Graphicatessen für den Schwarm: Carlsen-Verlag vermarket Comics via Crowdfunding

alisik-schuber-crowdpublishing-carlsenCrowdpublishing im Comic-Bereich ist hierzulande für viele Verlage noch komplettes Neuland – in den USA dagegen ist die Crowd schon zum wichtigsten Mäzen für bunte Bildergeschichten avanciert. Nun geht mit Carlsen erstmals ein großer deutscher Comic-Verlag einen Schritt in Richtung Schwarmfinanzierung: unter dem Label „Graphic/atessen“ vermarkten die Hamburger exklusive Sondereditionen via Startnext.de, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform.

„Liebhaberobjekte mit kleiner Leserschaft“

Man wolle Fans der grafischen Literatur und neuen Lesern „außergewöhnliche Produkte anbieten, für die es im klassischen Verlagsprogramm bisher keinen Platz gab“, so Projektleiterin Mareike Hermes. Mit Crowdfunding könne man „Liebhaberobjekte mit zum Teil sehr kleiner Leserschaft“ realisieren, findet auch Programmkoordinator Ralf Keiser.

E-Comic-Versionen ebenfalls erhältlich

Die ersten beiden Kampagnen starten ab 1. September: die Comic-Crowd kann dann mithelfen, eine Luxus-Ausgabe von „Alisiks wunderbarer Welt“ (Hubertus Rufledt/Helge Vogt) zu realisieren, genauso die „Comic-Koch-Box deluxe“ von Food-Blogger Guillaume Long. Als Goodies warten auf die Unterstützer z.B. Poster und Drucke von Einzelillustrationen der jeweiligen Titel, im Fall von Alisik auch E-Comic-Versionen.

Blake & Mortimer sowie Spirou ab November

Bis Anfang November folgen vier weitere Titel aus dem Comic- und Illustrationsbereich: der Abenteuercomic „Long John Silver“, das Skizzenbuch „Blake und Mortimer in 329 Zeichnungen“ von E.P. Jacobs, der Illustrationsband „Spirou und die Moderne“ sowie die Siebdruckmappe „Comickunst für die Wand“ von Künstlern wie Flix, Jens Harder, Reinhard Kleist und Uli Oesterle. Weitere Hintergrundinfos gibt’s auf dem Projekt-Blog Crowd & Rüben.

Be future compatible: c-booc aus Papier feiert 20 Jahre c-base

c-booc-be-future-compatible„Be future compatible!“ lautet das Motto der legendären Hacker-Community c-base e.V. – deren raumstationartiges Hacker-Hauptquartier sich seit den Neunziger Jahren unweit des Berliner Alexanderplatzes befindet (Genauer gesagt knapp zehn Meter unter dem Büro, in dem ich gerade diesen Artikel schreibe). Zum zwanzigjährigen Jubiläum geben die Hacker und Häcksen aus dem allgegenwärtigen Erdgeschoss nun ein c-booc heraus – produziert in der einzig wirklich zukunftskompatiblen Form, nämlich aus Papier.

Fiktional, real oder beides

Vorgestellt werden im c-booc diverse Projekte, die auf der c-base entstanden sind, laut Mission-Statement gibt es dabei drei Kategorien: „fiktional oder real oder beides“. Die Vereinsräume der c-base sehen nicht ganz zufällig aus wie das Innere einer Raumstation: zum Gründungsmythos der c-base gehört die Geschichte des Raumschiffs c-base, vor Äonen auf die Erde abgestürzt in den märkischen Sand, und von einer verschworenen Gemeinschaft Stück für Stück rekonstruiert. Oberirdisch ist bisher nur eine große Antenne zu sehen, die manche auch für den Berliner Fernsehturm halten.

Freifunk, Chaos & Piraten

Die Macher des c-boocs sind zugleich das Kernteam der c-base: mars alias Marten Suhr, gps2 alias Alexander Last sowie und macro alias Mirko Fichtner. Jenseits der archäologischen Arbeit werkeln die drei mit dem Rest der Crew an allen möglichen Dingen, u.a. dem Berliner Freifunknetz. Als Veranstaltungsort ist die c-base ebenfalls populär. So fand z.B. die Gründungsveranstaltung der Piratenpartei in den Räumen der „Multimodulstation“ statt, und regelmäßig loungiert dort auch der Chaos Communication Congress (ccc).

