Star-Kolumnist Paul Krugman, David Pogues legendäre Technologie-Kritiken oder den Freakonomics-Blog von Levitt & Dubner gäbe es dann nur noch gegen Cash. Das Team um Kachingle-Gründerin Cyntha Typaldos will sich damit aber nicht abfinden – schließlich gibt es mit ihrem Crowdfunding-Netzwerk eine bereits funktionierende Alternative zu Paid Content. Das wollen sie mit Hilfe der Kachingle-Community nun der New York Times beweisen, und zwar ganz ungefragt: „A strong set of supporters like you will show the NYTimes executives that readers who appreciate these bloggers will voluntarily pay to support their effort, without having to put them behind a paywall and removing them from the social web“, heißt es in einem online verbreiteten Aufruf.

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Das eingesammelte Geld geht via PayPal an die Blogger

Mittel zum Zweck ist KachingleX, ein spezielles Browser-Plugin, das man auf der Kachingle-Website herunterladen kann. Völlig unabhängig vom Webserver der New York Times registriert KachingleX, ob man Kachingle-Mitglied ist und zu den Unterstützern des jeweiligen NYT-Blogs gehört. Wie beim Crowdfunding-Netzwerk üblich, wird dann jeder Besuch gezählt, um am Ende des Monats bei der Ausschüttung berücksichtigt zu werden (Der monatliche Kachingle-Beitrag beträgt zur Zeit 5 Dollar). Auf einer extra eingerichteten Kampagnenseite kann man das bisherige Ergebnis bewundern: Paul Krugmans Blog hat aus dem Stand heraus bereits 20 Kachingler als Unterstützer gewonnen, danach folgen der BitsBlog sowie Freakonomics mit 16 bzw. 10 Kachinglern. Gefragt wurden die Blogger übrigens vor dem Start der Aktion genauso wenig wie die NYT-Redaktion, eine E-Mail-Benachrichtigung gab es aber nach Angaben von Kachingle schon. Die eingesammelten Gelder sollen über PayPal weitergereicht werden – dabei wird offenbar die offizielle NYT-Mail-Adresse der Blogger genutzt. Für Kachingle selbst dürfte sich das Friendly Takeover der New York Times-Blogs auf jeden Fall lohnen. Die Aktion bringt nicht nur das Anliegen der Crowdfunding-Bewegung in die Medien, sondern könnte auch viele Online-Lesern der NYT zum kachingeln ermuntern.

„Der Durchbruch für das Crowdfunding könnte in Deutschland passieren“: Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos im Interview

Vor einem Jahr war Crowdfunding noch graue Theorie, jetzt konkurrieren mit Kachingle und Flattr bereits zwei Dienstleister um die Gunst der Netzgemeinde. Dabei tun sich gerade die deutschen Surfer besonders hervor. Um herauszufinden, woran das liegen könnte, aber natürlich auch zu Promotion-Zwecken tourt zur Zeit Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos durch die Republik. E-Book-News traf die Grande Dame des Crowdfundings bei einem Media-Lunch in der Bundespresskonferenz und fragte nach: warum sind die Krauts so wild auf die Thankyou-Economy?

Vom Crowdfunding zum Krautfunding: Die Deutschen lieben Kachingle und Flattr

Kaum waren mit Kachingle und Flattr zwei Projekte am Start, die Websites vom Blog bis zur Online-Zeitung den Einsatz digitaler Klingelbeutel ermöglichten, wurde aus dem Crowdfunding plötzlich Krautfunding. Während große deutsche Medienhäuser schon laut über kostenpflichtige iPad-Apps und Bezahlschranken für Onlineinhalte nachdachten, setzten sich deutsche Blogger an die Spitze der Gegenbewegung. Beispiele gefällig? Bitte sehr: Fast die Hälfte der Websites im Kachingle-Netzwerk kommen aus Good Old Germany, an der Spitze steht unerreicht der Politik- und Medienblog CARTA mit mehr als 70 Unterstützern. Diese Zahl lässt sich am Kachingle-Medaillon auf besagtem Blog ablesen. Bei Flattr, wo vor allem einzelne Artikel Feedback bekommen, gibt es noch spektakulärere Zahlen: Chaosradio Express, der Podcast des Chaos-Computerclubs, ist bereits von mehr als 700 Mitgliedern des Flattr-Netzwerks angeklickt worden. Und der Counter bewegt sich weiter nach oben. Obwohl Flattr eigentlich noch in der geschlossenen Beta-Testphase ist, sind seit kurzem auch die taz und der Freitag mit dabei. Die Online-Ausgabe des sozialdemokratischen Wochenblatts Vorwärts setzt dagegen auf Kachingle. Der rasante Aufstieg von Flattr hat natürlich seine Ursachen. Peter Sunde, einer der Mitbegründer des Filesharing-Netzwerks „Pirate-Bay“, konnte sich mit seinem neuen Projekt der Unterstützung durch die Community sicher sein. Sein Auftritt auf der Berliner Blogger-Konferenz „Re:Publica“ im Frühjahr war insofern ein Heimspiel, und brachte das erwünschte mediale Echo.

Geld einsammeln für Dinge, die kostenlos sind? Tolle Idee, let’s do it!

Solche Vorschusslorbeeren gab es bei Kachingle kaum – sieht man mal von einem Artikel Robin Meyer-Luchts für SPOL ab, der bereits im Februar 2009 zu lesen war. Obwohl die Macher um die Silicon-Valley-Unternehmerin Cynthia Typaldos deutlich länger im Geschäft sind, wurden sie etwa zur Re:Publica gar nicht erst eingeladen. Dafür tourt die Grande Dame des Crowfundings im Moment durch die Schweiz, Österreich und Deutschland, um mit aktiven Nutzern wie auch potentiellen neuen Kunden ins Gespräch zu kommen. Ein bisschen ist Cynthia Typaldos natürlich auch auf der Suche nach dem Geheimnis ihres Erfolgs. Mittlerweile ist sie nämlich überzeugt: „Kachingle könnte sich in Deutschland durchsetzen, dann in Europa, schließlich wiederum auf die USA zurückwirken“. Die besondere Affinität der Krauts zum Crowdfunding wurde Kachingle schon in die Wiege gelegt – die Kernmannschaft besteht zur Hälfte aus Deutsch-Amerikanern: „Als ich mein Team zusammengestellt habe, fragte ich erst ein paar amerikanische Kollegen: Was haltet ihr von dieser Idee – Geld einsammeln für Dinge, die kostenlos sind? Und sie sagten: Das ist der größte Unsinn, denn wir je gehört haben. Dann fragte ich die Deutschen, und die sagten: Großartige Idee, let’s do it“, erzählte mir Cynthia Typaldos am Rande des Berliner Media-Lunch.

