Science-Thriller & Katzen-Krimi: Jury & Community küren Indie-Autor-Preisträgerinnen mit Schwerpunkt Spannung

indie-autor-preis-2018-winner-300x300Der Indie Autor Preis 2018 hatte einen Schwerpunkt: Krimi und Thriller – und knapp 170 AutorInnen hatten ihre dazu passenden Romane in den Ring geworfen. Erst gab’s eine Shortlist mit fünf Titeln, dann startete die Endrunde. Auf der Leipziger Buchmesse gab man Ende letzte Woche nun die Entscheidung für den Jury- wie auch und Community-Preis bekannt: Ausgezeichnet wurden die Self-Publishing-Autorinnen Solveig Engel und Marianne Kaindl.

„Solveig Engel weiß, wovon sie erzählt“

Solveig Engel gewinnt den mit unter anderem 3.000 Euro dotierten Jury-Preis mit ihrem Titel “Neondunkel”. In ihrem Thriller geht es um die Physikerin Dr. Melanie Glanz, die dem Tod ihrer Mentoren auf die Spur kommt und dabei in einen Strudel aus Leistungsdruck, Schuldgefühlen und Angst gerät. Engel hat selbst Physik studiert, am TRIUMF-Lab promoviert und nebenbei für Spektrum der Wissenschaft geschrieben.

„Man merkt dem Roman an, dass Solveig Engel weiß, wovon sie erzählt.“, so Jens J. Kramer, einer der Juroren des Indie Autor Preises. „Neondunkel ist kein Actionthriller, sondern ein präzise gezeichneter Psychothriller, der einer klaren Linie folgt und sich auf das Innere der Erzählerin konzentriert.“

Community-Voting für „Sechs Katzen & ein Todesfall“

Marianne Kaindl gewann mit “Sechs Katzen und ein Todesfall” das Community-Voting und erhält unter anderem ein Mediapaket für lovelybooks. Der Indie-Autor-Preis wird organisiert von der Self-Publishing-Plattform neobooks und der Leipziger Buchmesse — und fand in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Thematische Schwerpunkt gibt es seit letztem Jahr, den Anfang machte das Romance-Genre.

eBay plus E-Books: Premium-Kunden profitieren von Tolino Select-Option

tolino-select-ebay-plusKundenbindung, das heißt heutzutage meist: Service- & Content-Bündel schnüren für Premium-Programme. So macht es Amazon mit dem Prime Programm, so macht es jetzt auch eBay mit dem „Plus“-Programm. Der Online-Marktplatz bietet „kostenlosen Premiumversand, kostenlosen Rückversand und exklusive Angebote“. Zu letzteren gehört ab jetzt die Option, ein halbes Jahr lang Tolino Select zu nutzen, das kuratierte E-Book-Abo der Tolino Allianz, bei dem man jeden Monat aus einer Palette von vierzig Titeln vier E-Books ausleihen kann.

Thalia als strategischer Partner

Buchhandels-Partner bei dieser „strategischen Allianz“ ist Thalia, und damit der deutsche Marktführer im Sortimentsbuchhandel. Weitere Schritte sind nicht ausgeschlossen: man wolle zukünftig „für bestehende und neue Kundengruppen innovative Produkte und Services“ entwickeln, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung zur neuen „Retail-Content-Partnerschaft“. Kurz zuvor war bereits eine Vertriebskooperation zwischen Books on Demand (BoD) und eBay in Sachen Print-Buch bekanntgeworden.

Tolino Select-Option gilt zunächst 6 Monate

Nun gibt es also auch E-Books via eBay. Ab dem 13. Oktober 2017 können sich in einem ersten Schritt der neuen Partnerschaft alle eBay Plus-Mitglieder für eine sechsmonatige Nutzung des neuen eBook-Abonnements tolino select von Thalia im eBay Plus-Programm registrieren. Das bedeutet, dass sie im Rahmen der eBay Plus-Mitgliedschaft aus einem monatlich wechselnden Angebot von 40 attraktiven Buchtiteln vier Titel pro Monat ausleihen können.

