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Zeitungs-Flatrate mit Suchtfaktor: Blendle Premium startet in den Niederlanden

23 Jan 2017 1 Kommentar

blendle-premiumNoch ne Flatrate? Diesmal für Journalismus? Alexander Klöpping meint, das geht: „Von jetzt ab habt ihr Spotify für Musik, Netflix für Video, und Blendle für Zeitungsartikel“, bloggte der Mitgründer des seit 2015 auch in Deutschland aktiven Häppchen-Portal kürzlich via „Medium.com“. Und so geht „Blendle Premium“: Statt Kleinbeträgen für einzelne Artikel sammelt Blendle zukünftig 10 Euro pro Monat ein, und bietet den (bis auf weiteres: niederländischen) Lesern dafür Tag für Tag 20 ausgewählte Artikel aus insgesamt knapp 120 Blättern bzw. Magazinen zur Lektüre. Der Clou dabei: Jeder Nutzer erhält einen eigens auf ihn zugeschnittenen Nachrichten-Mix — dafür sorgen zum einen clevere Algorithmen, zum anderen aber auch menschliche Kuratoren.

Kontra Filterbubble, Clickbait & Fake News

Denn Klöpping möchte zwei Probleme auf einmal lösen — die Leute lesen aus Zeitmangel keine Zeitung mehr, und landen anstelle dessen im undurchsichtigen Informations-Dschungel ihrer Social Media-Profile. „Wir lancieren Blendle Premium in einem für den Journalismus wichtigen Moment. Ich mache mir große Sorgen. In einer Zeit in der ein Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden kann, der Klimawandel sich beschleunigt und die Angst vor Terroranschlägen wächst, werden wir überflutet von Fake News, Filterblasen und Click-Bait. Und es gibt einen großen Schuldigen: Facebook.“

Blendle als Facebook-Korrektiv?

Nicht nur der Qualitätsjournalismus gehe dabei den Bach herunter, auch unsere Demokratie, die ein kritisches Medien-Korrektiv braucht. Die Strippenzieher bei Facebook würden ein Katzenvideo auf Buzzfeed wichtiger finden als einen Hintergrund-Artikel der New York Times über die von russischen Hackern beeinflussten US-Wahlen. „Das ist unglaublich. Und das macht mir Angst. Facebook nimmt seine wichtige Rolle für die Gesellschaft nicht ernst“, schreibt Klöpping.

Gute Flatrate-Apps machen süchtig

Doch können 75 Blendle-Redakteure und Web-Entwickler wirklich die Welt retten? Der niederländische Entrepreneur vertraut auf den Flatrate-Effekt: eine ganze Generation junger Menschen unter 35 könne mit einen Zeitungs-Abo nichts anfangen, bezahle aber ohne mit der Wimper zu zucken monatlich für Spotify und Netflix. „Herrliche Apps, mit prächtigem Interface. Und sie zeigen dir nur Dinge, die für dich von Bedeutung sind.“ Auf diesen „Sucht“-Faktor will nun auch Blendle setzen. Deutsche Leser müssen allerdings bis auf weiteres selbst Cherry-Picking betreiben, denn das neue Premium-Angebot gibt’s vorerst nur in den Niederlanden.

(via Financial Times & via „Medium.com“)

Ein Kommentar »

  • Juergen schrieb:

    Eine ausgezeichnete Idee.
    Ich wäre sofort dabei, aber nur unter der Voraussetzung, dass es keine Werbung gibt. Wenn ich auf einen Artikel stoße, der wieder in jedem zweiten Absatz durch einen nervigen Banner unterbrochen wird, dann kann ich auch gleich auf die Website des Verlags gehen.
    Ich würde so ein Angebot sehr begrüßen, denn bei werbefinanzierten Artikeln stößt es mir immer sauer auf: Auf lange Sicht begeben sich die Verlage so in eine Abhängigkeitsposition und das kann nicht gut sein.
    Interessant finde ich auch die Tatsache, dass diese Idee ja uralt ist: Readers Digest wurde bereits 1922 erstmalig veröffentlicht.
    Die Artikelauswahl sollte aber nicht zu maßgeschneidert sein, denn sonst sitzt man wieder in der Bubble. Ein Artikel pro Ausgabe der konträr zu den bisherigen, eigenen Präferenzen liegt, wäre eine Möglichkeit.
    Ich drücke die Daumen.

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