Kaching& Jingle: In Registrierkassen klimpert Kleingeld

cynthia typaldos kachingle crowdfunding.jpgEinen gewissen Exotenstatus genießt Cynthia Typaldos im Silicon Valley aber auch aus anderen Gründen. Schließlich steht mit der Kachingle-Gründerin nicht nur eine Frau an der Spitze dieses Start-Ups, sondern obendrein noch „a middle-aged woman“. Allerdings setzt Typaldos solche Unterschiede zum üblichen Baby-Boomer und M.I.T.-Nerd auch bewusst ein. Das offizielle PR-Foto zeigt sie Seite an Seite mit Bunny, ihrem Hund, der mittlerweile auch einen eigenen Blog besitzt – natürlich mit Kachingle-Medaillon. Doch während man sich anderswo künstlich um den Touch des Sozialen bemüht, wirkt das bei Kachingle überhaupt nicht aufgesetzt. Woher Kachingle kommt, zeigt schon die Ursprungsidee: „Es begann alles im Jahr 2003, als ich für eine krebskranke Freundin im Internet recherchiert habe, auf Webseiten von Universitäten, Blogs, etc., und als ich mich für die all die vielen nützlichen Informationen mit einer Spende bedanken wollte, merkte ich, dass das gar nicht so einfach war, es gab weder Kontonummern, noch wusste ich noch genau, welche Seiten ich wie oft besucht hatte.“ Anfänglich dachte Cynthia Typaldos deswegen an einen Namen wie „Donation Pal“, bevor sie auf den Namen „Kachingle“ kam. Im Lexikon wird man dieses Wort nicht finden, es ist eine Kombinatin aus „Kaching“, lautmalerisch für das Geräusch einer alten Registrierkasse, und „to jingle“, dem Klimpern mit Kleingeld. „Außerdem war der Domain-Name noch nicht vergeben, was ja auch ein wichtiges Argument ist“, so Cynthia Typaldos.

Kachingler sehen sich nicht als Kunden, sondern als Spender – und mögen keine hohen Paypal-Gebühren

Dass sich die Mitglieder der Kachingler-Gemeinde tatsächlich eher als Spender verstehen und nicht so sehr als normale Kunden, zeigt sich auch an der großen Sensibilität für versteckte Gebühren. Anfänglich gingen 20 Prozent der Kachingle-Beiträge für Verwaltungs- und Transaktionskosten drauf – zur Hälfte an PayPal, zur Hälfte an Kachingle. Das stieß auf harsche Kritik, obwohl in anderen Fällen, beispielsweise bei E-Bay, die Raten noch höher sind, vor allem, weil auch für die Auszahlung von Guthaben eine Gebühr anfällt. Also wurde noch einmal nachverhandelt. Auf dem Media-Lunch verkündete Gregor Bieler, Deutschland-Chef von Paypal, nun: „Wir haben die Transaktionsgebühren für Kachingle auf 15 Prozent gesenkt“. Für PayPal ist Kachingle nämlich ein Sonderfall. Es mag zwar momentan nur um „little money“ gehen. Das alternative Start-Up aus dem Silicon Valley gehört aber zu den ersten Nutzern von PayPals „Platform Initiative“, die später einmal möglichst vielen Websites die Kombination eigener Softwarelösungen für Abrechnungs- und Bezahlvorgänge mit der PayPal-Schnittstelle ermöglichen soll. Paypal ist vor allem für die Sicherheit der finanziellen Transaktionen zuständig, während Kachingle die Spendenströme und ihre Verteilung verwaltet. Die Zahl der PayPal-Teilnehmer in Deutschland liegt zwischen zehn und fünfzehn Millionen, was etwa der Hälfte der „Online-Bevölkerung“ entspricht. So groß ist also auch die Zahl potentieller Kachingler – vor allem, wenn zukünftig für deutsche Teilnehmer auch die Zahlung per Lastschrift möglich ist.

Kachingle ist flexibel: man kann einzelne „Stimmen“ auf Websites unterstützen

Im Moment mag die Kachingle-Gemeinde vor allem aus Bloggern bestehen, die sich gegenseitigen kachingeln, doch das könnte sich bald ändern. „Es gibt ja immer zwei Seiten, die User und die Blogger, zur Zeit trifft meistens beides zu, zwingend ist das aber nicht. Es müssen natürlich auch nicht Blogs sein, Kachingle zielt auf alle Formen von Content“, so Cynthia Typaldos. Auch wenn nach und nach Seiten mit sehr großen Lesergemeinden hinzukommen, macht Crowdfunding für kleinere Blogs trotzdem Sinn: „Das schöne an Kachingle ist doch, dass jeder individuell Entscheidungen trifft, wenn ich also einen kleinen Blog mag und regelmäßig lese, erhält der von mir genauso viel Geld wie andere Websites, die ich besuche. Bisher gehen kleinere Blogs ja ohnehin leer aus, weil es keine einfachen Möglichkeiten gibt, sie zu unterstützen“, so die Kachingle-Gründerin. Außerdem schenkt man den kleineren Blogs natürlich ein Stück sozialer Reputation, denn am Kachingle-Medaillon lässt sich nicht nur die Zahl der Unterstützer ablesen, sondern auch ihre Namen. Umgekehrt kann sich der Unterstützer mit den Blogs schmücken, die er kachingelt: „Build a persona around something you love“ nennt Cynthia Typaldos das – es geht also um den aktiven Aufbau einer Online-Persönlichkeit. Tatsächlich wird man sich Typaldos zufolge teilweise sogar einzelne Edelfedern an den digitalen Hut stecken: „Kachingle ist sehr flexibel, das Medaillon kann sich auf die gesamte Seite beziehen, aber genausogut auch auf einzelne Autoren, auf einzelne ‚Stimmen‘, wie wir sagen. Wie viele Stimmen es jeweils gibt, entscheidet der Seitenbetreiber.“

taz testet Flattr: Alternative Tageszeitung setzt auf Crowdfunding made in Sweden

flattr-crowdfunding taz.gifDie taz testet Flattr: das Online-Angebot der alternativen Tageszeitung aus Berlin enthält jetzt kleine Spenden-Buttons des schwedischen Crowdfunding-Netzwerks. Leser können sich für jeden Artikel mit einem Klick auf den Flattr-Knopf bedanken. Die taz-Community scheint für diese Alternative zu Paid Content besonders geeignet zu sein: bei einem Probelauf im April kamen in einer Woche fast 2000 Euro an Spendengeldern zusammen.

