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Wissensvorsprung gegen Cash: „Handelsblatt First“-App informiert iPad-Leser exklusiv

18 Jan 2011

handelsblatt-first-app-ipadDas Handelsblatt bringt seine neueste Cash-Cow in Stellung: die iPad-App „Handelsblatt First“ bietet rund um die Uhr aktualisierte Nachrichten aus der Wirtschaft- und Finanzwelt, und zugleich einen Wissensvorsprung im Vergleich zur handelsblatt.com-Website. Für den kontinuierlichen News-Flow auf dem Touch-Screen sorgt eine eigene iPad-Redaktion. Bis April kann man die App kostenlos nutzen, danach kostet die exklusive Information 11,99 Euro pro Monat bzw. 119 Euro pro Jahr.

Nur wer zahlt, bekommt die Nachricht zuerst

„Das wichtigste: Zuerst“ ist das Motto der neuen iPad-App des Handelsblattes. Das wichtigste zuerst: Deutschlands größte Wirtschafts- und Finanzzeitung will mit diesem Premium-Angebot möglichst viele neue Abonnenten gewinnen. Denn wenn auch die Konjunktur wieder an Fahrt aufnehmen mag – die Druckauflagen sinken selbst beim Handelsblatt, in den letzten vier Jahren von 180.000 auf knapp 160.00 Exemplare. Um zahlende Kunden für die iPad-App zu bekommen, muss man natürlich einen Mehrwert bieten gegenüber dem kostenlosen Web-Angebot und der ebenfalls kostenlosen iPhone-App. Und der besteht in der Exklusivität, sprich: der Bevorzugung in punkto Aktualität. Brandheiße Meldungen über explodierende Bohrinseln, platzende Spekulationsblasen oder geschasste Top-Manager bekommen die Nutzer von „Handelsblatt First“ zukünftig garantiert zuerst – die anderen Leser müssen warten.

Gratis dank „freundlicher Unterstützung“ von Siemens?

Multimedia gibt’s auch: neben Video-Reportagen zu Einzelthemen bringt die Redaktion drei mal täglich eine 99-Sekunden-Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten auf das Tablet, präsentiert durch TV-Moderatorin Adeline von Drateln (zumindest ab Ende Januar). Wie es sich für eine Premium-App gehört, kann man viele Inhalte zudem offline lesen. Über eine Watchlist lassen sich bestimmte Börsenkurse oder Devisenbewertungen ständig en detail im Auge behalten. Interessantes Detail der Markteinführung: dem Handelsblatt zufolge kann man „mit freundlicher Unterstützung“ des Sponsoring-Partners Siemens die App bis Ende April kostenlos nutzen. Übersetzt heißt das wohl: in der Einführungsphase ist wie bei anderen Apps auch das „Handelsblatt First“ umsonst zu haben, der Verlag kassiert aber für die Nennung des Unternehmens ein gewisses Sümmchen.

Handelsblatt-Insider hält von der App gar nichts

Deftige Kritik an der App gab’s gleich zum Start von einem ehemaligen Handelsblatt-Reporter: auf „Indeskretion Ehrensache“ wirft Thomas Knüwer den Machern schwere handwerkliche Fehler vor. Darunter nicht funktionierende Push-Benachrichtigungen, dürftige Möglichkeiten zur Personalisierung, schlecht lesbare Kursanzeigen, Videos mit körnigem Bild und schlechtem Sound und nicht zuletzt eine fehlende Suchfunktion. Zweifel hat Knüwer auch am Exklusivitäts-Charakter:

„Das “Handelsblatt” verbreitet eine Exklusivnachricht über First. Spiegel Online berichtet über das Berichtete. Natürlich wird nicht verlinkt – deutsche Redaktionen mögen Qualitätsjournalismus nicht fördern. Der interessierte Leser aber geht vielleicht auf Handelsblatt.com weil er das Original lesen möchte. Dort findet er dann – nichts.“

Zur Exklusivität gehöre zudem die völlige Abschottung von Social Media-Plattformen. Die Breaking News bleiben also unter sich – man kann sie weder twittern, emailen oder via Facebook weitergeben. Knüwer kritisiert zu recht: „Märkte sind Gespräche – das ‚Handelsblatt‘ aber mag keinen Gesprächsstoff liefern.“