Der Buchhändler mit umgekehrtem Düsenantrieb

Wer hätte das gedacht: der deutsche Buchhandel hat die Schubumkehr geschafft — gerade bei der Generation U 40 konnten 2018 Leser:innen im zweistelligen Prozentbereich zurückgewonnen werden. Allerdings: der stationäre Sektor stagniert, ein Umsatzplus gab es nur online. Neben Print legen dabei auch E-Books zu & erreichen jetzt 5 Prozent Marktanteil, die Zahl der E-Book-Käufer:innen steigt weiter. Der Börsenverein hat die neuesten Zahlen:
boersenverein.de/de/portal/Pre

Artikel en detail & andere Verblendungszusammenhänge

(Zumindest auf dem Heimatmarkt Niederlande)… "Schluss mit dem Artikel-Einzelverkauf! Blendle setzt künftig voll auf das Premium-Modell" meedia.de/2019/06/07/schluss-m
Weil: "Micropayments für Journalismus funktionieren nicht"
neunetz.com/2019/06/11/micropa

Datenschutz, vom Tracker überfahren

Bei solchen Ergebnissen möchte man über Android gar nicht erst mehr nachdenken. (Naja, sollte man natürlich erst recht!) "Apple says, “What happens on your iPhone stays on your iPhone.” Our privacy experiment showed 5,400 hidden app trackers guzzled our data — in a single week." washingtonpost.com/technology/

Mit der Crowd zum Verlag 2.0

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse, der größten Buch- und Medienmesse der Welt, lohnt es sich einen Blick auf die Bedeutung von Crowdfunding für Autoren, Journalisten und Verlage zu werfen. Einige Crowdfunding-Projekte aus dieser kreativen Ecke – von Magazinen über Hörspiele bis hin zu Fotografiebüchern – haben schon gezeigt, dass die Finanzierung von Projekten über das Geld der Masse nachweislich funktioniert.

Vorfinanzierung durch die Crowd

Die freiwillige Unterstützung der Crowd ermöglicht die Vorfinanzierung der Produkte und damit die Realisierung der Ideen beziehungsweise die Aufrechterhaltung der kreativen Angebote. Auf Startnext sind einige Magazine (Bsp.: Low – Das Kunstmagazin) zu finden, die beispielsweise ihre kommende Ausgabe über Crowdfunding vorfinanziert haben und diese ohne die finanzielle Zusage der Leser vermutlich nicht hätten produzieren können. Damit verändert sich die Rolle des Publikums: Die Leser kaufen nicht mehr nur das Magazin oder das Buch im Laden, sondern können den kreativen Prozess begleiten, Feedback geben und sich möglicherweise sogar bei der Auswahl von Themen und Inhalten einbringen. Wenn die Leser Ideen mitentwickeln und sie durch ihre Beteiligung zum Leben erwecken können, werden sie von alleine in ihrem Netzwerk darüber reden und das Projekt bekannt machen.

Crowdfunding als Instrument der Potenzialanalyse

Crowdfunding verbindet die Autoren oder Journalisten direkt mit dem potenziellen Publikum, so dass man sich fragen könnte, wie sich dabei die Rolle von Vermittlungsinstanzen wie Verlagen oder Labels verändert. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Verlage und Labels im Hintergrund eher die Vermarktung des Projektes organisieren während die Kreatischaffenden die persönliche Kommunikation mit den Fans übernehmen. Die frühzeitige Einbindung des potenziellen Publikum in die Entwicklung von Kulturprodukten wie Büchern oder Hörspielen bietet für Verlage und Labels vollkommen neue Möglichkeiten in der Marktforschung und im Marketing. Das Resonanz des Community auf eine Projektideee ist ein früher Indiktator für die Erfolgschancen des Produktes auf dem Markt. Je größer die Crowd, in diesem Fall die Leser, die der Projektinitiator mitbringt, desto größer sind die Chancen das Projekt erfolgreich über die Crowd zu finanzieren und ein Publikum für das Produkt zu finden. Der Verlag oder das Label kann über die virale Verbreitung beim Crowdfunding mit geringen Kostenaufwand eine maximale Reichweite bekommen.

Neues Vertriebsmodell für Verlage und Labels

Betrachtet man das erfolgreiche Hörspiel-Projekt Richard Diamond und die Reaktionen der Fans auf die Crowdfunding-Initiative des Labels Lauscherlounge werden die Effekte von Crowdfunding für Labels oder Verlage deutlich. Obwohl sich ein großer Fan-Kreis um den Kult-Detektiv Richard Diamond etabliert hatte, konnte die 13. Folge der Krimi-Serie aufgrund mangelnden Kapitals nicht produziert werden, so dass die Produktion 2008 eingestellt wurden. Da das Label aber immer wieder Fan-Anfragen mit der Bitte um Fortsetzung der Serie bekommen hat, haben sie sich entschieden Crowdfunding zur Finanzierung der 13. Folge zu nutzen. “Auf diese Weise konnten wir einerseits ein Gefühl dafür kriegen, wie ernst es den Fans mit ihrenAnfragen war, indem wir ihnen quasi selbst die Macht über die Weiterführung der Serie in die Hände geben“, so Oliver Rohrbeck, Inhaber der Lauscherlounge. “Die mit Crowdfunding verbundenen Möglichkeiten der Fan-Beteiligung sind für uns sehr spannend. Projekte wie dieses geben der Hörspiel-Community die Chance, sich aktiv an der Weiterentwicklung ihres Lieblingsmediums zu beteiligen.“ Die Nachfrage nach den limitierten Dankeschöns war so hoch, dass das Projekt innerhalb kurzer Zeit überfinanziert wurde. Mit dem Modell den Unterstützern für ihre finanzielle Beteiligung im Gegenzug Dankeschöns oder Produkte anzubieten, entsteht für Verlage und Labels ein neues und charmantes Vertriebsmodell, bei dem die Finanzierung schon mit dem Marketing bzw. Vertrieb direkt verknüpft wird.

Startnext ist vom 12. bis 16.10. auf der Buchmesse mit einem Stand im Rahmen von Sparks, der digitalen Initiative der Buchmesse und wird über Crowdfunding-Möglichkeiten für Autoren, Verlage und Medienunternehmen informieren. Es wird zudem eine Auswahl von Startnext-Projekten aus den Bereichen Literatur, Journalismus, Fotografie sowie Hörbücher und -spiele dem Publikum vorgestellt. Wer zufällig da ist, kann gerne vorbeikommen am Stand D907 in der Halle 6.1. Mehr Informationen zu den Startnext-Aktionen zur Buchmesse:
http://www.startnext.de/frankfurterbuchmesse.html

[Der ursprüngliche Artikel erschien am 12. Oktober auf dem taz-blog „Wir Wollen Wenig Aber Von Vielen“. Crossposting mit frdl. Genehmigung der Autorin]