Absage an die Bezahlschranke: „Barrieren aufbauen ist unsere Sache nicht“

Die vor mehr als dreißig Jahren gegründete taz hat immer mit der medialen Avantgarde geliebäugelt, sei es mit der forschen Einführung eines digitalen Redaktionssystems schon Mitte der Achtziger, sei es mit dem frühen Webauftritt der “digitaz” Mitte der Neunziger. Auch beim E-Paper ist man ganz vorn: Ab zehn Euro bekommt man ein digitales Abo in verschiedenen Formaten, seit letztem Jahr sogar als epub für den E-Reader. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. Die Online-Ausgabe ist dagegen grundsätzlich auch weiterhin für lau zu lesen – „Barrieren aufzubauen, das ist unsere Sache nicht. Möglichst auch keine Bezahlschranken“, so Matthias Urbach, Leiter der Online-Ausgabe. Trotzdem ist vielen die Lektüre offenbar einiges wert. Als die taz im April eine Woche lang unter jedem Artikel eine Kontonummer einblendete, war man vom Erfolg der Aktion überrascht: „165 Leser haben Geld überwiesen – von 5 Cent bis 100 Euro. Insgesamt kamen 1.842,83 Euro zusammen“, konnte taz-Hausblogger Sebastian Heiser vermelden. Mit echtem Crowdfunding hatte dieses Experiment rein technisch natürlich wenig zu tun – dafür sind normale Überweisungsvorgänge viel zu aufwendig. Bei Flattr sieht das anders aus…

Es geht nicht nur um’s Geld: Flattr-Klicks geben ein besseres Feedback

Mit Peter Sundes Mikro-Payment-Bezahlsystems ist die taz nun mitten drin in der Thank-You-Economy, die sich im gerade im Web 2.0 etabliert. Unter jedem Artikel auf taz.de wird ein Flattr-Button eingeblendet – per Mausklick können sich Mitglieder des Crowdfunding-Netzwerks bei der taz bedanken. Ein Teil ihres monatlichen Mitgliedsbeitrags kommt dann der alternativen Tageszeitung zu Gute. Außerdem weiß die Redaktion nun etwas genauer, was die Leser wirklich gut finden: „Anhand von Klickzahlen konnte man bisher eigentlich nur erkennen, wie gut die Präsentation eines Artikels auf den Übersichtsseiten ankam, nicht aber wie der Artikel selbst aufgenommen wurde. Die flattr-Klicks geben da nun eine weiteres Feedback“, so Filip Moritz, taz.de-Webmaster. Insgesamt bleibt Flattr aber vorerst ein Experiment – was auch daran liegt, dass der Crowdfunding-Service noch in der Testphase ist. Um eine komplette Zeitung finanzieren zu können, fehlt schlicht die kritische Masse an Teilnehmern. Ähnliches gilt zur Zeit auch noch für den Flattr-Konkurrenten Kachingle, auf den seit kurzem die Online-Ausgabe des Vorwärts setzt. Doch das könnte sich in Zukunft schnell ändern. Sobald Crowdfunding zum Breitensport wird, dürften gerade solche Projekte einen Startvorteil haben, hinter denen eine starke Community steht. Immerhin haben in den letzten Jahren auch schon fast 10.000 taz-Leser Genossenschafts-Anteile erworben – zum Stückpreis von 500 Euro.

Argons Spendenaktion gescheitert: Little Brother-Hörbuch wird vorerst nicht unter CC-Lizenz veröffentlicht

Little Brother Argon Creative Commons Hoerbuch.gifEine kostenlose Hörbuchversion von Cory Doctorows Roman „Little Brother“ wird es vorerst wohl nicht geben. Neuntausend Euro wollte der Argon-Verlag eigentlich für die professionelle Produktion im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz sammeln. Doch nur ein kleiner Teil der Summe kam während der dreiwöchigen Internet-Spendenaktion zusammen, die am 17. Mai endete. So gibt es bis auf weiteres nur die kommerzielle Hörbuchfassung zu kaufen – sie kostet 19,95 Euro.

Befreiung fehlgeschlagen: „Little Brother“ bleibt im kommerziellen Sektor

„Kaufe deine Lieblingsmusik frei“ lautet das Motto von SellYourRights. Mit dem Spenden-Widget dieses Webdienstes soll allerdings nicht nur die Produktion von kostenlos downloadbaren Musiktiteln vorfinanziert werden. Es geht auch um Software, Filme, Bilder – und eben Literatur, ob in Wort oder Ton. Um Cory Doctorows Hacker-Roman „Little Brother“ in ein professionell gemachtes Hörbuch zu verwandeln, hat auch der Argon-Verlag auf diese kulturelle „Befreiungstechnik“ gesetzt. Doch am Wochenende musste man der Webgemeinde mitteilen: „Die notwendige Summe von 9.000 € ist nicht zusammengekommen. Somit werden wir das ungekürzte Hörbuch nicht unter freier Lizenz zum Download freigeben.“ Als Gründe für das Scheitern nennt Kilian Kissling von Argon vor allem drei Punkte: die kurze Befristung, die Skepsis der Community gegenüber Paypal & Kreditkartenautorisierungen, aber auch fehlende mediale Unterstützung: „Leider ist es uns nicht gelungen, gerade die ganz großen Multiplikatoren zu erreichen: Spiegel online, der Heise-Ticker und netzpolitik.org konnten wir nicht dafür begeistern, über unser Projekt zu berichten“.

Immerhin ist ein Fünftel der benötigten Summe zusammengekommen

Ein grundsätzliches Problem war aber offenbar auch der mangelnde Bekanntheitsgrad der Creative Commons-Lizenz: „Sie ist zwar bei Netzbürgen etabliert, doch dem breiten Normalpublikum ebenso wie vielen Medien nicht vertraut“. Gleiches gelte für das Prinzip des „Street Performer Protocols“ (SPP), also der spendenbasierten Finanzierung eines Werks. Ganz so schlecht sei das Ergebnis der Aktion letztlich aber auch nicht, so Kissling: „Es ist uns gelungen, innerhalb von drei Wochen etwa ein Fünftel der benötigten Summe einzusammeln. Das ist eine der höchsten Summen, die bisher in Deutschland für ein SPP-Projekt gesammelt wurde.“ Die Produktion selbst hätte lediglich 4.500 Euro gekostet, die andere Hälfte wäre an den Lizenzgeber abgeführt worden. Für die potentiellen Spender (darunter auch E-Book-News) hat das vorläufige Scheitern des Projekt keine negativen Auswirkungen. „Das System arbeitet mit Paypal-Autorisierungen, die nur dann in Anspruch genommen werden, wenn das Projekt gelingt“, so Kilian Kissling.

Die Community ist weiter kreativ – es gibt „Little Brother“ auch schon als Facebook-App

Leer gehen aber auch die Hörer nicht aus. Eine gekürzte, aber immerhin noch 420-minütige Fassung von „Little Brother“ – gelesen von Oliver Rohrbeck – gibt’s schließlich auf CD zu kaufen. Daneben kann man aber auch das Ergebnis eines Fanhörbuchprojekts downloaden, realisiert von Fabian Neidhardt und Christian Wöhrl. Von Wöhrl stammt auch die kostenlose deutsche E-Book-Version, die in friedlicher Koexistenz lebt mit der kommerziellen Rowohlt-Übersetzung. Eigentlicher Auslöser all dieser Projekte ist letztlich natürlich Cory Doctorow selbst. Der kanadische Sci-Fi-Autor und BoingBoing-Blogger veröffentlicht seine Romane unter einer weitgehenden Creative Commons-Lizenz, die nicht nur die Weitergabe, sondern auch Erweiterungen, Veränderungen und mediale Umformungen erlaubt. Die Community ist weiterhin fleißig dabei – mittlerweile gibt’s „Little Brother“ sogar als einbettbare Facebook-App.

