Wikipedia meets Youtube: Online-Enzyklopädie demnächst mit Video-Beiträgen

wikipedia-meets-youtube-online-enzyklopadie-bald-mit-videosEins hatte Wikipedia bisher noch mit dem Nachschlagewerk im Bücherschrank gemeinsam: auch das Online-Lexikon zum Mitmachen bestand aus Bildern und Texten. Zum echten Web 2.0 gehört jedoch seit längerem die Möglichkeit, Videos in Web-Seiten einzubetten, zu verlinken und zu kommentieren. Wie Technology Review meldet, soll aber Wikipedia in wenigen Monaten in die Welt der bewegten Bilder vorstoßen. Wenn das neue System bereit steht, werden die Artikel der Internet-Enzyklopädie einen zusätzlichen Button haben: „Add Media„. Wer darauf klickt, kann in drei Online-Repositories nach passendem Videomaterial suchen. Das Material lässt sich dann dem Artikel hinzufügen. Insofern sagt Wikipedia nun endgültig der Gutenberg-Galaxis adieu: bisher ließen sich komplette Seiten als E-Book im PDF-Format speichern oder per Print-On-Demand sogar in Papierform bringen. Werden die Lexikonmacher also jetzt zu Video-Jockeys?

Wikipedia auf dem Weg zur „audio-visuellen Repräsentation der Welt“

Was die Benutzerfreundlichkeit angeht, gibt Wikipedia schon mal Entwarnung. Der Umgang mit dem Videomaterial soll ähnlich komfortabel sein wie das Bearbeiten von Texten: schon in der ersten Version werden sich etwa relevante Ausschnitte aus einem längeren Film auswählen lassen, um sie dem Wikipedia-Artikel hinzuzufügen. Alle Bearbeitungstools sind, sobald freigeschaltet, wie gewohnt innerhalb der Wikipedia-Seite zugänglich, eine Schnittsoftware auf dem lokalen Rechner ist unnötig. „Wenn man Videos kommentieren, bearbeiten und verbessern kann, genauso wie man Blog-Einträge bearbeitet, dann ist das schon ziemlich außergewöhnlich“, begeisterte sich Peter Kaufman, leitender Mitarbeiter einer New Yorker Produktionsfirma für Documentaries, gegenüber Technology Review. „Dadurch entsteht eine audio-visuelle Repräsentation unserer Welt, die sehr schnell an die Bedeutung der textbasierten Wikipedia heranreichen wird“.

Filme auf Wikipedia-Seiten könnten populärer werden als bei Youtube&Co.

Man könnte natürlich auch sagen: Wikipedia wird nach und nach eine Art Youtube des Wissens — und dürfte sich damit noch stärker von gedruckten Lexika unterscheiden. Youtube-Filme selbst bleiben jedoch zunächst außen vor. Für den Anfang werden nämlich nur drei Video-Ressourcen zugänglich sein: das Internet Archive, das bereits etwa 200.000 Filme wie etwa Dokumentarfilme, Interviews u.ä. enthält, Wikimedia Commons, ein Dienst, der von der Wikimedia Foundation betrieben wird, sowie Metavid, eine Plattform, die Reden und Anhörungen des US-Kongresses bereithält. Später will Wikipedia den Benutzern ermöglichen, das gesamte Web nach importierbaren Videos zu durchsuchen. Doch werden die großen Content-Provider ihre Clips dafür zur Verfügung stellen? Die Open-Source-Strategen der Online-Enzyklopädie rechnen fest damit: schließlich gibt es keinen besseren Ort als Wikipedia, um im Google Ranking auf dem Siegertreppchen zu stehen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".