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Was bleibt vom Start-Up-Hub Berlin? 10 hauptstädtische E-Lese-Pioniere im Schnell-Check

2 Mrz 2015 1 Kommentar

berlin-startup-hub-was-bleibtEgal ob man die produzierten Titel zählt oder die Verlage selbst: Berlin ist und bleibt Deutschlands wichtigste Verlagsstadt. Seit einigen Jahren avancierte die Hauptstadt zudem zum wichtigsten Start-Up-Hub im E-Reading-Sektor. Neben E-Book-Only-Verlagen à la Mikrotext oder Shelff und neuen Online/offline-Buchhandlungen à la Ocelot wurden an der Spree auch jede Menge innovative Apps und Business-Konzepte rund um das elektronische Buch an den Start gebracht. Doch in letzter Zeit häufen sich die Hiobsbotschaften: ob txtr, Readmill oder Dotdotdot – immer mehr Pioniere der ersten Stunde geben den Geist auf. Wer ist noch da, wer ist schon weg? Höchste Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme…


Dotdotdot

Das von Thomas Schinabeck und drei Partnern gegründete Startup aus Berlin-Mitte bastelte seit 2012 an einer universalen Lese-App, die Elemente von Später-Lese-Apps wie Pocket oder Instapaper mit Social Reading-Apps à la Readmill kombinierte, wobei sowohl Langtexte aus dem Web wie auch E-Books gleichberechtigt nebeneinander stehen sollten. Ähnlich wie Readmill wurde diesem Konzept aber durch Chat-Apps wie What’s App, vor allem aber auch dem Boom der Flatrate-Apps mit vergleichbaren Social-Reading-Elementen das Wasser abgegraben. Ende März 2015 wird der Service eingestellt.

Aktueller Status: In Abwicklung


epubli

Das 2007 gegründete Tochternunternehmen der Verlagsgruppe Holtzbrinck ist seit 2010 im Web mit der Self-Publishing-Plattform epubli.de präsent und gehört neben Books on Demand zu den wichtigsten deutschen Print-On-Demand-Anbietern. Mittlerweile sorgt epubli parallel zum Vertrieb der Printtitel im Buchhandel auch für die E-Book-Distribution, inklusive der Verbreitung via Flatrate-Apps.

Aktueller Status: aktiv, auf Expansionskurs


Kohlibri

Internet-Versandbuchhandel mit Sitz in Prenzlauer Berg, gegründet 1998 vom Berliner Buchhändler René Kohl, zunächst vor allem als Partnerbuchhandlung für Verlage, inzwischen erweitert durch E-Books, spezielle Angebote für Kids und Partnershops für Angebote wie „Psychologie Heute“. Mission Statement: „Spezialbuchhandlung für außergewöhnliche Publikationen“.

Aktueller Status: aktiv, Expansion in Non-Book-Bereich


Log.Os

basisdemokratisch organisiertes, offenes Plattformkonzept für die Buchbranche, das sich als „Betriebssystem für Literatur“ versteht. Zu den Gründern gehören Volker Oppmann, Katja Splichal und Marcel Diel. Als unabhängiger, stiftungsbasierter Dienstleister soll Log.Os Contentanbieter und Contentkosumenten auf Augenhöhe zusammenbringen.
Derzeit wird vom Log.Os-Förderverein die Gründung der Wirtschaftstochter log.os GmbH & Co. KG vorbereitet, die ab April den weiteren Aufbau der Plattform übernehmen wird, Sitz der Log.Os-Zentrale ist Berlin-Kreuzberg.

Aktueller Status: aktiv, auf Suche nach Finanzierung & strategischen Partnern


Ocelot

gegründet 2012 vom Berliner E-Book-Experten und Buchhändler Frithjof Klepp, Mission Statement: „not just another Bookstore“, kombiniert hippe Mitte-Buchhandlung mit handverlesenem Angebot, Barista und Zugang zur Bezirksbibliothek mit unabhängig entwickeltem Webshop. Die Buchhandlung in der Brunnenstraße bot von Anfang an eine tolle Location, veranstaltete interessante Lesungen und Kulturevents, genoss großes Medienecho. Doch ganz alleine ließ sich das Projekt auf Dauer offenbar nicht stemmen, zudem gab es erhebliche Probleme mit dem Launch des Web-Shops.

