Apple gibt Druck von kritischen Investoren nach: iOS 12 enthält vorbeugende Features gegen Smartphone-Sucht

io12-screentimeDer Smartphone-Industrie geht es ein bisschen so wie den Kollegen von der Tabak- und Spirituosenbranche: einerseis sind Produktdesign und Marketing genau darauf abgestimmt, die Leute möglichst früh zum Konsum zu verführen und so schnell wie möglich abhängig zu machen. Die negativen Folgen dieser Abhängigkeit — in diesem Fall: der Smartphone-Sucht — machen dann aber dem Markenimage zu schaffen. Also muss zusätzlich noch kräftig ins Greenwashing investiert werden, mit Kampagnen, die zum „bewussten“ oder „verantwortlichen“ Gebrauch der jeweiligen Droge motivieren sollen.

Genau an diesem Punkt ist nun offenbar Apple angekommen — auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2018 rief Software-Chef Craig Federighi dazu auf, sich mit den „übergroßen Auswirkungen“ von Smartphones auf unseren Alltag zu beschäftigen. „Für manche von uns ist das zu einer solchen Gewohnheit geworden, dass wir womöglich nicht mehr merken, wie stark wir abgelenkt werden“, so Federighi.

Und da die Ablenkung offenbar so etwas ist wie der Lungenkrebs oder die Leberzirrhose der Aufmerksamkeits-Ökonomie, hat man sich in Cupertino einen Filter respektive eine Trinkpause ausgedacht: die neueste mobile Betriebssystem-Version iOS 12 soll das Abschalten bzw. Stumm-Schalten von iPhone oder iPad erleichtertn, so dass in Ruhephasen — während der Mahlzeiten, im Theater oder im Bett — kein Klingeln, Vibrieren oder Blinki-Blinki zu noch mehr Screen-Time lockt.

Außerdem sollen die Geräte nun transparenter machen, wie viel Zeit man bereits mit einzelnen Apps verschwendet hat oder wie oft der Ruhezustand unterbrochen wurde, um Statusmeldungen zu checken. Zeitliche Limits lassen sich ebenfalls definieren, aber auch leicht wieder lockern. Anders bei den elterlichen Kotroll-Funktionen: im Rahmen der „Familienfreigabe“ können die Erziehungsberechtigten verbindliche Sperrzeiten festlegen, zum Beispiel abens und nachts. Ausnahmen für pädagogisch wertvolle Apps sind aber möglich.

Eins darf man natürlich von Apple nicht erwarten, und erst recht nicht von den noch stärker von den App-Interaktionen abhängigen Unternehmen wie Google oder Facebook: Hilfe zum konsequenten Ausstieg aus der Sucht, sprich dem Ausstieg aus der Smartphone-Nutzung zu Gunsten gesünderer Offline-Aktivitäten. Selbst der Wechsel zum Feature-Phone würde ja schon eine Menge Zeitreserven freisetzen, erst recht natürlich der Umstieg auf einen E-Reader — sozusagen der E-Zigarette unter den Mobilgeräten. Aber selbst besonder kritische Investoren würden wohl soweit nicht gehen…

Abb.: Apple.com

(via Meedia.de)

Neue Textur für Apple News: Cupertino plant offenbar Magazin- & Zeitschriften-Flatrate

apple-news-plus-textureWenn ein großer Konzerne ein kleines Startup verschluckt, stellt sich immer die Frage: Was wird er damit machen? Nach der Übernahme der Texture-App („Magzines unbound & unlimited“) durch Apple scheint das absehbar zu sein — Apple will der iPhone- und iPad-Gemeinde offenbar nicht nur kuratierte Nachrichten im Rahmen der Apple News-App bieten, sondern auch eine Content-Flatrate.

Texture bot bereits mehr als 200 Titel

Die bisherige Texture-App hatte bereits über 200 Magazin-und Zeitschriften-Titel im Angebot — die Jungs aus Cupertino werden aber bestimmt noch mehr Verlage ins Boot holen. Vorbild könnte hier das Rundum-Angebot von Apple Music sein (und auch hier ging das Unternehmen zunächst auf Einkaufstour und schluckte den Subskriptionsdienst Beat Music). Auch bei spätem Eintritt in bereits erschlossene Märkte lautet die Devise von Apple ja bekanntlich: Wenn schon, dann richtig.