Crowdfunding via Kickstarter

Das c-booc soll im DIN A4-Querformat auf deutsch und englisch erscheinen und ca. 200 Seiten haben, vorbestellen kann man es derzeit via Kickstarter zum Preis von 17 Euro. Wer nicht ganz so langfristig denkt wie die c-base-Aktivisten, kann für die Zwischenzeit aber auch eine E-Book-Version zum Preis von 10 Euro bestellen.

Krautpublishing-Rekord: Wormworld Saga Vol. 2 sammelt mehr als 43.000 Dollar ein

wormworldsagaHeute startet die deutsche Version von Kickstarter. Welches Crowdpublishing-Potential hinter der Plattform steckt, zeigt ein englischsprachiges Kickstarter-Projekt made in Germany, das heute endet: die Paperback-Version von „The Shelter of Hope – Wormworld-Saga Volume 2“ hat mit mehr als 800 Vorbestellungen knapp 43.000 Dollar eingesammelt. Die vom deutschen Comic-Zeichner Daniel Lieske ursprünglich als E-Comic entwickelte Fantasy-Serie begeistert international so viele LeserInnen, dass solche Zahlen sogar schon mehrmals erreicht wurden: „The Journey begins – Wormworld-Saga Volume 1“ sammelte im letzten Jahr 45.000 Dollar ein, zwei weiterer Kampagnen zur Finanzierung der Online- bzw. App-Version brachten jeweils mehr als 20.000 Dollar.

Print-Version erscheint bei Tokyopop

Damit dürfte die „Wurmwelt“, ein magisches Paralleluniversum, in das ein kleiner Junge namens Jakob hineingezogen wird, zu den weltweit erfolgreichsten Indie-Projekten im Comic-Sektor gehören. Typisch für solche onlinebasierten Vermarktungsformen ist die Kombination von kostenlosem Web-Comic und Monetarisierung via Merchandising und von der Crowd vorfinanziertem Print-Verkauf. Sowohl die deutschen wie auch die englischsprachigen Print-Versionen der Wormworld-Saga erscheinen bei Tokyopop bzw. Tokyopops neuem Label POPCOM – und wartet mit Hardcover und hochwertigem Kunstdruckpapier auf. Wer möchte, kann via Kickstarter aber auch eine in Leinen gebundene De-Luxe-Version mit Goldprägung bestellen.

Prinzip der „unendlichen Leinwand“

Ein besonderer Hingucker bleibt natürlich die elektronische Version – jedes der inzwischen sieben Kapitel lässt sich komplett durchscrollen, es gibt keine Seitenaufteilung. Wer dieses beeindruckende Lese-Erlebnis noch nicht gemacht hat, sollte es unbedingt mal auf wormworldsaga.com nachholen. Für die Print-Version musste das Prinzip der „unendlichen Leinwand“ natürlich durchbrochen werden – das scheint die Fans der Wormworld-Saga aber nicht zu stören. Die deutschsprachigen Bände 1 („Die Reise beginn“) und 2 („Hort der Hoffnung“) kann man zum Preis von 12 bzw. 14 Euro bestellen, z.B. in Lieskes Wormworld-Webshop.

E-Ink trifft Himbeere: Neues Aufsteck-Display für Raspberry Pi

raspberry-pi-eink-display-zum-einsteckenDer kleine Einplatinen-Computer Raspberry Pi ist so etwas wie der ZX 81 des 21. Jahrhunderts: überschaubar, günstig, einfach zu programmieren, und offen für alle möglichen Experimente. Schon bald nach dem Markstart im Jahr 2012 wurden zahlreiche Hacks veröffentlicht, um den kreditkartengroßen „Himbeerkuchen“ mit einem E-Ink-Reader oder Tablet zu verbinden. Auch „nackte“ E-Ink-Displays lassen sich mit einigem technischen Aufwand und entsprechender Verkabelung vom Mini-Computer aus ansteuern.

Display passt direkt in Erweiterungsport

Weitaus einfacher geht’s mit dem von Neil Matthews entwickelten „E-Paper HAT“ (=“Hardware Attached on Top“) – das Display lässt sich direkt in den Erweiterungsport (GPIO) des Raspberry Pi stecken. Der britische Raspberry-Aficionado hat zu diesem Zweck ein 2,7-Zoll E-Ink-Display von Pervasive Displays (Auflösung: 264 x 176 Pixel) mit einer selbst entwickelten Leiterplatte kombiniert, die alle notwendigen Funktionen zur Verfügung stellt, und sogar eine batteriegepufferte Echtzeituhr mitbringt.

