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Wird der Kindle-Reader zum Tablet? Amazon übernimmt Touch-Screen-Spezialist TouchCo

8 Feb 2010

Amazon Kindle E-Reader iPad Touch.gifApples iPad verschärft den Wettbewerb im E-Reader-Business: Amazons Kindle mit seinem langsamen E-Ink-Display kann gegenüber dem neuen Tablet-Standard kaum mithalten – doch mit dem Kauf von TouchCo geht Jeff Bezos in die Offensive. Amazon hat nun nicht nur das Know-How zur Herstellung von preisgünstiger Touch-Screen-Technik- zusammen mit Mirasols energiesparenden Farbdisplays könnte der neue Kindle technisch sogar das iPad toppen.

iPad plus iBooks – das bedeutet für Amazon eine doppelte Bedrohung


Wer die Website des New Yorker Startups TouchCo besucht, könnte meinen, die Firma sei pleite: „Thank you for your interest in Touchco. As of January 2010, the company is no longer doing business.“ Auch wer die Chefentwickler Ilya Rosenberg und Ken Perlin vor Ort in Downtown Manhattan besuchen will, steht vor verschlossenen Türen. Doch davon abgesehen ist der Spezialist für Touch-Screen-Technologie quicklebendig – allerdings unter einer neuen Adresse. Und die heißt: Cupertino (Kalifornien), Labor Nr.126, Kindle hardware division, c/o Amazon. Die Ausgründung der New York University mit kaum einem halben Dutzend Mitarbeitern bot nämlich etwas, das Amazon-Chef Jeff Bezos plötzlich dringend braucht – spätestens seit Apples Tablet-Event im Januar. Bisher hat sich der Kindle E-Reader millionenfach verkauft – vor allem dank drahtlosen Verbindung zum E-Store avancierte Amazon zum Branchenprimus im E-Book-Business. Doch mit der Ankunft des iPads könnte sich das Blatt sehr schnell wenden…

Mit TouchCos Technik kann Amazon die Fehler von Sonys „Reader Touch Edition“ vermeiden


Amazon TouchCo Super-Kindle Tablet iPad.gifQuasi nebenbei ist das elegante Multimedia-Tablet schließlich auch ein vollwertiger E-Reader – mit hochauflösender Farbdarstellung und ebenso intuitiv wie komfortabel mit den Fingern zu bedienen. Noch schlimmer für Amazon: mit iBooks, dem iTunes für elektronische Bücher, steht auch gleich ein solides Geschäftsmodell dahinter – Apple bedient schließlich schon mehr als hundert Millionen Kunden weltweit mit Musik, Apps und Videos – und einer wachsenden Zahl von E-Books & E-Comics. Das Kindle dagegen sieht mit seiner Qwerty-Tastatur und dem schwarz-weißem Display aus wie die Slow-Motion-Version eines Blackberry – irgendwie uncool. Natürlich wird Amazon dank der Kindle-App neben den Displays von iPhones & iPods auch auf dem iPad präsent sein. Doch um möglichst viele Leser exklusiv an den Kindle-Store zu binden, muss man auch eine starke Stellung auf dem Gebiet der Lesegeräte behalten. Und da kommt TouchCo gerade richtig: denn die vom Startup entwickelte ISFR-Touch-Screen-Technik lässt sich vollkommen transparent über ein normales Display legen. Damit ließen sich also Probleme wie etwa bei der Sony Reader Touch-Edition vermeiden – viele Tester beschwerten sich bei diesem mit E-Ink arbeitenden Lesegerät über geringen Kontrast, ja sogar ein „verwaschenes“ Bild.

„A foot, a stylus, a drumstick“: TouchCos Diplay spürt einfach alles

Amazon Touch Screen Kindle iPad.gifKostengünstig ist TouchCos Verfahren obendrein – mit 10 Dollar Herstellungskosten pro Square Foot (=0,093 Quadratmeter)liegt es weit unter den Preisen, die etwa Apple für die Produktion der Diplays von iPod, iPhone oder eben des neuen iPads zahlen muss. Auch die Empfindlichkeit der Display-Sensorik ist offenbar besonders hoch: „Unser System kann die Berührung durch Objekte aller Art feststellen – nicht nur eines Fingers – und registriert gleichzeitig, wieviel Druck an jedem Punkt des Displays ausgeübt wird“, schreibt TechCo auf der noch immer abrufbaren LinkedIn-Unternehmensprofil. Theoretisch könnte Amazon die neue Touch-Screen-Methode in die bisherige Kindle-Generation einbauen – um die Technik wirklich auszunutzen, ist allerdings der Screen-Refresh der E-Ink-Displays zu langsam. Wahrscheinlicher ist deswegen ein anderes Szenario: die Kombination von TouchCos ISFR-Sensorik mit den Farbdisplays von Mirasol. Die erlauben nicht nur hohen Kontrast und Bewegtbilder, sondern sind sogar noch energiesparender als E-Ink. Schon auf der CES in Las Vegas ging das Gerücht herum, Amazon könnte die High-Tech-Displays für eine neue Kindle-Version einsetzen. Erst in Verbindung mit dem Kauf von TouchCo macht diese Vermutung wirklich Sinn. So würde der Kindle nicht nur zum vollwertigen Tablet, sondern könnte sogar eine weitaus längere Akkulaufzeit bieten als das iPad. Handlicher wäre das Lesegerät natürlich auch – denn auf die „analoge“ Tastatur könnte man dann zugunsten einer virtuellen Variante getrost verzichten.