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E-Book-Flatrate wider Willen: Dresden macht den e-bibo

27 Aug 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

“Wir bieten keine E-Book-Flatrate”, verlautbarte die Stadtbibliothek Dresden kürzlich via Buchreport, und versuchte die aufgebrachte (Verlags-)Branche zu beruhigen. Vorausgegangen waren Berichte, die Dresdener hätten – ähnlich wie die Hamburger Stadtbibliothek – ihr Onleihe-System bundesweit geöffnet. Skandal! Ein kommunales Skoobe für Krethi und Plethi, für zehn Euro pro Jahr! Oder doch nicht!? Tatsächlich steht auch weiterhin in der Nutzungsordnung: “Jede/jeder ist berechtigt … Medien aller Art zu entleihen”, und zwar “persönlich unter Vorlage des Personalausweises der Bundesrepublik Deutschland”. Die Anmeldung kann online geschehen, über ein spezielles “Selbstregistrierungsportal” (das sich allerdings an die “Bewohnerinnen und Bewohner Dresdens” richtet, doch letztlich gilt ja die Benutzerordnung).

Wer die Jahresgebühr von 10 Euro berappt, kann also tatsächlich aus der “e-bibo” an der Elbe E-Books auschecken, auch wenn er in Aachen oder Zittau wohnt. Die Zahl der Titel ist allerdings überschaubar: Knapp 2.300 elektronische Sachbücher stehen zur Verfügung, außerdem etwa 1.100 Romane, darüberhinaus kann man u.a. Hörbücher und ePaper-Ausgaben von einem Dutzend Tages- und Wochenzeitungen downloaden. Die Bibliotheksleitung bleibt derweil bei ihrem Standpunkt, es handele sich nicht um eine bundesweite Ausleihe: “Dazu müssten wir sie bundesweit bewerben, was wir jedoch nicht tun”. Bisher würden ohnehin auch nur 250 Auswärtige das Angebot nutzen – wobei es durch die unfreiwillige Werbung in der Blogosphäre wohl bald ein paar mehr sein dürften.

Fragt sich natürlich auch, was daran eigentlich so schlimm wäre. Im letzten Jahr wurden in Dresden laut Bibliotheks-Statistik mehr als 5,6 Millionen Medien ausgeliehen, darunter machte die Onleihe mit 60.000 Vorgängen gerade mal etwas über ein Prozent aus. Die Zuwachsrate im virtuellen Bereich betrug aber 63 Prozent, bei physischen Ausleihen nur 1,9 Prozent. Kommen nun noch weiter Nutzer von außerhalb hinzu, die nur digital ausleihen, dürfte das für den Kostendeckungsgrad der Bibliothek durchaus von Nutzen sein. Denn ein Großteil der Gebühr wird schließlich in den Betrieb der analogen Einrichtung und die Entlohnung der Bibliothekare gesteckt.

Und letztlich wären mehr Onleihe-Vorgänge wohl auch gar nicht so schlecht für die Bilanz der Verlage – schließlich hat ihnen die Ausleihe von mehr als 5 Millionen physischen Medien durch Dresdner BürgerInnen im vergangenen Jahr wohl ebensowenig geschadet. Warum das bei der zahlenmäßig noch marginalen Onleihe anders sein soll, und das zugleich nur dann, wenn sie von Nicht-Dresdnern wahrgenommen wird, bleibt wohl für immer ein Rätsel aus den Untiefen der Gutenberg-Galaxis. Zumal die Anzahl der maximalen möglichen Ausleihvorgänge ja durch Lizenzen festgelegt ist. Clevere Publisher nutzen die E-Book-Ausleihe (siehe Amazon & Co.) längst aktiv als Promotion-Instrument für Autoren & Verlagsprogramm – ist das denn wirklich so abwegig!?

2 Kommentare »

  • Roland Greubel schrieb:

    Es ist m.E. grundsaetzlich falsch analoge Gegebenheiten in die digitale Welt hinueberretten zu wollen. Eine regionale, irgendwo verortete “e-Bibo” gibt es im Grunde nicht. Dies zeigt das Beispiel Dresden sehr schoen. An welchen Grenzen sollte der Nutzerkreis halt machen – 10, 20, 50 Kilometer um Dresden herum, oder nur Sachsen, oder gleich das Bundesgebiet? Eine einzige eBibliothek wuerde theoretisch ausreichen. Von wo aus und bei welcher Einrichtung ich mich im Netz anmelde ist geographisch gesehen voellig irrelevant.

  • Ben schrieb:

    Eine bundesweite elektronische Staatsbibliothek sollte eine logische Konsequenz sein. Allerdings muss man da zwei Dinge beachten: Zum einen spart jede regionale Bib dadurch Geld, andererseits wird das zu Einkommensverlusten bei Verlagen führen.

    Ich bin der Ansicht, je leichter man an Wissen herankommt, desto besser. Für die Ausschüttung der Einnahmen gibt es ja in der Branche schon einige Vorbilder (s. Skoobe).