„Wir bekämpfen Verlage, nicht Autoren“: Piratenplattform boox.to testet Flattr-Buttons

Fast schon 2 Millionen E-Book-Downloads pro Monat zählt boox.to mittlerweile – und plant bereits den Ausbau der Server. „Die illegalen Downloads sind eine Kampfansage an den bestehenden Buchmarkt“, erklärt der anonyme Betreiber Spiegelbest. Die zumeist mit großem B und drei Sternchen geschriebene Download-Plattform will durch massenhafte Abwerbung der Leser die Buchbranche zu günstigen Flatrate-Angeboten und zum Verzicht auf Kopierschutz zwingen. Doch was wird aus den eigentlichen Literaturproduzenten, solange es kein Spotify für Bücher gibt? „In der Zwischenzeit müssen wir Möglichkeiten finden, die Autoren zu unterstützen“, räumt Spiegelbest ein – und schlägt als Mittel zum Zweck Crowdfunding vor.

Von Piratebay zu Flattr zu Boox.to

Tatsächlich ermöglichen Flattr-Buttons jetzt freiwillige Spenden der Warez-Community an die Urheber. In den Worten von „Spiegelbest“: die „Freeloader“ werden zu „Payloadern“ gemacht. Klingt auf den ersten Blick absurd – doch letztlich geht es ja in der Dankeschön-Ökonomie grundsätzlich darum, für immaterielle Güter zu bezahlen, die kostenlos im Web verfügbar sind. Und ob man es nun gut findet oder nicht: im Netz zirkuliert ohnehin schon (fast) alles in piratisierter Form. Insofern schließt sich mit Flattr-Buttons auf boox.to der Kreis, denn Flattr-Mitgründer Peter Sunde war bei der legendären Plattform Piratebay aktiv, bevor er mit dem Crowdfunding-Netzwerk den Kampf um die Kulturflatrate mit legalen Mitteln weiterführte.

„Bitte denkt an die Autorin und ihre Katzen“

Mit einem kleinen Teaser können die Autoren auf den boox.to-„Artikelseiten“ begründen, warum der kostenlose Download eine Spende wert sein sollte. So schreibt etwa die Indie-Autorin Franziska Hille: „Liebe LeserInnen, denkt bitte auch daran, dass am anderen Ende eures Lesestoffes eine Autorin viel Zeit, Schweiß, Mühe, Tränen und Muskelkater in den Fingern investiert hat. Und dass besagte Autorin sich und ihre Katzen ja von irgendwas ernähren muss. Wenn ihr meine Bücher mögt, dann zeigt mir das bitte.“ Die Resonanz der Autoren blieb bisher jedoch insgesamt eher verhalten – die Suche nach Flattr-Buttons auf boox.to (über die Suchphrase tag:flattr) führt gerade mal auf ein halbes Dutzend Namen (bzw. vier abzüglich eines Pseudonym-Doppels und dem Titel „Interview mit einem Buchpiraten“, das Spiegelbest selbst beigesteuert hat).

Autoren-Promotion mit Kauflinks!?

Ein Grund dafür scheint wohl auch die Reaktion mancher Verlage auf eine weitere Möglichkeit sein, die boox.to den Autoren anbietet – sie können als Promotion-Maßnahme nämlich Kauflinks einbinden, die auf Amazon & Co. führen. Spätestens an dieser Stelle platzte einigen Verlegern die Hutschnur: sie übten Druck aus, um die Verlinkung wieder zu entfernen. Einer Autorin wurde zwischenzeitlich sogar der Verlagsvertrag gekündigt. Für Self-Publisher dürfte die Nutzung der neuen Promotion-Möglichkeiten deutlich einfacher sein – sie können schließlich selbst entscheiden, wie sie ihre E-Books verwerten. Bis hin zur Nutzung von Creative Commons-Lizenzen statt Copyright: in diesem Fall wäre der Download via boox.to sogar vollkommen legal.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „„Wir bekämpfen Verlage, nicht Autoren“: Piratenplattform boox.to testet Flattr-Buttons“

  1. Und wie viel kann man dann pro Flattr für ein geladenes Buch bekommen? Wie ist hier das Verhalten der Leser? Melden sich viele zum Bezahlen an?

    Wenn es die Möglichkeit gäbe, auch beim Bäcker zu flattrn…

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