App-Umsätze ergänzen iPhone-Verkauf

Mit dem forcierten Verkauf von Dienstleistungen via App will Apple wohl auch einem strukturellen Problem begegnen: die iPhone-Verkaufzahlen lassen sich nicht mehr beliebig steigern, also muss das Wachstum auf anderen Feldern erzeugt werden. Eine breite Plattform ist mit all den iOS-Nutzers weltweit vorhanden. Vielleicht kommt Apple News in neuer Form dann ja auch nach Deutschland?

Holy Scroller vs. Sharks: Amazon spendiert freien Textlauf für die iOS-Kindle App

holy-scrolling-mit-kindle-appSchon seitdem Texte über Bildschirme laufen, ist die Nutzer-Gemeinde geteilt — hier die Holy Scroller, die per Cursor-Taste oder später Maus den Bildschirmlauf aktivieren, dort die Sharks, die das „Umblättern“ mit der „Bild ab“- oder „Page down“-Taste bevorzugen. Im E-Book-Zeitalter gab es dann plötzlich keine Wahl mehr — im Bemühen, Texte so buchähnlich wie möglich zu präsentieren, wurde auf „Umblättern“ gesetzt.

E-Book-Seiten gibt’s eigentlich gar nicht

Obwohl das streng genommen natürlich Quatsch ist, denn ein E-Buchkapitel ist nunmal nichts anderes als eine (X)HTML-Seite, die man natürlich problemlos herunterscrollen könnte, solange der Bildschirm das auch mitmacht. Im Smartphone- und Tablet-Zeitalter ist das, anders als bei langsamem E-Ink, tatsächlich kein Problem. So forderten viele Holy Scroller schon lange: lasst uns endlich herunterscrollen!

Holy Scrolling auf dem iPhone-Display

Nun hat zumindest Amazon sie erhört — die neueste Version der Kindle App für iOS bietet als Option das „continuous scrolling“ an. Auf dem iPhone dürfte das auf jeden Fall eine sinnvolle Möglichkeit sein, auf dem iPad vielleicht weniger, dort bietet sich ja eher der Zweispalten-Satz an.

(via The Digital Reader)

Apple im Club der Bezahlfreunde: iBooks, iTunes, App Store akzeptieren jetzt PayPal

apple-akzeptiert-paypal-zahlungenWas hat der iBook-Store, was der Kindle Shop noch nicht hat? Ganz einfach: PayPal. In Deutschland und einem knappen Dutzend weiterer Länder können Apple-Kunden ab sofort nämlich ihre E-Books auch mit dem (schlapp übersetzt) „Bezahlfreund“ erwerben. Gleiches gilt für Einkäufe im App Store, bei Apple Music oder iTunes. Das teilte der ursprünglich mal von eBay gegründete Zahlungsdienst heute via Firmenblog.

Inklusive PayPal One Touch-Option

Kunden mit einer neuen oder bestehenden Apple-ID müssen dazu „PayPal“ als Zahlungsmethode in ihren Kontoeinstellungen auswählen. Auf iPhone, iPad, iPod touch und Desktop-Mac funktioniert dies über die Einstellungen für App Store, Apple Music, iTunes oder iBooks. PC-Nutzer können diese Änderung via iTunes vornehmen. Gleichzeitig steht auch die Komfort-Option „PayPal One Touch“ zur Verfügung, auf diese Weise bleiben PayPal-Kunden eingeloggt und sparen sich bei Einkäufen über die Apple-ID die wiederholte Passworteingabe.

PayPal hierzulande beliebter als Kreditkarten

Paypal hat in Deutschland 17 Millionen Nutzer, der Umsatzanteil im Onlinehandel liegt bei knapp 18 Prozent – das reicht nur für Rang drei, davor liegen Zahlung per Lastschrift (20 Prozent) und Zahlung auf Rechnng (30 Prozent). Weit abgeschlagen dagegen die Kreditkarte – sie erreicht gerade mal 12 Prozent (Zahlen laut EHI Online-Payment-Studie 2017).

