Zu sexy für Apples App-Store: ComiXology-App musste gesäubert werden – mehr als 50 mal

Witches & Stitches, einer der ersten via Internet verbreiteten E-Comics überhaupt, war allein schon deshalb subversiv, weil es sich um ein nicht-autorisiertes Spin-Off des Zauberers von Oz handelte. Mittlerweile gibt’s ganz andere Probleme: neben Web-Comics sind Comic-Apps für Tablets und Smartphones zur wichtigsten Vertriebsschiene geworden, so etwa die in den USA populäre ComiXology-App. Letztlich entscheiden damit jedoch Gatekeeeper wie Apple darüber, was die Leser zu sehen bekommen – und nackte Körper wie auch Sex gehören nicht dazu. Publishers Weekly zufolge wurde im Jahr 2013 aus solchen und ähnlichen Gründen bereits mehr als 50 E-Comics der Zugang zum App-Store verweigert.

Prominentes Beispiel ist die von Matt Fraction und Chip Zdarsky gestartete Serie „Sex Criminals“. „Suzie’s a normal girl with an extraordinary ability: when she has sex, she stops time. One night she meets John…  who has the same gift. And so they do what any other sex-having, time-stopping, couple would do: they rob banks“, so der Promo-Text. Der von Image Comics verlegte E-Comic wurde nach drei Folgen von Apple gestoppt. Auf anderen Plattformen ist die Serie problemlos zu bekommen – doch das ist nicht das eigentliche Problem. Die Umsatzverluste durch den App-Store-Rauswurf seien beträchtlich, so zitiert PW Image Comics-Verleger Eric Stephenson. „Wenn wir den Comic nicht via App interessierten Lesern anbieten können, geht uns die Möglichkeit verloren, das größtmögliche Publikum zu erreichen“. Üblicherweise wird zumeist der erste Teil einer Serie kostenlos angeboten, weitere Folgen kauft man via In-App-Shopping.

Um Apples Bestimmungen zu entsprechen, üben Anbieter wie ComiXology bereits ein hohes Maß an Selbstzensur aus, doch das reicht offenbar nicht. Im Mai 2013 wurde ComiXology laut Publishers Weekly von Apple mitgeteilt, dass 56 Comics, die bis dato über die App erhältlich waren, nicht den App-Store-Standards entsprechen würden und deswegen zurückgezogen werden müssten. Manche der betroffenen Serien, wie etwa die Anthologie „No Straight Lines“ (Fantagraphics) sind sogar für den Eisner Award nominiert worden, einer der wichtigsten Auszeichnungen für Comic-Kultur überhaupt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".