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Wochentags bald nur noch digital? taz bereitet Leserschaft auf das Ende der gedruckten Ausgabe vor

14 Aug 2018

taz-zahlen-ichDie gute Nachricht zuerst: die taz hat immer noch 60.000 zahlende Leser, so wie in ihren besten Zeiten. Die schlechte lautet allerdings: die Hälfte von ihnen zahlt nicht für die gedruckte Ausgabe, sondern nur für die Samstagsausgabe, für das E-Paper oder spendet freiwillig für die kostenlos lesbare Online-Ausgabe. Und die Zahl der Print-Abonnenten wird in den nächsten Jahren wohl weiter stetig sinken — so dass die Kosten für Druck und Vertrieb sich irgendwann in naher Zukunft nicht mehr rechnen werden.

Taz-Geschäftsführer Kalle Ruch bereitet die taz-Genossenschaft deswegen schon mal gedanklich auf die große Transformation vor (Grundlage ist der „innovationsreport 21“): „Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter“, heißt es in der aktuellen Mitgliederinfo. Man werde sich von alten Gewohnheiten verabschieden müssen — mit anderen Worten: die Tage der per Boten vor die Haustür gelieferten Zeitung seien vorbei, zumindest wochentags.

Ruch hat auch gleich ein aktuelles Menetekel bei der Hand: in Östereich habe mit Morawa gerade ein großes Medienunternehmen bekanntgegeben, die Sparte Pressevertrieb Endes des Jahres zu schließen — denn der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften im Einzelhandel werfe nicht mehr genügend Gewinne ab. Zukünftig gibt es dann nur noch einen großen Pressevertrieb in Österreich, was wohl auch heißt: es wird bald noch teurer werden, Zeitungen in die „Trafiks“ zu bringen.

Und so stellt sich der taz-Geschäftsführer im „Szenario 2022“ die Zukunft in Deutschland vor: „Sie kommen morgens zur Arbeit und haben auf Ihrem Smartphone oder Tablet schon alles erfahren, was Ihnen wichtig ist. Sie haben dieses digitale Angebot vielleicht kombiniert mit der taz am Wochenende auf Papier, die sich noch mehr von der Werktags-Taz unterscheiden wird als jetzt schon. Wir sparen gemeinsam Papier und können alle die Zusteller der Wochenendausgabe anständig bezahlen.“

Also mehr Smartphone, aber nicht nur — die tazler planen den „Journalismus der drei Geschwindigkeiten“: „Online bringen wir von morgens bis abends fortlaufend neue Berichte, Reportagen, Interviews, Analysen, Kommentare und Satiren, nennen wir es: den stündlichen taz-Journalismus. Dann brauchen wir die tägliche Erscheinungsweise, denn auch auf dem Smartphone funktioniert das alte Tageszeitung-Prinzip, einmal am Tag die Welt mit den Augen der taz zu betrachten. Schließlich die taz am Wochenende, die Sie auch bequem in der App auf dem Telefon lesen können.“

(via Meedia