Crowdfunding als intelligente Alternative zu Paid Content: E-Book-News testet Flattr-Button

Flattr-Crowdfunding.gifFlattr geht in die nächste Runde. Gleichzeitig mit dem Start von Version 0.8 verschickte das schwedische Crowdfunding-Netzwerk weitere Einladungen an Beta-Tester – ab heute ist auch E-Book-News mit dabei. Das von Pirate Bay-Mitgründer Peter Sunde gestartete Projekt ist eine intelligente Alternative zu Paid Content. Die Mitglieder zahlen einen Mindestbeitrag von 2 Euro pro Monat. Über den Flattr-Button können sie dann beteiligte Websites unterstützen – aus der Zahl der Besuche wird Monat für Monat der Anteil am Crowdfunding-Kuchen berechnet.

Flattr, Kachingle & Co: Willkommen in der Thank-You-Economy

Micropayment gibt es schon etwas länger, und damit auch die Möglichkeit, über Spenden-Buttons einer bestimmten Website etwa via Paypal eine bestimmte Summe zu überweisen. Crowdfunding macht die Sache noch etwas einfacher – ein regelmäßiger Mitgliedsbeitrag wird auf Webseiten verteilt, die man in einem bestimmten Zeitraum besucht hat. Jeder Klick zählt. Flattr ist auch in finanzieller Hinsicht ein äußerst niedrigschwelliges Angebot – der Mindesbeitrag beträgt zwei Euro pro Monat. Bei Kachingle, der amerikanischen Konkurrenz, zahlt man zur Zeit knapp über vier Euro, in Zukunft soll es noch etwas mehr sein, Messlatte ist für die Kachingler nämlich der Preis eines Zeitungsabos. Wer möchte, kann aber auch bei Flattr mehr Geld ausgeben, denn nach oben hin gibt es keine Grenze. Ein weiterer Unterschied zwischen Kachingle und Flattr ist die Transparenz des Crowdfunding-Netzwerks. Der Flattr-Button zählt nur die Anzahl der Klicks, bei Kachingle kann man auch erfahren, wer zu den Unterstütztern einer Seite gehört, wie oft sie besucht wurde und vor allem: wie viel Geld wohin geflossen ist.

Einzelne Blogbeiträge bei E-Book-News lassen sich nun „flattern“

E-Book-News ist jetzt in beiden Crowdfunding-Netzwerken aktiv. Vielleicht sieht so ja tatsächlich die Zukunft der Blogosphere aus: entweder spendet man nach der Methode „Klick Gutes & sprich darüber“ ein paar Cent, und erscheint zugleich namentlich als Unterstützer einer Seite, oder man „flattert“ anonym vorbei, und dreht lediglich den Flattr-Counter um einen Punkt weiter. Insofern ist Kachingle vom Social-Media-Feeling her etwas näher dran am Facebook-Button, mit dem man Fan einer Seite werden kann. Der anonynme Flattr-Button erinnert dagegen eher an die Klickzähler von Social Bookmarking Diensten wie Newstube. Im Unterschied zu Kachingle lässt sich der Flattr-Button tasächlich auch objektbezogen anlegen – etwa für ein Bild, ein Video oder eben eine einzelne Blogseite. Über ein spezielles WordPress-Plugin lässt sich das Erstellen der einzelnen Buttons automatisieren. Genau das haben wir getan: Aktive Crowdfunder haben somit jetzt die Möglichkeit, am Ende jedes einzelnen Artikels auf E-Book-News, der ihnen gefällt, auf den Flattr-Button zu klicken. Wie sagt man so schön auf schwedisch: “Många bäckar små gör en stor å” ;-)

„Free as in beer, or free as in e-book?“: Ein Überblick zu alternativen Web 2.0-Geschäftsmodellen

e-book e-comic alternative geschäftsmodelle im web zweinull.gifPaidContent oder Freibier für alle – was hätten Sie denn gerne? Keins von beiden? Kein Problem. Denn in der digitalen Ökonomie funktionieren jenseits von Kopierschutz, Lizenzbeschränkungen und maximaler Gewinnabschöpfung zahlreiche alternative Geschäftsmodelle. Manche sind kostenlos, manche überlassen es dem Nutzer, wieviel er zahlen möchte. Ob es um die Vermarktung von E-Mags, elektronischen Büchern oder Web-Comics geht – E-Book-News zeigt eine Auswahl von Best-Practices für das elektronische Lesen im Web 2.0.

Geschäftsmodelle im Web 2.0 – digitaler Maoismus oder echte Alternative?

Während der Wirtschaftskrise begann der Streit um die Kostenlos-Kultur im Internet zu eskalieren. Forciert wurde die Debatte nicht zufällig von Zeitungsverlagen. Das Online-Geschäft konnte Verluste im Printsektor bisher nicht auffangen. Was unter anderem mit den zahlreichen kostenlosen Informationsangeboten im World Wide Web zu tun hat. Wie Wired-Chefredakteur Chris Anderson in seinem Bestseller „Free – The Future of a Radical Price“ feststellt, gibt es eben keinen wettbewerbsfähigeren Preis als Null Cent. Das wissen natürlich auch prominente Köpfe wie Mathias Döpfner oder Rupert Murdoch, die jetzt die gesamte Branche zu einer Art „geistig-moralischen Wende“ in Richtung Bezahl-Internet auffordern. Doch es geht gar nicht um die extreme Alternative Marktwirtschaft oder Digitaler Maoismus, Privatwirtschaft oder Piraterie. Die Regeln der digitalen Ökonomie erlauben die Koexistenz zahlreicher neuer Geschäftsmodelle, die von PaidContent bis Kostenlos reichen, von hartem Kopierschutz bis zu Creative Commons. „Free“ muss dabei nicht zwangsläufig „für den Nutzer kostenlos“ heißen – es kann auch „frei von Nutzungsbeschränkungen“ bedeuten.

