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WaPo vs. Trump, National Enquirer vs. Bezos: Medienkrieg zwischen Weißem Haus & Amazon eskaliert

bezos-divorceErst war da nur ein Tweet von Jeff Bezos in eigener Sache — der Amazon-Chef gab via Social Media die Trennung von seiner Frau, der Schriftstellerin MacKenzie Bezos bekannt. „Selbst wenn wir gewusst hätten, dass wir uns nach 25 Jahren trennen, würden wir alles noch einmal tun“, hieß es in dem sorgfältig formulierten Kommuniqué. Kein großes Ding also? Nun ja. Denn zum einen ist Bezos der reichste Mann der Welt — das heißt, das war er bisher. Weil Amazon erst ein Jahr nach der Eheschließung gegründet wurde, könnte demnächst die Aufteilung des über 100 Millionen Dollar schweren Vermögens bevorstehen. Bezos und seine Frau würden sich dann wohl Platz drei oder vier auf der Rangliste der reichsten Menschen weltweit teilen, MacKenzie wäre dadurch die reichste Frau der Welt. Um seine Ex-Partnerin auszuzahlen zu können, müsste Bezos allerdings im großen Stil Aktien aus seinem Besitz abstoßen, was wiederum den Kurs Amazon-Aktie beeinflussen könnte, und damit das Gesamtvermögen.

Cherchez l’affaire

Die Geschichte nahm jedoch rasch eine weitere Wendung: Kaum war die Zwitscher-Meldung von der Trennung in der Welt, veröffentlichte das Klatschblatt „National Enquirer“ in einer Sonderausgabe pikante Details — offenbar hatte Bezos eine Affäre der TV-Reporterin und Hubschrauberpilotin Lauren Sanchez, bisher verheiratet mit dem Hollywood-Agenten Patrick Whitesell. Die Investigativ-Reporter der Postille waren Bezos und Sanchez über Monate gefolgt und schossen diverse Beweis-Fotos, bevor die Story gedruckt wurde. Die bevorstehende Veröffentlichung war wohl auch der Grund für das via Twitter veröffentlichte Scheidungs-Kommuniqué.

Schadenfreude im Weißen Haus

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen — das übernahm dann wiederum er Dampftwitterer im Weißen Haus. Nicht umsonst ist Donald J. Trump ja ein erklärter Erzfeind des Amazon-Gründers und (vor allen Dingen) Washington Post-Besitzers Bezos. Wer das noch nicht wusste, weiß es spätestens nach diesem Tweet: „Oh das tut mir ja furchtbar leid zu hören, dass Jeff Dummkopf von einem Konkurrenzmedium hops genommen wird, dessen Berichterstattung deutlich näher an der Wahrheit liegt als die des Lobbyistenblattes namens Amazon Washington Post. Hoffentlich geht die Zeitung bald in fähigere und verantwortungsvollere Hände über.“

Das Private ist politisch

Spätestens an dieser Stelle ist aber auch das Private nicht nur vom Ökonomischen, sondern längst auch vom Politischen nicht mehr zu trennen — gilt doch der National Enquirer als eins der Zentralorgane des Trump-Universums. Ging es um Trumps außereheliche Affären, wurde ganz anders verfahren. Das Blatt zahlte 2016 im Auftrag der Trump-Organisation 150.000 Dollar an das ehemalige Playboy-Covergirl Karen McDougal für die „Exklusivrechte“ an einer Story, die dann in der Schublade verschwand, um die Präsidentschafts-Kampagne nicht zu gefährden.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".