„No cables to worry about“

„When I started looking around to see what was available, my first stop was a development kit from Pervasive Displays, then I came across a more compact arrangement from Embedded Artists in Sweden. Unfortunately they both have the drawback that they require trailing cables from the GPIO connector to the board. I wanted something that would just sit right on top of the Pi with no cables to worry about“, so Matthews über die Motivation dieser Bastelei.

Vorbestellung via Kickstarter möglich

Mit Hilfe der kostenlos im Web verfügbaren Steuerungssoftware lassen sich zahlreiche verschiedene Projekte realisieren, etwa eine Uhr für den Schreibtisch, eine automatisch aktualisierte Wetterstation oder ein Twitter-Feed-Display. Neben Bildern kann auch Text in beliebiger Form angezeigt werden. Zur Finanzierung des „E-Paper-HAT“ hat Neil Matthews eine Kickstarter-Kampagne gestartet, die Mindestsumme von 10.000 Pfund ist bereits erreicht. Vorbestellen kann man das E-Ink-Gadget noch bis Mitte Mai ab 39 Pfund, umgerechnet knapp 54 Euro.

(via Ink, Bits & Pixels & Liliputing)

E-Ink an die Wand: Vikaura, ein Bluetooth-Bilderrahmen

Das Internet der Dinge hat uns skurrile Gegenstände mit unterschiedlichstem Nutzwert beschert, vom ohrwackelnden WLAN-Hasen (vgl. Nabztag) über Tweet-Minidrucker (vgl. mPrint) bis hin zum vernetzten Widget-Wecker (vgl. Chumby). Doch wie wär’s mal mit einem interaktiven Bilderrahmen aus E-Ink!? Auf Kickstarter entscheidet derzeit die Crowd mit, ob so ein Produkt demnächst an den Start geht. „Vikaura“ heißt das Projekt, benannt nach dem altindischen Wort für „Veränderung“: „we hope your Vikaura screens helps you transform the way you view, share and communicate the things that are important to you“, so das Entwickler-Team aus Pittsburgh/Pennsylvania.

Das Vikaura-Prinzip ist App-zentriert: Per Smartphone oder Tablet schickt man Bilder, Texte oder Emojis via Bluetooth in Richtung Bilderrahmen, dort werden sie dann dargestellt, wahlweise im vier, sechs oder zehn Zoll-Format. Auch Feeds, etwa mit Nachrichten oder Wetterdaten, lassen sich automatisch auf das Vikaura leiten. Außerdem können mehrere Personen Inhalte an verschiedene Bilderrahmen innerhalb eines persönlichen Netzwerkes schicken, um etwa ein Bild mit der Familie oder Freunden zu teilen.

Der Bildschirm selbst ist allerdings ziemlich „dumm“, er stellt ganz einfach Bilder dar, die man ihm zuschickt, insofern vergleichbar mit passiven Second Screens für das Smartphone auf E-Ink-Basis wie popSlate oder Inkcase. Am „Vikaura“ selbst lässt sich nicht einmal zwischen den Inhalten hin und her blättern. Dafür soll die eingebaute Batterie dank neuartiger „Low Power Technology“ mehrere Jahre lang durchhalten, so daß man das Gerät tatsächlich wie ein Bild an die Wand hängen kann (aber vorsicht mit dem Nagel).

Auf dieses Feature sind die Entwickler auch ganz besonders stolz: „Vikaura Screen is a first of a family of devices that will incorporate this technology. We expect this technology to change that way we use, interact, and maintain our electronic devices. Imagine a world without battery recharging!“, heißt es auf der Produkt-Website. Preislich rangiert Vikaura je nach Display-Format zwischen 100 und 200 Dollar, kostet also ungefähr so viel oder sogar etwas mehr als ein E-Reader.

Bevor man sich entscheidet, so viel Geld auszugeben, sollte man aber vielleicht noch einen Blick auf Nabaztag werfen, zuletzt unter dem Namen „Karotz“ vermarktet: Mitte Februar 2015 wird der plappernde Webhase das Ohrwackeln einstellen und überhaupt endgültig verstummen, denn der der derzeitige Betreiber Mindscape stellt den Hintergrund-Service ein: „Your rabbit will remain by your side, but with no activities.“

(via The Digital Reader)

Ungehemmt dank Hemingwrite: Kindle-Schreibmaschine erfolgreich via Kickstarter gelauncht