Vom Freemium-Modell bis zum Gratis-Marketing

„There’s No Such Thing As a Free Lunch“, behauptete der Ökonom Milton Friedman im gleichnamigen Buch – und hat damit grundsätzlich recht. Denn alles, was produziert wird, verursacht reale Kosten, und sei es nur in Form von unbezahlter Arbeitszeit. Bei digitalen Gütern fällt diese Arbeit jedoch nur einmal an – Vervielfältigung und Vertrieb verursachen dagegen fast keine Kosten. Zugleich ist die Reichweite eines Produkts im Internet enorm – theoretisch ist jeder Surfer ein potentieller Kunde. Alternative Web 2.0 Geschäftsmodelle können somit profitabel sein, wenn nur ein sehr geringer Anteil der Nutzer eines Produkts zu den zahlenden Kunden gehört. Das Freemium-Modell kombiniert die Begriffe „Free“ und „Premium“. In den meisten Fällen bietet die Premium-Version bestimmte Vorteile, etwa besseren Support, erweiterte Funktionen oder Bonus-Material. Besonders beliebt war das Modell von Anfang an bei Software – so hat etwa im Bereich der Antiviren-Programme das Unternehmen Avira auf diesem Weg in Deutschland einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent erreichen können. Die meisten Privatanwender nutzen die Basisversion der Software AntiVir kostenlos – der Löwenanteil des Umsatzes wird mit einer Vollversion für Business-Kunden erzielt. Die meisten der nun vorgestellten Geschäftsmodelle im Bereich des elektronischen Lesens folgen diesem Modell – es gibt zumeist zwei Varianten, die sich preislich unterscheiden, wobei die digitale Version entweder kostenlos oder zumindest deutlich günstiger ist als die gedruckte Fassung.

1. Chris Anderson: „Free – the Future of a Radical Price“

Wie gut Freemium im Bereich von E-Books und Audiobooks funktioniert, hat WIRED-Chefredakteur Chris Anderson im Sommer 2009 mit „Free“ bewiesen – das Buch war mehrere Wochen lang kostenlos über die Plattform Scribd online lesbar, die ungekürzte Hörbuch-Version kann man immer noch gratis downloaden. Wer dagegen die etwas leichter konsumierbare Zusammenfassung hören möchte, muss zum Portemonnaie greifen. Andersons Experiment war ein voller Erfolg – vor allem was die Print-Ausgabe betrifft, „Free“ blieb wochenlang in der NYT-Bestsellerliste. Das Modell funktioniert übrigens nicht nur bei prominenten Autoren – auch zahlreiche Debutanten haben es mittlerweile geschafft, durch kostenlose E-Book-Versionen die Verkaufszahlen ihrer gedruckten Ausgaben beträchtlich zu steigern. Besonders gut scheint sich dafür Amazons Online-Shop zu eignen, wo E-Books für den Kindle-Reader und Printversionen parallel angeboten werden.

2. Cory Doctorow: Kleiner Bruder im Kampf gegen das Big Business

Noch radikaler vermarktet sich der kanadische SciFi-Autor & Blogger Cory Doctorow. Als erklärter Gegner von DRM (Digital Rights Management) veröffentlicht Doctorow die E-Book-Versionen seiner Romane unter einer weitgehenden Creative Commons-Lizenz, die nicht nur das Kopieren, sondern auch Übersetzen, Erweitern und Verändern erlaubt. Das hat mittlerweile auch Auswirkungen auf den deutschen Markt. So erscheint etwa die deutsche Fassung von Doctorows aktuellem Roman „Little Brother“ als kommerzielle Printfassung im Rowohlt-Verlag, zugleich kann man im Internet jedoch eine Alternativ-Version kostenlos als E-Book herunterladen. Gleiches gilt in Kürze für die für Hörbuchversion – wobei die Qualitätsunterschiede zwischen dem für Mai angekündigten Audiobook des Argon Verlages und der bereits existierenden Community-Variante natürlich deutlich spürbar sein dürften.

3. Digitale Kollekte: Das „Street Performer Protocol“

Kostenlose Angebote und künstlerische Qualität schließen sich allerdings nicht aus. Bald könnte es beispielsweise eine professionelle Fassung von „Little Brother“ zum kostenlosen Download geben. Der Argon-Verlag plant nämlich, zusätzlich eine non-kommerzielle, ungekürzte Version des Hörbuchs zu produzieren. Finanziert werden soll das Projekt in Kooperation mit „SellYourRights.com“. Dieser Webservice richtet sich in seiner Startphase eigentlich vor allem an die Musikbranche – Motto: “kaufe Deine Lieblingsmusik frei”. Das zugrundeliegende Prinzip des „Street Perfomer Protocols“ ist jedoch universell einsetzbar: sobald genügend Spenden gesammelt worden sind, wird das jeweilige Werk unter einer Creative Commons-Lizenz produziert. Umsonst ist allerdings nur der Download – auf CD gebrannt wird man auch für „Little Brother“ einen Obolus entrichten müssen.

4. Die holländische Variante: Wieviel möchten Sie bezahlen?

Nicht immer muss man sich allerdings zwischen Free oder Premium entscheiden. Der niederländische Autor Ivo Victoria hat ein ganz besonderes Experiment gewagt – er lässt seine Leser entscheiden, wieviel Geld sie für die E-Book-Version seines Debut-Romans “Wie ich niemals die Tour de France für Minderjährige gewann” bezahlen möchten. Voreingestellt ist im E-Store von Ebooks.nl der Preis von einem Euro – wohlgemerkt für eine Version ohne Adobes DRM. Damit “Wie ich niemals die Tour de France für Minderjährige gewann” nicht über Download-Portale verbreitet wird, ist es allerdings mit einem Digitalen Wasserzeichen versehen. Ähnlich wie bei Anderson und Doctorow hat die E-Book-Version auch in diesem Fall einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen der Printfassung: in den ersten drei Monaten nach Publikationstart wurden bereits 10.000 Exemplare verkauft.

5. Crowdfunding – auf dem Weg zur basisdemokratischen Kulturflatrate

Vor allem für den Online-Journalismus, aber auch die Blogosphere insgesamt gibt es eine spannende Alternative zwischen Paid Content und Kostenlos – das sogenannte „Crowdfunding“. Diese Methode verbindet auf intelligente Weise Web 2.0 und Micropayments. Ein bereits funktionierendes Beispiel ist der von Silicon-Valley-Unternehmerin Cynthia Typaldos gegründete Crowdfunding-Service „Kachingle“. Content-Provider wie Blogs oder Online-Magazine können sich bei Kachingle registrieren und ein spezielles Widget auf ihren Seiten installieren. Wenn den aktiven “Kachinglern” der angebotene Inhalt gefällt, klicken sie ganz einfach das Medaillon an – und zählen damit zu den offiziellen Unterstützern dieser Seite. Die Umverteilung der aus der Crowd gesammelten Funds richtet sich danach, wie oft eine Seite im Abrechnungszeitraum besucht wurde. Ein ähnliches Prinzip verfolgt auch Pirate-Bay-Mitgründer Peter Sunde mit dem Projekt „Flattr“. “Flattr is a wordplay of flattr and flatrate. With a flatrate fee, you can flattr people”, sagt Sunde und setzt statt auf Piraterie & File-Sharing nun auf eine ganz legale Variante zu Paid Content. Im Moment ist Flattr allerdings noch in der Private Beta-Phase – doch wenn das Modell so populär werden sollte wie weiland die Pirate Bay, wären wir wohl einer Kulturflatrate wirklich schon sehr nahe.