Aktueller Status: insolvent, Räumungsverkauf bis Mitte März


PaperC

Die bereits 2008 gegründete E-Book-Plattform aus Berlin-Friedrichshain setzte anfangs auf ein Flatratekonzept für wissenschaftliche Fachliteratur und ermöglichte das kostenpflichtige Kopieren einzelner Seiten. Inzwischen ist der Kern des Geschäftsmodells das zeitlich begrenzte Mieten oder Kaufen von E-Books bzw. E-Book-Bundles, die auch mobil online oder offline gelesen werden können. Das Angebot soll zukünftig auch um belletristische Titel erweitert werden, über Selfpublishing-Plattformen werden auch Indie-Titel in den Katalog eingespeist.

Aktueller Status: Aktiv, auf Expansionskurs


Readmill

Der schwedische Startup-Unternehmer Henrik Berggren findet: Bücher haben mehr verdient als bloße Status-Updates bei Facebook und Twitter, und Leser brauchen einen festen Ort zum Gedankenaustausch. Berggrens Lösung dafür hieß bis 2014: „Readmill“ – eine offene Plattform, in der alle Social Reading-Ströme zusammenfließen sollten. Seit 2011 wurde diese Idee nach einem kurzem Ausflug ins Silicon Valley mehrere Jahre lang in Berlin-Mitte verfolgt. Doch 2014 war Schluss: der US-Cloudanbieter DropBox schnappte sich für 8 Millionen Dollar Readmills Technologie, die App wurde eingestellt, das Entwicklerteam jettete zurück nach San Francisco.

Aktueller Status: eingestellt, Know-How fließt in DropBox-Produktentwicklung


textunes-App

entwickelt vom gleichnamigen Kreuzberger Startup, mauserte sich textunes seit dem Start 2008 zur beliebtesten mobilen E-Lese-App, anfangs für iPhone und iPod Touch, später auch für Android-Geräte und Tablets, zu den Features gehörten u.a. Social Reading-Elemente, animiertes Umblättern und Video-Buchtrailer. 2011 wurde textunes von der Buchhandelskette Thalia geschluckt, als „Thalia-App“ hat sich bis heute viel vom Look&Feel der ursprünglichen App erhalten. Geschäftsführer und Mitgründer Volker Oppmann ist ausgestiegen und widmet sich jetzt dem Projekt Log.Os

Aktueller Status: verkauft, unter neuem Namen weiter aktiv


txtr

Als txtr 2008 an den Start ging, wollte das Startup aus Berlin-Mitte “zentrale Anlaufstelle für alle lesenswerten Dokumente im Netz” sein und elektronische Lektüre auf Kindle & Co bringen. Kurz darauf wurde mit dem Projekt txtr-Reader sogar ein veritabler “Kindle Killer” mit beachtlichen technischen Features in Stellung gebracht. Doch haarscharf vor dem Marktstart wurde der Kindle Killer selbst gekillt. txtr selbst blieb in Sachen E-Reading am Ball, zum Beispiel mit der txtr-App und E-Reading-Dienstleistungen im B2B-Bereich. Zwischendurch gab’s auch noch mal einen Mini-Hype um einen Low-Cost-Reader namens Beagle. Mit der Plattform Blloon (sprich: Balloon) wagte txtr Berliner zuletzt den Einstieg in die umkämpfte Flatrate-E-Lesezone.

Aktueller Status: insolvent


Xinxii

Die 2008 von Andrea Schober gegründete Self-Publishing-Plattform mit Sitz in Berlin-Mitte gehört inzwischen zu den führenden Anbietern in Deutschland, derzeit wird die Plattform von mehr als 10.000 AutorInnen genutzt, mehr als 20.000 Titel wurden veröffentlicht. Neben der Publikation von E-Books und Hörbüchern auf Xinxii selbst wird auch die Distribution angeboten.

Aktueller Status: aktiv, auf Expansionskurs

Abb.: amira_a/Flickr (cc-by-2.0)