Die Kindle-Schreibmaschine kommt! „Wir sind überzeugt, es gibt einen Markt für Hemingwrite“, bloggten Adam Leeb und Patrick Paul erst vor wenigen Wochen. Da hatten der Designer und der Software-Entwickler mit ihrem Konzept eines ablenkungsfreien, mobilen E-Ink-Schreibcomputers gerade mächtig Medienecho und viele Pageviews auf hemingwrite.com erzeugt (E-Book-News berichtete). Gestern folgte dann ein fulminanter Kickstarter-Launch: bereits am ersten Tag trug die Crowd mit 113.000 Dollar fast die Hälfte der Mindestsumme von einer Viertel Million zusammen, heute werden wohl bereits 100 Prozent erreicht. [Update 12.12.: Nach knapp 48 Stunden wurden 255.000 Dollar gesammelt]

Mit dem puristischen High-Tech-Revival der Reiseschreibmaschine scheinen die beiden Startup-Unternehmer aus Detroit den Nerv der Zeit getroffen zu haben: „4 pound distraction elimination system“ nannte etwa The Verge die Black Box made in Michigan. Tja, die Creative Class leidet mittlerweile unter der Multifunktionalität des Geräteparks, der das mobile Leben zwischen Home-Office, Starbucks und Großraumbüro erst möglich gemacht hat. Ein anderes Problem ist wohl die Ergonomie: viele vermissen unterwegs eine komfortable, große Tastatur. Auch hier bietet die Hemingway, die aussieht, als hätte man ein Kindle quer in eine Schreibmaschine eingespannt, eine perfekte Lösung.

Vielleicht sind Netbooks, Phablets und Smartphones aber auch einfach zu unauffällig und alltäglich, um damit unte Style-Aspekten noch zu punkten: wer wie im Pitch-Video die 2 Kilo schwere, schwarz ummantelte Hemingwrite am ausklappbaren Handgriff ins Café schleppt, braucht sich um die Aufmerksamkeit seiner Umgebung keine Sorgen mehr zu machen. Das alleine dürfte den urbanben Hipstern Investition von mindestens 400 Dollar wert sein.

Wer wirklich unter dem Writer’s Block leidet, könnte aber tatsächlich von diesem Retro-Gadget profitieren, nicht mal Copy & Paste wird unterstützt, im Zentrum steht das Schreiben. Tipp, tipp, tipp. Unter der Haube ist dieser späte Nachfahre von Hermes Baby & Co. dann trotzdem vollkommen up-to-date ist, denn die Texte werden via WLAN in die Rechnerwolke geschickt und lassen sich mit DropBox, Evernote oder Google Docs archivieren. Auf Wunsch wird über einen analogen Absendeknopf auch gleich ein druckfertiges PDF gemailt.

Lieferbar wird die Hemingwrite jedoch erst ab Herbst 2015 sein. Bis dahin müssen sich Kreative diesseits und jenseits des großen Teichs anderweitig behelfen, entweder mit einer klassischen Speicherschreibmaschine vom Flohmarkt oder zeitgemäßeren Zwischenlösungen, etwa der Kombination eines E-Ink-Android-Tablets plus Bluetooth-Tastatur. Letzteres dürfte wohl mittelfristig die günstigste und zugleich tragbarste Lösung darstellen. Wenn auch nicht ganz so ablenkungsfrei.

Hemingwrite Specs:

  • Akkulaufzeit: 4 -6 Wochen
  • interner Speicher: 1 Million Seiten 
  • Tastatur: Full-size mech. Cherry MX, US ANSI/ISO International
  • Display: 6 Zoll E-Ink
  • Gehäuse: Aluminium
  • Gewicht: ca. 1,8 Kilogramm
  • Größe: 20 x 25 x 6 Zentimeter (Tiefe x Breite x Höhe)
  • lieferbar ab: September 2015

Abb.: Screenshot Kickstarter

Crowdpublishing mit Rendite: Pentian macht Projekt-Unterstützer zu Investoren

Crowdpublishing war finanziell gesehen bisher eine Einbahnstraße: Autoren oder Verlage sammelte Vorbestellungen, als Gegenwert erhalten die Unterstützer am Ende das fertige Produkt, ob nun Print-Buch oder E-Book, manchmal auch noch spezielle Goodies wie signierte Exemplare, Poster, T-Shirts oder eine Einladung zur Release-Party. Bei der spanischen Crowdpublishing-Plattform Pentian ist das anders: neben Crowdfunding-Elementen kommt hier auch Crowdinvestment dazu – die Hälfte der Erlöse fließt an die Crowd zurück. Den Rest teilen sich Autor und Plattform im Verhältnis 40 zu 10 Prozent.