6. Versäumen Sie nicht die nächste Folge: Kostenlose Webcomics als Marketing-Strategie

Das World Wide Web lebt natürlich nicht nur von Texten & Tönen, sondern vor allem auch von Bildern. Insofern ist jeder Browser zugleich auch ein Comic-Viewer. Zahlreiche Comic-Anbieter nutzen das Internet als kostengünstiges Marketinginstrument, und generieren ihre Umsätze vor allem durch den Vertrieb von Print-Ausgaben. Branchengrößen wie Marvell oder Comixology (und in Deutschland neben Panini neuerdings auch Fix&Foxi) bieten online vor allem Leseproben aktueller Hefte an – meist auf der Grundlage von Adobes Flash-Technologie. Daneben gibt es allerdings auch eine Reihe von Serien, die als kostenloser Webcomic im Blogformat beginnen und am Ende als komplettes Comicbook verkauft werden. Besondere Aufmerksamkeit in den USA haben Webcomics mit aktuellen Themen wie „New Orleans: After the Deluge“ (Hurrikan Katrina) oder „Zahra’s Paradise“ (Iranische Opposition) erhalten. Mehrmals pro Woche aktualisierten Serien sorgen für große Aufmerksamkeit und maximale Reichweite – im Fall von „Zahra’s Paradise“ hat der auf Graphic Novels spezialisierte Verlag First Second sogar für parallele Übersetzungen in verschiedenen Sprachen gesorgt.

7. Jenseits von Fifty-Fifty: Direktvermarktung von E-Books

Alternative Geschäftsmodelle im Web 2.0 haben natürlich nicht nur Vorteile für die Leser, sondern auch für die Autoren. Am wichtigsten dürfte dabei die Unabhängigkeit von großen Verlagen sein – inzwischen gibt es zahlreiche erfolgreiche Beispiele für Self-Publishing. Vor allem prominente Autoren können weitaus bessere Konditionen erzielen, wenn sie die elektronischen Versionen ihrer Bücher direkt vermarkten. In den USA ist dabei oft Amazon die erste Wahl – über Selfpublishing-Plattform DTP sind dort sogar 70 Prozent Umsatzbeteiligung möglich. In Deutschland machte zuletzt Sachbuch-Autor Markus Albers Schlagzeilen, als er sein aktuelles Buch „Meconomy“ exklusiv als E-Book bei Libri.de und textunes herausbrachte. Zu den Pluspunkten des Self-Publishings gehört natürlich auch, dass E-Books auf diese Weise ohne Kopierschutz erscheinen können – denn möglichst oft kopiert und weiterempfohlen zu werden, ist schließlich auch das eine wichtige Erfolgsstrategie im Web 2.0. Für manche Autoren wie etwa Cory Doctorow ist es sogar eine richtige Horrorvorstellung, dass die elektronischen Versionen ihrer Bücher nicht genauso weitergegeben, ausgeliehen oder verschenkt werden können wie die Papierausgabe.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade von stARTconference & Kulturmanagement Network zum Thema „Geschäftsmodelle im Web 2.0“.

Argon plant kostenlose Hörbuchfassung von Doctorows “Little Brother” – finanziert per Online-Spende

doctorow creative commons hoerbuch argon little brother.gifDer Argon-Verlag plant eine kostenlose Hörbuch-Version von Cory Doctorows Roman „Little Brother“. Finanziert werden soll das Projekt in Kooperation mit dem Crowdfunding-Service „SellYourRights“. Sobald genügend Spenden gesammelt worden sind, wird „Little Brother“ unter einer Creative Commons-Lizenz produziert. Die gekürzte, kommerzielle Hörbuchfassung kommt ab 12. Mai zum Preis von 19,95 Euro in den Handel. Als E-Book gibt es den Hacker-Roman „Little Brother“ in zahlreichen kostenlosen Versionen.

„This book is something you do“: Argon nimmt Cory Doctorow beim Wort

“Little Brother” schlägt zurück – in Cory Doctorows gleichnamigem Roman bekommt es der Große Bruder mit Teenager-Hackern zu tun, die nicht nur Passwörter knacken können, sondern vom Flashmob bis zur virtuellen Pressekonferenz die neuen Medien für sich nutzen. Die Buchfassung kam vor kurzem in deutscher Übersetzung in Rowohlts Rotfuchs-Reihe heraus. Nun hat der Argon-Verlag für den 12. Mai eine gekürzte Hörbuch-Fassung von „Little Brother“ angekündigt, gelesen von Oliver Rohrbeck. Das alleine wäre sicherlich kaum eine längere Nachricht wert. Allerdings ist Cory Doctorow eben nicht irgendein Autor. Der Mitherausgeber des BoingBoing-Blogs gehört zu den wohl bekanntesten Gegnern von digitalen Copyright-Beschränkungen. Doctorow veröffentlichte seine Romane wie „Makers“ oder „Down and out in the Magic Kingdom“ unter einer weitgehenden Creative Commons-Lizenz – man kann die E-Book-Versionen nicht nur in frei kopieren, sondern verändern, erweitern oder in andere mediale Formate bringen. Für „Little Brother“ gilt das genauso: „This book is meant to be part of the conversation about what an information society means: does it mean total control, or unheard-of liberty?“, heißt es im Vorwort der englischen Originalausgabe. Bei Argon nimmt man sich die Freiheit, die Doctorow meint: es wird eine zweite, ungekürzte Version des Hörbuchs geben, und zwar kostenlos. Die Finanzierung erfolgt nach dem „Street Performer Protocol“:

Vergleichbar mit einer klassischen Subskription definiert der Urheber, Produzent oder Verlag eine Summe, die er zur Umsetzung seines Vorhabens benötigt und ruft im Vorhinein das interessierte Publikum zu Spenden auf. Kommt die notwendige Summe zusammen, wird das Werk produziert und steht fortan unter einer freien Lizenzform der Allgemeinheit zur Verfügung.

