„Wir sind Tablet“: Das WePad als deutsche Antwort auf Apples iPad?

wepad-neofonie-berlin-ipad-konkurrenz-e-reader-e-bookDas sind ganz neue Töne: „Wir sind Tablet“ behauptet das Berliner Unternehmen Neofonie – und kontert das iPad mit einem WePad made in Germany. Die Medienstrategie erinnert dabei fast an Apple: am zweiten Tag der Leipziger Buchmesse entdeckt plötzlich Spiegel Online das aus Standardkomponenten zusammengesetzte Tablet auf Facebook, und schon beginnt ein echter Scoop. Auf der Website des Herstellers war zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts zu lesen, und der Pressesprecher blieb unerreichbar. Statt Wepad nur Vaporware? Offenbar nicht: das 11 Zoll-Gerät mit Android-Oberfläche (!) kommt tatsächlich auf den Markt, für Content sorgt neben dem eigenen App-Store der Android-Marketplace.

Neofonie verspricht Verlagen den Kontakt zum Endkunden ohne Google, Amazon & Apple

Als ein Startup kann man Neofonie nicht beschreiben – immerhin ist das in Berlin ansässige Unternehmen schon seit 1998 am Markt. Bisher beschäftigte sich Neofonie allerdings eher mit Content-Lösungen – das „WeMagazine ePublishing Ecosystem“ etwa wurde vor kurzem auf der CEBIT präsentiert. Mit WeMagazine sollen Verlage ihre Inhalte in digital aufbereiteter Form auf Tablets, Desktops, Smartphones oder ins Web bringen. Der „hohe Wiedererkennungwert“ von Zeitungs- oder Zeitschriftenartikeln im neuen Medium bietet laut Neofonie die Garantie dafür, dass die Nutzer in Zukunft auch bereit sind, für die elektronische Versionen zu bezahlen. Interaktive Anzeigeflächen wie „WeFind-SmartAds“ inklusive guter Tracking-, also Auswertungsmöglichkeiten sollen das E-Publishing-Produkt zudem auch für die Werbewirtschaft attraktiv machen. Der allergrößte Vorteil aber: der Content landet direkt beim Endkunden, „der Kontakt mit etablierten Internet-Playern wie Google, Amazon und Apple wird minimiert“. Damit „WeMagazine“ sich gegenüber „iBooks“ & Co. behaupten kann, müsste Neofonie den Verlagen natürlich bessere Konditionen bieten.

Das WePad soll zu einem „äußerst konkurrenzfähgien Preis“ angeboten werden

Vor allem aber braucht man eine Hardware-Plattform. Die hat der deutsche Mittelständler mit 170 Mitarbeitern nun pünktlich zur Buchmesse aus dem Hut gezaubert: das WePad. Die technischen Details des Tablets sind in der Tat beeindruckend: der Prozessor mit 1,6 Gigahertz ist schneller, das Display ist mit 11,7 Zoll größer als beim iPad, und es gibt sogar eine Webcam, und das Gerät bietet echtes Multitasking. Das WePad zeigt somit, was möglich ist, wenn man zugleich auf Standardkomponenten und offene Nutzeroberflächen wie das von Google entwickelte Android setzt. In punkto E-Books unterstützt das WePad neben dem proprietären Format WeBook auch den Branchenstandards epub. Ergänzt wird das angebotene Programm-Paket von der Suchmaschine „WeFind“, die im „WeMagazine“-Paket integriert ist. Zusätzliche Apps lassen sich ähnlich wie auf iPhone & iPad jederzeit hinzufügen. Größter Nachteil gegenüber dem iPad ist wohl die Akkulebenszeit: mit sechs Stunden liegt sie fast 50 Prozent unter der des iPads. Das liegt aber vor allem am Einsatz von Adobes Flash-Technik, die besonders viele Ressourcen frisst. Ein Grund, warum Apple darauf verzichtet – allerdings zum Preis einer eingeschränkten Kompabilität. Apropos Preis: angeboten werden soll das WePad zu einem „äußerst konkurrenzfähigen Preis“ im Vergleich zu Apples iPad.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „„Wir sind Tablet“: Das WePad als deutsche Antwort auf Apples iPad?“

  1. Pingback: newstube.de

Kommentare sind geschlossen.