Das Modell ist offenbar auch deswegen so erfolgreich, weil die Unterstützer in ihrer Eigenschaft als Investoren ein besonders großes Interesse daran haben, das Produkt im eigenen Freundes- und Followerkreis zu promoten. Außerdem gilt bei Pentian ein verschärftes Alles-oder-nichts-Prinzip: sobald die benötigte Summe erreicht ist, endet die maximal zweimonatige Kampagne sofort – was ab Quoten von 80 Prozent und mehr regelmäßig zu rasanten Endspurts führt. Da es um Crowdinvestment geht, sind auch die individuellen Summen größer: je nach Projektvolumen ist man z.T. erst ab 50 Dollar dabei, kann aber auch bis zu 1.000 Dollar anlegen. Die Beteiligungen sind entsprechend der Investitionshöhe zwischen 0,5 bis 10 Prozent gestaffelt, ein Buch braucht mindestens 10, höchstens 100 Unterstützer, um erfolgreich zu sein.

Nach dem sich Pentian auf diese Weise bereits 6 Prozent des Self-Publishing-Marktes in Spanien gesichert hat, begann im Sommer 2014 die Internationalisierung. Als erstes wurde der US-Markt anvisiert. Keine schlechte Idee, denn neben nach und nach neu hinzukommenden englischen Titeln lassen sich dort natürlich auch Bücher made in Spain ganz gut vermarkten – mehr als jeder zehnte US-Amerikaner zählt sich selbst zur Gruppe der „Hispanics“.

Gestartet ist Pentian vor zehn Jahren als mehr oder weniger traditioneller Verlag, ab 2009 mutierte das Unternehmen dann motiviert durch den E-Book-Boom zum Self-Publishing-Dienstleister, bei dem Autoren je nach Bedarf auch Lektorat, Cover-Design und Marketing-Maßnahmen hinzubuchen können, was aber Kosten zwischen 1.500 und 5.000 Euro verursacht. Das konnten sich viele Self-Publisher aber nicht leisten, was am Ende zur Integration von Crowdfunding- und Crowdinvestment elementen führte.

Inzwischen umasst das Verlagsprogramm mehr als 6.000 Titel, lieferbar im gesamten Buchhandel – wobei Pentian im Kern natürlich kein klassischer Verlag ist, denn über den Inhalt entscheiden die Autoren selbst. Nur für die äußere Form und den Vertrieb sorgen Publishing-Spezialisten. Eine clevere Kombination aus Indie- und Industrie, die beiden Seiten hilft, verlegerische Risiken zu vermeiden: Bücher, die die Crowd nicht mag, werden eben erst gar nicht produziert. Die Pentian-Macher sehen sich denn auch als Disruptoren einer ohnehin schon moribunden Buchbranche. „Traditional publishing is a dying corpse of oligarchic protectionism“, so Ko-Gründer Enrique Paquilla gegenüber Publishing Perspectives.

[e-book-review] Das Geld von morgen, das sind wir alle (Dominic Frisby: Bitcoins – The Future of Money?)

Wir leben alle in ei’m kolossal’n Roman. Manchmal entpuppt sich dieser Roman auch als ein Wirtschafts-Thriller. Die Erfolgsgeschichte der Krypto-Währung Bitcoins, erzählt von Dominic Frisby in seinem neuen Buch „Bitcoins – The Future of Money?“, hat jedenfalls alle Elemente eines finanzpolitischen Hacker-Märchens: eine Horde Pizza-verschlingender „Cypherpunks“, angeführt von einen ebenso genialen wie mysteriös-anonymen Mastermind mit japanischem Namen, deutscher E-Mail-Adresse und britischem Akzent, eine globale Wirtschafts- und Kapitalismuskrise, geheime Haupt- und Staatsaktionen, Drogen-Kriminalität, rauschhafte Renditen,anschließende Abstürze an die Nullinie. Und am Horizont der Silberstreif einer völlig neuen, erstmals wirklich globalen Finanzordnung: dezentral, transparent, hierarchiefrei, allen Menschen zugänglich, auch jenseits der Industriestaaten.

Disruptions-Faktor wie E-Mail oder Internet?

