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Pay what you want: Zweites Humble E-Book-Bundle in 14 Tagen rund 60.000 mal verkauft

23 Jul 2013 1 Kommentar

Sie haben es wieder getan! Zum zweiten Mal innerhalb von 12 Monaten hat die Bundling-Plattform Humblebundle.com ein E-Book-Päckchen geschnürt – und innerhalb von zwei Wochen sage und schreibe 60.000 DRM-freie Bündel verkauft, und mehr als 650.000 Dollar erzielt (Hinweis: Die Aktion endete am 17. Juli). Mit dabei war etwa Sci-Fi-Autor und BoingBoing-Blogger Cory Doctorow mit dem Hacker-Roman „Little Brother“, Cherie Priests Zombie-Schocker „Boneshaker“ und Robert Charles Wilsons preisgekrönte Sci-Fi-Novel „Spin“. Wie üblich lief die Aktion auch diesmal unter dem Motto „Pay what you want“ – schon ab einem Cent ist man bei HumbleBundle dabei. Der Durchschnitt lag am Ende jedoch bei 10,91 Dollar, und das aus gutem Grund: Es gibt nämlich verschiedene Incentives, mehr Geld auszugeben.

Ab 1 Cent loslesen – doch mehr geben lohnt sich…

Wer mehr als den Durchschnitt spendet, erhält zusätzliche Titel – beim zweiten E-Book-Bundle waren das sogar ein halbes Dutzend, darunter der erste Band von Randall Munroes Nerd-Comic xkcd und „Signal to Noise“ von Neil Gaiman und Dave McKean. Abgesehen vom Preis kann der Käufer zudem festlegen, wie die Kaufsumme aufgeteilt wird. Neben der Tantieme für die Autoren und einem Trinkgeld für die Plattform kann man Geld an drei Organisationen spenden: an die Digital-Rights-Aktivisten der Electronic Frontier Foundation, an Child’s Play Charity sowie an den Verband der Science Fiction- und Fantasy-Schriftsteller. In der Default-Einstellung geht der Löwenanteil an die Autoren und die Charity, die Plattform selbst begnügt sich mit einem kleinen Rest. Viele HumbleBundle-Fans geben übrigens deutlich mehr als der Durchschnitt, die höchste Einzelspende lag bei 250 Dollar.

HumbleBundle ist freie Marktwirtschaft par excellence

Das Geheimnis des Erfolgs liegt wohl in der Kombination verschiedener Elemente: zum einen sind natürlich prominente Self-Publishing-Autoren aus dem Sci-Fi-Bereich ein großartiges Aushängeschild für eine Bundling-Plattform, die vor allem im Bereich Gaming und Musik arbeitet. Die Fangemeinde von Doctorow & Co. ist technikaffin, weiß DRM-freie Lektüre zu schätzen und liebt Community-basierte Experimente. Als sehr gelungen muss man zugleich die Verbindung von Crowdfunding und Fundraising für den guten Zweck Charity-Gedanken bezeichnen. Letztlich aber stimmt aber wohl vor allem eins – die Leser fühlen sich als Konsumenten ernst genommen: Preisbildung, aber auch die Verteilung der Gelder wird schließlich der Weisheit der Massen überlassen. Das nennt man übrigens auch freie Marktwirtschaft.

Mit etwas Fantasie kann auch bei uns gebundelt werden

Grundsätzlich sind „Bezahl-was-du-willst“-Aktionen deswegen auch in Deutschland möglich – sogar im Buchbereich. Die in der digitalen Ökonomie ohnehin absurde Buchpreisbindung gilt nämlich streng genommen nur für Verlage, Self-Publisher sind von dieser Einschränkung explizit ausgenommen. Tatsächlich gab es mit dem auf Indie-Autoren begrenzte „HambelBandel“ von Mexxbooks auch schon mal einen Versuch, das US-Prinzip des Crowd-Bundlings nach Mitteleuropa zu bringen, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Ein Berliner Verlag, der „Pay-what-you-want“ mit einem normal verlegten E-Book ausprobierte, wurde dagegen von Konkurrenten abgemahnt. Mit etwas Fantasie könnte es jedoch zukünftig auch kleinen deutschen Publishern gelingen, Lücken im System auszunutzen, etwa durch „buchuntypische“ Lizenzen, die nur für eine bestimmte Zeit gelten. Wie wäre es z.B. mit einem 99-Jahre-Lese-Leasing, Hongkong-Style?

Ein Kommentar »

  • Steffen Meier schrieb:

    Kleine Korrektur: „Ein Berliner Verlag, der “Pay-what-you-want” mit einem normal verlegten E-Book ausprobierte, wurde dagegen von Konkurrenten abgemahnt.“
    Es wurde nicht abgemahnt, sondern erstmal auf die Unvereinbarkeit der Aktion mit dem Buchpreisbindungsgesetz hingewiesen, und auch nicht von Konkurrenten, sondern von der dafür zuständigen Standesvertretung, dem Börsenverein – die müssen das tun ;-)
    http://ebook-fieber.de/e-books/buchpreisbindung-kein-ebook-mehr-zum-fairen-preis-vom-berlin-story-verlag/
    Es fanden hinterher auch verhältnismäßig friedliche Diskussionen um das Thema statt – Fakt ist aber, dass solche Aktionen, die ja durchaus „Mediumadäquat“ sind, mit geltendem juristischen oder Standes-Recht nicht vereinbar sind. Nach der Jahrtausendwende geht das Ringen um die Buchpreisbindung langsam aber sicher in eine neue Runde – Ausgang offen.