Im E-Book-Sektor wird PayPal als Zahlungsoption von den meisten E-Stores außerhalb der Amazon-Welt angeboten, auch Nutzer der Tolino-Reader bzw. Tolino-Apps können neben Kreditkarte oder Lastschriftverfahren bereits via PayPal zahlen.

Zehn Jahre iPhone: welche Rolle spielte Steve Jobs „revolutionäres Produkt“ für die E-Lese-Revolution?

apple-erstes-iphone-2007Steve Jobs liebte große Worte: „Hin und wieder kommt ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert“, verkündete der Apple-Chef Januar 2007 bei einem Live-Event. Diesmal versprach er dem Publikum sogar drei Produkte auf einmal: einen iPod Touch mit Widescreen, ein revolutionäres neues Handy und ein bahnbrechendes mobiles Internet-Gerät. Oder doch nicht? „These are not three separate devices, this is one device. And we are calling it the iPhone“.

Personal Computer unserer Zeit

Zehn Jahre und alleine 1 Milliarde (!) verkaufter iPhones später ist klar: die angekündigte Revolution hat tatsächlich stattgefunden — das mobile Smartphone hat den PC rein quantitativ überholt, das iPhone und seine Epigonen sind der „Personal Computer“ unserer Zeit. Doch die Veränderung ist eben auch qualitativ, mit dem vernetzten Multi-Touch-Smartphone ist das Internet mobil geworden, und damit auch der E-Commerce. Die Folgen sind unübersehbar: Wir sind als Netzbürger und Konsumenten immer und überall vernetzt, always on, never off, wir kommunizieren, recherchieren, konsumieren per Fingertipp auf den Display.

iPhone & Kindle starteten 2007

Auch das elektronische Lesen wäre ohne iPhone — vor allem in Verbindung mit App Store bzw. iBooks — nicht dort, wo es heute ist. Doch das wiederum liegt nicht an Apple, oder jedenfalls nicht nur an Apple. Denn im Herbst 2007 ging ein weiteres revolutionäres Gerät an den Start: Amazons erster Kindle Reader. Erst mit Kindle und Kindle Store erlebte das elektronische Lesen in den USA und international einen solchen Boom, dass auch Apple aufmerksam wurde. Parallel zum iPad-Launch 2010 startete mit dem iBooks Store das „iTunes für Bücher“ — eine separate Version für das iPhone inklusive (zur Vorgeschichte von iPad & Kindle siehe: vom-buch-zum-byte.de).

Smartphone wichtigste E-Lese-Plattform

Elektronisches Lesen findet heutzutage zumeist innerhalb von Apps statt, die auf mobilen iOS- oder Android-Geräten installiert sind, Smartphones sind dabei das Einsteiger-Gerät Nummer Eins in punkto E-Reading. Klassische E-Reader mit E-Ink-Display haben ihre Rolle als Schrittmacher für die E-Lese-Revolution dagegen ausgespielt, sie dümpeln am Markt nur noch als zweckgebundene Nischengeräte herum, wenn auch nicht völlig erfolglos. Multifunktionsgeräte wie Smartphones oderTablets finden sich jedoch inzwischen in fast jedem deutschen Haushalt, ein Kindle- oder Tolino-Reader bei weitem nicht.

Nächstes großes Ding in Sicht?

Das iPhone als Ikone des Mobile Business übt eine solche Sogwirkung aus, dass selbst Amazon-Chef Jeff Bezos nicht die Finger davon lassen konnte, und sie sich mit dem Projekt „Fire Phone“ kräftig verbrannte. Auch ein iPad-Klon namens Fire Tablet verkauft sich eher mäßig. Beim Smart Home-Zubehör punktete Amazon dann aber plötzlich mit einer Eigenentwicklung — die Lautsprecher-Konsole Echo mitsamt integrierter digitaler Assistentin Alexa scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Hin und wieder kommt tatsächlich ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert. Und nicht immer kommt es von Apple.

Abb.: Arnold Kim/Blake Patterson (cc-by-2.0)