Doch all das ist mitnichten Fiktion, die erste erfolgreiche virtuelle Währung ist seit 2008 Teil unserer Realität. In jenem Jahr veröffentliche ein gewisser Satoshi Nakamoto ein digitales Whitepaper mit dem Titel: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ – und startete kurz darauf ein gleichnamiges Projekt auf der Open Source-Plattform Sourceforge. Unbeachtet von der Öffentlichkeit beginnen die ersten Anwender, nach Nakamotos Vorgaben Bitcoins zu errechnen und untereinander zu tauschen, die zunächst überhaupt keinen realen Wert besitzen. Fünf Jahre später ist ein Bitcoin zeitweise so viel Wert wie eine Feinunze Gold, das Bitcoin-Netzwerk zählt hunderttausende Mitglieder, der Wert der stündlichen Transaktionen toppt den von klassischen Finanzdienstleistern wie Western Union.

„If Bitcoins changes the way we transact and the way we store wealth – and it has the potential to do this – the repercussions could be enormous. Think what email did to the postal service, or what the internet did to newspapers, publishing, music and television“, schreibt Frisby, übrigens nicht nur als Wirtschaftsjournalist unterwegs, sondern auch als Comedian. Damit den Bitcoin-Nutzern nicht das Lachen vergeht, bleiben nicht nur Banken, sondern auch staatliche Akteure bei der dezentral organisierten Währung aus dem Spiel: „In Math we Trust“ ist das alleinige Motto – die Menge der Bitcoins ist begrenzt, um inflationäre Währungspolitik zu verhindern, statt auf die Integrität von Finanzdienstleistern zu hoffen wird auf den unwiderlegbaren mathematischen Beweis („Proof“) gesetzt.

Satoshi Nakamoto auf der Spur

Während das Bitcoin-Prinzip keine Rätsel aufwirft, sondern sehr transparent erscheint (Frisby gibt sich viel Mühe, die Grundlagen auch für Laien verständlich zu machen) blieb Bitcoin-Erfinder Nakamoto dagegen bisher ein Mysterium. Gibt es ihn überhaupt – oder verbergen sich wie bei Anonymous oder Dread Pirate Robert verschiedene Personen hinter dieser Charaktermaske? Frisby widmet etwa ein Drittel des Buches dieser Frage, und tischt in diesem Rahmen auch eine sehr plausibel erscheinende These auf (die ich hier aber nicht verraten möchte). Ebenso plausibel scheinen die Gründe für das Verschwinden des oder der Nakamotos zu sein: zeitlich fällt das Abtauchen mit dem Wikileaks-Skandal zusammen. Als alternative, schwer zu kontrollierende Finanzierungsquelle drohte die noch junge Krypto-Währung in das Fadenkreuz der US-Regierung zu geraten.

Inzwischen scheinen sich Paranoia wie auch Euphorie rund um Bitcoins und Krypto-Währungen allgemein etwas gelegt zu haben, während zugleich die Zahl der pragmatischen Nutzer kontinuierlich wächst. Zu denen gehört auch Frisby selbst – und gleiches rät er seinen Lesern: Ausprobieren – auf jeden Fall, denn Bitcoins könnten tatsächlich die Zukunft des Geldes sein. Praktische Tipps gibt’s dazu auch. Doch größere Summen investieren? Besser nicht, warnt der Autor. Bitcoins mögen zwar kein Pilotenspiel sein, doch für den Anleger sind sie mindestens so riskant wie die an konventionellen Börsen gehandelten Wertpapiere.

Praxisbeispiel: Crowdpublishing mit Bitcoins

Zu den bereits etablierten Möglichkeiten, Krypto-Geld auszugeben, gehören übrigens nicht zuletzt auch Crowdfunding-Kampagnen in der Buchbranche: so konnte man Frisbys Bitcoin-Buch über die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound im Rahmen einer Pre-Order-Kampagne nicht nur mit britischen Pfund, sondern auch mit Bitcoins bezahlen (siehe dazu das E-Book-News-Interview mit dem Autor). „Bitcoins – The Future of Money“ reiht sich somit ein in eine ganze Galerie von innovativen Buchprojekten der letzten Jahre, die ihre zentrale These bereits durch den erfolgreichen Produktions- und Vermarktungsprozess selbst beweisen – siehe etwa Chris Andersons „Free – The Future of a Radical Price“, Dirk von Gehlens „Eine neue Version ist verfügbar“ oder Markus Albers‘ „Meconomy„.

Hinweis: Der Rezensent gehörte zu den Unterstützern der Pre-Order-Kampagne für „Bitcoins – The Future of Money“ und besitzt derzeit 0,175 Bitcoins.