Auch Rabattgutschein für Tolino-Reader

Nach Ablauf der sechs Monate sollen eBay Plus-Mitglieder die Möglichkeit bekommen, „auf kontinuierlicher Basis Zugang zu eBooks über Thalia zu erhalten“. Details dazu werden in den kommenden Monaten noch bekanntgegeben. Im Rahmen der Initiative haben die eBay Plus-Mitglieder zudem die Möglichkeit, einen Rabatt-Gutschein zu nutzen, um den eReader tolino shine 2 HD für 89 Euro statt 119 Euro zu erwerben.

Keine Angst vor Indie-Titeln: dspp17 zeigt Potential deutscher Self-Publishing-Autoren

coverabbildung_noras_welt_durch_den_nimbusVorsicht, Buch: Der erste Deutsche Selfpublishing-Preis #dspp17 geht an die österreichische Autorin Madeleine Puljic – sie überzeugte die Jury mit ihrem Trilogie-Auftakt „Noras Welten / Durch den Nimbus“, der sich um eineBibliophobikerin auf der Suche nach Heilung ihrer Angst vor Büchern dreht. Der Fantasyroman „Noras Welten / Durch den Nimbus“ stehe für „eine überzeugende literarische Grundidee mit Pageturner-Dramaturgie, verfasst in einer sauberen und dichten Schreibe und eingebettet in eine wunderschöne grafische Innengestaltung“, so die Begründung der Preisrichter. Abgerundet werde der Gesamteindruck vom charmanten digitalen Selbstmarketing der Autorin. Puljic darf sich nun über ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro freuen.

Madeleine Puljic, Indie-Autorin mit Bilderbuch-Karriere

Die erstmals verliehene Auszeichnung landete damit bei einer Indie-Autorin mit Bilderbuch-Karriere in punkto Self-Publishing: schon seit 2013 veröffentlicht Puljic Bücher im Eigenverlag. 2015 erhielt sie unter anderem den österreichischen Fantasy-Preis „Vindragona“. Außerdem schreibt die Wienerin mittlerweile für diverse Heftromanserien, wie etwa Perry Rhodan Neo, John Sinclair und Maddrax.

Publikumspreis für historischen Roman „Blutföhre“

Der ebenfalls zum ersten Mal verliehene Publikumspreis ging an Monika Pfundmeier, die mit ihrem historischen Roman „Blutföhre“ am Wettbewerb teilgenommen hat. Mit deutlichem Abstand konnte sie beim vier Wochen dauernden Voting die meisten Stimmen auf der dspp17-Webseite sammeln. Beide Auszeichnungen wurden letzte Woche in der „Selfpublishing-Area“ auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben und verliehen.

„Selfpublisher-Szene professionell und mit ausgereifter Stimme“

Jurymitglied und Buchhändler Robert Duchstein sieht die Gewinnerinnen, aber auch die Nominierungen von Short- und Longlist als „Beweis, dass sich die deutschsprachige Selfpublisher-Szene professionell und mit eigener, erzählerisch ausgereifter Stimme aufgestellt hat“. Für den stationären Buchhandel seien diese spannenden Entdeckungen aus der Independent-Schmiede eine Bereicherung. Bewertungen sowie die Leseproben zum Siegertitel und den neun verbleibenden Shortlist-Nominierungen sind auch weiterhin unter www.selfpublishing-preis.de/shortlist zugänglich.

Jurypreis:

Madeleine Puljic,
„Noras Welten / Durch den Nimbus“
376 Seiten
Taschenbuch: 12,99 Euro
E-Book: 2,99 Euro

Publikumspreis:

Monika Pfundmeier,
„Blutföhre“
468 Seiten
Taschenbuch: 13,90 Euro
E-Book: 6,99 Euro

Oasis, Epos, Saga & Co.: E-Reading-Roundup zur Frankfurter Buchmesse

buchmesse-ereading-roundupPünktlich zur Buchmesse erscheinen nicht nur Bücher, sondern auch neue E-Reader & E-Book-Abos. In diesem Oktober legen die großen Anbieter sich mächtig ins Zeug: Amazon Deutschland bringt mit der zweiten Generation des Kindle Oasis eine überarbeitete Version des High-End-Lesegerätes an den Start, wasserdicht, mit hochauflösenden 7-Zoll-Display (300ppi) und Audio-Features (Bluetooth-Schnittstelle für Kopfhörer/Boxen, Audible-Anbindung). Das nur 194 Gramm leichte Gerät hat eine Rückseite aus Aluminium und kann dank Schnelllade-Funktion in zwei Stunden aufgeladen werden. Sofern E-Book- und Hörbuchversion eines Titels bereitstehen, kann man nahtlos von der Lektüre zur Audioversion wechseln. Das neue Gerät wird in zwei Versionen angeboten: mit 8 GB Speicher kostet es 230 Euro, mit 32 GB Speicher zahlt man 260 Euro bzw. 320 Euro (WLAN/3G).