„Befreie deine Musik, befreie deine Literatur“: Argon nutzt das Spenden-Widget von SellYourRights

Benötigt wird eine vierstellige Summe – genauer gesagt 9000 Euro. Laut Kilian Kissling von Argon kostet die Produktion selbst lediglich 4.500 Euro: „Wir müssen 9.000 Euro sammeln, weil wir die Hälfte der Einnahmen an den Lizenzgeber (Verlag/Autor) abführen.“ Als digitalen Klingelbeutel nutzt Argon ein von SellYourRights.com entwickeltes Widget. Dieser Webservice richtet sich in seiner Startphase eigentlich an die Musikbranche – Motto: „kaufe Deine Lieblingsmusik frei“. Später sollen aber auch die Bereiche Games, Software, Literatur, Film und Bilder hinzukommen. Bisher ist SellYourRights noch in der Betaphase – Doctorows Hörspiel ist somit auch ein öffentlichkeitswirksamer Test für dieses Modell. Wenn der Test schiefgeht, haben zumindest die Spender keinen Nachteil : „Das System arbeitet mit Paypal-Autorisierungen, die nur dann in Anspruch genommen werden, wenn das Projekt gelingt. Es werden vorab keine Beträge eingezogen“, so Kilian Kissling. Der wichtigste Unterschied zu anderen Formen des Crowdfunding dürfte klar sein – es wird nicht unbegrenzt gesammelt, sondern nur bis zu einem festgelegten Betrag. Im Grunde genommen ist das Street Performer-Protokoll eine Art öffentlicher Versteigerung – nur geht die Ware am Ende in den Besitz der Allgemeinheit über.

Vielleicht wird es auch eine ungekürzte CD-Version geben – allerdings nicht kostenlos

Allerdings sind 9000 Euro natürlich auch keine völlig unrealistische Summe. Wenn also zwischen dem 26. April und dem 16. Mai genügend Spender auf das Widget geklickt haben, geht Oliver Rohrbeck wieder ins Studio. Die gekürzte Version kommt bereits auf 420 Minuten Länge und passt auf sechs CDs. Bei der Creative-Commons-Version von Cory Doctorows „Little Brother“ dürfte wohl das eine oder andere Stündchen dazukommen. Das Endprodukt stellt Argon dann als kostenlosen MP3-Download zur Verfügung. Ob die ungekürzte Fassung zusätzlich auf CD gepresst wird, steht noch nicht fest. Klar ist Kilian Kissling zufolge nur eins: „Diese wäre dann wohl nicht kostenlos, schließlich muss Pressung und Logistik bezahlt werden und die Händler wollen ja auf ihren Flächen etwas erlösen. Denkbar wäre aber eine Kalkulation, die anders ist als beim konventionellen Produkt.“

„People want to pay“: Schafft Pirate-Bay-Aktivist Peter Sunde mit „Flattr“ die basisdemokratische Kulturflatrate?

flattr-crowdfunding.gifCrowdfunding made in Sweden: mit dem Micropayment-Projekt Flattr will Pirate-Bay-Mitgründer Peter Sunde neue Akzente in der Paid Content-Debatte setzen. Ähnlich wie das us-amerikanische Pendant namens Kachingle basiert auch Flattr auf freiwilligen Zahlungen: das von der Flattr-Community eingesammelte Geld soll an teilnehmende Web-Seiten verteilt werden. Neben Benutzerfreundlichkeit will Sunde mit niedrigen Summen punkten: Ab 2 Euro pro Monat wird man zum Flatterer.

Bei Pirate Bay strömten die Daten, bei Flattr dagegen strömt das Geld – wenn alles klappt

„Många bäckar små gör en stor å“ sagt man in Schweden, viele kleine Bäche ergeben einen Strom. Für Peter Sunde ist diese Erkenntnis nichts neues. Denn schon die legendäre Sharing-Plattform Pirate Bay setzte auf Bit-Torrents, also digitale Datenströme, die koordiniert zwischen den Festplatten von Millionen von Nutzern hin- und herschwappten. Das ermöglichte den Austausch von Content aller Art – vor allem natürlich Musikdateien und Videos. Geld an die Urheber floss dabei freilich nicht – Sunde und seine Piratenfreunde standen im Jahr 2009 wegen der Unterstützung von Copyright-Vergehen vor Gericht. Mit dem Flattr-Projekt widmet sich der Ex-Sprecher der Pirate Bay nun einer legale Alternative zu Datenpiraterie – dem sogenannten Crowdfunding. Schon bisher setzen viele Webseiten isoliert auf individuelle Spenden (u.a. übrigens auch Pirate Bay) – Crowdfunding ist dagegen ein koordiniertes Micropayment-System, dass Produzenten und Konsumenten auf freiwilliger Basis miteinander verbindet. „If you’ve created something, you can add a flattr button to your content. If you find something you like, and there is a flattr button besides the content, you click it“, beschreibt Sunde die Aktionsmöglichkeiten. Am Ende eines Monats werden die Mitgliedsbeiträge – das Minimum soll bei 2 Euro liegen – unter den angeklickten Seiten verteilt.

Die Motivation entscheidet: „People love things and they want to pay“

Tatsächlich scheint die Verbindung von Internet-„Crowd“ und Micropayment vielversprechend: die theoretische Basis ist schließlich so groß wie die Web-Community insgesamt. Man muss sie nur erreichen können – daran sind einige solcher Modelle wie etwa Tipjoy bisher gescheitert. Konzepte wie flattr oder auch Kachingle – bei dem E-Book-News seit Januar teilnimmt – können jedoch von den Anfängerfehlern lernen. Einer davon: das Konzept muss so einfach wie möglich zu benutzen sein. Dazu gehört nicht nur die automatische Abbuchung der Beiträge via Kreditkarte oder Paypal, sondern auch ein One-Click-System über einen Button, der auf teilnehmenden Websites integriert wird. Wichtig ist natürlich auch die Motivation der Spender: „People love things and they want to pay“, ist Sunde überzeugt. Kachingle setzt dagegen auch auf die Devise „Tue Gutes und sprich darüber“ – und macht in der Community transparent, wer für wen spendet. Spannend dürfte aber auch die Methode werden, nach der die Verteilung der Gelder schließlich stattfindet – denn ohne eine ausgeklügelte Formel würden am Ende wenige besucherstarke Seiten den größten Teil des Kuchens abbekommen, und das grundsätzliche Problem bliebe ungelöst.

Gelingt Flattr der Durchbruch, gäbe es eine ganz neue Art Flatrate – basisdemokratisch nämlich

In einem Punkt zumindest kann man Pirate Bay-Aktivist Sunde gewisse Kompetenzen nicht absprechen – er hat es schon einmal geschafft, die kritische Masse zu erreichen und auch geschäftlich erfolgreich zu sein. Pirate Bay gehört weltweit immer noch zu den hundert meistbesuchten Seiten. Schätzungen zufolge nahm die Seite seit 2006 mit Werbeinblendungen jährlich mehr als eine Million Euro ein, und investierte bis zu 800.000 Euro in die eigene Infrastruktur. Der Erfolg betraf freilich nur die Konsumenten – denn solange es keine Kulturflatrate gibt, bringt Filesharing den Produzenten nur indirekte Vorteile, etwa eine höhere Reichweite ihrer Produkte, und besseren Absatz auf anderen Gebieten. Ein Grund, warum etwa Bestseller Autor Paul Coelho zu den eifrigsten Befürwortern der digitalen Piraten-Bucht gehört – die Verkäufe seiner Print-Bücher wurden durch kostenlose E-Book-Versionen kräftig angekurbelt. Gelingt jedoch Flattr, Kachingle oder anderen Crowdfunding-Projekten der Durchbruch, sähe die Sache anders aus. Dann hätte man eine basisdemokratische Kulturflatrate – und könnte auf die Hilfe staatlicher Akteure verzichten. So denkt auch Sunde: „Flattr is a wordplay of flattr and flatrate. With a flatrate fee, you can flattr people“. Doch bis Otto Normalsurfer auf den Flattr-Button klicken darf, werden noch einige Bytes durch die Datenleitungen strömen – bisher läuft Flattr mit etwa 200 Teilnehmern in der exklusiven Betaphase. Peter Sunde muss die nächste Phase des Projekts möglicherweise hinter schwedischen Gardinen verfolgen – denn die Mannschaft der Pirate Bay wurde im letzten Jahr zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe von 2,6 Millionen Euro verurteilt. Dagegen legten sie Berufung ein – der endgültige Richterspruch wird in diesem Frühjahr erwartet.