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
E-Book (Kindle) 5,14 Euro
Taschenbuch (via Amazon.de) 10,40 Euro

Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdpublishings? (Dominic Frisby im Interview)

„Die Dinge stehen so schlecht, dass in unserer Zeit nur ein Komödiant wirklich Sinn schöpfen kann aus einer Ökonomie, die auf dem Druck von Banknoten basiert“, schrieb vor einiger Zeit ein britischer Blogger. Diesen Comedian gibt es tatsächlich – nämlich Dominic Frisby. Zugleich ist Frisby – kein Scherz – aber auch Wirtschaftsjournalist. Perfekte Voraussetzung, um eins der ersten Sachbücher über Bitcoins überhaupt zu schreiben, und die Frage zu stellen: Sieht so die Zukunft des Geldes aus? „Bitcoins – the Future of Money?“ ist gerade frisch erschienen, und auch aus einem anderen Grund ein echter Hingucker: publiziert wurde es nämlich vom Crowdpublishing-Verlag Unbound, der für die Pre-Order-Kampagne erstmals weltweit auch Bitcoin-Zahlungen zuließ. E-Book-News sprach mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings.

E-Book-News: Dass Autoren einen Vorschuss erhalten, ist ja nicht ungewöhnlich – bei „Bitcoin – The Future of Money“ kam der Vorschuss aber von den Lesern, und die Unterstützer können über ihr Unbound-Profil dem Autor sogar beim Schreiben über die Schulter schauen. Wie stark hat das Crowdfunding die Art und Weise Ihrer Arbeit verändert?

Dominic Frisby: Vollkommen. Ich habe noch nie ein Buch bei einem konventionellen Verlag herausgebracht. Ich wusste aber, dass es eine Menge Leute gibt, die meine Arbeit schätzen. Schon mein erstes Buch – „Life after The State“ – konnte mit Hilfe der Crowd schnell finanziert werden, und schon ging’s los. Ich musste nie herumsitzen und auf die Entscheidung eines Verlegers warten. Das ist sehr befreiend. Ich hatte schon in den 1990ern, also vor der Self-Publishing-Revolution, zwei Bücher geschrieben, bekam aber keines von beiden veröffentlicht. Diese Erinnerung wirkt noch fort…

Ein sehr bemerkenswerter Aspekt der Crowdfunding-Kampagne für „Bitcoin – The Future of Money“ war die Möglichkeit, mit Bitcoins zu bezahlen. Inwieweit könnte Crowdfunding in Zukunft durch den Boom der Krypto-Währungen beeinflusst werden?

Ich denke Krypto-Währungen sind der Take-Off-Faktor für Crowdfunding. Eine Menge Projekte sind dadurch ins Rollen gekommen. Krypto-Crowdfunding hat die Bobfahrer aus Jamaika bei den letzten olympischen Winterspielen in die Spur gebracht, ähnlich war es bei den indischen Rennrodlern. Im Bereich Charity wurden auf diese Weise Sanitärtechnik in Afrika finanziert oder Obdachlosen-Arbeit in Nordamerika. Aber auch reguläre Geschäftsideen, Kunst-Projekte, und vieles anderes. Ich habe die Crowdfunding-Kampagne für den Bitcoin-Comic via Swarm unterstützt, das war eins der einfachsten Dinge der Welt. Krypto und Crowdfunding, das geht zusammen wie Milch und Kaffee.

Das Bitcoin-Konzept ist ja ziemlich abstrakt. Aber dann ist da natürlich der legendenumwobene Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto – über den in den Medien sehr viel gerätselt und diskutiert wird. Wie wichtig ist Nakamoto für den Erfolg von Bitcoins?

Sehr wichtig. Er hat eine Sache zum Laufen gebracht, an der viele Leute zwanzig Jahre lang herumprobiert hatten und die beinahe aufgegeben wurde. Satoshi Nakamoto war unglaublich vorausschauend, anscheinend auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zu wissen wer er wirklich ist, scheint mir momentan keine so große Bedeutung mehr zu haben (allerdings meine ich das Puzzle in meinem Buch gelöst zu haben). Viel wichtiger ist, dass er eine wichtige Weichenstellung ausgelöst hat, von den Möglichkeiten her, die er den Menschen eröffnet hat, rangiert Satoshi Nakamoto auf Augenhöhe mit Tim Berners Lee [Erfinder des World Wide Web, A.W.].