Tolino Epos trifft Tolino Select

Die Tolino-Allianz schafft ebenfalls mehr Platz auf dem Display: mit dem Tolino Epos dürfen die deutschen Buchhändler nun mit einen fast acht Zoll (7,8 Zoll) großen E-Reader auftrumpfen, die Auflösung beträgt 1872×1404 Pixel (entspricht 300ppi). Das 260 Gramm leichte Gerät hat 6 GB Speicher und kommt mit SmartLight-Feature, d.h. die „Farbtemperatur“ wird dank warmweißen und kaltweißen LEDs automatisch je nach Tages- oder Nachtzeit angepasst. Wie zuvor der Tolino Vision 4 HD ist auch das neueste Modell der Tolino-Allianz dank Nanoversiegelung wasserdicht. Für nie versiegenden Lesestoff sorgt nicht nur die Möglichkeit, via Onleihe ausgeliehene E-Books auf dem Epos zu lesen — zeitgleich zur Reader-Premiere ist auch das neue E-Book-Abo „Tolino Select“ gestartet. Monat für Monat stellen die Tolino-Kuratoren vierzig Titel zur Auswahl, von denen man bis zu vier ausleihen kann.

Legimi bringt E-Book-Abo auf Pocketbook Lux

Ein Reader-Angebot komplett mit E-Book-Abo (bzw. umgekehrt) macht derzeit Pocketbook in Kooperation mit dem polnischen Unternehmen Legimi: wer für monatlich 17,99 Euro ein Zwei-Jahres-Abo für die E-Book- & Hörbuch-Flatrate abschließt, erhält den PocketBook Touch Lux 3 mit vorinstallierter Legimi-App „kostenlos“ dazu. Sind Titel sowohl als E-Book wie als Hörbuch verfügbar, kann man nahtlos hin- und herwechseln. Auch nicht schlecht: Für einen Euro mehr, also 18,99 Euro pro Monat erhält man statt Touch Lux 3 den „offenen“ Android-Reader InkBook Prime.

Bookchoice lindert die Qual der Wahl

Unlimitierter Zugang zu Millionen Büchern (im Fall von Legimi: zehntausenden) wollen E-Book-Abos in der Regel bieten, überfordern damit viele Leser, Stichwort: Paradox of Choice. Nicht nur die Tolino Allianz setzt deswegen auf Limitierung und Kuratierung. Die niederländische Plattform Bookchoice stellt ihren Kunden monatlich werden den Kunden acht ausgewählte E-Books und Hörbücher zur Auswahl. Seit Oktober ist Bookchoice nun auch für deutsche Leser nutzbar.

Aus Nolim wird Saga: Lesen wie in Frankreich

Last not least: Nur sechs Zoll, dafür aber ausgefeiltes Design mit integriertem Cover bietet der neue Bookeen Saga, die Deutschland-Version des in Frankreich populären „Nolim“-Readers. Technisch mag der 6-Zoller nichts neues bieten, dafür soll ihn die äußere Form „buchähnlicher“ machen und durch die neue Haptik & Optik neue Leser für das E-Reading begeistern.

Seitenblicke nach Fernost: OpenBook präsentiert Zahlen zum chinesischen Buchmarkt

beijing-book-fair-2017In Sachen Buchmarkt-Trends wird gerne auf die USA geschaut, es lohnt sich aber auch enorm, mal ab und zu in die andere Richtung zu blicken, sprich: nach China. Anlässlich der Pekinger Buchmesse Ende August hat das chinesische Pendant zu Nielsen BookScan namens „OpenBook“ (sehr lustiger Name angesichts eines staatlich kontrollierten Buchmarktes…) gerade interessante neue Zahlen zum dortigen Marktvolumen vorgelegt.