Crowdfunding statt Paid Content: Warum „Kachingle“ eine gute Lösung ist

kachingle crowdfunding und micropayment statt paid content.gifKaum ist die Paid Content-Debatte so richtig eskaliert – siehe Murdoch, Döpfner & Co. – da wächst schon das Rettende: Crowdfunding als clevere Alternative nicht nur für Online-Zeitungen, sondern auch für die Blogosphere. Kachingle.com will diese Methode der webbasierten „Umverteilung“ professionalisieren: die Web-Community verteilt Mitgliedsbeiträge je nach den Besucherzahlen an die assoziierten Webseiten.

Jenseits von Paywalls und Piraterie gibt’s zum Glück bessere Lösungen

Paid Content – welch garstig Wort. Doch wen wundert’s: Mit dem „Bezahl-Internet“ verbinden die meisten Surfer zu Recht das Aufrichten von „Pay-Walls“ – und damit das Ende der großen Informationsfreiheit im Netz. Vor allem die Zeitungsverlage haben in letzter Zeit den Ton verschärft – der hohe Kostendruck zwingt sie zum Strategiewechsel: nutzten sie bisher die kostenlosen Online-Angebote zur Reichweitensteigerung, so soll es nun zumindest den „Premium-Content“ nur noch für Abonnenten geben. Andere Lösungen wie etwa die Kulturflatrate sind wieder in weite Ferne gerückt – stattdessen wird „Filesharing“ in manchen Ländern nun mit Strafen bis zur Netzsperre sanktioniert. Es gibt aber zum Glück Alternativen, die zwischen der Paywall und Piraterie liegen – eine davon ist Kachingle. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Crowdfunding-Netzwerk, das erst vor kurzem an den Start gegangen ist. Der von Silicon-Valley-Unternehmerin Cynthia Typaldos gegründete Service verbindet zwei tpyische Elemente der Internet-Ökonomie: Micropayments und Web 2.0. Die von den Mitgliedern des Netzwerks monatlich gezahlten Beträge sind betont niedrig gehalten – zur Zeit liegen sie bei 5 Dollar, die via Paypal entrichtet werden können. Langfristig denkt Typaldo an Beträge zwischen 30 und 40 Dollar – also in der Größenordnung eines konventionellen Zeitungsabos.

Kachingle setzt auf die soziale Dynamik des Web 2.0

Content-Provider wie Blogs oder Online-Magazine können sich bei Kachingle registrieren und ein „Medaillon“ genanntes Widget auf ihren Seiten installieren. Wenn den aktiven „Kachinglern“ ein Blog oder ein bestimmtes Posting gefällt, klicken sie ganz einfach das Medaillon an – und zählen damit zu den offiziellen Unterstützern dieser Seite. Die Umverteilung der aus der Crowd gesammelten Funds richtet sich danach, wie oft eine Seite im Abrechnungszeitraum besucht wurde. Die aktuelle Zahl der Unterstützer kann man an einem kleinen Zählwerk im Widget ablesen, auf Kachingle.com kann man zudem erfahren, welche Mitglieder die Seite unterstützten. Die beidseitige Transparenz gehört für Cynthia Typaldos zum Prinzip von Kachingle. Sie setzt auf die soziale Dynamik des Web 2.0: wen oder was man unterstützt, soll zu einem Teil der „Online-Persönlichkeit“ werden. Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer (Stanford Center for International Development) unterstützte im Gespräch mit CNET diesen Ansatz: „Es geht einmal nicht darum, alle Trittbrettfahrer auszuschließen, sondern darum, freiwillige Aktivitäten zu fördern, Altruismus und bürgerschaftliches Engagement. Das gefällt mir an diesem Modell. Ökonomen genau wie Politiker unterschätzen leider oft das Potential solcher Lösungsansätze.“ Kachingle selbst ist dabei kein reines Goodwill-Projekt von unbezahlten Enthusiasten: Achtzig Prozent der von Kachingle eingesammelten Beträge werden umverteilt, zwanzig Prozent werden für den technischen und organisatorischen Aufwand genutzt.

Schon gesehen? Auch E-Book-News unterstützt Kachingle!

Besondere Hoffnungen setzt man bei Kachingle auf die finanziell klammen Zeitungsverlage. Tatsächlich arbeitet seit Ende 2009 mit dem Miami Herald bereits eine größere Tageszeitung mit Micropayments. Leider außerhalb des Kachingle-Netzwerks. Viele Medienhäuser haben allerdings bereits Interesse an einer Kooperation gezeigt. Kachingle-Erfinderin Typaldo betreibt zudem die Ausweitung des Netzwerks auf Europa – vor allem auf Frankreich und Deutschland. Als erster deutscher Blog ist CARTA zum Kachingler geworden – schließlich geht es dem Online-Magazin ja auch um die politische Ökonomie der digitalen Öffentlichkeit. Bisher setzte CARTA selbst in Sachen Crowdfunding vor allem auf eine Art virtuelle Kaffekasse – via Paypal konnten die Leser direkt spenden. Wie auf CARTAs Kachingle-Widget zu sehen ist, hat man mittlerweile 48 Kachingler für sich gewinnen können und knapp 160 Dollar an Ausschüttungen erhalten. Das ist zwar nicht viel, doch das Netzwerk ist schließlich erst vor wenigen Monaten offiziell gestartet. Insgesamt nehmen mittlerweile 133 Websites am Kachingle-Netzwerk teil. Auch E-Book-News hält Crowdfunding für eine gute Idee – denn elektronisches Lesen und die Informationsfreiheit des Internets gehören für uns untrennbar zusammen. Deswegen sind wir seit Anfang Januar ebenfalls zum Kachingler geworden, wie man an dem Medaillon in der Sidebar sehen kann. Wer ebenfalls kachingeln will, kann sich übrigens über diesen Link anmelden.

[Aktualisiere Fassung vom 15.04.2010]