Kürzlich hat jemand die Diskussion über Krypto-Währungen mal so zusammengefasst: „So weit, so gut, aber würden wir unserer Großmutter ernsthaft Bitcoins empfehlen“? Was würden Sie tun!?

Ich würde ihr empfehlen, ein Bitcoin-Wallet anzulegen, Bitcoins im Wert von 20 Euro zu kaufen, und mit einer Freundin, die dasselbe tut, die Sache mal auszuprobieren und kleine Beträge hin- und herzuschicken. Dann würde ich ihr empfehlen, in ein angesagtes Café zu gehen und einen Kaffee mit Bitcoins zu bezahlen.
Würde ich ihr empfehlen, größere Geldsummen zu nehmen und damit in Form von Bitcoins zu spekulieren? Nein. Bitcoins sind zur Zeit in der Baisse, ein Bärenmarkt, und können noch sehr viel tiefer fallen (sie könnten natürlich auch wieder steigen). Aber die Großmutter ist zu alt um mit etwas zu spekulieren, dessen Wert sich nochmal um 95 Prozent reduzieren könnte. Die Leute wahren viel zu begeistert von Bitcoins – als Anleger macht mich das nervös.
Was die Bitcoin-Technik an sich – die Blockchain – und ihre Aussichten betrifft – da bin ich aber sehr zuversichtlich. Das wird glaube ich die Welt verändern. Aber die Wertentwicklung von Bitcoins? Da habe ich ein weitaus ambivalenteres Gefühl.

(Die englischsprachige Version des Interviews gibt’s auf auf ebooknews press.)


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
Paperback (via Amazon) 10,50 (ab 1. Nov. 2014)
E-Book (Kindle) 5,14 Euro

Abb.: dominicfrisby.com (c)

Und plötzlich: Squirl! Genial-lokale Discoverability für ABC-Hörnchen

Spannende Bücher mit Lokalbezug entdecken, interessante Buchhandlungen vor Ort finden oder über literarische Schauplätze stolpern, wo man steht und geht – dabei möchte „Squirl“ helfen, eine neue App, die in den nächsten Wochen Crowd-Kapital für den zum Jahreswechsel geplanten Beta-Launch sammelt. „Your next read might literally be around the corner! Bump into real world locations from books“, so das Mission-Statement der Projekt-Entwickler Jef Van der Avoort und Serie Wolfe, die gerade den Startknopf für die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter gedrückt haben.

Nicht ganz zufällig ist im Logo von „Squirl“ ein Eichhörnchen mit Buch zwischen den Pfoten zu sehen – aus der Perspektive von A-, B- und C-Hörnchen war das Problem der Discoverability schließlich immer schon dreidimensional. Nüsschen im Web kann man nicht essen, wissen selbst nerdige Squirrels. Überaschungen zum Anfassen gibt’s nur im Gelände. Ähnlich soll es nun dem Smartphone-Besitzer gehen: „Imagine passing by a street corner in New York City or a cafe in Paris and suddenly an excerpt from a book pops up on your phone“, so die App-Macher. Die Squirl-Orte seien nämlich ganz einfach „Portale, die in Bücher hinein führen“.

Neben dem mit der Community geteilten „Check-In“ vor Ort können Nachrichten mit Autoren oder Lesern ausgetauscht werden, man kann nicht nur realen, sondern auch fiktiven Personen oder Orten folgen und bei Gefallen auch direkt ein Buch kaufen, online per Fingertipp oder per pedes in der Buchhandlung, zu der die App einen führt. Professionelle Book People können diesen Spacial Turn des Social Readings als Marketing-Maßnahme nutzen – in dem etwa Autoren die Handlungsorte ihrer Bücher in die Squirl-Map eintragen oder indem Buchhandlungen ihren Standort sowie vorrätige Titel mit Ortsbezug hinzufügen.

Für das, was die App einmal leisten soll, gibt’s im Englischen einen speziellen Begriff – „Serendipity„, die Entdeckung einer Sache, nach der man gar nicht gesucht hat, aufgrund eines glücklichen Zufalls. Das Wort – passenderweise erfunden vom Gothic-Romancier Horace Walpole – gilt als eines der am schwersten zu übersetzenden der englischen Sprache. Doch auch die Übersetzung des Prinzips in eine App ist nicht trivial, und vor allem: teuer. Bevor die Startversion von Squirl (anfangs iOS-only) im App-Store erscheint, müssen Van der Avoort und Wolfe noch eine Menge Nüsschen sammeln – 75.000 Dollar Mindestsumme sind keine Peanuts.