Marktvolumen doppelt so groß wie in Deutschland

Das gesamte Marktvolumen liegt mit geschätzten 16 bis 19 Milliarden Euro irgendwo zwischen Deutschland (neun Mrd. Euro) und den Vereinigten Staaten (20 Mrd. Euro). Der Buchhandelsumsatz alleine erreichte im letzten Jahr knapp immerhin neun Milliarden Euro. Doch der Markt selbst ist wohl kaum mit hiesigen Verhältnissen zu vergleichen — alleine schon durch die starke staatliche Kontrolle und Quersubventionierung. In den Top Ten der größten Publisher findet man ausschließlich Staatsverlage, die ihren Umsatz zum großen Teil mit Schul- und Fachbüchern machen. Große private Verlagshäuser wie Booky, Readinglife, Huazhang Books oder Dolphinmedia werden in Buchmarktstatistiken deswegen gesondert aufgeführt.

Überraschend internationale Bestseller-Liste

Gar nicht so viel Exotisches vermittelt dagegen ein Blick auf die aktuelle Belletristik-Bestsellerliste (d.h. Juli 2017), die OpenBook monatlich auch in einer englischen Version bereitstellt – die ersten zehn Ränge teilen sich nämlich in- und ausländische Autoren pari-pari. An Platz eins und zwei stehen Mystery-Romane des japanischen Autors Higashino Keigo, auch drei „westliche“ Romane sind in Übersetzung mit dabei, ein Thriller von Claire McFall, Khaled Hosseinias „Kite Runner“ sowie, Überraschung, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez. Die restlichen fünf Romane stammen aus der Feder prominenter chinesischer Autoren, wobei z.B. die Titel von Lu Yao und Yu Hua auch in englischen bzw. deutschen Übersetzungen vorliegen.

Die genauen Zahlen kennt leider niemand…

Die Bestseller-Statistiken sind allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, OpenBook zufolge decken die zugrunde liegenden Zahlen lediglich 30 bis 40 Prozent der gesamten Umsätze im chinesischen Buchhandel im stationären sowie Online-Bereich ab. Den starken Boom des „Online-Readings“ muss man dazu auch noch berücksichtigen, viele der via Smartphone-App gelesenen E-Books stammen von Self-Publishern und werden gar nicht im klassischen Sinne verkauft, sondern massenhaft gratis oder per Flatrate-Abo konsumiert.

(via Buchreport & Publishing Perspectives)

Zur Hölle mit der Kohle, was am Ende übrigbleibt, ist Liebe in Teedosen…: die #dspp17-Longlist ist da

dspp2017-longlistHatte Dornröschen es wirklich leichter? Ist Liebe kein Duett? Warum gibt es keinen Tee für Mr. Darcy? Die Jury für den ersten deutschen Self-Publishing-Preis wird die Antworten kennen. Denn die Juroren haben 1.800 genreübegreifende Indie-Titel geschmökert, und am Ende 22 Bücher für die Longlist ausgewählt. Gesucht waren Titel mit „wirklich professionellem Anspruch“, die „ein Kunde in der Buchhandlung nicht von Verlagsprodukten unterscheiden kann, so Matthias Matting, Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes. Und von denen gab es durchaus nicht wenige: „An den Einsendungen lässt sich gut erkennen, welche Entwicklung das Selfpublishing gerade nimmt: Viele Autorinnen und Autoren sind dabei, ihre Arbeit zu professionalisieren.“

„Sorge um Buchmarkt-Vielfalt unbegründet“

Angesichts der thematischen Breite wie auch der inhaltlichen Qualität urteilt Matting: „Jegliche Sorge um die Vielfalt auf dem hiesigen Buchmarkt ist damit völlig unbegründet.“ Ein paar der Nominierten dürften Lesern von E-Book-News übrigens bekannt sein, sie waren schon mal zu Gast in der Indie-Lounge. Die Shortlist mit zehn Titeln wird am 26.09. veröffentlicht. Der endgültige Gewinner für den mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung soll dann auf der kommenden Frankfurter Buchmesse gekürt werden. Hier die komplette Liste in alphabetischer Reihenfolge:

  • „Was am Ende übrig bleibt“ von Norbert Abts
  • „Wiedergänger / Zwinger“ von John Alba
  • „Der stille Feind“ von Saskia Calden
  • „Schattentäter“ von Jannes C. Cramer
  • „Nie weit genug“ von Gabi Dallas
  • „Wurzelbehandlung – Deutschland, Ghana und ich“ von Esther Donkor
  • „Der Schwur der Schlange“ von Barbara Drucker
  • „Liebe ist kein Duett“ von Heike Fröhling
  • „Was du nicht siehst“ von Leonie Haubrich
  • „Viereinhalb Minuten“ von Kathrin Hövekamp
  • „Tod“ von Marcus Hünnebeck
  • „Totenschmaus“ von Timo Leibig
  • „Dornröschen hatte es leichter“ von Vanessa Mansini
  • „Zur Hölle mit der Kohle“ von Stefan Mühlfried
  • „This New World“ von Laura Newman
  • „Blutföhre“ von Monika Pfundmeier
  • „Noras Welten / Durch den Nimbus“ von Madeleine Puljic
  • „Die Hüterin der Welten“ von Sabine Schulter
  • „… also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends“ von Victoria Suffrage
  • „Tausend Welten und ein Himmel“ von Sue Twin
  • „Liebe in Teedosen“ von Janina Venn-Rosky
  • „Kein Tee für Mr. Darcy“ von Janina Venn-Rosky

(via selfpublishing-preis.de)

Nackte Hasen-Skandal: Buchmesse-Chef stellt sich hinter Cosplayer-Szene

lbm17-cosplayer-szeneWäre Leipzig noch eine Messe wert ohne handfesten Skandal? Diese Frage müssen wir uns in diesem Jahr zum Glück nicht stellen, denn die #LBM17 hat uns ex post noch eine wunderschöne Posse beschert – die „halbnackte Hasen“-Affäre. Im Fokus: die Kollision zwischen kulturkonservativen Buchstabenlesern und progressiven Comicfans. Darf die Buchmesse kein Ort für nackte Hasen sein?

Cosplayer-Szene mit messeweiter Präsenz

Dass die Buchmesse in Leipzig jedes Jahr neue Besucherrekorde feiert (diesmal: 280.000), hat ja u.a. damit zu tun, dass sie sich erfolgreich als Besucher- und Lesermesse vermarktet, u.a. mit populärkulturellem Schwerpunkt: auf der parallel stattfindenden Manga-Comic-Con unterm großen Glasdach geht’s um Mangas, Comics und Graphic Novels.

Das erkennt man schon von weitem an dem bunten Völkchen aus der Cosplayer-Szene – die als Comicfiguren verkleideten Leute tummeln sich nicht nur auf der Comic-Con selbst, sondern in allen Messehallen. Das wiederum hat den Unmut von WDR-Literaturedakteur Carsten Otte erregt. Es könne doch nicht sein, dass etwa eine türkische Autorin zur politischen Lage in ihrem Land interviewt werde und derweil „halbnackte Hasen und düstere Ritter mit Riesenschwertern“ durch das Bild latschen.

Ernsthafte Aura der Literatur gefährdet?

Doch fühlen sich Journalisten, Verleger und „ernsthaft“ literaturinteressierte Besucher wirklich von Cosplayern gestört? Wird dadurch die Kultur verhöhnt, die geistige Aura verwirbelt? Im MDR-Interview hat Buchmesse-Chef Oliver Zille solche Vorwürfe jetzt zurückgewiesen – die Messe sei eben repräsentativ für den Buchmarkt: „Manga und Comic gehören dazu und bunt kostümierte eben auch.“

Man dürfe zudem auch kostümierten Menschen „unterstellen, dass sie politisch interessiert seien“. Das sehe man im übrigen auch daran, dass sie in verschiedenen Veranstaltungsformaten auftauchen würden (siehe auch das offizielle Statement der Buchmesse-Organisatoren). Mit den Worten von SPON-Kolumnistin Margarete Stokowski gesagt: auch nackte Hasen können politisch sein.

