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„Wir brauchen ein Post-Sci-Fi-Genre“: Alan N. Shapiro übersetzt Klaus Seibels Bestseller „Krieg um den Mond“

20 Mai 2013

Was macht eine uralte Schraube auf dem Erdtrabanten? Als der Mond-Rover der NASA das seltsame Artefakt auf dem Erdtrabanten entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse: mit allen Mitteln versuchen die Amerikaner, das Geheimnis für sich zu behalten. Doch die Bilder der Rover-Kamera wurden live ins Internet übertragen – und zu den „Augenzeugen“ gehört Astrophysikerin Anne Winkler, Praktikantin bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Es beginnt ein globaler Wettlauf um die Daten und ihre Deutung, und zugleich ein neues Wettrennen der Supermächte: wer wird das Artefakt bergen? Neben den Europäern tritt nicht nur Russland, sondern auch China auf den Plan. Es ergeben sich ungewöhnliche Allianzen, und ungeahnte Chancen: die ESA-Praktikantin wird für eine internationale Mondmission nominiert – doch damit beginnt erst das eigentliche Abenteuer.

Transatlantische Sci-Fi-Kooperation

Was wie der Plot eines Sci-Fi-Thriller aus den USA klingt, stammt tatsächlich aus der Feder des deutschen Bestseller-Autors Klaus Seibel: der Roman „Krieg um den Mond“ ist seit letztem Jahr im Kindle-Store von Amazon.de zum Bestseller avanciert. Doch die USA spielt trotzdem eine wichtige Rolle: „Krieg um den Mond“ hat nämlich gerade den Sprung über den großen Teich angetreten – unter dem Titel „The Screw on the Moon“ startete das Buch vor wenigen Tagen im US-Kindle-Store. Besonderer Hingucker: Als Übersetzer konnte Klaus Seibel den prominenten Science-Fiction- und Medientheoretiker Alan N. Shapiro gewinnen, vielen Trekkies bekannt durch den Klassiker „STAR TREK: Technologien des Verschwindens“.

„Ich kannte Alan Shapiro von einem anspruchsvollen technischen Übersetzungsprojekt. Von daher wusste ich, dass er sich wissenschaftlich mit Science Fiction beschäftigt“, so Klaus Seibel über diese ungewöhnliche Sci-Fi-Kooperation quer über den Atlantik. „Ich dachte, jemand, der am MIT studiert hat und ein wissenschaftliches Buch über Star Trek geschrieben hat, muss ein außergewöhnlicher Mensch sein, der auch für ungewöhnliche Ideen offen ist“. Als Shapiro das nächste Mal nach Deutschland kam, stellte ihm Seibel das Projekt vor: „Alan erklärte sich bereit, ‚Krieg um den Mond‘ zu lesen – und für mich begann das spannende Abwarten. Wie würde er es aufnehmen?“

„Gegenwart braucht ein Post-Science-Fiction-Genre“

Tatsächlich gefiel Shapiro nicht nur die Story selbst, sondern auch die Idee, sie zu übersetzen und dem amerikanischen Publikum zugänglich zu machen. „Es ist ein beeindruckend gut geschriebener Roman, ausgedacht von einem Autor, der ganz offensichtlich ein sehr gutes Gespür für Erzähltechniken besitzt“, so Shapiro über Klaus Seibel und dessen Mond-Roman. „Das Buch ähnelt dem Science-Fiction-Genre, unterscheidet sich aber auch zugleich von den meisten Sci-Fi-Narrativen, so wie wir sie kennen“, findet der Übersetzer von „The Screw on the Moon“. Gerade weil Seibels Geschichte nicht in die klassische Schublade passe, habe ihn das Project gereizt: „Ich glaube, genau diese Art der Fiktion brauchen wir in der Gegenwart des Jahres 2013: so etwas wie ein ‚Post-Science-Fiction‘-Genre.“

„Quasi-realistische Gegenwart“

Dazu zählt Shapiro auch Seibels letzten Thriller „Schwarze Energie“, der am Genfer Kernforschungszentrum CERN spielt. Beide Romane würden mit sehr viel Vorwissen an Themen wie Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft oder Geo-Politik herangehen, zugleich aber auch an die alltäglichen persönlichen Krisen, wie sie das stressige Leben im 21. Jahrhundert mit sich bringt. „Diese Storys sind in einer quasi-realistischen Gegenwärt angesetzt, nicht in einer imaginären oder fantastischen Zukunft. Sie halten sich bei der Beziehung zwischen dem, was ist, und dem was sein könnte, sehr genau an die komplexe Topologie unserer aktuellen Raum-Zeit-Konfiguration“.

„Deutsche Sci-Fi auf Augenhöhe mit US-Meistern“

Raum und Zeit sind natürlich auch davon beeinflusst, dass Seibel in Europa lebt. So spielt „Krieg um den Mond“ nicht nur im Kennedy Space Center von Cape Canaveral, sondern vor allem im hessischen Darmstadt, Sitz des „European Space Operations Centre“ der ESA. „‚The Screw on the Moon‘ zeigt, dass Sci- Fi in deutscher Sprache, angesiedelt im europäischen Sozial- und Technik-Kontext, sich auf Augenhöhe bewegt mit Werken von Berühmtheiten wie Philip K. Dick, Samuel R. Delany, Arhur C. Clarke oder Isaac Asimov“, lobt Shapiro. Außerdem seien die in Seibels Romanen enthaltenen Ideen eine Inspirationsquelle, um neu über die soziale und technologische Gegenwart nachzudenken: „Deswegen war es wichtig für mich, das Buch selbst zu übersetzen – ich habe mich dabei bemüht, eine Balance zwischen meinem American English und dem Flavor des Originals zu finden.“