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Zeitungskrise, nächste Folge: Britischer “Independent” schafft Print-Ausgabe ab

15 Feb 2016 0 Kommentare

indie-und-sindie-geben-aufIndie, Sindie & der Guardian, so übersichtlich sah bisher die britische Presselandschaft links von der Mitte aus. Ab 26. März 2016 wird sie noch ein bisschen übersichtlicher: dann gibt’s gedruckt am Kiosk nämlich auch den “Independent” bzw. “Independent on Sunday” nicht mehr. Denn der letzte Besitzer Alexander Jewgenjewitsch Lebedew wirft das Handtuch, zumindest in Sachen Papier: nachdem der russische Oligarch seit 2010 viele Millionen Pfund in das Projekt gesteckt hatte, will er nun nur noch eine Online-Ausgabe finanzieren.

“Die Zeitungsindustrie ändert sich, und diese Veränderung wird von den Lesern vorangetrieben”, wird Lebedew vom Guardian zitiert. “Sie machen uns deutlich dass die Zukunft im digitalen liegt. Diese Entscheidung erhält die Marke Independent und ermöglicht es uns, weiter in die hochwertigen redaktionellen Inhalte zu investieren, die immer mehr Leser auf unsere Online-Plattformen lenken”.

Wieviele der bisher 150 Vollzeit-Redakteure am Ende noch übrig bleiben werden, ist noch ungewiss — mehr als zwei, drei Dutzend werden es aber wohl nicht sein. Viele Branchenbeobachter hatten den großen Kladderadatsch beim Independent schon erwartet, denn längst war das 1986 gegründete Blatt mit einer Auflage von nur noch knapp über 40.000 Exemplaren in der Todeszone angekommen.

Deutlich besser lief das 2010 gelaunchte Schwesterblatt “i” (die Auflage liegt derzeit immerhin noch mehr als 250.000 Exemplaren) — wie zeitgleich bekannt wurde, hat Lebedew die Kompaktausgabe aber an einen anderen großen Verlag verkauft, sie wird weiterhin erscheinen.

Der Oligarch selbst herrscht zukünftig also nur noch über den Online-Rumpf des klassischen Independent, der mit monatlich 58 Millionen Besuchern angeblich bereits Profite abwirft. Der digitalen Konkurrenz von Guardian, Daily Mail, Telegraph und Mirror hinkt independent.co.uk aber doch deutlich hinterher.

Was eine Guardian-Kolumnistin dem Indie gerade auf den Weg in die potentielle Online-Gruft hinterherrruft, klingt insofern auch nicht gerade optimistisch: “In the end it was the internet which killed the Independent newspaper and not Rupert Murdoch”. Das Blatt habe schlicht viel zu spät auf die Online-Herausforderung reagiert. Nun muss ausgerechnet Online die Rettung bringen.

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