„Schmutz & Schund“ ist passé

Fast fühlt man sich beim „nackten Hasen“-Skandal an die unsäglich-urdeutschen Debatte rund um „Schmutz- und Schundliteratur“ erinnert, die speziell Comics betraf, und die Entwicklung einer nationalen Comic-Kultur (anders als etwa in Frankreich/Belgien oder USA/UK) lange Zeit ausgebremst hat. Die überwiegend ablehnenden Reaktionen auf Ottes Kritik zeigen jedoch zugleich: diese Zeiten sind endgültig vorbei.

Abb.: (c) Manga-Comic-Con

Für Buchblogger, Booktuber, Bookstagramer: Leipzig lädt zur „buchmesse:blogger session 17“

buchmesse-bloggerkonferenzSie können nicht schweigen, wenn der Roman (oder der Klappentext) zu Ende ist: immer mehr Buchblogger, Booktuber und Bookstagrammer erreichen mit ihren digital verbreiteten Lektüreerfahrungen an ein wachsendes Publikum — und machen dem klassischen Feuilleton kräftig Konkurrenz. Manchmal wird aus dem Hobby sogar ein lukratives Geschäftsmodell, und der Buchblogger selbst zum Star, über den das Feuilleton schreibt.

FAZ-Literaturchef blickt auf Bloggerszene

Grund genug für die Leipziger Buchmesse, auch diese neue Zielgruppe zu bedienen — zum zweiten Mal findet zu diesem Zweck 2017 in den Messehallen mit den „buchmesse:blogger sessions“ eine veritable Bloggerkonferenz statt. Zum Auftakt sogar mit einer Keynote von FAZ-Feuilletonchef Andreas Platthaus, der laut Veranstaltungs-Ankündigung „einen Blick von außen auf die vielfältige deutsche Bloggerszene“ werfen soll.

Warum über Bücher bloggen?

Ansonsten kommen aber vor allem Experten zu Wort, darunter auch die bloggenden Bibliophilen selbst – unter der Überschrift „Warum über Bücher bloggen“ berichten BloggerInnen wie Bozena Anna Badura (dasdebuet.com), Mareike Krause (Mareikes Bücher) oder Jochen Kienbaum (lustauflesen.de) über ihre Erfahrungen „klassischen Buchblogs“. Rechtsanwalt und Blogger Tilman Winterling gibt eine Einführung in Themen wie Presserecht, Datenschutz, Kooperationen und Werbung.

Sichtbarkeit, Reichweite, Geld

Im Gespräch „Mehr als bloggen!“ geht’s dann um das Thema Sichtbarkeit, Reichweite und den Nutzen neuer Formate, u.a. mit dem Podcaster Señor Rolando (Büchergefahr) und die Bookstagramerin Katja Murschel (@minasmorgulbooks). Ein Workshop von Lovelybooks gibt Tipps zur Reichweiten-Analyse und SEO-Optimierung.

Am Ende wird dann noch mal konkret über Geld geredet: Unter der Überschrift „Werbeagentur, Kulturjournalismus oder Hobby – Geld verdienen mit Blogs?“ blicken Experten wie der Straßenpoet Fabian Neidhard (mokita.de) oder Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) auf die verschiedenen Monetarisierungsmodelle, die für Buchblogger in Frage kommen.

Tickets ab jetzt buchbar

Tickets für die buchmesse: blogger sessions 2017 sind ab sofort im Online-Ticketshop der Leipziger Buchmesse erhältlich. Bereits akkreditierte Blogger können noch bis zum 26. Februar ein Ticket für 42,00 Euro (danach 49 Euro) buchen.

Indie-Autor-Preis 2017: 100.000 Zeichen Herzschmerz für Leipzig gesucht

indie-autor-preis-2017Ein neues Jahr, ein neuer Indie-Autor-Preis — und mit neuem Schwerpunkt: gesucht werden diesmal E-Books von AutorInnen, die rund um das Genre Romance bzw. Unterhaltung kreisen. Wer an dem von neobooks und der Leipziger Buchmesse veranstalteten Literatur-Wettbewerb teilnehmen möchte, hat noch bis 31.01. Zeit, mindestens 100.000 Zeichen Herzschmerz im epub-Format einzureichen. Dafür winken dann 3.000 Euro Preisgeld, ein Verlagsvertrag bei feelings – emotional ebooks, sowie viel Publicity u.a. bei Lesungen im Rahmen der Langen Leipziger Lesenacht.

Letztes Jahr stand Fantasy im Fokus

Schon zum zweiten Mal steht damit eins der populären Genres im Vordergrund, die zum Erfolg der Self-Publishing-Literatur maßgeblich beigetragen haben — im letzten Jahr war dieses Indie-Autor-Preis-Konzept erstmals im Zeichen der Fantasy getestet worden, in Kooperation mit dem Fantasy-Literaturpreis SERAPH. Zur Gewinnerin des Jahres erkor man 2016 Hannah Kuhlmann mit „Nachtschatten“.

neobooks-Community wählt Publikumsliebling

Wer dieses Jahr gewinnen möchte, muss sein Buch zuvor auf der zu Droemer-Knaur gehörenden Self-Publishing-Plattform neobooks veröffentlichen (siehe Teilnahmebedingungen). Auch diesmal wird die neobooks-Community aus der von der offiziellen Indie-Preis-Jury bestimmten Shortlist einen „Publikumsliebling“ wählen (letztes Jahr war das Marie Graßhoff mit „Kernstaub“).

Verlags-Profis bestimmen Preisträger

Erstmals bestimmt in diesem Jahr eine „Expertenjury aus renommierten Verlagsvertretern“ aus den Häusern Droemer-Knaur, Ullstein und Holtzbrinck den Preisträger/die Preisträgerin. Mit Isabella Muhr sitzt aber immerhin auch noch eine Verlags- und Indie-Autorin („Blumenzauber“-Serie) im Auswahlgremium. Die Preisverleihung findet am 25. März auf der Leipziger Buchmesse statt.

Modernes Märchen: „Aschenkindel“ von Halo Sommer gewinnt Kindle Storyteller Award 2016

aschenkindel-storyteller-awardZum zweiten Mal wurde auf der FBM der „Kindle Storyteller Award“ verliehen — diesjährige Preisträgerin ist die Stuttgarter Indie-Autorin Halo Summer, die mit ihrem modernen Märchen „Aschenkindel“ angetreten war. Summer darf sich über ein Gesamtpaket im Wert von 30.000 Euro freuen, dazu gibt’s einen Verlagsvertrag mit HarperCollins. Amazons Hörspieltochter Audible wird zudem aus „Aschenkindel“ ein Hörbuch machen — genauso wie aus den Büchern der übrigen Finalisten.

Märchenhafte Coming-of-Age-Geschichte

In „Aschenkindel“ dreht sich alles um märchenhafte Zutaten wie eine Heldin namens Claerie Farnflee, gute Feen, böse Stiefmütter, garstige Schwestern, dahergelaufene Prinzen, das Schicksal und die finale Wendung zum Glück. „Halo Summer hat eine Figur erschaffen, die uralt und gleichzeitig blutjung ist und eine Sprache führt, die dem Genre völlig ungewohnt ist, aber heutigen Lesern direkt von den Lippen fließt“, so Jury-Vorsitzender Uwe Kullnick, zugleich Präsident des Deutschen Autorenverbandes. Es sei der gelungene Versuch, Probleme des Erwachsenwerdens, des sich in die Welt Einordnens und sich Behauptens in widrigen Umständen zu beschreiben.

Viele KDP-Debütanten unter den Teilnehmern

Insgesamt waren 1.900 Titel verschiedener Genres zum diesjährigen KSA angetreten, ein Drittel davon stammt aus der Feder von Debütautoren, die erstmals ein Buch via Kindle Direkt Publishing (KDP) veröffentlicht haben. Gegenüber 2015 wurden Amazon zufolge 80 Prozent mehr Titel eingereicht. Die fünf Romane der Shortlist — darunter „Aschenkindel“ — waren von Amazon-LeserInnen bestimmt worden, den endgültigen Gewinnertitel ermittelte dann eine hochkarätig besetzte Jury. Bei der ersten Preisverleihung. Im letzten Jahr hatten die Amazon-Juroren mit „Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit“ einen Sci-Fi-Roman auf das Siegertreppchen gehievt.